Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 29 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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wir neue, noch schrecklichere Pogrome. Die Regierung verleumdete, indem sie< sagte,"nichtvsie, > sondern das russische Volk Bei an den Pogromen schuld» -Das ganze jüdische Volk erwartet, daß diese niederträchtige Verleumdung zurückgeworfen wird.- Ich bitte Sie, zu verkünden, daß nicht Sie, sondern die Regierung, die noch immer auf ihrem alten Platze sitzt und ihr elendes Gewehr schußbereit hält, Pogrome erstrebt. Solange diese Regierung die.. Macht hat, wird es Pogrome geben, aber Sie werden sie zwingen, wegzugehen und werden sie bestrafen!" (Langanhaltender Beifall.) Rede des Rechtsanwalts Winäwer Redner erklärt die Rolle der Regierung in der Organisation der Pogrome und führt etwa folgendes aus:. „Ich muß mich im voraus entschuldigen, wenn meine Selbstbeherrschung meinem Wunsche nicht entsprechen wird. Mein Wunsch ist: eine Zeitlang alle meine Gefühle zu unterdrücken und das Material einer kaltblütigen Kritik zu unterziehen. Ich muß gestehen, daß ich nicht die Kraft hatte, die vier Druckbogen, die uns unsere Kommission als ihren Bericht vorlegte, zu Bnde zu lesen. Doch gelang es mir, meine ganze Aufmerksamkeit auf ein anderes Dokument zu konzentrieren, das man uns seitens des Ministeriums verteilte. Ich studierte dieses Dokument und frage mich nun, indem ich meine Gefühle des Schreckens zurückdränge, was hat die Regierung angesichts dieser Greuel, die das Blut zum Erstarren bringen, dem Lande vorgetragen? Sie sagt: „In Bjelostok gibt es Revolutionäre. Alle diese Revolutionäre sind uns bekannt; wir wissen, wo sie wohnen, sogar wie sie gekleidet sind; aber unsere Organe, unsere Polizei sind desorganisiert, und diese Desorganisation stört uns in dem Kampfe mit den Revolutionären." Das ist das Ergebnis der Regierungserzählung. Was soll das bedeuten? Die Regierung erklärt, daß sie nicht imstande ist, die Macht zu organisieren, die die Revolution bekämpfen könnte. Das erklärt diejenige Regierung, die als ihr einziges Ziel während eines Jahres den Kampf mit der Revolution erklärt hatte! Sie merkt nicht, daß sie in einen Kreis gerät, aus dem es keinen Ausweg gibt. Wenn die Regierung sagt: „Es gibt eine Revolution", wenn sie als ihre Hauptaufgabe die Unterdrückung der Revolution erklärt und dabei zugibt, daß sie es nicht kann, weil man die Macht aus ihren Händen herausgerissen hat, so bedeutet das, daß sie sich selbst das Todesurteil unterschreibt. „Meine Leute", sagt sie, „wagen nicht, in die Straßen zu gehen, wo die Revolutionäre wohnen, wagen nicht, sie zu. verfolgen, obwohl sie sie schon an den Kleidern erkennen." Und daher. .. daher überträgt die Regierung die Schuld derjenigen, die sie nicht bestrafen kann, nicht zu bestrafen wagt, auf Unschuldige. (Großer Beifall.) Als die Bjelostoker Deputierten dem Gouverneur sagten: „Wenn die Anarchisten schuldig sind, so bestraft sie doch!", antwortete dieser naiv: „Das darf man nicht. Die liberale Presse wird schreien, die Duma wird schreien!" Man fürchtet also vor den Anarchisten, man fürchtet vor der liberalen Presse, desto kühner aber geht man gegen Unschuldige, Schwache und Wehrlose vor. Eine solche Regierungsmethode ist nicht nur ein Zeichen der Machtlosigkeit, sie ist eine Verleugnung und eine Vernichtung aller Grundlagen von Macht. Und wenn unsere Regierung nur einen Tropfen Gewissen hätte, hätte sie sich sagen müssen: „Ich habe keine Macht und keine Kraft, um da$ auszuführen, was ich für einen Ausweg halte, — mögen denn andere kprrunen, die, andere Mittel besitzen. Ich gehe. ..." Aber dieser Tropfen von Gewissen fehlt eben. Sie will vielmehr ihre Politik , fortsetzen,!und zwar auf dein; Wegen von Bjelostok. •In \ Bjefp§tQk war es eigentlich kein Pogrom. Es war eine '."jPöslIz^i^.