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Die Welt · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Bücher soll man nicht in besonderen Kisten verpacken, da sonst große Zensur- und Zoll-Schwierigkeiten. Bücher, die mit anderem zusammen verpackt mitgeführt werden, gehen meist ohne Schwierigkeiten durch. Landung in Jaffa Da die großen Schiffe in einiger Entfernung von der Landungsstelle stehen bleiben, so werden die Passagiere in kleinen Booten abgeholt. Die Bootsmannschaft ist arabisch, und es gibt bei der Übernahme der Passagiere und des Gepäcks viel Geschrei, wie überall in den türkischen Häfen. Man braucht sich deshalb keineswegs zu ängstigen. Nur soll man den Überfahrtspreis mit den Bootsleuten ausmachen,, bevor man ihnen das Gepäck übergibt. Einwanderer bezahlen für die Landung zwischen drei und fünf Francs pro Person über 15 Jahren (jüngere kosten nichts) inklusive Gepäck und reguläre Zollabfertigung. Es wird den Einwandern empfohlen, sich für weitere Auskünfte an das „Informationsbureau" zu wenden (im Hause der Bibliothek — geöffnet täglich von 3—6 Uhr nachmittags). Kosten sind damit nicht verbunden. Nach der Landung Allen Einwandern ist dringend zu empfehlen, sich selbst umzusehen und sich weder auf gute noch auf schlechte Urteile anderer zu verlassen. Es gibt in den Städten und Kolonien Palästinas zahlreiche Elemente, die systematisch oder aus mangelndem Verständnis bei neuen Ankömmlingen Stimmung gegen Palästina machen. Meist geschieht dies aus Verallgemeinerung eigener schlechter Erfahrungen oder aus Furcht vor möglicher Konkurrenz. Oft sind die Warner selbst erst in Palästina zu einigem Wohlstand gelangt. Es ist jedenfalls zu raten, daß Einwanderer, soweit sie "nicht entschlossen waren, in Jaffa zu bleiben, sobald als möglich in die anderen Städte und in die Kolonien fahren, um sich nach allem umzusehen. Lebenshaltung Die Lebensmittel sind im allgemeinen teurer als in Rußland. Wohnungsmiete dürfte — außer in Jaffa — erheblich billiger sein, in Jaffa ist sie durch die starke Einwanderung in letzter Zeit fast ebenso hoch gestiegen, wie in Rußland. Erschwerend wirkt, daß man für eine eigene Wohnung den Mietspreis meist für das ganze Jahr voraus bezahlen muß. Die Jaffaer Marktpreise der hauptsächlichsten Lebensmittel sind: Brot von 8 Kopeken pro Kilo an, Mehl „ 8 Rindfleisch (koscher)*) „ 40 -80 Hammelfeisch „ „ 40 —60 Eier „ 12 —25 „ „ Dutzend, Fische „ 30 —95 „ „ Kilo Reis S1* —17 Kartoffeln 4 —12 „ „ grüne Gemüse „ l Zucker \, 11 —15 Kaffee „ 50 —75 Thee „ 90 —Ro. 3.60 „ Speiseöl „ 40 Petroleum „ 7 —12 „ „ „ Landwirtschaft Nach den unter „Landerwerb", „Erwünschte Einwanderung" und „Steuer und Zölle" gemachten Angaben bleibt hierzu zu be_ merken: Die Landwirtschaft in Palästina ist noch großer Entwicklung fähig. Düngung ist noch so gut wie unbekannt, landwirtschaftliche Maschinen (außer zu Bewässerungszwecken) noch sehr wenig in Gebrauch. Kenntnis der fortgeschritteneren Bodenkultur von klimatisch ähnlichen Ländern mangelt fast gänzlich. Die landwirtschaftlichen Industrien sind noch fast unbekannt. Besonders mangelt es den jüdischen Kolonisten an Kenntnis der Milchwirt- *) Je nach Qualität und Jahreszeit. In letzter Zeit fast durchweg 80 Kopeken. schaft, der Geflügelzucht und des Gemüsebaues. Spezialisten in diesen Fächern, die über das notwendige Kapital verfügen, hätten gute Chancen und sollten sich von den schlechten Erfahrungen mangelhaft ausgebildeter Kolonisten nicht abschrecken lassen. Sehr wichtig wäre Aufnahme der Seidenkultur in größerem