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Die Welt · 1906-07-27 · 30 (27.7.1906) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
30 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 30 DIE3MELT worden sind, von denen aus diese Revolutionäre auf die religiösen Prozessionen zu schießen im Begriffe seien". Dazu bemerkt die ,jRjetsch" in ironischen Ausführungen: Der teuflische Plan des jüdischen „Bundes" bestand also darin, durch Schüsse in die religiösen Prozessionen, die voraus bestimmt waren und von im voraus bestimmten Punkten zu erfolgen hatten, ein grandioses, entsetzenerregendes, noch nicht dagewesenes Judenmassaker auf dem ganzen Wege der Prozession von Cherson bis Nikolajew hervorzurufen. Der „Bund" war im Begriffe, eine wahre Katakombe von Ermordungen, Folterungen und Plünderungen dem Land darzubieten, um nachher einen Verleumdungsvorwand gegen die Administration zu besitzen, um gegen sie den moralischen Vorwurf richten zu können, daß sie die Pogrome begünstigt hat und um Material für einige Dumareden und einige Zeitungsartikel zu liefern. Wegen dieser unerhörten Rache — unerhört ihrem moralischen Raffinement nach — hat der „Bund" Tausende von Juden unerhörten Leiden preisgeben wollen, um nur vor den Augen der Welt den weltberühmten, jungfräulich-reinen Ruf der russischen Polizei zu beflecken. Aber dieser teuflische Plan — teuflisch nicht in bezug auf die Juden, sondern in bezug auf die Polizei, ist mißlungen; er ist rechtzeitig und so klar und vollständig von der Chersoner Polizei aufgedeckt worden, daß „sogar die Häuser, von denen aus die Schüsse erfolgen sollten, bekannt wurden". „Merkwürdige Menschen!" fährt die „Rjetsch" fort. „Indem sie solche Mitteilungen drucken lassen, befinden sie sich im Wahne, daß ihnen einer glauben wird, daß jemand durch diese Berichte der „lokalen Administration" sich wird irre führen lassen. Die Schlüsse, die man aus den vom „Regierungsboten" angeführten Tatsachen ziehen kann, sind gerade das Gegenteil von denen, die die Regierung zieht (die nämlich, daß die Gerüchte von Pogromen, wo sie auch erscheinen mögen, an und für sich schon eine Lüge sind), sondern daß die Regierung immer imstande ist, wenn und wo sie es will, nicht zuzulassen, daß solche Gerüchte zur Wirklichkeit \verden." Die München er „Jugend" brachte jüngst ein „erlauschtes Gespräch" dreier Bjelostoker Juden: Der erste Jude: Ich muß sagen, ich fühl mich nicht mehr wohl in Rußland! Seit drei Wochen keine Judenmetzeleien mehr! Wo uns doch nichts eine größere Freude bereitet, als gemetzelt zu werden!" Der zweite Jude: „Wie wär's, wenn wir den Popen ermordeten?" Der erste Jude: „Das langt nicht! Wir müssen sie bis zur Besinnungslosigkeit reizen! Bedenkt die Enttäuschung, wenn Aufrechtes Judentum sie uns nicht hinschlachteten! Dann hätten wir die ganze Mühe umsonst gehabt!" Der dritte Jude: „Wie wär's, wenn wir die Kirche in Brand steckten?" Der zweite Jude: „Auch das wirkt nicht sicher!" Der erste Jude: „Wenn wir aber eine Bombe in die Prozession würfen?" Die beiden andern (entzückt): „Gott segne dich für diesen Gedanken! Du zweiter Salomo! 