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Die Welt · 1906-07-27 · 30 (27.7.1906) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
30 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 30 . * DIE] des Fanatismus in Ägypten zu veranlassen. Der Schluß, der auf alle Fälle gezogen werden müsse, sei vollauf klar, nämlich eine stetige Vermehrung der britischen Besatzungstruppen auf Kosten des ägyptischen Schatzamts. In einer Depesche vom 14. Mai an den Schatzsekretär Sir Edward Grey sagt der englische Botschafter in Konstantinopel O'Connor, der französische Botschafter habe seine Vorstellungen bei der Pforte energisch unterstützt. Der russische Botschafter Sinowjew habe sofort seine Bereitwilligkeit ausgesprochen, O'Connor jede Unterstützung zu gewähren, die er verlangen würde; der italienische Geschäftsträger sei beim Großwesier für die Be- KELT- --11 willigung der englischen Forderungen eingetreten, und der deutsche Botschafter habe O'Connor versichert, er habe die Pforte wissen lassen, daß sie mit der Besetzung von Tabah durchaus im Unrecht gewesen sei, und bei einer Konferenz der fremden Vertreter wegen der Frage der dreiprozentigen Zollerhöhung habe Freiherr von Marschall O'Connor warm zum Erfolge der Verhandlungen mit der Pforte beglückwünscht; auch der österreichisch-ungarische Geschäftsträger habe sich jederzeit sympathisch über das Vorgehen O'Connors geäußert. VON DER BEZALELSCHULE Die Bezalelschule existiert hier schon seit 5 Monaten und dank ihrem tüchtigen nichtruhenden Leiter, Herrn Professor Schatz) hat sie während dieser kurzen Zeit sowohl in der Kunstabteilung als auch in der Teppichknüpferei, die erst seit zwei Monaten eröffnet worden, solch bedeutende Fortschritte gemacht, wie man sie in einer so kurzen Zeit gar nicht erwartet hätte. Doch gibt es auch Klagen — nicht über die Bezalelschule, aber darüber, daß sie — viel zu klein ist. Denn mehr als 400 Frauen und Mädchen haben sich für die Arbeit der Teppichweberei gemeldet, doch nur 45 sind aufgenommen worden. Die Bevölkerung Jerusalems erhofft vom „Bezalel" die Verbesserung ihrer Lage, die Erlösung von dem Bettelbrote der Chaluka. Sie versteht und fühlt es — und mit ihr auch die frommen Rabbiner —, daß der „Bezalel" sie aus dem Sumpfe der Armut herausziehen und für sie eine stetig fließende Ernährungsquelle sein kann. Die Tatsache, daß der Leiter des „Bezalel", Herr Professor Schatz, dank seinem freundlichen Verkehr mit jedem Einwohner die Sympathie der gesamten Jerusalemer Judenschaft gewonnen hat, hat dem Renommee der Schule auch sehr genützt. Man möchte aber schon jetzt etwas Großes vom „Bezalel" sehen; alle Hände strecken sich aus, daß man ihnen gleich Arbeit geben soll. Eine solche Szene habe ich am 14. Ma1 bei der Aufnahme der Schülerinnen für die Teppichknüpferei selbst gesehen. (Von uns bereits teilweise mitgeteilt. Anm. d. Red.) Der Hof des „Bezalel" war voll von Frauen und Mädchen, die um Aufnahme gebeten hatten. Es sind aber nur 45 aufgenommen worden, denn das Schulhaus bietet kaum genügenden Raum für diese Zahl. Ich habe damals Herrn Prof. Schatz das tiefe Bedauern und sein Mitleid mit der großen Zahl der Abgewiesenen angesehen. Er möchte wohl zweifellos alle aufnehmen alle, die nur arbeiten wollen. . Daran ist aber nicht allein die Raumfrage schuld! Es genügt auch das vorhandene Kapital nicht! Die Bezalelschule wird, wenn sie kein eigenes, großes Haus besitzt, genötigt sein, nicht nur den Plan, eine Abteilung für Ton-, Holz-, Metall- und Steinarbeiten, Kunststickerei und Spitzenklöppelei, worauf so viele Hunderte Familien sehnsuchtsvoll warten, für lange Zeit aufzuschieben, sondern sogar die Zahl der Arbeiterinnen bei der Teppichweberei zu vermindern, da die Schule, wie oben erwähnt, kaum Raum für diese Zahl besitzt und daher viele Mädchen