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Die Welt · 1906-08-17 · 33 (17.8.1906) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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10 DIEMKE LT No. 3.1 Gegenstand, der den Stempel des Landes trägt, nach Hause zu bringen, wird er auch gerne einen entsprechenden Preis anlegen. 5) Der palästinensische Bauer und seine Familie, die im ganzen Jahre durchschnittlich eine geraume Zeit von ihrer Arbeit frei sind, werden Gelegenheit haben, ihre freie Zeit mit der Hausindustriebeschäftigung auszufüllen, wobei sie auch zu einem nicht geringen Verdienste kommen werden. Dasselbe ist bei den Taglöhnern der Fall. Dadurch wird die Frage: „Wie man jüdische Arbeiter bekommen kann und womit sie ihre freie Zeit vertreiben werden", der Lösung nähergerückt werden. 6. Die hiesigen Bewohner und namentlich die Frauen besitzen die gute Eigenschaft, ihre Arbeit lieber in ihrem eigenen Hause, als an anderen Orten verrichten zu wollen. Das Komitee des „Bezalel" erhofft durch die Verbreitung der Hausindustrie in Palästina, auch den Zustand der ackerbautreibenden Bevölkerung zu heben und zu bessern. Denn die Hausindustrie wird dem Bauer helfen, sich seinen Lebensunterhalt zu erleichtern, wenn er auch noch so wenig Land besitzt. So werden Ackerbau und Hausindustrie ihren Segen über das Land verbreiten und einander unterstützen. Man darf es schließlich nicht unterlassen, auf die bedeutende moralische Wirkung hinzuweisen, welche durch die Hausindustrie auf die Bevölkerung ausgeübt wird. Sie wird nicht nur Brot geben, sondern auch den allgemeinen Geschmack veredeln, für die Schönheit empfänglich werden und (weil bei der korporativen Arbeit keine Konkurrenz existiert) die Herzen einander nähern, das Vertrauen auf der Hände Arbeit stärken (durch kollektive Versicherung u. dgl.) und ihr endlich das stolze Bewußtsein einflößen, das Zentrum und den besten Kern der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu bilden. Unser Institut ist nicht auf Almosen gegründet, sondern auf Selbsthilfe jedes einzelnen errichtet. Es wird eine Zeit kommen, wo die Arbeiter, die den Namen „Handwerker des Bezalel" tragen, mit den Schulen des „Bezalel", seinen Bureaus und Handelshäusern zu einem großen Verbände sich vereinigen werden, so daß, sobald die natürliche Ansiedelung in Palästina anfangen wird, die Bewohner ihre Verwandten, Freunde und Bekannte hierher bringen und deren Situation auf festem Boden begründen können, wie es oft bei den Juden in Amerika der Fall ist. Wenn unser Werk weiter fortschreitet und sich verbreitet, werden die Zinsen, welche die Arbeiten für die Gesellschaft abwerfen, für den Unterhalt der Schule genügen. Für den ersten Anfang aber sah man sich gezwungen, Unterstützung zu verlangen, da wir kein natürliches Volksleben haben und keine Regierung besitzen, die Institute, wie das unsrige, subventioniert. Damit nun das Bezalelkomitee nicht den Charakter einer Partei trage oder die besonderen Bestrebungen und die Sprache jenes Landes teile, wo man das Institut unterstützt, beschloß man, das Komitee aus den Vorstehern der größten jüdischen Vereine zusammenzusetzen. Es gelang uns bis jetzt schon die folgenden Korporationen für unser Werk zu gewinnen: Zionisten-Kongreß, „Hilfsverein der deutschen Juden", „Esra", und „Bnei-Brith". Wir hoffen, daß es uns in kurzer Zeit glücken wird, weitere und erfreuliche Resultate aufweisen zu können, daß, wie wir wünschen, die Brücke errichtet werden wird, welche alle jüdische Vereine und Organisationen zu einem Ziele, zur sozialen Arbeit in Palästina .und zur Verbreitung der hebräischen Sprache, vereinigen wird. III. Programm der Schule Die Kunstgewerbeschule „Bezalel" ist vor fünf Monaten (am 1. März 1906) eröffnet worden, und trotz ihrer winzigen Mittel (40 000 Mk. für 3 Jahre) hat die Schule sehr erfreuliche Resultate aufzuweisen. 1. I. Klasse. Daselbst befinden sich zehn Schüler, die unsere zukünftigen Lehrer und Musterzeichner abgeben werden. Die meisten unter ihnen haben schon die Bildung einer Kunstmittelschule genossen. Sie lernen bei mir jetzt das zweite Semester und machten bedeutende und wesentliche Fortschritte; sie zeichnen halbe Körper nach der Natur, und auch bei der Bildhauerei bedienen sie sich lebender Modelle, malen Blumen nach der Natur mit einem sehr feinen und gewählten Geschmack, sie komponieren stilisierte Zeichnungen und sind immer bemüht, diesen einen speziellen jüdischen, palästinensischen Charakter zu verleihen. Für diesen Zweck benutzen wir verschiedene palästinensische Tiere, Vögel- und Insekten- Kollektionen, wie auch die alten Sammlungen, die im Museum des Bezalel aufbewahrt sind und die sehr vierfür die Entwicklung des palästinensischen Stils beitragen werden. Die palästinensische Judenschaft schenkt dem Museum mit Freuden jede Antiquität, die sich irgendwo vorfindet, wodurch sie ihrer völligen Sympathie zu unserem Institute und ihrer bereitwilligen Förderung desselben Ausdruck verleiht. Wir haben