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Die Welt · 1906-08-03 · 31 (3.8.1906) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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8 DIE^ELT Nö. 31 „Warum sind wir im Golus? Sind wir denn nicht selbst schuld daran?" Aber keine Antwort kam. Ich setzte fort: „Wenn Ihr alt seid, Rabbi, und nicht mehr arbeiten könnt und sollt, habt Ihr doch einen jungen Sohn, er kann Euch ersetzen, — und wenn nicht er, so können doch andere den Platz einnehmen." Der Alte schaute mich mit trüben, ausdruckslosen Augen an und antwortete nicht. Und ich fuhr fort: „Wenn der Vorsteher und das Oberhaupt der Juden nichts für das Volk tut, was können die andern Juden tun?" Und wieder stammelte der Alte: „Wir sind im Golus, wir sind im Golus!" Eine andere Antwort bekam ich nicht von ihm. Das war der vierte Wächter — der jüdische ... (Übersetzt aus der russisch-zionist. Wochenschrift „Kadinnah"). GAZA IN SUDPALASTINA Diese wichtigste Stadt des Südens von Palästina liegt zirka 4 km vom Meere entfernt und zählt gegenwärtig (1906) etwa 40000 Einwohner. Die Bewohnerschaft ist fast rein mohammedanisch; von Andersgläubigen rechnet man nur 750 Christen verschiedener Bekenntnisse und 160 Juden. Mit seinen zirka 39000 Mohammedanern ist Gaza allen anderen Städten Palästinas weit voraus. Jaffa hat etwa 30000, Nablus zirka 240O0, Hebron 17 000 und Jerusalem, Haifa und Safed je nur etwa 7000! Auch ist die Zahl der Nichtrnohammedaner in jeder der anderen erwähnten Städte, relativ und absolut genommen, bedeutend größer. Haben wir damit die gegenwärtigen Bevölkerungsverhältnisse genügend beleuchtet, so lohnt es sich nun, auch einen Blick auf die Bevölkerungsbewegung der Stadt zu werfen. Gaza zählte im Jahre 1840 zirka 2000 Einwohner, im Jahre 1882 waren es 16000, für 1897 finden wir 36000 angegeben, und jetzt ist Gaza bis auf 40000 angewachsen und wächst ständig weiter. Dabei spielen bei dieser Entwickelung, wie wir gezeigt haben, keine europäischen Einflüsse und keine fremde Einwanderung mit. Das Wachstum Gazas beruht vielmehr auf dem natürlichen Reichtum seines Hinterlandes, das auf 2 Millionen Dunam Ackerland geschätzt wird, und in zweiter Reihe auf seinen primitiven Industrien. Als Exportplatz für die überschüssige landwirtschaftliche Produktion des Hinterlandes ist Gaza noch insofern besonders begünstigt, als das Land sehr flach liegt, so daß es selbst ohne Wagenstraßen fast überall auch für Wagen befahrbar ist. Da nun im Norden des Hinterlandes die straßenlosen Südabhänge des judäischen Gebirges sich hinziehen, so konnte die Exportproduktion des ganzen Gebietes., sogar bis weit östlich und nördlich von Berseba, keinen andern Exporthafen finden als den von Gaza, der einzigen unter den einst volksreichen Städten Philistäas, die durch Fruchtbarkeit der Umgebung und sonstige günstige Umstände sich eine gewisse Bedeutung in unsere Zeit hinübergerettet hat. Dabei sind die Hafenverhältnisse miserabel. An der 4 km von Gaza entfernten Küste liegt ein kleiner Ort El-Mineh, — eigentlich nur die Andeutung eines Ortes. Hafenanlagen irgendwelcher Art sind nicht zu sehen, nur einige am Ufer befindliche Felsstücke zeichnen diesen Punkt vor den anderen Stellen der sandigen Flachküste aus. Aber auch hier müssen Schiffe weit im Meer vor Anker gehen, nur ganz kleine Boote kommen ans Ufer heran. Der gesamte größere Schiffsverkehr Gazas drängt ^ich auf die Monate Juli und