0, das wird wirken! Ich fühle schon, wie mir die Augen ausgestochen werden! Welche Wonne! Ich sehe ein Blutbad ohne Gleichen! Heil uns, daß wir endlich die saumseligen Christen dazu bringen werden, uns zu metzeln!" Man sieht, was hier die Phantasie eines Satyrikers ersonnen, ist doch noch Dilettantismus gegen die authentischen „Enthüllungen" der russischen Polizei. Der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung von Wilna, für die durch das Massaker in Bjelostok Geschädigten tausend Rubel zu spenden, wurde vom Gouverneur von Wilna nicht bestätigt. Der Gouverneur hätte sich die menschenfreundliche Aktion ersparen können: denn das Bjelostoker jüdische Hilfskomitee hatte schon vorher folgende Resolution gefaßt: „Das Komitee zur Unterstützung der vom Pogrom in Bjelostok betroffenen Juden hat in seiner Sitzung vom 23. Juli, nachdem es durch die Presse von der Sitzung der Wilnaer Gemeinde Kenntnis erlangt hat, wo der Vorschlag, das Andenken der während des Pogroms Ermordeten durch Erheben von den Sitzen zu ehren, abgelehnt wurde, einstimmig beschlossen: Die Debatten und die Handlungen der Wilnaer Stadtduma in dieser Frage betrachtet das Komitee nicht nur als Schmähung der eben bestatteten Leichen der unschuldig zu Tode Gemarterten, sondern als eine Beleidigung der ganzen jüdischen Bevölkerung. Ein Almosen seitens solcher Leute würde eine neue Schmähung der Leiden der Unglücklichen bedeuten, weshalb die assignierten 1000 Rubel abzulehnen sind und die Wilnaer Stadtbevölkerung davon in Kenntnis zu setzen ist." Es hieße die stolze Würde dieser Antwort abschwächen, wollte man eine andere Bemerkung daran schließen als die, daß das Bjelostoker Hilfskomitee den warmen Glückwunsch aller entgegennehmen darf, denen unsere nationale Ehre teuer ist. POGROMGEFAHR UND POGROMPANIK Einem uns aus einem großen jüdischen Zentrum Rußlands noch vor Auflösung der Duma zugegangenen Telegramm entnehmen wir üe nachfolgende Schilderung der schrecklichen Situation der russischen Juden, die jetzt durch den Sieg der Hofkamarilla natürich noch eine bedeutende Verschärfung erfahren hat: .........„Die momentane Lage der jüdischen Bevölkerung n Rußland ist eine solche, daß wir uns in einer äußerst prekären, a direkt gefahrvollen Position -befinden. Wir haben sogar allen Cirund, zu befürchten, daß, wenn die letzte Stütze des absolutistischen Regimes, das Ministerium Goremykin, einem parlamentarischen Ministerium seinen Platz wird räumen müssen, die gesamte Kamarilla, die mächtige Hof- und Junkerpartei, die sämtlichen „schwarzen" Tausende und Millionen wahrscheinlich wieder mit einem Blutbade m den Juden sich rächen werden, analog den berühmten Oktober- Jagen 1905, die gleich nach dem Konstitutionsmanifest vom 17. Oktober uns als Zahlung für den freiheitlichen Sieg folgten. Noch gefährlicher, wenn es anders kommt. Schon jetzt leben wir die letzten Wochen in fortwährender Angst, jeder Markttag, jede kirchliche Prozession, jede größere Versammlung, jeder christliche Feiertag bildet für uns einen Moment der Angst; man flieht von einer Stadt nach der andern; man weiß nicht, wo man ruhig den morgigen Tag durchleben wird. . . ." Wir erhielten in den letzten Tagen aus mehreren großen Städten Rußlands Telegramme, die übereinstimmend von der allenthalben herrschenden Pogrompanik und Pcgromgefahr berichten. Gefahren für den 28. Juli Wir erhielten am 23. Juli nachstehendes Telegramm, das wir sofort auch der Presse weitergegeben haben: „Die gesamte jüdische Einwohnerschaft Rußlands steht vor neuen unerhörten Gefahren. Auf den 15. (28. n. St.) Juli, den Jahrestag der Wasserweihe, werden Massenmetzeleien befürchtet. Überall, wo Juden wohnen, arbeiten in den letzten Tagen die Hooligans mit erhöhten Anstrengungen und ganz öffentlich. In vielen Städten finden Propagandaversammlungen der sogenannten patriotischen Vereine der echtrussischen Leute statt, die die Kerntruppen der schwarzen Bande bilden. In diesen Versammlungen wird in furchtbarster Weise gegen die Juden gehetzt. Im Namen der Religion werden Waffen verteilt und Abschlächtungen der Juden 2*

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