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Die Welt · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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sehr steilen gewundenen Bergpfade voller Geröll zurückzulegen. Erst kurz vor Hebron kommt wieder ordentliche Straße und die Strapazen, die uns diese Gebirgsstrecke verursacht, werden wohl noch lange der Erinnerung an die wundervollen Landschaftsbilder, die sie gleichfalls bot, die Wage halten. Von Hebron aus existiert eine gute Fahrstraße nach Jerusalem, und es ist-die Absicht des Kaimakams von Beerseba, die Verbindung mit Hebron (und indirekt dadurch mit Jerusalem) noch vor der leichter zu bauenden Straße nach Gaza herzustellen und schon jetzt ist ein Teil der dazu nötigen Mittel durch freiwillige Beiträge gedeckt. Es steht demnach zu erwarten, daß Beerseba in allerkürzester Zeit eine blühende Ortschaft mit modernen Verkehrs- und anderen Einrichtungen*) sein wird. — Auch die Akaba-Affäre hat zur Hebung des Ortes insofern beigetragen, als die Zahl der dort zentralisierten Truppen bedeutend erhöht wurde. Mit Ausnahme der Tell-Refah-Grenze (vor El-Arisch) die von Gaza aus bewacht wird, untersteht die ganze übrige Sinai-Grenze der Türkei dem Kommando von Beerseba. Auch für unsere Bestrebungen und Arbeiten im Lande bietet Beerseba spezielles Interesse. Daß die Wasserleitung von einer jüdischen Firma in Jaffa installiert worden ist, zeigt schon, daß man nichts gegen uns hat. Aber das würde noch nicht viel besagen. Dagegen ist es aber eine im höchsten Maße merkwürdige und *) Die Telegraphenlinien von Beerseba-Gaza und Beerseba-Hebron sollen bereits in Arbeit sein. ermutigende Tatsache, daß der gegenwärtige Kaimakam keine Gelegenheit vorübergehen läßt, die Juden zu veranlassen, sich in und um Beerseba anzusiedeln. Wo er eines Juden habhaft werden kann, mit dem sich reden läßt, fragt er, warum keine Juden kommen, um sich die günstigen Bedingungen, die sein Distrikt bietet, zu Nutze zu machen. Zehntausende von Dunam Landes sind in unmittelbarer Nähe der Stadt und auch etwas weiter, sowohl von der Regierung wie auch von Beduinen-Scheiks billig zu erwerben, und auch Handel, Industrie und Handwerk würde schon jetzt einer ziemlichen Anzahl von Juden dort eine Existenz gewähren. Als wir dort waren, verhandelten gerade Juden aus Kastinie wegen Übernahme von Erntearbeiten mittelst Mähmaschinen. Wie es scheint, ein chancenreiches, neues Gewerbe für Juden in Palästina. Momentan sind nur drei aschkenasische und drei sephardische Juden (ohne ihre Familien) am Orte und es wäre sehr zu beklagen, wenn diesen das Warten auf Zuzug zu lange währen würde. Jüdische Gemeinden brauchen ein gewisses Mindestmaß, um entstehen und sich halten zu können. Ein geringfügiger Zuzug würde zur Bildung einer schönen jüdischen Kolonie in Beerseba führen können, einer Kolonie, die den großen und seltenen Vorteil einer leichten Verbindung von Stadt und Land, von Handel, Industrie und Landwirtschaft böte und dadurch vor den meisten anderen jüdischen Kolonien im Lande vieles voraus hätte. Aber wir dürfen nicht auch hier zu spät kommen. Palästina wimmelt von versäumten jüdischen Gelegenheiten! — ZUR LAGE DES JUDISCHEN MITTELSTANDES IM ELSASS Von SIMON WEIL Eigentlich hätten wir in dieser Überschrift ebensogut sagen können „der elsässischen Juden", denn abgesehen von dem hier nur gering vertretenen Proletariat - und den vereinzelten Großindustriellen kann man die elsässischen Juden in ihrer Gesamtheit dem Mittelstande zurechnen, — zwar heute noch, — ob auch noch in 10 oder 20 Jahren, das ist eine allerdings höchst aktuelle