August zusammen, weil dann die Ernte der Haupt-Exportprodukte — Gerste und Weizen — vorüber ist und weil das Meer um diese Zeit am ruhigsten ist. Die erst 1902 gebaute Straße von Gaza nach El Minen ist schon ziemlich schlecht und stellenweise versandet. Zwischen der 55 m über dem Meeresspiegel liegenden Stadt und der Küste befinden sich Sandhügel. Die Straße fängt an bebaut zu werden, und zur Zeit sind Vorarbeiten für eine Landungsbrücke im Gange, die in einigen Monaten vollendet werden soll. Geschieht dies und kommt dadurch ein besserer Seeverkehr Gazas zustande, so werden . der Hafenort und die Straße zweifellos sehr schnell Bedeutung gewinnen. Man sagt, daß die Regierung Häuserbau und Anlage von Pflanzungen an Straße und Küste begünstigt. Für Baumpflanzungen ist der Boden auch hier zweifellos geeignet, — Gaza selbst ist rings von Gärten umgeben, die bei einer Grundwassertiefe von 30—50 m eine reiche Vegetation zeigen. Der Export Gazas füllt jährlich zirka 25 große Schiffe. Außerdem kommen und gehen fast das ganze Jahr hindurch Segelboote, aber die Gesamttonnage dieses Segelverkehrs ist gering. Für den Personenverkehr und bessere Waren könnte ein Küstenverkehr mittels Segelmotorbooten sehr jnutzbringend werden. Gegenwärtig brauchen die kleinen Segelboote für die Strecke zwischen Gaza und Jaffa (zirka 70 km) im günstigsten Fall etwa 3—4 Stunden (Wagenreise zirka 10 Stunden), manchmal aber auch — bei ungünstigen Windverhältnissen — viel länger. Ein direkter Import existiert fast gar nicht; — das meiste kommt via Jaffa oder Beirut per Boot- oder Kamelfracht. Export und Import — beide im Steigen begriffen — umfassen hauptsächlich die folgenden Artikel: a) Export landwirtschaftlicher Produkte : Gerste, hauptsächlichstes Produkt, vorzüglich für Brauzwecke, jährlicher Export im Werte von zirka drei Millionen Francs. Hauptsächlich nach England. Durrah („arabischer Weizen") zirka 2x\i Millionen Francs. Weizen zirka 2 Millionen Francs. Koloquinten (eine bittere, apfelgroße Melonenart, deren getrocknete und 'geschälte Frucht medizinischen Zwecken dient); der Artikel hatte bis vor kurzem ziemliche Bedeutung für den Distrikt von Gaza. Es kamen zirka 40000 kg zur Ausfuhr, und es wurden zirka 4 Mark per Kilo erzielt. In der allerletzten Zeit hat der Artikel aber an Wert eingebüßt. Sesam (eine Ölfrucht), Hülsenfrüchte, Datteln und andere Früchte, Geflügel und Eier sowie Schafwolle, Häute und Felle vervollständigen die Liste der landwirtschaftlichen Exportprodukte, unter denen, wie man sieht, die zuerstgenannten drei Getreidearten mit einem Werte von zusammen zirka 71 s Millionen Francs bei weitem die Hauptbedeutung haben. b) Export von Industrieprodukten: Die zirka 50 Töpfereien und ebensoviele Webstühle, auch eine Anzahl Färbereien, versehen in diesen Artikeln, soweit es sich um primitive Bedürfnisse handelt, den Markt der Stadt und des Distriktes und liefern noch für 100000 Francs Exportware. c) Der Import Gazas — im ganzen zirka 3* 2 bis 4 Millionen Francs — umfaßt der Hauptsache nach: Baumwollzeuge, gebleicht und ungebleicht, zirka 1000000 Fr. Fertige Kleider, Tücher, Schuhwaren, Sattler- und Seilerwaren, Teppiche, Feze etc.............. „ 1000000 „ Europäische Wollstoffe, bedruckte Baumwollstoffe, Taschentücher u. Strümpfe „ 600000 „ Baumaterialien (Holz, Eisen etc.) ... „ 180000 „ Petroleum, Seife, Steinkohlen......, 100000 „

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