Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ziehen will. Ihre Staatsmänner werden hoffentlich zu der Einsicht gelangen, daß sie es am ehesten und besten erreichen können, wenn sie die Hebung des Ackerbaues, der Industrie, des Handwerks und des Handels in jüdische Hände legen werden. Dieses würde am besten geschehen können, wenn die Türkei einen gewissen Teil ihrer Staatsländereien unserem Trust abtritt, um ihn in stand zu setzen, Bahnen zu bauen, Bergwerksdistrikte zu erschließen und überhaupt eine kapitalkräftige Zuwanderung zu bewirken. Es hätte im Anfang genügt, wenn sie die jüdische Kulturfähigkeit und Ergebenheit mit der Erteilung irgend welcher speziellen Konzession erprobt hätte. Da es dem Lande sehr an Verkehrsmitteln gebricht, so wäre es von großem Vorteile, wenn sie unserer Kolonialgesellschaft eine Eisenbahnkonzession erteilen würde. Es wäre für die Türkei von großem ökonomischem Vorteile, wenn sie unserem Trust Land zu beiden Seiten des Bahnweges abtreten würde, wie es in Canada mit der Pacific Railroad Company der Fall ist. . . ." „. . . . Mit welcher Arbeit wir (i. e. die Kolonialbank) in Palästina beginnen, ob wir die unbebauten brauchbaren Landflächen in Angriff nehmen oder uns um irgendwelche technische oder gewerbliche Konzessionen bewerben werden, darüber sind wir uns jetzt noch nicht klar. Eines steht fest, daß wir zur praktischen Arbeit auf diesem Gebiete in nächster Zeit übergehen müssen. Aber mit welchen Arbeiten auch immer unser Trust vorgehen wird, soll er unsere jüdischen Arbeiter, die Pioniere der jüdischen Sache, fruchtbringend verwenden. Es ist ja himmelschreiend, daß diese tüchtigen, ackerbaufleißigen, wackeren Arbeiter in die Notwendigkeit versetzt sind, die Heimat zu verlassen, um anderswo günstigere Verhältnisse aufzusuchen. Dieser Teil unserer Volkskraft muß dem Lande erhalten bleiben. Das ist auch Pflicht der Zionisten. Wir Zionisten haben uns nur gegen Kleinkolonisation und kolonisatorischen Schmuggel in Palästina gesträubt, nie aber gegen die Besiedelung der im Lande vorhandenen Elemente. Ist ja auch das ein Beschluß des zweiten Baseler Kongresses „.....Der Trust soll aber die im gegebenen Momente notwendige Bahn einschlagen, um auf die wirtschaftlichen, kulturellen und nationalen Verhätnisse in Palästina einzuwirken. Er muß entweder die Kolonisation en gros ermöglichen, oder irgend welche Konzession, vom jüdisch-nationalen Standpunkt wertvolle, erwirken....." Auf diesem Kongreß beteiligte sich auch Dr. Herzl an der Debatte. Er sagte u. a.: „Herr Dr. Joffe hat im Namen des Kolonisationsausschusses eine Resolution dahin lautend vorgetragen, „der Kongreß möge den Wunsch aussprechen, man möchte sich in bezug auf die Kolonisation in der bisherigen Richtung weiterbewegen, nämlich vor allem die in Palästina bereits Ansässigen mit der Agrikultur beschäftigen, in Sonderheit jene Juden, die bereits türkische Untertanen sind und jetzt ohne jegliche Arbeit darstehen". Im selben Jahre (1900) beschäftigte sich das offizielle Organ, die „Welt" mehrfach mit der Frage der praktischen Arbeit. Das offizielle Beiblatt: „Mitteilungen des Aktionskomitees" Nr. 42 enthält einen Aufruf, betreffend die palästinensischen Arbeiter. Es heißt da: „Wir haben auf eine Petition der Arbeiter geantwortet, daß es eine der ersten Aufgaben der Bank sein wird, sobald sie in die Lage kommt, ihre Geschäfte zu beginnen, diesen Pionieren und Märtyrern unserer Bewegung Arbeit zu verschaffen. Gesinnungsgenossen! Sehet dazu, daß die Bank sobald als möglich mit diesem nicht mehr aufzuschiebenden Werke beginnen kann. . . . Wir hoffen, daß es . . . gelingen werde, in wenigen Wochen die Bank aktionsfähig zu machen, damit sie den ersten Schritt ihrer Tätigkeit in Palästina machen kann." In Nr. 43 findet sich ein leitender Artikel „Für die Arbeiter in Palästina". Er enthält dieselben Gedanken wie der Aufruf in Nr. 42. Ein Artikel: „Die technische Erschließung Palästinas" regt industrielle Unternehmungen aller Art für die bald beginnende Tätigkeit der Kolonialbank an. Diskussion hierüber in Nr. 44—49 und 51—52. In den „Mitteilungen des Aktionskomitees" wird der Aufruf aus Nr. 42 erläutert. In Nr. 45 findet sich abermals an leitender Stelle ein Aufruf: „Fabrikanten, Gewerbetreibende, Techniker! Um den 400 beschäftigungslosen jüdischen Arbeitern in Palästina Brot und Arbeit zu verschaffen, ist die Begründung industrieller und gewerblicher Unternehmungen in Palästina (fabriksmäßiger und Hausbetrieb) geplant ... (Es folgen nähere Angaben. Zum Schluß wird Kredit und Subvention in Aussicht gestellt) . . . Alle näheren Auskünfte erteilt das Sekretariat des Kongreßbureaus." An anderer Stelle des Blattes wird darauf hingewiesen, daß man aus diesem Aufruf am besten ersehen kann, „daß die Frage der technischen Erschließung Palästinas für uns Zionisten heute schon aktuell geworden ist." Es wird auf die bevorstehende Gründung