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Die Welt · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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10 DIE 3^KE LT No. 32 vorwärts zu kommen und welche nicht, was für Mittel dazu gehören sich selbständig zu machen usw. Auch über Reisewege und -kosten ist das Notwendigste angegeben. Was nach diesen allgemeinen Informationen noch an speziellen Fragen übrig bleibt (wie über Arbeitsgelegenheit, Kapitalsanlage etc.) wird jederzeit gern vom Allgemeinen Informationsbureau für Palästina in Jaffa (Adresse Dr. Chissin) beantwortet werden. Allgemeine Angaben Palästina ist ein Teil des türkischen Reiches und bildet den südlichen Teil Syriens. Es liegt am Mittelländischen Meere und ist zum größeren Teil ein gebirgiges Land. Palästina hat ca. 700 000 Einwohner bei einer Fläche von 27.000 □ km. Das Land hatte in früheren Zeiten bedeutend mehr Bewohner und könnte auch in Zukunft einer viel größeren Zahl Raum bieten. Klima und Jahreszeiten Das Klima des Landes ist ähnlich dem der meisten Gegenden Süd-Europas und ist im allgemeinen gesund. Man unterscheidet zwei Jahreszeiten: eine regenlose (von Mai—Oktober — die heißesten Monate sind: Juli, August, September, und es ist Einwanderern nicht zu raten in dieser Zeit zu kommen) und eine Regenzeit (von November—April, in der es durchschnittlich 55 Tage mit Regen giebt. Sehr kalt wird es nie. Es giebt keinen Frost und nur selten Schnee. Die kältesten Monate sind Dezember und Januar. Wegen der vielen Stürme in dieser Zeit und wegen der schlechten Häfen haben Reisende oft eine unangenehme Fahrt.) Die angenehmste Zeit für Übersiedelung ist von Februar bis Mai und von Oktober bis November. Bevölkerung Von den 700 OOO Einwohnern ist etwa die Hälfte in den Städten, die andere Hälfte auf dem Lande. Die -große Mehrzahl der Einwohner sind Araber, Fellachen (arabisch-syrische Landbevölkerung) und Beduinen (Hirtenstämme). Unter den Arabern der Städte sind die meisten Mohamedaner, eine kleinere Anzahl Christen. Die allgemeine Umgangssprache ist arabisch. Juden giebt es über 80 000,. die meist in den Städten leben (7000 leben in ca. 30 Kolonien im Lande), Die Landessprachen Die Landessprache ist arabisch. Türkisch wird so gut wie garnicht verwendet. In den Städten, besonders den Hafenstädten ist in größeren Handelsangelegenheiten Kenntnis des Französischen wichtig. In Haifa aber überwiegt die deutsche Sprache gegenüber der französischen. In den jüdischen Niederlassungen (in Stadt und Land) wird meist jüdisch gesprochen. Das Hebräische kommt immer mehr in Gebrauch, für den Verkehr mit den sephardischen Juden ist es wichtig. Die Städte Die hauptsächlichsten Städte mit Einwohnerzahl und Judenziffern: Einwohner Judenziffer Jaffa Haupthafenplatz 40000 6 500 Jerusalem 70 000 45 000 Haifa Wichtiger neuer Hafen 13 000 1 000 Gaza Großer Handelsplatz 40 000 160 Saida Hafen in Nord-Galiläa 13 000 800 Safed Im Gebirge Nord-Galiläas 23 000 15 000 Tiberias Am Tiberias See 5 500 4 200 Nablus Das alte Sichern 28 000 — Hebron 20 000 1 500 Die jüdischen Kolonien Es giebt ungefähr 30 jüdische Kolonien in Palästina mit einer Gesamtbevölkerung von 7 000 Seelen. Folgende sind die wichtigsten und größten unter den Kolonien: Name Hauptsächlich Lage der Kolonie Seelen aus Hauptkulturen bei Jaffa Petach Ackerbau, Orangen Tikwah ca. 1 300 Rußland und Wein bei Jaffa Rischon le- Zion Rechoboth „ Ekron im Haifa- Distrikt Sichron Jacob Rußland 800 300 275 Wein Chedera bei Jamma und Tiberias Betdochen bei Safed Rosch-Pinah „ Ackerbau (auch Pflanzungen) 1 200 Rumänien Weinbau Ackerbau (auch 250 „ Pflanzungen) Ackerbau (auch 300 „ Pflanzungen) Ackerbau (auch 800 „ Pflanzungen) Schulverhältnisse Die Schulverhältnisse sind im allgemeinen befriedigend und bessern sich von Jahr zu Jahr. Jede Kolonie hat eine Schule mit hebräischer Unterrichts-Sprache. In Jaffa und Jerusalem giebt es schon Schulen aller Arten mit verschiedenen Unterrichts-Sprachen. Haltung der Regierung Die Juden sind in der Türkei keinerlei Verfolgungen oder Ausnahmebestimmungen unterworfen. Ausländer stehen unter dem Schutze ihrer Konsulate, die hier eine große Autorität haben. Zum Militärdienst werden Juden nicht herangezogen. Steuern und Zölle Die Hauptsteuern zieht die Regierung aus der Landwirtschaft. Nach dem Gesetze soll 12V2 °/o der Ernte als „Zehent" erhoben werden. Durch das System der Steuerverpachtung leidet die landwirtschaftliche Bevölkerung an vielen Orten stark. Auf Handel und Industrie giebt es im allgemeinen-keine Steuern, doch wird ein Importzoll von 8°/o auf alle Einfuhr erhoben. Ausländerhaben das Recht sich frei mit Handel und Industrie zu beschäftigen. Münzen Die Münzverhältnisse sind sehr kompliziert. Jede Stadt hat ihren eigenen Geldkurs, und Regierungsstellen, Postämter und Eisenbahnen haben ebenfalls ihre eigene Umrechnung. Neben den türkischen Münzen kursiert allgemein vor allem französisches, aber auch englisches, russisches und österreichisches Gold, von Silber auch Francs, sowie auch Schillinge. Wir begnügen uns mit den hauptsächlichsten Angaben, die für überall gelten. Die gebräuchlichsten Münzen: Rubel* Francs Schillinge 1 türkisches Pfund gilt ca. 8.60 ca. 22.90 sind-um l,4 1 Medschidi „ „ 1.60 „ 4.25 mehr wert als V* „ „ „ 0.40 „ 1.06 Francs, also 1 0.56 Schilling 0.05 V2 1.25 Fr/= 20.— 0.47 Kop. 1 Beschlik „ „ 0.22 1 Metallik „ „ 0.02 1 Napoleon (20 Francs) „ „ 7.50 1 Franc „ „ 0.38 Maße und Gewichte Von Maßen gilt in Palästina hauptsächlich: fürStoffe: Pic (Elle 0.68 Meter), Meter und Centimeter für Flächen: Quadratpic (□ Elle) 0.5625 □ meter. (Pic hier ä 0.75). Dunam ca. 920 □ meter (ca. 30 X 30 mtr.) oder 1 600 □ Pic etwa 11 Dunam 1 Hektar, oder 12 1 Desjatine. Als Hohlmaß kommt der Liter vor, Früchte und Flüssigkeiten werden meist nach Gewicht verkauft. Von Gewichten hat man: Kantar 100 Rottel (In Jaffa 28S Kilogramm) Rottel 274 Oka „ „ 2.88 Oka 1.28 Kilogramm Ougi oder Unze V12 Rottel Dram 7400 Oka. *) Selbstverständlich dem russischen Kurs unterworfen.

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