bereits das Stilisieren der hebräischen Buchstaben angefangen, und es gelang uns schon damit schöm Ornamente zusammenzusetzen und den alten Buchstaben auch eine moderne Gestalt zu verleihen. Alle diese neuen Zeichnungen über geben wir sogleich der Teppichknüpferei-Abteilung. Der Grundst!' wird einen bedeutenden Platz in unserem Werke einnehmen. Hierauf dem Platze, wie auch im Auslande besitzen die Arbeiten, di sich durch einen besonders feinen Stil auszeichnen, einen sehr hohen Wert. Es hat sich sogar ein sehr großes und bedeutendes Handels haus in England an uns mit dem Ersuchen gewendet, daß wir ihm den Alleinverkauf unserer Teppiche für England und Irland übertragen sollen. Ein solches Handelshaus allein kann Tausendi Familien mit Brot versorgen. Dies hat mir die Praxis bewiesen. 2. Präparan die. Daselbst erhalten acht Jerusalemer Schüler, die gutes Talent besitzen, Unterricht im Zeichnen, und ich kann mit Recht behaupten, daß nur der „Bezalel" ihr Talent aus dem Schlafe und der Lethargie, womit sie ihr Leben in der Jeschiba zubrachten, gerettet und es in die richtigen Bahnen gelenkt hat, nachdem sie sich früher begnügen mußten, ihre Begabung dadurch zu betätigen, daß sie auf den Umschlägen der Gemaroth manches zeichneten und mit einem Federmesser verschiedenes in Holz und Stein schnitzten. 3. Gipsgieß er ei-Abteilung. Alle Schüler lernen daselbst ihre Arbeiten, die sie in der Bildhauerei-Abteilung verfertigen, in Gips umzugießen; außerdem erlernen sechs Schüler die Gipsgießerei als spezielles Handwerk, wobei sie auch im Zeichnen unterrichtet werden. Einer dieser Schüler, der diese Arbeit bei uns erlernt und die Schule bereits verlassen hat, eröffnete selbst hier eine Gipsgießerei, wo er Reliefbilder von Ansichten des heiligen Landes und Typen desselben nach den Modellen, die unsere Schüler verfertigen, in Gips gießt. Diese erfreuliche Tatsache, daß der „Bezalel" in so einer kurzen Zeit einem Manne die Möglichkeit gab, sich von seiner Hände Arbeit in einem ganz neuen Fache zu ernähren, wozu bisher im Lande alle Gelegenheit fehlte, bezeugt die gute Wirkung unseres Institutes. 4. Abendschule. 25 Schüler, die meisten Handwerker, erhalten Zeichenunterricht, der ihnen unentbehrlich ist. Hier trifft man einen bejahrten Vater neben seinem jungen Sohne sitzend, beide in ihren Kenntnissen wetteifernd. Hier ist der Ort. wo man bedeutende Begabungen entdecken kann, von denen man früher keine Kenntnis hatte. 5. Teppich-Abteilung. An diese schließen sich eine Färberei und eine Spinnerei. Daselbst befinden sich 45 Schülerinnen. 400 FrauenT Witwen, Verlassene, Waisen und Kinder von armen Eltern haben sich während zwei Wochen, ohne irgend welchen Antrieb unserseits, ohne ein Annoncieren (das wir der Regierung halber unterlassen müssen) für diese Arbeit gemeldet. 355 mußten wir leider wegen Raum und Mangel an den nötigen Mitteln abweisen, wobei das Weinen und Klagen der armen Bittenden kein Ende nehmen wollte. Die Teppich-Abteilung ist erst seit drei Monaten (am 14. Mai 1906) eröffnet worden. Auch diese hat große und bedeutende Fortschritte gemacht, die wir gar nicht erwartet haben. Die Schülerinnen, die nicht gewohnt waren, einen Stift in der Hand zu halten, kopieren schon die Zeichnungen, die sie für ihre Arbeit nötig haben, und diejenigen, die mehr begabt sind, helfen den Schülern bei der Vorbereitung der gemalten Muster. Alle Schülerinnen erfüllen ihre Arbeit mit der größten Freude und Liebe, und es gelang schon beinahe einem jeden, einen kleinen Teppich nach der persisch-technischen Art zu verfertigen. Sie lernen auch die Spinnerei, und künftighin wird man jene Frauen, die die Teppichknüpferei nicht erlernen können, speziell die Spinnerei lehren. Dann wird man ihnen ein Spinnrad nach Hause geben, dessen Preis sie ratenweise auszuzahlen haben. Dort werden sie gesponnene Wolle für die Teppiche vorbereiten, wodurch sie ihr Brot verdienen werden. Mit dieser Arbeit können sich die ältesten und schwächsten Frauen beschäftigen. 6. Hebräischer Sprachkurs. Hier lernen Schüler und Schülerinnen in einer Art, daß wir hoffen, daß im „Bezalel" nicht nur ein Geist, das Streben nach einem Ziel, sondern auch eine Sprache vorherrschen wird, unsere hebräische Sprache! Denn nur auf diese Weise ist es möglich, unsere Schüler und Schülerinnen, die aus allen Gemeinden, Aschkenazini, Sephardim, Bucharier, Jemeniter, Perser, Gruziner, Marokkaner usw. angehören, gemeinsam zu unterrichten. Die Sympathie aller Einwohner von Jerusalem ist auf unserer Seite und „Bezalel" ist die einzige Unterrichtsanstalt, die nicht mit dem „Banne" belegt ist. Den im „Bezalel" studierenden jungen Leuten raubt man nicht die Chaluka, wie das gewöhnlich bei dem Besuch aller übrigen Schulen der Fall ist, obwohl man genau weiß, daß wir bei der Bildermalerei und im Modellierzimmer auch Figuren nach lebendigen Modellen machen. Alte Rabbiner besuchen unsere Anstalt und wünschen unserem Unternehmen bestes Ge-

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