Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 33 DIE] ganz in demselben Sinne, wie wir sie heute fördern, vorhanden waren und stark zum Ausdruck kamen. Hier sollte nur gezeigt werden, daß diese Arbeiten nicht erst eine ungewollte Folge neuer konkurrierender Strömungen sind. Es ist darum aus dem obigen Material auch alles Nichtdazugehörige herausgestrichen worden und die Opposition gegen den einen oder anderen Vorschlag nicht registriert. Es wird nicht bestritten, daß all diese Wünsche Opposition fanden. Nie aber ist diese damit begründet worden: Palästina wird wertvoller durch jede Arbeit im Lande, die darum zu unterbleiben hat! Daß dies auch nicht die Auffassung Herzls und der Wiener Leitung war, geht wohl auch deutlich aus den oben beigebrachten Belegen, insbesondere aus der „Welt" hervor. Die Nichtausführung von Beschlüssen nach dieser Richtung beweist nichts. Sind doch auch Beschlüsse praktischer Palästinaarbeit, für die Herzl selbst sich eingesetzt, bis heute nicht ausgeführt. Man wolle nur den Bericht der letzten A.-K.-Sitzung unter [Herzls Leitung nachlesen. Es heißt da (Welt 1904 Nr. 17 S. 3): ZELT — 9 „Dr. Herzl empfiehlt den Vorschlag, ein Siedlungsgut nach den Anregungen Dr. Oppenheimers zu scharfen, aufs wärmste, weil es für uns ein sehr wichtiges Experiment sein wird für die spätere Großkolonisation. Das Siedlungsgut hat für uns denselben Wert wie eine landwirtschaftliche Versuchsstation. . . . Dr. Klee schließt sich diesen Ausführungen an." Vorher schon sprach sich in ähnlichem Sinne Dr. Alexander Marmorek, dann noch Dr. Jacobsohn und Dr. Friedemann aus. — Das war April 1904. Und heute? Heute wollen manche auch von dem Siedlungsprojekt nichts mehr wissen und glauben damit besonders „politisch" zu handeln, als ob „politisch" ein Gegensatz zu aller praktischen und wirtschaftlichen Arbeit wäre. Eine solche „Politik" erinnert an den pietistisch-quietistischen Messianismus. PROFESSOR BORIS SCHATZ UBER DEN „BEZALEL" Einige Worte über die häusliche Kunstindustrie Bei allen Vervollkommnungen der Herstellung von Waren auf dem Wege der Fabrikation durch Maschinen blüht noch in allen Ländern die ländliche Hausindustrie, die die Maschine weder verdrängen konnte noch verdrängen wird. Sie wird bleiben: 1. dank dem Stoffe, aus welchem die Gegenstände gemacht werden und 2. dank der Art und Weise der Herstellung. Bekanntlich gibt es viele Stoffe, die sich nicht so leicht mit Maschinen bearbeiten lassen, wie z. B. Steine, Holz, Perlmutter u. a. Darum ist es auch bisher der Maschine noch nicht gelungen, das schweizerische und holländische Holzgewerbe und die italienische Bearbeitung des Marmors zu vernichten, ebensowenig wie sie die persische und smyrnensische Teppichknüpferei und noch andere Kunstgewerbe, die in der ganzen Welt existieren, verdrängen konnte. Wenn nämlich die Erzeugung auf maschinellem Wege eine lohnende sein soll, so muß die Maschine viele Zehntausende von Stücken herstellen, während bei der Hausindustrie die Produkte darum wertvoll sind, weil sie sich durch Vielgestaltigkeit und individuellen Charakter auszeichnen. Um nun die häusliche Kunstindustrie zu entwickeln und zu erhalten, errichteten alle zivlisierten Länder dekorative Schulen für Werkmeister, Museen, Abend-Zeichenkurse für Arbeiter. Ganz besonders bestreben sich diejenigen Länder, die häusliche Industrie zu fördern, die an Bodenmangel leiden oder unfruchtbor sind; denn zusammen mit dem häuslichen Kunstgewerbe kann der Bauer existieren, wenn sein Landtteil noch so klein und gering oder nicht besonders fruchtbar ist. „Bezalel" I. Unser Komitee „Bezalel" stellte sich nun zur Aufgabe, die erwähnte Haus- und Handindustrie in Palästina zu verbreiten, um dadurch dem jungen gesunden Elemente der Bevölkerung die Möglichkeit zu bietend im Lande zu verbleiben und neue Einwanderer ansiedeln zu können. Um sich den Erfolg zu sichern, beschloß unser Komitee, 1. auf die moderne Art und Weise des Unterrichtes, 2. die neueste