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Die Welt · 1906-08-03 · 31 (3.8.1906) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18 DIEIaKELT v No. 31 wird, die englische Regierung und Gesellschaft auf den Zionismus als einzige Lösung hinzuweisen. Sir Francis betrachtete es als Vorzug seiner Resolution, daß sie keinerlei Kritik der russischen Regierung enthalte. Gerade gegen diese Auffassung sprach sich Dr. Gaster in scharfen Worten aus. Er erklärte es als Pflicht der Zionisten, die sich durch ihren Mut zur Wahrheit vor den sogenannten jüdischen „Führern" auszeichnen, in einer solchen Resolution die Überzeugung von der Schuld - der russischen Regierung und ihrer Beamten auszusprechen, die durch die Duma erwiesen wäre. Dr. Weizmann schloß sich den Ausführungen Dr. Gasters an, worauf nach einigen Debatten die Resolution mit dem Zusatzantrag Dr. Gasters angenommen wurde. . Hierauf wurden die Finanzen besprochen und auf Antrag Mr. Bentwichs eine Finanzkommission gewählt, bestehend aus den Herren: Percy Baker, S. Aronson, H. Bentwich, M. Jacobs (Birmingham), Lewis (Cardirr) und P. Ettinger (Liverpool). Zu einer stürmischen Debatte kam es sodann wegen der Frage der Abänderung der Bankstatuten. Mr. Aronson und Dr. Weizmann beantragten, daß entsprechend den Beschlüssen des Kongresses, des Aktionskomitees und des Direktoriums alle Besitzer von Shares für die Abänderung der Statuten in dem Sinne, daß die Bank nur in Palästina und den Nachbarländern kolonisieren dürfe, stimmen sollten. Mr. Co wen hingegen beantragte, daß in Anbetracht desUmstandes, daß die vorgeschlagenen Änderungen die Nichtverwendung von Geldern der Bank für Zwecke außerhalb Palästinas und seiner Nachbarländer nicht garantieren können, zur Vermeidung unnützer Geldausgaben bei der nächsten Generalversammlung die Besitzer von Shares gegen die beantragten Änderungen stimmen sollten. Er motivierte das u. a. damit, daß der Kongreß nicht immer die beste Instanz sei, solche technischen Fragen zu entscheiden. Wenn man einmal die Statuten änderte, so würde das später eine gefährliche Waffe in den Händen der Territorialisten sein. Dr. Gast er drückt sein Bedauern aus, daß die Versammlung dazu berufen sein soll, über Dinge zu beraten, die durch die Bestimmung des Kongresses bereits als abgeschlossen erklärt worden waren. Mr. Cowens Stellung als Direktor des Colonial-Trusts wäre mit seiner Tätigkeit in dieser Sache nicht zu vereinigen. Falls er zurücktreten wollte, könnte er sich natürlich volle Freiheit der Bewegung sichern. Es war eine Entstellung der Wahrheit, zu sagen, daß die Statuten, so wie sie jetzt lauteten, eine hinlängliche Garantie dafür böten, daß die Gelder allein für Palästina verwendet würden. Es bestünde die strikte Verpflichtung, die Entscheidung des Kongresses zu unterschreiben und seinem Entschlüsse beizustimmen, — Dr. Gaster erklärt des weiteren, daß er es durchaus nicht wünsche, sich in eine Diskussion über die Originalform der Fassung des Memorandums und der Statuten des Colonial-Trusts einzulassen, aber — da er darüber genau informiert sei, so sei es seine Pflicht, eine einzige, allein bekannte Tatsache vorzubringen. Er verrate keine Geheimnisse, denn es sei vor der vollen Boardsversammlung gewesen, daß sich jener Zwischenfall ereignet habe, dessen er hier Erwähnung zu tun gedenke. — So weit seine Erinnerung reiche, seien bei der Versammlung, die zu dem Zwecke zusammenberufen worden sei, um die definitive Fassung sowohl des Memorandums als der Statuten vorzunehmen, anwesend gewesen: Dr. Herzl als Präsident, dann die Herren Wolffsohn, Kann, Luria, Barbasch und Bentwich, Dr. Jelsky und er selbst. — Es seien möglichenfalls auch noch ein oder zwei andere zugegen gewesen, so z. B. der verstorbene Herr Schalit, jedoch könne er sich nicht für die Namen verbürgen. Es war damals zum ersten Male, daß er sich von der Änderung überzeugte, die in dem Wortlaute des Memorandums vorgenommen worden war. Dieses war an das Aktionskomitee gesandt worden mit dem darin enthaltenen Worte „Palästina". Zu seinem größten Erstaunen fand er nun, daß dieses Wort vollständig ausgelassen worden sei. Dies war einer der Punkte, in denen er nicht mit Dr. Herzl übereinstimmte, und deswegen hätte es sich ihm auch so tief ins Gedächtnis eingegraben. Er erhob Protest dagegen, daß das Wort „Palästina" gestrichen werde, und drang darauf, daß es wieder hineingesetzt werde. — Dr. Herzl opponierte ihm und richtete an ihn die Vertrauensfrage. Dr. Herzl sagte emphatisch: „Vertrauen Sie mir?" worauf er (Dr. Gaster) geantwortet habe: „Aus vollster Seele! Aber", hätte er hinzugesetzt, „nicht jeder von uns lebt ewig, und was für Sicherheiten besitzen wir, daß der Kongreß nicht zusammenkommen und ganz andere Ansichten über die Sache entwickeln wird, als er zurzeit hat?" worauf Dr. Herzl geantwortet habe: „Dann wird es eben nicht länger mehr ein Zionistenkongreß sein." Dr. Gaster ward dann mitgeteilt, daß es eine allgemeine Klausel sei, die in solcher Weise die ganzen Statuten und Memorandums decke und weiter alle