Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 32 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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beschlossen, 6 städtische Wahlkreise zu bilden, in welchen die Juden absolute Majorität haben. Es ist zwar keine zwingende Notwendigkeit, daß in diesen Wahlkreisen ein Jude kandidiert und gewählt wird. Wohl aber ist den Juden die Möglichkeit gegeben, wenn sie es wünschen, dortselbst einen aus ihrer Mitte zum Abgeordneten zu wählen. Außer diesen Wahlkreisen wurden sechs städtische Wahlkreise gebildet, in welchen die Juden entweder relative Majorität haben oder in dem Wahlkampfe zwischen Polen und Ruthenen das entscheidende Wort zu sprechen haben werden, wodurch sie ebenfalls im Komproinißwege das eine oder das andere Mandat werden erlangen können. Die sechs städtischen Wahlkreise mit absoluter Majorität der Juden sind Ein Wahlkreis in der Stadt: 1. Lemberg. 2. Krakau. 3. Stanislau. 4. Kolomea. 5. Brody, Zloczow, Jezina. 6. Drohobycz, Turka, Bolechow, Skole. Außer diesen 6 Wahlkreisen mit absoluter Majorität der Juden, haben wir in Ostgalizien 7 städtische Wahlkreise, in welchen die Juden zwar in der Minorität sind, wo sie aber trotzdem, im Verhältnis zu den dortselbst beisammen wohnenden Christen röm.-kath. und gr.-kath. Glaubens eine relative Majorität haben. Diese Wahlkreise sind: 1. Tarnopol. 2. Stryj, Kalusz. 3. Brzezany, Rohatyn, Brzezdowce und die Landgemeinden. 4. Sokal, Rawa, Zolkiew, Beiz, Krystynopel, Tartakow, Wielkie Oczy, Warez. 5. Buczacz, Borszczow, Sniatyn, Zaleszczyki Tlumacz und 3 Landgemeinden. 6. Zloczow, Zalozce, Radziechow, Lopatyn, Podkamien und die Landgemeinden. 7. Bobrka, Zydaczow, Rozdol, Bursztyn, Bolszowce und die Landgemeinden. Diese Anschauung hat Gs. Dr. Byk als vollkommen richtig anerkannt und hat sich daher mit den diesbezüglichen Beschlüssen der Wahlreform-Kommission einverstanden erklärt. Nach dem Tode des Dr. Byk ist in den Wahlkreisen zu Ungunsten der Juden keine wie immer geartete Veränderung vorgenommen worden, vielmehr sind über meinen Vorschlag in dem Wahlkreise der Stadt Lemberg wie Bro dys Veränderungen zu gunsten der Juden vorgenommen worden. Aus einzelnen Wahlkreisen mit absoluter Majorität der Juden, z. B. Stanislau, wird uns mitgeteilt, daß dortselbst keine jüdischen Kandidaten auftreten werden. Derartige Erscheinungen würden den Intentionen unserer Wahlreformkommission ganz und gar entsprechen. Es war nämlich keinesfalls unsere Absicht, a priori gewisse jüdische Wahlkreise zu schaffen und von den anderen die Juden ganz auszuschließen. Wir wollten, indem wir den Juden die Möglichkeit, mit eigener Kraft, ohne unsere Beihilfe ihre Abgeordnete zu wählen, einräumten, bloß den Beweis unserer Loyalität und des guten Willens den Juden gegenüber erbringen. Es wäre vielmehr in unserem nationalen Interesse gelegen, daß in manchen Wahlkreisen trotz der absoluten jüdischen Majorität Christen und vice versa, in den Wahlkreisen, wo die Juden in der Minorität sind, „Polen jüdischen Glaubens" kandidiert und gewählt werden. Es läßt sich heute nicht voraussagen, wieviel Juden und von welchen Wahlkreisen dieselben zu Abgeordneten werden gewählt werden. Ich bin jedoch fest überzeugt, daß die Angelegenheit d. Z. als die Kandidaten und deren Chancen in den einzelnen Wahlkreisen bekannt sein werden, friedlich und zum Wohle unseres Volkes und des Landes gelöst werden wird. Die Juden sind nämlich ein sehr wichtiger Faktor und spielen im ökonomischen Leben West- und Ostgaliziens eine so bedeutende Rolle, daß das Übergehen derselben nicht nur ein schreiendes Unrecht, sondern auch politisch höchst unklug wäre. Diese Ansicht ist nicht nur die meinige, sondern auch die der Majorität des Polenklubs und wie ich hoffe, auch der Gesamtheit der Polen unseres Landes. Die Ungeduld und Unruhe in einzelnen jüdischen Kreisen ist daher ganz unbegründet, da es ganz gewiß ist, daß auch nach dem Tode des Dr. Byk eine Verkürzung der Juden durch kein Mitglied des Polenklubs beantragt wurde." ... Die Polen betrachten die Juden nur als Mittel zum Zwecke. Die „jüdischen Polen" haben ein „gutes Recht, die Teilnahme an der parlamentarischen Vertretung des Landes zu verlangen". Und die 200 000 Juden, die nicht polnisch reden? Und die Nationaljuden? Die haben dieses Recht offenbar nicht! Welche Loyalität! Herr Glabinski verwahrt sich vor dem möglichen Verdachte, daß man wirkliche jüdische Mandate schaffen wollte. Nein, behüte! Nur ein paar „Polen jüdischen Glaubens" einschmuggeln. Der „Polenklub" hat vergessen, daß seine Gesinnungsgenossen in Warschau, die „Narodowcy", zu offen ihre Karten gezeigt und auch den. „jüdischen Polen" die Augen geöffnet haben. So leicht werden sie es in Galizien nicht haben! VOM GANZEN ZUM TEIL Von MATHIAS ACHER (Wien) Oft wird von nichtjüdischer Seite behauptet, zuweilen auch von jüdischer, mit Bedauern oder ohne solches zugegeben, daß dem Juden das liebevolle Eingehen, das innige Sichversenken in die Schönheit des Kleinen und des Teils versagt sei. Dieser Mangel werde durch den Schauer vor dem Großen, durch die Anbetung des erhabenen Ganzen nicht aufgehoben — vielmehr unterstrichen. Dieses Zuviel sei ebenso wie jenes Zuwenig Ausfluß einer Art Rückständigkeit oder gar verewigter Unzulänglichkeit der jüdischen Seele. Sie erinnere noch einigermaßen an den primitiven Menschen, der nur die stärksten und gröbsten Natureffekte sieht, nur vor ihnen sich beugt, während doch die Linie der Entwicklung zu immer schärferem Blicken und immer feinerem Erblicken hinführe. Wer nicht die ganze Welt in einem ihrer Atome finden und bewundern könne, habe sich eben nicht zu den höchsten Gipfeln des Menschseins, echter Religiosität nnd echter Kunst erhoben..... So verlockend besonders dieser letzte Satz aussieht, so willkürlich ist er. Von der Wissenschaft verlangt niemand mehr, daß sie um jeden Preis vom Besonderen zum Allgemeinen fortschreite. Gerne läßt man auch den Geist des Ganzen, der befruchtend und erhellend auf alle Teile niederströmt, walten. Gerne gestattet man, daß sich die verschiedenen Anlagen und Temperamente für den einen oder anderen Weg entscheiden. Sollte nun, was für die Wissenschaft recht ist, für die von Haus aus intuitiven Mächte, Religion und Kunst, nicht billig sein? Man wird einwenden, daß das Erfassen des Welt-