Frage, deren öffentliche Erörterung in diesen Blättern wir für dringend notwendig halten. Es ist ein Problem, das immer brennender wird: eine Gefahr ist im Anzüge, die, wenn wir nicht rechtzeitig auf sie aufmerksam machen und versuchen, sie abzuwenden, ganz plötzlich hereinbricht und es fertig bringt, daß der jetzige Mittelstand ins Proletariertum versinkt. Die elsässischen Juden setzen sich zum größten Teile aus kleineren Handelsleuten, besonders Viehhändlern, [ Gütermaklern und Produktenhändlern zusammen. Sie sind in diesen Berufen Zwischenhändler zwischen den einzelnen Bauern oder zwischen dem Bauer einerseits und dem Großhändler und Fabrikanten anderseits. In diesen Berufen verdienen sie vielleicht heute noch, was zu ihrem Lebensunterhalt direkt notwendig ist, während ihnen noch vor Jahrzehnten diese Erwerbszweige reichliches Auskommen boten, so daß sie sich für spatere" Zeifen etwas zurücklegen konnten. Weit schlimmer stände es sicher mit den elsässischen Juden,wenn nicht ein Teil dieses ersparten Kapitals übrig wäre. Mit diesen Ausführungen meine ich natürlich die jüdische Landbevölkerung, aus der aber die Stadt stets Zuwachs erhält. Nachdem der auch im Elsaß von seinen christlichen Mitbürgern stets innerlich gehaßte Jude, was uns die Blätter der elsässischen Geschichte beweisen, in diesen verschiedenen Zweigen des Handels zu etwas Wohlstand gelangt war, wandte er sich auch dem Geldhandel zu. Denn der Bauer borgte lieber beim Juden gegen kleine Zinsen das nötige jGeld als beim Nachbarn. Er wußte, der Jude sei verschwiegen; wenn er dagegen seinen Nachbarn anginge, so wüßte es bald das ganze Dorf. Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß von seiten gewissenloser Juden ein derartiges Abhängigkeitsverhältnis in früheren Jahren vielleicht oft ausgenutzt wurde; im allgemeinen sind aber derartige Behauptungen, was die Gegenwart besonders betrifft, ins Reich der Sage zu verweisen. In diesen Arten des Erwerbs ist der größte Teil des heutigen elsässischen jüdischen Mittelstandes tätig, und das war seine soziale Stellung bis vor ungefähr zwei Jahrzehnten. Seit jener Zeit ertönt hier im Elsaß der Ruf von der Not der Landwirtschaft. Er drang herüber aus Alt-Deutschland, wo der Kampf der Agrarier gegen Handel und Industrie, Börse und Hausierhandel einerseits, und auf der anderen Seite die lautlose, aber um so gewaltigere Monopolisierung des Detailhandels durch die großen Warenhäuser den jüdischen mittleren und kleineren Geschäftsmann Tag für Tag immer mehr dem sicheren Ruin zuzuführen drohen. So kam es, daß auch bei uns, vorgeblich um der notleidenden Landwirtschaft abzuhelfen, der Zwischenhandel, der auch hier allgemein ja von Juden betrieben wird, auf den Aussterbeetat kommt. Dies kann heute mühelos geschehen. Denn mit der Erleichterung der Verkehrsverhältnisse wird der Verkehr der Produzenten mit den Konsumenten immer direkter, und alle möglichen wirtschaftlichen Vereine und Genossenschaften untergraben geradezu die Existenzmöglichkeit der jüdischen Bevölkerung. Unter den Genossenschaften nehmen im Elsaß besonders die Raiffeisenschen Spar- und Darlehnskassenvereine eine hervorragende Stellung ein. Hinter ihnen steht die katholische Geistlichkeit, die es an Hetzereien gegen die Juden in Wort und Schrift nicht fehlen läßt. So liegt vor mir eine im Jahre 1896 erschienene Broschüre mit aufgedruckten Sinnbildern der christlichen Duldung und des Friedens. Sie ist aber nichts weniger als das, und ihrem Inhalte nach könnte man auf den Grafen Pückler als Verfasser schließen. Das Büchlein

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