Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316186-3316219--48402-3343329
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Einwanderungs-Bestimmungen für Juden Dem Gesetze nach können osteuropäische Juden nur auf 3 Monate nach Palästina kommen. Bei der Landung wird den Einwanderern der Paß abgenommen, und sie erhalten dafür einen roten Zettel, gegen dessen Vorzeigung sie bei der Abreise ihren Paß zurückbekommen. Tatsächlich steht aber nichts im Wege, daß Einwanderer sich dauernd im Lande niederlassen. Viele Tausende sind in den letzten 25 Jahren eingewandert, haben sich ansässig gemacht, Geschäfte betrieben etc. und niemals sind irgendwelche Schwierigkeiten gemacht worden. — Es existiert in der Türkei der Paßzwang. Man kann also ohne Auslandspaß nicht landen,.— wenigstens nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten und Kosten (etwa 30 Francs pro Person!). Den türkischen Inlandspaß (Tesker6) braucht man nur, falls der Paß nicht nach Jaffa visiert war. Diesen Paß braucht man aber erst in Jaffa zu lösen, wo er mit weniger Schwierigkeiten und Kosten zu bekommen ist als z. B. in Konstantinopel. Synagoge in Pethach Tikwah Erwünschte und unerwünschte Einwanderer Erwünschte: 1. Größere und kleinere Kapitalisten (siehe auch unter Kapitals- Anlage). — Es ist durchaus falsch zu glauben, daß Palästiana für Kapitals-Anlage noch nicht reif sei. Es ist im Gegenteil ein Land im Stadium der Entwicklung und bietet günstigere Gelegenheiten für Kapitalisten als viele andere Länder. 2. Personen, die ein Handwerk oder eine Profession sehr gut verstehen (s. Handwerker). 3. Junge Männer ohne Familien, die physisch gesund sind und landwirtschaftlich arbeiten wollen. Der Lohn ist gering aber auskömmlich (etwa 2—2Va Beschlik 40—50 Kopeken pro Tag, und man muß auf mancherlei Entbehrungen gefaßt sein. Weibliche Dienstboten, Köchinnen, Kindermädchen etc. (Die Nachfrage ist ziemlich groß und die Lohnbedingungen nicht ungünstig — etwa 15—20 Franks per Monat außer freier Station). Unerwünschte: 1. Personen, die an landwirtschaftliche Selbständigkeit denken, ohne hinreichende Mittel zu besitzen. 2. Handwerker gewisser Kategorien (s. Handwerker). 3. Kleinhändler. ■ 4. Handlungsgehülfen (Kommis, Buchhalter etc.). Übersiedelung Russische Auswanderer fahren am besten über Odessa. Von dort geht jede Woche ein Dampfer direkt (über Konstantinopel, Smyrna, Beirut) nach Jaffa (im ganzen 11 Tage) und ebenfalls jede Woche ein Dampfer über Konstantinopel und Alexandria von wo man auf einen anderen Dampfer umsteigen muß. Die direkte Linie ist vorzuziehen, weil das Umsteigen beschwerlich ist und Kosten verursacht, sowie auch weil von Ägypten aus häufig Quarantäne- Aufenthalt ist. Für Einzelne oder kleine Familien mit wenig Gepäck ist auch zu empfehlen, von Odessa aus ein Billet nur bis Konstantinopel zu nehmen, und von dort mit einem anderen Schiff („Messageries" oder italienische Linie „Florio Rubatino") nach Jaffa weiter zu fahren. Sollte kein anderes bequemes Schiff gehen, so kann man in Konstantinopel ohne Preisaufschlag ein Billet zur Weiterfahrt auf dem gleichen (russischen) Schiff bekommen. Die Fahrpreise sind: Odessa-Jaffa III. Klasse 14 Rubel „ -Konstantinopel „ „ 4 „ Konstantinopel-Jaffa „ „ ca. 10 „ Für II. Klasse Odessa-Jaffa kann man durch das „Odessaer Komit6" (Odessa, Awtschinikowski pereulok 12) eine Ermäßigung Hotel „Jarkon" in Pethach Tikwah von 30 ° o bekommen und zahlt dann 44 Rubel. Allen Auswanderern, die durch Odessa kommen, ist zu empfehlen, sich beim Odessaer Körnitz zu melden, und nähere Auskunft über die Reise zu erfragen. Von Rußland über Triest zu fahren, ist nur in Ausnahmefällen anzuraten, da die Reise länger dauert und erheblich teurer ist, obwohl das Triester Körnitz (und auch das Bureau in Wien IX, Türkenstr. 9) eine bedeutende Ermäßigung verschaffen kann. Bagage. (— Was mitzunehmen.) Im allgemeinen sollte möglichst wenig Bagage mitgenommen werden. Allenfalls wäre bei Übersiedelung der ganzen Familie das Hausgerät mitzunehmen. Wärmere Winterkleidung ist des Klimas wegen g^.r.z unnötig. Von Möbeln lohnt es nur dann, bessere Stücke mitzubringen, wenn der Verlust beim Verkauf sehr groß wäre. Map bekommt in Palästina Möbel sehr billig und recht gut angefertigt. -- Für mitzubringende Möbel ist jedenfalls große Sorgfalt beim Verpacken notwendig. (Sehr starke Kisten! Möglichst auch Schutz gegen Nässe.) Auch Geschirre und sonstiges Zerbrechliche sind sehr sorgfältig zu verpacken (zwischen Wäsche etc.). Kisten sind möglichst nicht zu klein zu wählen (wegen Stück-Gebühr in den Häfen) und nicht zu groß und schwer, da auf den Schiffen, beim Überladen und beim Transport sehr leichtfertig verfahren wird. Handwerker sollten kleinere Maschinen und alle Geräte jedenfalls' mitbringen; möglichst auch genügend Reserveteile, da in Palästina solche Sachen oft unverhältnismäßig teuer, oft überhaupt nicht am Orte zu bekommen sind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.