Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 32 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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18 DIE-^KE'LT No. 32 auf dem Buche. Und er erhob sich und nahm das Buch und machte sich auf, nach der Wallachei zu fliehen. Als Rabbi David auf seinem Wege nach Miedzyborz kam, hieß ihn der Baalschem bei ihm bleiben, bis er ihn entlassen würde. Und er blieb beim Baalschem. Und dieser sprach zu ihm: „Die Heiligen werden errettet werden" und wiederholte es Mal für Mal. Aber am Vorabend des Sabbat kam ein Brief zu Rabbi David; darin stand, wie sie gepeinigt worden waren mit allen Arten von Todespein, und wie sie in Qualen und großer Freüde dahingegangen waren zur Heiligung des Namens. Als der Baalschem den Brief gelesen hatte, ging er Mincha beten und zitterte, und wer ihn ansah, mußte zittern. Und einer sprach zum anderen: „Wenn erst die Stunde kommt, den Sabbat zu empfangen, wird die Freude gewiß zu ihm heimkehren. Denn was immer ihm je wiederfuhr, noch nie hat er den Sabbat ohne Freude empfangen." Aber die Stunde kam, und der Baalschem empfing den Sabbat in großem Zittern und hielt den Becher in einer zitternden Hand. Und sogleich ging er von dannen in die Stube, in der er zu schlafen pflegte, und legte sich auf die Erde, das Gesicht zum Boden und die Arme von sich gestreckt, und lag so eine lange Zeit. Und da das Hausgesind und die Gäste auf ihn warteten, kam sein Weib in die Stube und sprach: „Die Lichter werden schon ausgehen." Er sprach: „Laß die Lichter ausgehen und schicke die Gäste heim." So ging sie, er aber lag immer noch auf der Erde. Aber Rabbi David konnte es nicht länger ertragen, denn sein Herz brannte. Und er ging zu der Stube des Baalschem und lauschte, aber es war sehr still in der Stube. Und er ging an die Tür und sah durch eine Spalte der Tür und schaute in das Dunkel. So stand er und stand bis zur Mitternacht. Da kam ein großer Lichtschein in die Stube. Und der Baalschem rief: „Gesegnet sei der da kommt, Rabbi Akiba!'* Und jeden der Heiligen grüßte er bei seinem Namen und rief: „Gesegnet sei, der da kommt!" Sodann sprach er zu ihnen: „Ich verhänge es über euch, daß ihr Rache nehmet an den Widersachern. An dem Senator, der euch foltern ließ. An den Knechten, deren Hand bereit war zu eurer Qual. An dem Volke, dessen Mund jauchzt vor eurem Leide." Da tönte durch den Raum ein dunkler Chor und war doch wie Eine Stimme, die sprach: Wir bitten Dich, daß dieses Wort nicht noch einmal von Deinen Lippen gehe." Er aber wiederholte: „Ich verhänge es über euch". Und wieder sprachen die Heiligen: „Wir haben unsern Tod gern gelitten!" Aber der Baalschem stand mitten im Lichte wie eine rote Flamme und schrie, und sein Wort war wie das Rauschen gewaltiger Flügel: „Für das Schlagen und Stechen, für das langsame Morden, für die Schändung durch ihre Hände, für den Stoß ihrer Füße, für das Ducken und Erniedrigen, für das Spotten und Spielen, für die Knechtschaft der Jahrhunderte, für die Not des Schlechtwerdens nehmet Rache". Da war eine Bangigkeit und ein Beben in der Ghoresstimme, als sie sprach: „Wir bitten dich, daß das Wort des Verhängens nicht zum dritten Mal von deinen Lippen gehe. Denn du sollst wissen, daß du an diesem Abend den Sabbat der Welten gestört hast. Siehe, es ward ein großes Gewirr und wir wußten nicht, was das sei. Und wir stiegen zu höheren Kreisen auf und auch da war das Gewirr und wir wußten nicht es zu deuten. Und als wir zu einem gar hohen Kreise kamen, wurde zu uns gesprochen: „Gehet eilig hinab, machet still die Tränen des Rabbi Israel Baalschem." So wollen wir es dir denn erzählen. Du sollst wissen:', alle Schmerzen, die ein Mensch leidet in seinem Leben, sind ein leichter Tand gegen die Schmerzen, die wir gelitten haben zur Heiligung des Namens, gesegnet sei er. Und der böse Trieb kam über uns und wollte unsern Sinn beugen, und wir stießen ihn mit beiden Händen hinweg. Aber es gelang ihm, mit einer Fingerspitze einen Gedanken in uns zu berühren, und er machte ein Zeichen an dem Gedanken. Um dieses Dfnges willen ward uns bestimmt, für einen Augenblick in das Tal Hinom zn kommen und einen Augenblick lang die Not der Welt zu leiden. Und alle Schmerzen, die wir gelitten hatten, erloschen und waren wie leichter Tand vor diesem Leide. Und als wir in den Garten Eden kamen, sprachen wir: „Wir wollen Rache nehmen für die Knechtschaft der Jahrhunderte, für die Not des Schlechtwerdens, die dem bösen Triebe Macht gegeben hat, unsere Gedanken zu berühren. Für den Raum, in dem wir gewohnt haben, für die Luft, die wir eingeatmet haben, für den gestörten und entweihten Gottesdienst unseres Lebens wollen wir Rache