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Die Welt · 1906-08-03 · 31 (3.8.1906) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 31 DIE^ELT 19 Palästina gerichteten Absichten so gefördert hat, wie gerade diese Resolution. In der weiteren. Debatte erklärten manche Redner, daß sie absolut die in Liverpool und an andern Orten mittels der vorliegenden Resolution geführte Aktion nicht desavouieren wollten, daß aber jetzt die Abstimmung über diese Resolution überflüssig sei. Mr. Shire's Antrag auf Übergang zur Tagesordnung, da das Meeting es für unnötig halte, nochmals sein Glaubensbekenntnis abzulegen, wird angenommen. Zum Schluß entspinnt sich eine sehr aufgeregte Debatte über einen Antrag Shire: „daß jede offizielle Aktion der Funktionäre der English Zionist Federation zuvor vom Exekutivkomitee gebilligt werden muß," Mr. Shire machte den Führern der Federation Vorwürfe wegen ihrer Art, die Dinge selbständig zu erledigen, insbesondere Mr. Greenberg, daß dieser ohne Wissen des Exekutivkomitees einen gemeinsamen Aufruf mit der Ito im Namen der Federation veröffentlicht habe. Mr. Jacobs, unterstützt von Alderman Moser, beantragt, daß das Meeting sein Bedauern darüber ausspricht, daß der Aufruf mit der Ito unterzeichnet wurde, ohne vorher dem Exekutivkomitee unterbreitet worden zu sein. Mr. Greenberg erklärte, die volle Verantwortung dafür zu übernehmen, daß er in diesem Falle selbständig vorgegangen sei. Über die Gründe, die ihn zur Unterzeichnung des Briefes veranlaßt hätten, wolle er hier nicht sprechen. Aber es wäre lächerlich, auch nur für eine Sekunde ihm oder Sir Francis Montefiore vorzuwerfen, sie hätten itoistische Ideen in irgend einem Sinne angenommen. Die Ausführungen Greenbergs wurden von stürmischen Zwischenrufen begleitet. PercyBaker spricht dann scharf gegen das selbstständige Vorgehen der Leiter der Federation. Es handle sich hier nicht nur um ein sachliches, sondern auch ein formelles Prinzip. Die beantragten Resolutionen Shire und Jacobs werden angenommen. Schließlich gelangte ein Dankesvotum für Mr. Greenberg zur Annahme. Nachschrift Wir haben oben die Ausführungen Dr. Gast er s, die sich auf die Statutenänderung der Kolonialbank und die Teilnahme Dr. Herzls daran bezögen, dem Berichte des „Jewish Chronicle" folgend, wiedergegeben. Wir können nur annehmen, daß hier ein grundlegender Irrtum seitens der Berichterstattung obwaltet. Denn die Tatsachen selbst widersprechen den Äußerungen, wie sie hier Dr. Gaster in den Mund gelegt werden, vollkommen. Wir wollen, urn jedenfalls ein für allemal Irrtümer oder falsche Beschuldigungen auszuschließen, den wirklichen Sachverhalt feststellen: Dr. Herzl nahm persönlich an den Sitzungen des Bankkomitees keinen Anteil. Das Bankkomitee, das mit der Ausarbeitung der Statuten und des Memorandums betraut war, hat seine Arbeiten im November 1898 aufgenommen und sie Ende Februar 1899 beendet. Am 20. März 1899 wurden die Statuten bereits gerichtlich eingetragen. Dr. Herzl aber war in dem Zeitraum vom 8. Oktober 1898 bis 25. Juni 1899 überhaupt nicht in London. Es ist also vollkommen unverständlich, wie Dr. Gaster von einer Teilnahme Dr. Herzls an den Sitzungen und den dabei angeblich gefallenen Äußerungen Herzls zu sprechen berechtigt wäre. Ebenso unverständlich ist die Geschichte, daß in Wien das Wort Palästina aus den Statuten gestrichen worden ist, was Dr. Gaster nachher gerügt haben sollte. Genau umgekehrt liegt der Fall. Das Bankkomitee, zu dem auch Dr. Gaster gehörte, hat auf Vorschlag Bentwich die jetzige Fassung der Statuten angenommen. Dagegen protestierte das A. C. in Wien und verlangte ausdrücklich, daß das Bankkomitee sich strikte an die Kongreßbeschlüsse halten solle. Daß Dr. Herzl nicht an den Sitzungen des Bankkomitees teilgenommen, daß er mit dem vom Bankkomitee gemachten Zusatz „oder in irgendeinem anderen Teile der Welt" nicht einverstanden war und nur die Fassung „Palästina und Syrien" haben wollte, geht klar aus seinen Ausführungen auf dem 3. Kongresse hervor (Kongreßprotokoll S. 79, 80), die wir hier folgen lassen: „.... Punkt 1 der Anklageschrift des Herrn Motzkin war, daß wir eine Änderung eines Kongreßbeschlusses vom vorigen Jahre vorgenommen haben, indem wir in dem Statut der Kolonialbank nicht so ganz die Willensmeinung dieses Kongresses berücksichtigt haben, wie es unsere Pflicht war. Ich kann Ihnen nun aus dem Protokolle des Aktionskomitees folgende Depesche vorlesen, die wir am 8. Dezember 1898 an die in London weilenden Mitglieder des Bankkomitees gerichtet haben: „Bitte im Statut Kongreßbeschlüsse sorgfältig zu berücksichtigen; insbesondere Bestimmungen des Kongreßprotokolls, Seite 149, §1, ferner Seite 172, Präsidialbemerkungen. Auch muß bei Gründershares dauernder Einfluß der Zentralleitung gesichert werden." Ich glaube, diese Öepesche deckt uns vollständig gegen den Vorwurf des