gezwungen sind, unter freiem «Himmel zu arbeiten, was im Sommer noch erträglich, im Winter aber ausgeschlossen ist. Jetzt ist es noch möglich, einen umfangreichen Bauplatz in der Nähe der Stadt zu kaufen, der nicht zu viel kosten wird. Aber man darf mit dem Kaufe nicht lange zögern, denn die Terrainpreise steigen hier außerordentlich. Es ist hohe Zeit, daß unsere Brüder der Diaspora sich in größerem Maße des „Bezalel" annehmen und den jüdischen Einwohnern von Jerusalem so die erwünschte Möglichkeit geben, sich nicht von Almosen, sondern von ihrer Hände Arbeit zu ernähren. Man kann nicht laut und eindringlich genug bitten: „Fördertden Bezalel!" Die Herren Dr. Jacobsohn, Bezalel Jaffe, Mitglieder des Aktionskomitees, M. Disenhof und Treidel, besuchten vorige Woche die Bezalelschule und drückten ihre Bewunderung und Anerkennung angesichts des so schnellen und umfassenden Fortschritts dieser Schule aus. Wir hoffen, daß die Herren Mitglieder des Aktionskomitees ihren Kollegen in Köln anläßlich der Jahreskonferenz von dem großen Nutzen und den Erfolgen des „Bezalel" und seiner fruchtbaren Wirkung auf die Judenschaft in Palästina erzählen und gewiß alles tun werden, um in Europa die nötigen Mittel für einen Bauplatz und ein Haus herbeizuschaffen. Die Vorsteher der großen Synagoge der Aschkenazin, die „die Ruine Rabbi Jehuda Hachassids" genannt wird, haben vor zwei Wochen die Bezalelschule besucht. Nachdem sie ihre Freude und Zufriedenheit über den „Bezalel" ausgedrückt und Professor Schatz beglückwünscht hatten, ersuchten sie ihn, durch die Schüler des „Bezalel" die Synagoge, die die größte Palästinas ist, schmücken zu lassen. Professor Schatz versprach ihnen, ihre Bitte gleich zu erfüllen. Die Malerei wird aus palästinensischen Landschaftenansichten und jüdischen Ornamenten bestehen, die die Schüler während ihrer freien Stunden herstellen. Man ersieht daraus, wie weit der „Bezalel" auidie jüdische Einwohnerschaft gewirkt hat, daß auch die Frommen hier Liebe und Interesse für Kunst und Kunstgewerbe zu zeigen beginnen. Auf Einladung des palästinensischen jüdischen Lehrervereines wird sich Herr Professor Schatz mit seinen Schülern in der Ferienzeit nach Jaffa begeben, wo sie den Lehrern im Zeichnen Unterricht erteilen werden. Dadurch wird der Zeichenunterricht in allen jüdischen Volksschulen eingeführt werden. P. S. In meinem letzten Briefe habe ich leider vergessen, unter den Lehrern der Kunst- und Gewerbeschule „Bezalel" den trefflichen Dekorativlehrer, Herrn Julius Rotschild, aufzuzählen: J. K. Mitglieder des Zionistischen Aktionskomitees in Palästina Man schreibt uns aus Jerusalem vom 16. Juli: Dieser Tage war eine größere Anzahl von Mitgliedern des Aktionskomitees in Palästina als seit langem. Außer Dr. Scheinkin, der schon längere Zeit hier ist, kam vor einigen Wochen Bezalel Jaffe, und vor einigen Tagen trafen auch Dr. Victor Jacobsohn aus Simferopol und Dr. Leo Kohan aus Kischinew ein. Von diesen dürfte Dr. Scheinkin dauernd in Palästina bleiben, Dr. Jacobsohn geht soeben als Direktor der neuen Filiale der Anglo Palestine Company nach Beirut und Dr. Kohan beabsichtigt sich in Jaffa niederzulassen. Die Vertreter des A. C. finden hier auch sehr herzliche Aufnahme. Es ist sicherlich mit Freuden zu begrüßen, daß die zionistische Bewegung immer mehr „persönliche Beziehungen" zu dem Lande der jüdischen Zukunft anknüpft, und es steht wohl zu erwarten, daß eine intimere Vertrautheit mit Palästina künftighin zu zweckdienlicherem Vorgehen auf allen Gebieten führen wird. Die dieser Tage erfolgende Eröffnung der Beiruter Bankfiliale wird gleichfalls als ein wichtiger Schritt nach vorwärts begrüßt. Hoffentlich folgt die Eröffnung der gleichfalls bereits beschlossenen Filiale in Haifa bald nach. R.

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