^lihd :MiUtäreiJ>editioh zur Einschüchterung der Revolutionäre raittefö,jEr;niordung Unschuldiger, per Grodnoer,Gouverneur sagte aücft:,;,„Ei *w$r\: kein Pogrom, es war ein Schußwechsel mit den Revolutionären,—jawohl, aber nur von einer Seite! Wenn eine wirklich starke Macht, die auf Vertrauen, auf den Sittlichen1 (Jrundlägen des Reckfes* basiert,' vernichtet wird, dann mft& Ms lallen ^finsteren Löchern etwas Schän dliches, Niederträch- : ti^es uKeräüskrlecheij. "Und wahrhaftig, —1 dieses Schlangenzischen hörerrWJf üschönr aus; allen Äußerungen der Admiriistratioh von pb<eif utiten. Bte; Leute hören auf, offen zu handeln, und g^braüchfeh1 Pmvökafeüre;- hetzen Schuldige "gegen Unschuldige! .." (GröBe^^Beifallr) - v y :- . Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen bringt, der R&dner eirie ganze'vReiHe;^bW Tatsachen, bekannten 'und^ün^ekärinten^ die von otefr' proVökatöttsc^eh ' Tätigkeit der Admihistration- Zeugnis ^ablegen. ,{{im* Brzäfrftj; wie holie Beamten ä 1a öeheimrät' Läwfow*) beinahe* l<ffiizi$lBrö^breri Verbreiten, die zur gähzlichen'Aüsmerzung M^'äv^ml' Wie Proklamationen „An /die: SüÖateil* in -!i^'/,:t. tv Hi\: v < u. : •;(••.- jiC-lifJii«ii,;.* ivjglv:wPpUtiscÄfrRevweffo.^iBltoEogiwmEatorik^ioftf in. .Mn$e;r$r,<letzten Nummer.. den Regierungstypographien gedruckt werden. Wie andere Beamte und Polizisten Waffen an Hooligans verteilen und selbst zahlreiche blutige Morde begehen, nicht nur ohne bestraft zu werden, sondern noch Belohnungen dafür empfangend. Wie gerichtliche Untersuchungen in eine zynische Komödie verwandelt werden. Er deckt eine Reihe von Fälschungen auf und erzählt vom Verschwinden von Dokumenten, die die Wahrheit offenbaren könnten. Im Laufe der glänzenden Rede entrollt sich vor den Zuhörern ein entsetzliches Bild der Tätigkeit des „Pogromzentrums" im Schöße der Regierung. „Bei allen Pogromen," sagt der Redner, „wiederholt die Regierung dieselbe schablonenhafte Phrase: Unter euch gibt es Revolutionäre, infolgedessen kommen Pogrome vor." (Zu den Ministern gewendet): „Verstehen Sie denn nicht, daß, wenn man Menschen so peinigt, wie Sie uns peinigen, man sich höchstens darüber wundern kann, daß diese Menschen so spät und in so geringer Zahl das einzige Heilmittel in der Revolution erblicken? Wir Juden sind ein Volk von großer Langmut. Aber wir haben zu lange und zu viel geduldet. Wir sehen mit Entsetzen, daß die Blüte unserer Jugend, die sich, gehetzt durch die Unerträglichkeit der Qualen, in den Kampf stürzt, unter den Schlägen der Feinde zugrunde geht. Begreifen Sie doch endlich, daß jede Geduld sich erschöpft, daß diese Jugend, welche selbst so viel gelitten hat, welche weiß, was ihre Väter und Großväter ertragen haben, nicht mehr demütig alles weiter ertragen und geduldig den Rücken unter die Schläge bergen will. Indem Sie •die Revolution verfolgen, haben Sie ein neues gefährliches Mittel