Statuten beherrschen solle, und daß ferner in dem ausgegebenen Prospekte Palästina eine hervorragende Stelle einnehme. Das also hätte sich seinerzeit ereignet, ünd so weit ginge des weiteren seine Verantwortung in Hinsicht auf den Wortlaut der Statuten, so wie diese jetzt lauten. Die Umstände haben es gezeigt, daß die Befürchtungen, welche zu jener Zeit ausgesprochen worden waren, vollkommen berechtigt waren, und daß der Kongreß möglichenfalls in die Gefahr kommen könnte, nicht mehr genau die Statuten des Trusts und deren Grenzen feststellen zu können. „Sie müssen", schloß Dr. Gaster. „die Statuten des Trusts abändern, sonst könnte schon morgen von dem Gelde nichts mehr vorhanden sein. —" Bei den Schlußworten kam es zu einer stürmischen Szene. Mr. Cowen fühlte sich durch die letzte Bemerkung beleidigt und apostrophierte Dr. Gaster in heftigster Weise. Der Zwischenfall wurde durch die Erklärung Dr. Gasters, daß sich seine Bemerkung auf die von den Territorialisten drohende Gefahr beziehe, und durch eine Entschuldigung Mr. Cowen's erledigt. Mr. Bentwich wandte sich entschieden gegen die Resolution Cowen. Er sagte u. a., daß die englischen Zionisten ein böses Beispiel von IMoyalität gegenüber dem Kongreß bieten würden, wenn sie, denen eine besondere Verantwortlichkeit auferlegt sei, weil die Bank in England ihren Sitz habe, irgend eine Augenblicksmajorität oder sonst einen Zufall gebrauchen würden, um einen Kongreßbeschluß der Zionisten aller Welt hinfällig zu machen. Was die angebliche Gefahr betreffe, daß die jetzt vorgenommenen Änderungen späteren Aspirationen der Territorialisien Tür und Tor öffnen, so müsse man wissen, daß die Zustimmung von einem englischen Gerichtshof abhänge, und es sei ganz aussichtslos für alle Gegner, nach den jetzigen den Grund Charakter der Bank feststellenden Änderungen, die Gelder der Bank für irgend eine andere Richtung ablenken zu wollen. Mr. Greenberg erklärt gegen Cowen's Antrag zu sein. Dieser wird sodann abgelehnt und die Resolution Aronson-Weizmann angenommen. Der nächste Punkt der Tagesordnung zeitigte abermals eine sehr erregte Debatte. Mr. Cowen brachte die bekannte Liverpooler Resolution zur Akzeptierung durch die Halbjahreskonferenz ein: „Die Abgeordneten des Zentralkomitees der English Zionist Federation stellen ihre Überzeugung fest, daß nur in der Errichtung eines gesetzlich geschützten und öffentlich gesicherten Heims in Palästina eine permanente Hilfe für das jüdische Volk liege. Sie glauben, daß nur Fehlschläge und Enttäuschungen daraus entstehen würden, wenn man den Versuch machte, einen jüdischen Staat anderswo als in der alten Heimat des jüdischen Volkes zu errichten, und daß fortwährende und sich steigernde Verwirrungen entstehen würden, wenn die Judenfrage in dem jetzigen unbefriedigenden und gefährlichen Zustande bleibe, der nur durch philanthropische Anstrengungen gemildert wird, die anerkanntermaßen nicht dagegen aufkommen können. Sie fordern alle Juden sowie alle mit ihnen sympathisierenden Persönlichkeiten auf, die unter der Führung des Aktionskomitees stehende zionistische Bewegung zu unterstützen. Eine Kopie dieser Entschließung ist an den Premierminister, den Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten und den Kolonialsekretär zu senden." jr Unter den Rednern, die hierzu sprachen, befand sich auch Dr. Gaster. Er erklärt u. A., daß viele Redner die Resolution vom Standpunkt einer Kriegserklärung gegen die Ito betrachtet hätten. Wenn sie das wäre, möge man es geradeheraus sagen: Krieg oder nicht. Aber es wäre geradezu eine Beleidigung der Intelligenz der Anwesenden, wenn man jetzt Indemnität für eine vor Monaten gefaßte Resolution verlange, wo doch jeder wisse, daß indessen Pourparlers stattgefunden und gemeinschaftliche Erklärungen mit der Ito von ebendenselben zionistischen Herren veranlaßt wurden, die jetzt die Resolution vorlegen. Wozu also in der Resolution eine Vortäuschung des Krieges, wenn hinterher eine ganz andere Taktik eingeschlagen würde? Er spricht sich gegen die Resolution aus, da die Zionisten, auf ihre Interessen bedacht, doch die Ito nicht stören sollten, wenn sie wirklich etwas Gutes bringen sollte. Mr. Greenberg erklärte, der Grund für die seinerzeitige Einbringung der Resolution sei gewesen, daß man gefunden hätte, die englische Regierung sei von irgend einer Seite informiert worden, der Zionismus sei fertig, sei seit Herzls Tod ohne Bedeutung und die ehemaligen Zionisten hätten sich von Palästina weg einem anderen Lande zugewendet. Da diese Information in viele hohe Kreise eindrang, sei es an der Zeit gewesen, zionistischerseits die Gegenbeweise zu erbringen. Er sei der Meinung, daß die Pläne der Ito unserem Volke nichts Gutes, ja sogar Schaden bringen können. Deswegen wäre es die Pflicht der englischen Zionisten, es klar wissen zu lassen, daß sie allein für Palästina sind. Manche hätten gesagt, die englische Regierung tue solche Resolutionen in den Papierkorb. Er stelle als Tatsache fest, daß nichts unsere auf

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