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Die Welt · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 32 DIEE^ELT 9 sinnes am Kleinen und am Teile doch nicht mit der wissenschaftlichen Induktion verglichen werden dürfe, daß es sich nicht wie bei dieser um Teilerfolge handle, vielmehr um ganze Erkenntnisse, an Teilen und Details erworben. Aber der Unterschied ist nur scheinbar. Denn in der Tat will in einem Atom, in einer Einzelheit, in einem kleinen Gegenstände nicht die ganze Welt erkannt, sondern nur der Anteil der Welt an diesem ihrem Teile, oder, was dasselbe ist, dieses Teils an ihr, ganz erkannt werden. Und das Weltbild, die religiöse oder künstlerische Weltanschauung, setzt sich doch erst aus solchen verschiedenen ganzen Detaileindrücken . zusammen. Es ist ganz analog wie in der Wissenschaft: Die einen schreiten vom ganzerfaßten Teile zur Erfassung des Ganzen, die andern vom ganzerfaßten Ganzen zur Erfassung jedes Teiles. Und auch dies ist wie in der Wissenschaft, daß die einen sowohl als die andern auch in den ihnen von Haus aus nicht kongenialen Schlußaufgaben das Tüchtigste leisten können. Insbesondere ist der Blick des Juden, der mit dem Himmel im Auge auf die Erde niederschaut, der Einzelerscheinung gegenüber nicht wesentlich schwächer als der Blick des sogenannten Ariers, der in der Erde den Himmel gespiegelt sieht. Der Jude kommt nicht so leicht an die Dinge heran, aber ist er einmal an eines herangekommen, dann kann er sich auch darein versenken. Vielleicht nicht immer ganz restlos! Aber der geringfügige Rest wird durch die stärkere Energie des Gesamtbildes reichlich aufgewogen. Und wieder diese Energie, die eigenartige großzügige Intuition der jüdischen Seele mit den Neigungen des primitiven Menschen zum Kolossalen in Verbindung zu bringen, sie sozusagen als eine Vergeistigung dieses atavistischen Triebes zu erklären, — wie töricht! Der. primitive Mensch steht im Bann der großen Erscheinung, die ihm jedoch seelisch immer nur Detail bleibt. Man prüfe nur die Gottheiten der ältesten heidnischen Religionen einerseits auf ihr Äußeres, anderseits auf ihre Funktionen hin. Dem Menschen jüdischer Kultur hingegen ist die große Erscheinung nicht mehr als andern Kulturmenschen. Aber er geht vom Geistesganzen aller Erscheinungen aus, und da nehmen seine Vorstellungen und Phantasien unwillkürlich Größe an. Siehe den jüdischen Gott! Kann man nun aber wirklich zwischen dieser seelischen Größe der Wirkung und jenem sinnlichen Großsein der Anregung eine Verwandtschaft konstruieren? Wie ist es aber damit? Man hebt doch gerade antisemitischer- und jüdisch-antisemitischerseits hervor, daß in der Wissenschaft die Juden induktiv, die Arier deduktiv sind. Da sollte es in Religion und Kunst gerade umgekehrt sein? Nun, die Behauptung selbst ist insofern unrichtig, als auch die Arier an der induktiven Wissenschaftsmethode in hervorragendem Maße beteiligt sind, und anderseits der jüdische Geist die Triumphe der wissenschaftlichen Deduktion miterfochten hat. Allein, ihre Repräsentanten sind die Juden wirklich nicht. Und dies gibt angesichts ihrer beherrschenden Stellung in der religiösen und künstlerischen Deduktion zu denken. Es scheint, als ob sich die beiden Deduktionen (und natürlich auch die entsprechenden Induktionen) bis zn einem gewissen Grade ausschlössen, als ob die Anlagen im Interesse des seelischen Gleichgewichtes der Menschen verteilt wären. Alles das sind die Vorbehalte und Voraussetzungen, unter welchen man von der Hinneigung Israels zum schauerlich Großen, zum erhaben Gewaltigen sprechen, unter welchen man Israel deuten kann: Nicht nur seinen Gott, den Gott des vorausbegriffenen Weltalls, sondern auch alle seine Einrichtungen: der Ernst seiner Feiertage ist nicht Düsternis des freudlosen Gespenstersehers, sondern Feiertagsstimmung der aufs Ganze gerichteten Seele. Sein übergroßer Familiensinn und sein lebhaftes Nationalgefühl — im umgekehrten Verhältnisse zu seinem Nationalbewußtsein — ist kein ängstliches Zusammenrücken vor Tod und Gefahr, sondern ein Schrei nach Gesamtheit, wie er so ursprünglich noch in keinem Volke ertönte. Seine revolutionären Neigungen fließen nicht aus der Angst, die sich in einer brennenden Welt betäuben will, sondern aus unendlichem Glauben an die Menschheit. Und diese Größe des Ganzen lebt und wirkt in allen seinen Kindern, — selbst in den müden verkrämerten Wanderern des Alltags, die noch immer, im Guten und Bösen, großzügiger sind, als die Spießbürger der andern Völker. Aber wie erst in den Großen, die sich aus der Zeitflut zur Sonne erheben. Es mag auch noch heute nirgends so viele prophetische Naturen geben, wie im jüdischen Volke. Jedenfalls aber sind die alten Propheten die leuchtendsten Zeugen, lebendige Gleichnisse der jüdischen Volksseele. Sie verkörpern dieses steile Hinansteigen, nein, Hinangestiegensein, denn man weiß nicht, wann es geschehen ist — zum Gipfelpunkt, dieses Hinsehen über die ganze, ganze Weite, und dieses mächtige Hinabstürzen der Blicke in die Täler des Lebens. Sie sind das Fleisch nnd Blut gewordene Pathos Israels. Pathos! . . . Aha! . . der Hohn meldet sich! , . . Was ist Pathos anders als ein Wort für Unzuträglichkeit des Empfindens? . . . Wirklich? . . . Vielleicht das Pathos der anderen, — nicht aller anderen, es sei an Schiller erinnert — das Pathos jener, die in ihrer eigenen angeborenen Art nichts ordentliches schaffen, auf halbem Wege vom Teil zum Ganzen stecken bleiben. Aber nicht das reife, reiche und reine Pathos, das aus der Höhe kommt und in den Niederungen donnert und blitzt, daß die ganze Menschheit in Licht und Flammen steht, eine gewaltige Entladung des Weltempfindens. INFORMATIONEN ÜBER PALÄSTINA Für die Emigranten zusammengestellt vom Allgemeinen Informations-Bureau, Jaffa Einleitung zu geben, damit er sich in seinen weiteren Fragen und Erkundi- Der Zweck der nachfolgenden Zusammenstellung ist, für den gungen nur an seinen eigenen Fall zu halten braucht. Um viele Emigranten, der daran denkt, sich nach Palästina zu wenden, eine unnötige Anfragen zu vermeiden, wird auch in folgendem ausgezuverlässige Übersicht über die hauptsächlichsten Landesverhältnisse führt, welche Arten von Auswanderern Aussicht haben, in Palästina

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