Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 32 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
- Lod 1× ep/1045074
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No. 32 DIEX&ELT 13 außer Installierung und Miete (für Wohnung und Werkstatt — für 1 Jahr voraus zu zahlen) etwa ein halbes Jahr auch ohne Verdienst zu leben. Energie und Geduld sind außerdem erforderlich. Als Arbeiter zu gehen ist nur einzelnen jungen Leuten zu empfehlen. Instrumente sind in jedem Falle mitzubringen. Überfüllt sind folgende Berufe: Uhrmacherei, Klempnerei, Schuhmacher- und Schneider-Gewerbe. Guten Verdienst fänden voraussichtlich gute Maurer, die sich den anderen Landesverhältnissen anpassen können. Bauzeit ist fast das ganze Jahr hindurch. An anderen Handwerkern dürfte meist ein kleinerer Bedarf sein. In jedem solchen Falle sollte vorher angefragt werden. Industrie Die Industrie ist im Lande noch wenig entwickelt. In primitiver Weise werden Oliven- und Sesam-Öl, Seife und Rosinen hergestellt. Außerdem gibt es — ebenfalls primitive — Mahlmühlen, Webereien, Färbereien, Töpfereien, Gerbereien. Von schon vorhandenen jüdischen Industrieunternehmungen sind zu erwähnen: Die Wein- und Cognac-Fabrikation, die in einigen Kolonien in sehr großem Maßstabe betrieben wird. Zur Zeit macht diese Industrie wegen des noch nicht genügenden Absatzes eine Krisis durch. Die Maschinen-Industrie (hauptsächlich in Jaffa vertreten — Steins Fabrik und andere). An anderen Orlen Palästinas wäre noch Gelegenheit für Gründung von ähnlichen Etablissements, Schlossereien, Gießereien, Reparatur-Werkstätten etc. Die neue jüdische Ölfabrik bei Lydda. Diese Fabrikation ist noch sehr ausdehnungsfähig. Mahlmühlen, von denen eine größere Anzahl in jüdischen Händen ist, und von denen noch viel mehr in jüdischen Händen sein könnten. An geeigneten Orten eine sehr chancenreiche Industrie — besonders, wenn in Verbindung mit Getreide-Aufkauf. Allem Anschein nach würden auch folgende Industrien gute Resultate geben können: Bessere Gerberei — Spinnerei und Weberei — Schuhfabrikation — Spiritus-Brennerei u. a. m. Außer den erwähnten Industrien wäre noch besonders am Platze die Einführung aller Arten von Klein- und Haus-Industrie durch die den zahlreichen unbeschäftigten Juden im Lande Verdienst geboten werden könnte. Diese Industrien könnten — zum großen Segen für die Bevölkerung — von den niedrigen landesüblichen Arbeitslöhnen profitieren. Übliche Löhne für die Hausetc. Industrie 1—2 Francs per Tag. In abgelegeneren Bezirken — wie Saida z. B. — wäre die Bevölkerung glücklich, 5—7 Francs per Woche und per Familie (!) zu verdienen. Handel Der Kleinhandel gilt in den größeren jüdischen Niederlassungen im allgemeinen als überfüllt und ist außerhalb des jüdischen Kolonisations- und Wohngebietes neuen Einwanderern der Sprache etc. wegen nicht anzuraten. Dagegen wäre noch reichlich Raum für Niederlassung größerer und.mittlerer Kapitalisten als Großisten und für größeren direkten Bezug der hauptsächlichsten Bedarfs- Artikel im Lande. Neue Ankömmlinge, die über Branchenkenntnis und Kapital verfügen, könnten bei einem Geschäft größeren Umfanges die mangelnde Vertrautheit mit den Landesverhältnissen dadurch wett machen, daß sie einen Kompagnon aufnehmen. Der Handel mit den hauptsächlichsten Exportprodukten — besonders Getreide — giebt schon jetzt die Möglichkeit bedeutender Umsätze, vorausgesetzt auch hier, daß Fachkenntnis, Kapital