angewendet. Wenn die Polizei in ein verbrecherisches Werkzeug der Rache der Administration verwandelt wird und vollständig demoralisiert wird, ist es schrecklich; dabei aber haben wir es doch mit einem Element zu tun, das vom gesellschaftlichen Organismus losgelöst ist und kaum einmal zu ihm zurückkehren wird. Und dieses Element ist es, das jetzt das Militär führt. Das Militär aber ist eine Kraft, die zum Volke zurückkehren muß. Die Armee entstammt dem Volke, sie ward dem Volke entnommen, um in eine disziplinierte Masse umgewandelt zu werden, in ein Ganzes, das dem Wohle des Landes dienen soll; statt dessen hetzen sie die Armee gegen andere Bevölkerungsteile, tragen eine Demoralisation hinein, und mit dieser Krankheit behaftet, die entsetzlicher als jede physische Ansteckung ist, wird das Militär in die heimatlichen Dörfer und Städte zurückkehren. Wir sind fest überzeugt, daß nicht .das russische Volk uns gegenüber feindlich gesinnt ist, sondern diese Clique, welche für eigene Ziele das Volk gegen uns zu hetzen versucht. Verbrecherisch blind, merken Sie nicht, daß Sie nicht nur uns, das jüdische Volk, zermalmen, sondern auch den gesunden Körper der großen, russischen Masse, den ganzen Staatsorganismus untergraben. Sie werden damit nur das erreichen, daß Sie die ganze Armee in etwas verwandeln werden, was keine Regierung, keine Gesellschaft dulden kann. Sie wagen es, dieselbe schreckliche Ansteckung in den Staatsorganismus einströmen, zu lassen. Sie wagen es, die Administration zu demoralisieren, damit Sie Ihre wirklichen eigennützigen Absichten und zugleich Ihre tiefe Machtlosigkeit zudecken können. Für uns ist es so klar. Und ich erkläre von dieser Tribüne aus, wie ich es schon einige Mal getan habe: Wir sehen vor uns keine andere Rettung als die, daß Rußland von* dieser Clique, dieser. kleinen Clique, die es jetzt beherrscht, befreit wird. Wenn die Regierung mit besonderem Eifer ihre Pfeile gegen uns Juden richtet, werden wir trotzdem unseren Weg nicht ändern. Wir sind nicht zahlreich, aber wir besitzen eine große Kraft, — die Kraft der Verzweiflung. Und wir haben auch einen Verbündeten, das ist — das große russische Volk, das > von echter Menschlichkeit erfüllt ist.. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Rede desP r. Schemar j ah Levrin *Nach allemr was hier über Bjelostok und über den Bjelostoker; Pogrom gesägt worden ist, hätte ich. auf das Wort verzichten sollen. Ich habe aber, ^veranlaßt durchs einige Worte und Redewendungen des Bischofs Roop, im letzten Augenblick mich doch entschlossen; zu sprechen;] :Es ist selbstverständlich^ daß .der Pogrom den' Barone Roop?wie einen jeden von uns empört; dabei verfällt i-aber» Baron - Roop onibewußt^ in* denselben Fehler, den unser; < Ministerium. wissentlich begeht,- in den Fehler nämlich, daß er das ■ ganze Judentum für.<das verantwortiieh macht, was von.-" einer ,v jüdischen Organisation getan wird, indem er diese Organisation U nicht i mit ihrem Namen, sondern einfach „die jüdische Organisarion"!< nenniJ. :: M - vm *.-. '•.*■.;..•'■■.■■':l ...r. .f Meine rjsrreh, ich hatte schon einmal die Gelegenheit - Und benutze sie jetzt wieder, den Gedanken auszusprechen, daß.lauf dem,, Gebete des; .politischen Bewegungen, auf. dem Qffebte der ., ,,yeSq fceine,Besc^ ist, und d^,(^^u^n .s^ nach m^ns£tben Gesetzen '.^nilwickeln, wie , die "fos^en,' Polen; etc. Sie