nehmen." Da wurde uns geantwortet: „Wollt ihr Rache nehmen, so müsset ihr in neue Körper eingehen und auf die Erde zurückkehren und noch einmal als Menschen ein Leben zu Erde leben." Wir aber sprachen: „Wir loben dem Herrn, gesegnet sei er, und danken ihm, daß wir bestanden haben zur Heiligung seines Namens, und einen Augenblick lang das große Leid im Tale Hinom gelitten haben. Heute aber sollen wir auf die Erde zurückkehren, wo wir keinen Raum haben, dem Herrn zu jubeln, und wo wir eine Luft atmen, die nicht des Herrn ist, so kann es fürwahr geschehen, daß wir schlechter werden und die Macht des Bösen erhöht wird. Wir wollen nicht zurückkehren." Also sprachen wir. Und so bitten wir dich, daß das Wort des Verhängens nicht zum dritten Mal von deinen Lippen gehe." Dann schwieg der Baalschem und sprach kein Wort. Und der Lichtschein schwand aus der Stube und das Dunkel erfüllte sie. Aber der Baalschem lag auf der Erde wie eine rote Flamme. — Rabbi David von Koraczow aber hat sein Buch, nicht vollendet. Ja, es weiß kein Mensch, was daraus geworden ist o o o o o o| lo o o o o o o jj AUS DER BEWEGUNG England London. (Mitteilung des Exekutivkomitees der „English Zionist Federation".) An der letzten Sitzung des Exekutivkomitees der English Zionist Federation nahmen teil: Sir Francis Montefiore als Vorsitzender, Mr. L. J. Greenberg als Ehrensekretär, ferner die Herren Cowen, Nathan, Ginsburg, Goldbloom, Shire, Bentwich, Jacobs (Birmingham), Dr. Dreyfuß (Manchester). Es wurde beschlossen, daß die letzthin vertagte Konferenz des Zentralkomitees innerhalb vierzehn Tagen nach dem 28. August einberufen werden soll. Mr. Bentwich brachte sodann einen mit der von ihm in der Zentralkomiteekonferenz engebrachten Resolution gleichlautenden Antrag ein betreffend die Tatsache, daß ein gemeinsamer Aufruf der „Ito" und der Zionisten veröffentlicht wurde, ohne daß er vorher dem Exekutivkomitee unterbreitet worden wäre. Er erklärte, daß er seinen Antrag in keiner Weise vom Standpunkte eines Vertrauens- oder Mißtrauensvotums aus stelle. In diesem Sinne wurde der Antrag einstimmig angenommen. Ein Zusatzantrag, gestellt von den Herren Shire und Jacobs, worin gefordert wird, daß alle diesen Gegenstand betreffenden Akten der Sitzung vorgelegt werden sollen, wurde mit allen gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Im Verlaufe der Diskussion über den Antrag Bentwich nahm Mr. Greenberg Bezug auf das Protokoll der Sitzung des Exekutivkomitees vom 16. Juli, wonach er damals folgendes ausgeführt hatte: „Als die Meldungen von Bjelostok hierher gelangten, waren alle Vorstandsmitglieder der Ansicht, daß an die Presse ein Aufruf geschickt werden soll, worin ausgeführt würde,daß alle philanthropischen Methoden untauglich seien, solche Katastrophen, wie sie unser Volk o o o o o o o o o o o o o o in Rußland über sich ergehen lassen muß, zumal sie einen Teil des allgemein-jüdischen Problems darstellen, aus der Welt zu schaffen. Durch Herrn Cyrus Sulzberger erfuhren sie, daß die „Ito" einen ähnlichen Aufruf vorbereite, und Herr Sulzberger setzte sich dafür ein, daß eien gemeinsame Proklamation erfolge. Diese wurde sodann entworfen, und er (Mr. Greenberg) hätte darin wichtige Änderungen vorgenommen. Zur selben Zeit ereigneten sich gewisse Dinge, über deren Einzelheiten er sich nicht äußern möchte, die es für höchst zweckdienlich im Interesse unserer Bewegung erscheiuen ließen, daß ein gemeinsamer Aufruf, von den Vorstandsmitgliedern der zwei Organisationen unterzeichnet, erscheine, und zwar war es für diesen Zweck notwendig, daß der Aufruf nicht später erscheine als an dem Tage, an dem er tatsächlich veröffentlicht wurde. Mr. Greenberg fand, daß die andern Vorstandsmitglieder übereinstimmend von der Zweckmäßigkeit dieses Aufrufes überzeugt waren, und er setzte auch auseinander, daß zur Einberufung sowohl der Londoner als der Provinzmitgiieder des Exekutivkomitees nicht genügend Zeit und auch keine genügende Garantie für ihr Erscheinen vorhanden war. Da nun die Vorstandsmitglieder mit ihm einer Ansicht waren und in Anbetracht der drängenden Notwendigkeit, den Aufruf auf Grund der erwähnten Umstände zu veröffentlichen, habe er nach einer Beratung mit Sir Francis Montefiore den Aufruf erscheinen lassen, ohne ihn vorher allen Mitgliedern des Exekutivkomitees zu unterbreiten. Als eine Tatsache wünsche er festzustellen, daß er sich vergewissert habe, daß wenigstens die Mehrheit des engeren Aktionskomitees die unternommenen Schritte gebilligt habe. Er lege übrigens Wert darauf, zu erklären, daß weder irgendwie aus dem Aufrufe geschlossen werden könne noch daß es tatsächlich der Fall gewesen sei, daß irgendeine Uebereinkunft oder