einer „Gesellschaft der zionistischen Techniker" hingewiesen. Nr. 46 der „Welt" wiederholt den Aufruf und berichtet von der ersten Sitzung des vorbereitenden Komitees des „Vereins für technische Studien in Palästina", der u. a. Dr. Herzl beiwohnte. Nr. 5 der „Welt" vom Jahre 1906 berichtet sodann von de; Genehmigung der Statuten des „Vereins für technische Studien in Palästina". Auch auf dem fünften Kongreß wurde die Frage lebhaft debattiert. Dr. Frank-Hamburg sagte damals u. a.: „Der Kolonisationsausschuß, der größtenteils aus Männern besteht, die Palästina persönlich kennen gelernt haben, ist fest überzeugt, welche agitatorische Kraft die Berücksichtigung der Kolonisation besitze und wie populär diese im Gegensatze zur Errichtung von Toyubeehallen und ähnlichen Instituten sei, die woh; in beschränktem Maße geeignet seien, Freunde für die zionistische Sache namentlich in Westeuropa zu gewinnen, jedoch im großen ganzen die Kraft zersplittern. Um aber diesen Dingen einen erhöhten Nachdruck zu verleihen und zu gleicher Zeit sich reelle Mittel zu verschaffen, erlaubt sie! der Kolonisationsausschuß — wenn er auch überzeugt ist, daß das große Aktionskomitee diese Kardinalfrage nicht außer acht gelassen hat, noch außer acht lassen wird — dem Kongresse folgenden Antrag vorzulegen. Er lautet: „Der Kongreß wolle erklären, daß die palästinensische Kolonisations- und Landfrage energischer als bis jetzt gepflegt werde. Der Kongreß möge zu diesem Zwecke für die Arbeiten diesem Komitees einen entsprechenden Betrag anweisen. Der Kolonisations ausschuß schlägt als entsprechenden Betrag zunächst die Summe von 5000 Francs vor, welche je nach Bedarf dem ständigen Koloni sationskomitee für Spesen etc. zur Verfügung zu stellen sind." Es erscheint Ihnen vielleicht überflüssig, wenn der Ausschuß Sie bittet, ausdrücklich die Kolonisations- und Landfrage Palästinas zu betonen. Denn alle Bestrebungen, die von Zionisten für die zionistische Sache bisher bezeichnet sind, tragen diesen Charakter Aber der Ausschuß legt ganz besonders Gewicht darauf, Palästina im engeren Sinne als dasjenige Land zu bezeichnen, in dem die öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte zu errichten sei....." Fernere Anträge des Ausschusses: II. Der Kongreß möge das ständige Kolonisationskomitee so zusammensetzen, daß es in einem Ort arbeitsfähig sei, wenn e? auch an anderen Orten Mitglieder habe, ähnlich der Zusammen Setzung und Arbeitsweise des kleinen und großen A.-K. Die Mit glieder dieses Kolonisationskomitees, die sich für die Wahl eine; Ortes zu entscheiden haben, sollen von dem PermanenzausschuL vorgeschlagen werden. HI. Der Kongreß möge beschließen, 100 000 Francs zu den Zwecke der bereits auf dem vorigen Kongreß angeregten Etablierune der in Palästina ansässigen jüdischen Arbeiter zu gewähren, um; zwar in Verbindung mit einer Summe von 10 000 Francs, die zu diesem Zwecke in Odessa zur Verfügung bereit liegt. IV. Die Kolonialbank möge die Gründung von Importuno Exportunternehmungen in Palästina in finanziell einwandsfreier Weisermöglichen, respektive bestehende finanziell stärken. (Diese vier Anträge werden zur Berücksichtigung bezw. von A.-K. zur Ausführung „nach Maßgabe der Möglichkeit" übernommen Vgl. Erklärung Dr. Herzls, S. 431.) Im Februar 1902 ließ das Aktionskomitee eine Speziai numrner der „Welt" erscheinen. Das Heft enthält fast ausschließlich Palästinaartikel, und zwar vor allem Hinweise auf praktische Arbeits möglichkeiten in Palästina, Anregungen zur wirtschaftlichen Er Schließung Palästinas, wissenschaftliche Darstellungen, aus dene1 hervorgeht, „daß Palästina eine Unmenge von wirtschaftlichen Keimen enthält, die zur Entwicklung gelangen könnten. Wird egeschehen? — Falls das jüdische Volk ernstlich will, unbedingt um auch bald. Denn hierzu brauchen wir nicht erst von den europäische; Mächten autorisiert zu werden./... Ist das jüdische Volk würdip so kann es sofort beginnen, aber nicht mit kostspieligen Versuche: im großen, sondern wie es sich für Ritter des Geistes ziemt, mi wohldurchdachten Experimenten im kleinen..... Jetzt, wo die bisherige Kolonisationsarbeit in Palästina, die Gründung neue Ackerbaukolonien, zu einem Stillstande gelangt ist, wo demnac! die Kolonisationsgesellschaften eine freie Bahn vor sich sehen, \v< ferner der Zionismus beginnt, sich intensiv mit der wirtschaftliche; Entwicklung Palästinas zu beschäftigen, jetzt oder nie ist die Ze; gekommen, durch vereinte Arbeit diese (landwirtschaftliche) Versuchs Station in Palästina, dieses Fundament künftiger besserer Wirtschaft licher Entwicklung ins Leben zu rufen. Hic Rhodus, hic salta!" (S.21 Im vorstehenden handelte es sich uns weniger darum, historische; Material dafür beizubringen, daß das Wiener Aktions-Komitee du praktische Arbeit in Palästina fördern wollte, sondern vielmehr darum darzutun, daß überhaupt auf Palästinaarbeit gerichtete Strebungei