und Vertrautheit mit den Landesverhältnissen sich vereinigen. Besondere Beachtung verdient der Export palästinensischer Landesprodukte, wie Trauben, Orangen und anderer Früchte, Olivenöl und Seife, Gemüse, Geflügel und Eier etc. etc. nach Ägypten, das einen nahen und unerschöpflichen Markt darstellt. Import und Export Palästinas betrugen in den letzten Jahren durchschnittlich: Import: ca. 28000000 Francs jährlich. Export: ca. 28000000 Davon gingen über Jaffa: Import ca. 12 000 000 Frcs. Export ca. 10 000 000 Frcs.; über Haifa-Akka: Import ca. 8 000 000 Frcs. Export ca. 6 500 000 Frcs.; über Gaza: Import ca. 3 000 000 Frcs. Export ca. 8 000 000 Frs. Die Haupt-Exportartikel Jaffas sind: Orangen, Seifen, Weine und Cognacs, Sesam, Wassermelonen. Die Haupt-Importartikel Jaffas sind: Baumwollwaren, Tabak, Eisen, Zucker, Reis, Holz, Mehl, Petroleum. Freie Berufe Das noch wenig vorgeschrittene Land bietet wenig Gelegenheit zur Ausübung der freien Berufe. Hier ist es daher in jedem Falle ratsam nur auf Grund guter vorheriger Information zur Übersiedelung zu schreiten. Für einige gute Ärzte wäre noch Platz im Lande. An Apotheken, Hebammen und Lehrern ist gegenwärtig kein Mangel im Lande (d. h. soweit Einwanderer in Betracht kommen). Kapitalsanlagen Außer den unter Landwirtschaft, Landerwerb, Handel und Industrie angegebenen Gelegenheiten sind als besonders günstig hervorzuheben: 1. Häuserbau zu Vermietung oder Verkauf, besonders in Jaffa, wo die starke Einwanderung in den letzten Jahren fast eine Wohnungsnot hervorgerufen hat. Ungefähr 8 °/a Verzinsung ist hiervon zu erwarten. Auch in dem aufstrebenden Haifa sind diese Chancen gut. Das stetige Wachstum beider Städte läßt hierin auch eine gewisse Stetigkeit als wahrscheinlich gelten, vorausgesetzt, daß nicht eine allzugroße Bautätigkeit, die aber nicht zu erwarten ist, einen Rückschlag bringt. 2. Verkehrs-Einrichtungen aller Art. Das „Allgemeine Informations-Bureau für Palästina" in Jaffa Das Jaffaer Bureau hat sich die Aufgabe gestellt, den Informationsdienst für Palästina zu zentralisieren. Die ständige Arbeit liegt in den Händen eines Komitees, das alle Anfragen, Vorkommnisse etc. in häufig stattfindenden Sitzungen gemeinsam berät und bearbeitet. Eine Verantwortlichkeit des Komitees kann natürlich nur insofern bestehen, als jede Frage mit der größtmöglichen Sorgfalt behandelt wird. Von einer persönlichen Haftung des Komitees oder seiner Mitglieder kann umsoweniger die. Rede sein, als die persönliche Tüchtigkeit der Einwanderer bei allen ihren Unternehmungen den Ausschlag geben muß. Schriftliche Anfragen Nach sorgfältigem Lesen obiger Informationen wird meist für schriftliche Anfragen nur die Darlegung der persönlichen Verhältnisse des Fragenden übrig bleiben. Diese Angaben sollten möglichst systematisch gemacht werden und mindestens enthalten: Namen der Familie, Kopfzahl, Genaue Adresse, Name, Alter, Beruf und Nebenberufe aller Familienmitglieder, Angabe der Absichten, Fachkenntnisse und des Vermögens schon abzüglich der Übersiedelungskosten, Etwaige sonstige Bemerkungen (z. B. über Gesundheit etc.) Je klarer und vollständiger diese Angaben gehalten sind, um so klarer und vollständiger kann auch die Antwort sein. Das Allgemeine Informations-Bureaii für Palästina*) steht mit allen ähnlichen Bureaus und Komitees im Orient in Verbindung. Korrespondenz in allen Sprachen. *) Adresse: Herrn Dr. Chissin, Jaffa (für Jnformations-Bureau). ■,m m