Maßstabe. Auch ist Mandel- und Oliven-Pflanzung als sehr rentabel zu empfehlen, der Ölbaum verdient ganz besondere Beachtung. Er ist eine der für Palästina am besten geeigneten Kulturen, ist verhältnismäßig leicht zu behandeln und trägt bei richtiger Methode frühzeitig und reichlich. Anderseits ist aber auch vor der vielverbreiteten Ansicht zu warnen, daß jeder, der nur will, ein Ackerbauer sein könne. Besonders ist die Kostenfrage im Auge zu halten, da an landwirtschaftlichen Kredit für neue Einwanderer gegenwärtig in keiner Form zu denken ist. Genossenschaften zum Zwecke gemeinsamen Bodenkaufes und gemeinsamer Verbesserungsarbeiten (Bewässerung etc.) könnten mit verhältnismäßig geringerem Risiko und größerem Nutzen Baumpflanzungen etc. anlegen. Auch die Vorbereitung von Land nebst Bepflanzung etc. zum Zwecke des Weiterverkaufs an neue Einwanderer wäre eine landwirtschaftliche Tätigkeit, die hohen Nutzen abwerfen kann. Die Nachfrage ist in dieser Beziehung recht groß. Landerwerb Osteuropäische Juden können auf eigenen Namen meist nur dann Land erwerben, wenn sie türkische Untertanen werden. Als Untertanen anderer Staaten können sie auf alle Fälle indirekt kaufen, und auch dieser Weg ist bei einiger Vorsicht so gut wie absolut sicher. — Auf Pacht bekommt man Land nur in Ausnahmefällen, und dieser Modus ist auch im allgemeinen nicht zu empfehlen, wenn das Land Nichtjuden gehört. Auf Auszahlung (Ratenzahlung) gibt es keinen Boden zu erwerben. Bank-Kredit auf Land oder Landerwerb ist ebenfalls nicht zu haben. Landerwerb in den Städten (besonders Jaffa und Haifa) sowie in der Nähe der Kolonien wird trotz der oft hohen Preise als gutes Spekulations-Objekt angesehen. Gegen* bar kann man sowohl städtischen Baugrund (mit oder ohne Häuser) wie auch bebautes oder unbebautes Land in den Kolonien erwerben. Zum Erwerb von Weinbergen ist bei der gegenwärtigen Lage der Weinbauern im allgemeinen nicht zu raten. Land für Bojaren (Orangerien) kauft man meist zu 25 bis 200 Francs per Dunam. Bepflanzte und tragfähige Bojaren bekommt man meist zu 800 bis 1000 Francs per Dunam. Die kleinste lohnende Bojare ist etwa 25 Dunam. Bojaren pflegen in den letzten Jahren ziemlich rentabel zu sein. — Gewöhnliches Ackerland bekommt man je nach Qualität und Gegend zu 20—50 Francs per Dunam. Kosten landwirtschaftlicher Ansiedelung Über diesen Punkt sind, wie vielfache Anfragen an das Informations-Bureau zeigen, die unklarsten Ansichten verbreitet. Im allgemeinen werden nach den bisherigen Erfahrungen folgende Summen für eine landwirtschaftliche Selbständigkeit für notwendig erachtet: Zur Ansiedelung als Ackerbauer: Mindestens 12 000 Francs. Für Kauf oder Anlage von Bojaren (Orangerien etc.): Mindestens 25 000 Francs (ohne Wohnhaus). Für gemischte Wirtschaft: Zwischen obigen Preisen. Auf Kredit zum Zwecke landwirtschaftlicher Niederlassung haben Einwanderer vorläufig nicht zu rechnen, ebensowenig auf Erleichterung der Sache durch den Nationalfonds oder andere Institutionen. Energische Leute mit gutem Verständnis können unter Umständen auch billiger zu landwirtschaftlichem Eigentum gelangen, besonders in Gebieten außerhalb des Bereiches der bisherigen jüdischen Kolonisation, wo der Boden vielfach erheblich billiger ist, und wo man sich auch leichter primitiv einrichten wird. Aber hier hängt alles von der persönlichen Tüchtigkeit ab. Handwerker Zum Zweck der Selbständigkeit in Palästina ist neben sehr guter Fachkenntnis ein Kapital nötig, das mindestens hinreicht, um

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