Art der Herstellung und 3. auf den Vertrieb seine Aufmerksamkeit ai richten, das letztere namentlich deshalb, damit man vor diebischen Vermittlern, wie sie Bulgarien und Damaskus kennen, gesichert sein soll. 1. Art und Weise des Unterrichtes Das Komitee errichtete: a) eine dekorative Kunstschule zur Vorbereitung von Fachlehrern und Musterzeichnern. Zu diesem Zwecke veranstaltete das Komitee einen Konkurs für eine beschränkte Zahl ganz besonders talentierter Schüler, denen man eine europäische Kunstbildung angedeihen lassen will. h) Abendkurse im Zeichnen für Arbeiter, wo sie im Zeichnen soweit gebracht werden sollen, daß sie auch nach Kunstmodellen arbeiten können. ci Ateliers mit allen kunstgewerblichen Spezialitäten. II. Die Art und Weise des Gewerbebetriebs Damit die „Arbeiter des Bezalel" imstande seien, die Konkurrenz auf dem europäischen Markte zu bestehen, müssen sie sich 1. die Art und Weise des europäischen Gewerbebetriebes zunutze machen, d. h. sie müssen die Einteilung der Arbeit lernen, durch die der Handwerker sich in kurzer Zeit in seinem Fache vollständig ausbilden kann; 2. muß der Handwerker lernen, sich einfacher Arbeitsgeräte zu bedienen, damit er nicht gezwungen sein muß, mit teueren Geräten zu arbeiten und große besondere Räume zu benutzen. III. Der Warenverkauf Damit das Komitee versichert sein kann, daß die Ware kaufkräftig sei, muß es danach streben: 1. Das Rohmaterial in großer Quantität für einen möglichst billigen Preis einzukaufen und darauf Gewicht zu legen, daß es auch, soweit als möglich, eine gute Qualität erhalte. 2. Die fertige Ware an bedeutende Handelshäuser in großer Quantität in den Orten, wo diese viel gesucht wird, zu verkaufen, damit der Export möglichst billig zu stehen komme. 3. Der Gesellschaft einen guten Ruf zu erwerben, daß die Käufer auf die gute Qualität der Ware sich verlassen können. Unsere Nationalbank und die Hamburger Palästina-Handelsgesellschaft haben dem Komitee „Bezalel" versprochen: 1. ihm eine Anleihe zu gewähren; 2. in Geschäftsangelegenheiten als unsere Vermittler zu fungieren und uns das Rohmaterial in der nötigen Quantität und mit guter Qualität usw. zu verschaffen; 3) für unsere Ware einen kaufkräftigen Markt zu erlangen. Die Bezalelschule verpflichtet sich, alle Gewerbsbetriebe unter ihre Aufsicht zu stellen, deren Produkte mit ihrem Siegel zu versehen, um damit ihren Käufern für die Güte der Ware zu bürgen und den Produkten des „Bezalel" ein besseres Renommee zu erwerben, als es diejenigen von Damaskus, Smyrna und Persien genießen, weil deren Kunden vor Nachahmung und Fälschung zu fürchten haben. Durch solche verständnisvolle und gründliche Leitung des Geschäftes wird es auch erreicht werden, daß dem Arbeiter für seine Arbeit der höchstmögliche Lohn wird bezahlt werden können. Das Komitee des „Bezalel" hat aus den folgenden Ursachen gerade Palästina für seinen Wirkungskreis gewählt: 1. In Palästina kann sich der Handwerker für seinen Lebensunterhalt mit einem viel kleineren Arbeitslohn als in anderen Ländern begnügen. 2. Die Importkosten des Rohmaterials sind hier verhältnismäßig keine großen und der Zoll dafür (80/()) ist auch nicht bedeutend; außerdem gibt es hierselbst an Ort und Stelle gutes und ausgezeichnetes Rohmaterial in großer Quantität, wie z. B. weißen, rötlichen und schwarzen Marmor und Wolle, die für die Teppiche nötig ist. 3. Palästina wird von allen Nationalitäten verehrt und heilig gehalten, was uns zu großen Hoffnungen berechtigt, daß die Produkte dieses Landes leicht zum Verkauf gelangen werden und vielfach namentlich auch als Zierde für die jüdischen und christlichen Bethäuser werden verwendet werden. 4. Palästina wird von Tausenden und Zehntausenden Touristen besucht. Nach der Ansicht sachverständiger Personen (Dr. Benziger und anderen) wird Palästina künftighin die reichsten Reisende der ganzen Welt anziehen und da jedweder wünscht, als Andenken vom heiligen Lande, einen geschmackvollen und künstlerischen