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Die Welt · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 32 DIE1&ELT 19 Uebereinstimmung mit der „Ito" Platz gegriffen hätte, abgesehen von der gemeinsamen Unterzeichnung des Aufrufes, und er halte es kaum für nötig, hinzuzufügen, daß die gemeinsame Unterzeichnung des Aufrufes auch nicht im Geringsten eine Abweichung von den zionistischen Prinzipien oder von der Anhänglichkeit und Loyalität den Kongreßbeschlüssen gegenüber involviere." Der Sabbath Nachmu wurde als Nationalfondstag festgesetzt, an dem in allen Synagogen für Nationalfondsspenden gesammelt werden soll. Südafrika Capstadt. Am 16. Juli fand hier ein imposantes Massenmeeting anläßlich des Todestages Dr. Herzls statt. Die Versammlung war zugleich eine Protestkundgebung gegen die Judenmassacers in Rußland. Die Hauptredner waren Herr W, Schreiner, der frühere Premier-Minister der Kap-Kolonie, Herr Dr. Smartt, Herr C. W. Kohler, Mr. Abrahamson u. s. w. Den Vorsitz führte Mr. Alexander. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution, worin der Zionismus als das einzige Mittel der Erlösung der Juden und das Endziel der jüdischen Geschichte erklärt wurde. — Deutschland Berlin, im Juli 1906. (Eigene Mitteilung.) Am Dienstag den 17. ds. Monats fand hier eine Besprechung gesetzestreuer Zionisten statt, in der über die Gründung einer Misrac hi-Gruppe in Berlin verhandelt wurde. Die Anwesenden waren in überwiegender Mehrheit der Ansicht, daß der Misrachi für das gesetzestreue Judentum und den Zionismus notwendig und nützlich sei. Demgemäß wurde eine Gruppe noch an demselben Abend gegründet. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an den Vorsitzenden des Komitees, Herrn Hermann Struck, Berlin, NW., Brückenalle 33. In dem Augenblicke, da sich in Berlin eine Misrachi-Gruppe konstituiert, hat, halten wir Misrachisten es für unsere Pflicht, der jüdischen Öffentlichkeit unsere Bestrebungen und Ziele in knappen Umrissen darzulegen. 1. Der Misrachi ist die Organisation gesetzestreuer Zionisten, die auf dem Boden des Basler Programmes steht, und gleichzeitig die Interessen des gesetzestreuen Judentums innerhalb des jüdischen Volkes wahrt, indem sie die „Aufgaben und Lebensbedingungen des<# jüdischen Volkes im Festhalten an Thora und Tradition in der Übung der Gebote und in dem Streben nach dem Lande der Väter sieht." (Programm § 1.) 2. Der Misrachi ist dem Zionismus nicht schädlich, weil er keine Spaltung sondern nur eine Gliederung desselben bedeutet. Die Misrachisten verbleiben in der zionistischen Ortsgruppe. Von einer schädigenden Wirkung des Misrachi ist aus den Orten, wo seit Jahren Misrachi-Gruppen bestehen, bislang nichts bekannt geworden. 3. Der Misrachi kann dem Zionismus nur nützen, schon allein deshalb, weil nur er die Bedenken, die die Gesetzestreuen vom Anschluß an den Zionismus abhalten, zu zerstreuen vermag. 4. Der Misrachi will keine Kampforganisation sein und sucht nur darauf hinzuwirken, daß weiterhin die Vorschriften des jüdischen Gesetzes durch offiziell zionistische Schritte nicht verletzt werden. 5. Der Misrachi sucht für Verbreitung der Lehren des gesetzestreuen Judentums unter den Zionisten zu wirken, und ist daher :iuch für dieses notwendig und nützlich. Dies sind in Kürze die Erwägungen, die uns zur Gründung einer Misrachi-Gruppe in Berlin veranlaßt haben, und wir werden :m Anfang des Winters Gelegenheit nehmen, unsere Anschauungen in der .großen Öffentlichkeit zu vertreten. Österreich Am 14. August 1906 findet in Karlsbad der II. jüdische Abiuiriententag Böhmens statt. Zweck desselben ist es, alle jüdischen Abiturienten Böhmens zu gemeinsamen Beratungen über ihre Pflichten als Juden ihrem Volke gegenüber und ihre Stellungnahme als Studenten zu ihren Kommilitonen zu vereinigen. In der letzten Zeit haben sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ganz bedeutend geändert, weshalb es unumgänglich notwendig ist, daß der jüdische Abiturient, der angehende Hochschüler, allen Anforderungen, die man von den verschiedensten Seiten an ihn stellt, gewachsen ist. Über diese Anforderungen, über die Art und Möglichkeit, ihnen zu entsprechen, soll auf dem Studententage beraten werden. Um den Kollegen den Aufenthalt in dem weltberühmten Kurorte angenehm zu gestalten, hat sich ein Lokalkomitee gebildet, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Teilnehmern am Abiturientage bei rechtzeitiger Anmeldung billige oder womöglich kostenlose