Herrn Motzkin, insoweit es sich um das Aktionskomitee handelt. Die Beschlüsse, auf die hier also bezogen ist, sind Seite 149 enthalten (liest): „Unter dem Namen „Jüdische Kolonialbank" wird eine Bank errichtet, welche unter der Aufsicht einer vom Zionistenkongreß eingesetzten Korporation steht. Dieselbe hat die Aufgabe, folgende Unternehmungen zu fördern oder zu begründen, soweit dieselben eine angemessene Rentabilität in Aussicht stellen." Dazu sind nun Präsidialbemerkungen gekommen auf Seite 172 des vorjährigen Protokolls (liest): „Vors. Dr. Herzl: Wenn ich recht verstanden habe, so wünschen die Pro¬ Redner, welche Herrn Dr. Marmorek gewählt haben, daß in den Absatz 1 des § 1 nach dem Worte „Orient" hineinkomme: „Insbesondere in Palästina und Syrien" und im zweiten Absätze nach dem Worte „Ackerbaukolonien" die Worte: „In Palästina und Syrien." Das war eines. Diese Präsidialbemerkungen haben wir in unserer Depesche vom 8. Dezember dem Bankkomitee zur Befolgung empfohlen. Es ist also, insoweit es an uns war, das Notwendige geschehen, und ich zweifle nicht, daß Herr Motzkin sich mit dieser Aufklärung begnügen wird, falls er aber noch weitere Beschwerden hat, sie an dasjenige Organ richten wird, welches die Ausführung dieses von uns angeordneten Kongreßbeschlusses zu besorgen hatte. Ich will damit nicht eine Verantwortung vom Aktionskomitee abwälzen, sondern will nur ins Klare gebracht haben, in welcher sorgfältigen Weise wir die Ausführung der Kongreßbeschlüsse besorgt haben. Es handelt sich ja in der Rede des Herrn Motzkin nicht etwa um einen einzelnen Paragraphen oder um die Außerachtlassung eines einzelnen Wortes, sondern, wie der weitere Aufbau seiner Rede gezeigt hat, folgert er daraus, daß auf den Kongreßwillen von seiten des Aktionskomitees keine Rücksicht genommen wird, was, glaube ich, im Punkt 1, den er vorgebracht hat, mit Recht nicht mehr behauptet werden kann. Wenn nun das Bankkomitee in London eine Änderung vorgenommen hat, so werden die Herren und insbesondere ihr anwesender Rechtsanwalt und Mitarbeiter, Mr. Bentwich, Ihnen zweifellos darüber die juristischen Aufklärungen zu geben bereit sein. (Del. Bentwich macht eine Bemerkung.) Mr. Bentwich meint, daß die Erörterung dieses Punktes nicht hierher gehört und daß es im Meeting der Bank am Platze ist, sich darüber auszusprechen. Ich kann mich enthalten, dazu Stellung zu nehmen, denn für das Aktionskomitee genügt es in der gegenwärtigen Debatte, sich gegen die Anklage zu rechtfertigen, daß wir einen Kongreßbeschluß nicht ausgeführt haben oder die Nichtausführung geduldet haben. (Zustimmung.)..." Daß das Bankkomitee selbst die Änderung vorgenommen hat und warum es glaubte, das Bankstatut so fassen zu müssen, daß „die Kolonisation (die durch die Jüdische Kolonialbank eingeleitet wird) stattfinden kann in Palästina, Syrien oder in irgendeinem Teile der Welt" — erklärte Herr Bentwich auf demselben Kongresse (Kongreßprotokoll S. 154) mit den Worten: „Wenn die Juristen nicht ganz und gar das ausgeführt haben, was (vom früheren Kongresse) verlangt wurde, so hing das davon ab, daß in einigen Punkten die Beschlüsse nach englischem Gesetze nicht durchführbar waren. ..." Damit ist der wirkliche Sachverhalt vollständig klargestellt Verschiedene Nachrichten aus der Bewegung Eger, 26. Juli. Die hiesigen Zionisten veranstalteten am 22. Juli in Franzensbad im großen 'Kursaale einen Vortrag unter dem Titel „Alte Leiden aus neuen Zeiten", da eine Protestkundgebung von der Bezirkshauptmannschaft verboten wurde. Als Redner traten Herr Schriftsteller Fleischer aus Wien und Herr Dr. Margulies aus Teplitz auf, welche die blutigen Ereignisse von Bjelostok brandmarkten. Bielitz. Die am Dienstag im Kaiserhof stattgehabte zionistische Versammlung wies einen starken Besuch auf. Herr Professor Dr. Werner entwarf in seiner gedankenreichen und inhaltsvollen Rede ein Bild von dem Leben und Wirken Theodor Herzls, wies auf seine Bedeutung als Führer hin und schloß mit einem Appell, im Geiste Herzls tätig zu sein. (Lebhafter Beifall.) Herr cand. phil. Mich. Steuer sprach über die Judenmassakers in Rußland. Der Referent unterließ es auch nicht, auf das schmähliche Verhalten, ganz besonders der jüdischen Finanzkreise, hinzuweisen, die um einen erhofften Judasprofit ihre Brüder im Osten dem Henkerstode, den Inquisitionsqualen und entmenschlichenden Verkrüppelungen mit ruhigem Gewissen preisgeben. (Stürmische Rufe: Pfui Taussig!) Hierauf wurde folgende Resolution widerspruchslos angenommen: 1. Die jüdische Bevölkerung von Bielitz-Biala gibt ihrem tiefsten Abscheu Ausdruck über die Verbrechen, die an den jüdischen Brüdern in Bjelostok begangen wurden. Sie verurteilt aber auch jene, die ein derartiges Regierungssystem finanziell unterstützt haben. 2. Sie gibt ihrer Bewunderung Ausdruck für den

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