Wohnungen zu verschaffen. Auch für ein Vergnügungsprogramm sind bereits Vorbereitungen getroffen. Alle diejenigen, welche an dem Tage teilnehmen wollen, werden ersucht, ihre Adresse nebst genauer Angabe ihrer Ankunft dem Schriftführer des Lokalkomitees AM. Walter Teinowitz, Karlsbad, Haus „Tusculum", mitzuteilen. Die Mitglieder des Komitees sind an stahlblauen Schleifen erkenntlich. Für das Lokalkomitee: med. Walther Kohner. Wien. Die „Bar Giora", Verein jüdischer Hochschüler aus den südslavischen Ländern in Wien, teilt mit, daß am 14. und 15. August 1. J. in Essegg, Slavonien, im Saale der israelitischen Kultusgemeinde ein Zionistenkongreß der Akademiker und Abiturienten aus den südslavischen Ländern stattfindet. Tagesordnung: Dienstag den 14. August 1906, 9 Uhr vormittags: 1. Begrüßungsrede des Präsidenten des „Bar Giora", 2. Wahl des Bureaus, 3. Zionismus, cand. iur. Alexander Licht, 4. Aufgaben und Pflichten der jüdischen Mittelschüler, Abiturient Lav Stern. Nachmittags 4 Uhr: 5. Moderne jüdische Kultur, I. Teil, cand. techn. Gustav Kunetz, 6. Die Juden in den südslavischen Ländern, cand. phil. Otto Goldstein. Mittwoch den 15. August, 10 Uhr vormittags: 7. Moderne jüdische Kultur, II. Teil, stud. techn. Armin Spingarn, 8. Eventualia, 9. Beschlüsse, 10. Schlußwort. NOTIZEN Von den Pogromwaisen Wir erhalten vom „Hilfsverein der Deutschen Juden" die nachstehende Mitteilung: Die Aktion zu Gunsten der russischen Waisenkinder, die, was Deutschland anlangt, unter Führung der Großloge für Deutschland stattgefunden hat, kann nunmehr in ihren wesentlichsten Teilen als abgeschlossen betrachtet werden. Es ist gelungen, für sämtliche Kinder in bester Weise zu sorgen, und insbesondere ist darauf Bedacht genommen worden, daß Geschwister, wenn nicht in demselben Institut oder derselben Familie, so doch zum wenigsten in derselben Stadt untergebracht werden, konnten, damit enge Familienbeziehungen unter den Kindern sich aufrecht erhalten lassen. Nur wenige Kinder sind leidend. Es handelt sich ausschließlich um leichte Erkrankungen, die schnell behoben werden können, und erst nach dem auch diese Kinder vollkommen hergestellt sind, werden sie ihrem Bestimmungsort zugeführt. Das Alter der Kinder geht von 1 Jahr aufwärts, und einige der Kleinen sind auch von erwachsenen Schwestern von 16, 18, 20 Jahren begleitet. Die große Mehrzahl sind 8, 9, 10 und 11 Jahre. Von der Gesamtzahl der 110 Kinder gehen 33 nach Amerika, 17 nach England, 2 nach der Schweiz, 3 nach Italien, 9 nach Österreich durch Vermittelung der „Israelitischen Allianz "-Wien, 4 nach Argentinien. In Deutschland sind ferner 37 Kinder untergebracht in gemeinsamer Tätigkeit der Großloge für Deutschland, des Frankfurter Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden und des „Hilfsvereins der deutschen Juden". Für die Unterkunft von 5 Kindern hat die „Alliance Israel Universelle" Sorge getragen. Die Sorgfalt, mit der die Institute und die Pflegestellen, wo die Kinder untergebracht werden sollen, ausgewählt worden sind, bieten eine Garantie dafür, daß was im Bereiche der Möglichkeit liegt, geschehen ist, um den Kindern, die so Furchtbares gelitten, eine gute Zukunft zu sichern. Insofern als geeignete Pflegestellen in Deutschland für die Kinder nicht gefunden werden konnten, hat der „Hilfsverein der Deutschen Juden" die finanziellen Lasten für die Waisen übernommen. * * * Wir erhalten hierzu folgenden Bericht aus Hamburg: Seit Tischah B'Ab befinden sich 71 der russischen Pogromwaisen in den Auswanderhallen zu Hamburg. Sie langten an unter Führung von Frl. Pappenheim-Frankfurt der zwei unserer Gesinnungsgenossinnen, nämlich Frl. Perl mann-Odessa und Frl. Schimmer-Berlin für die Aufsicht der Kinder zur Seite stehen. Auch Dr. Nathan und unser Gg. Dr. Kahn, Sekretär des „Hilfsvereins", waren anwesend, um die Verteilung vorzunehmen. 33 Kinder werden nach Amerika, 18 nach England gesandt, die übrigen bleiben in Deutschland. Von diesen werden u. a. 3 Geschwister im Hamburger Waisenhaus untergebracht, 6 Geschwister gehen auf Kosten der „Alliance" nach Ahlen. Das Verhalten der durchweg kräftigen, ernsten und intelligenten Kinder ist musterhaft. Die älteren berichten von den grauenvollen Szenen, die sie miterlebt haben. An einigen sind ausgedehnte Kopfnarben, die von Säbelhieben herrühren, sichtbar. Redaktion: Berthold Feiwel, A. Coralnik. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln.

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