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Die Welt · 1906-07-20 · 29 (20.7.1906) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
29 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 29 DIE^ELT Auf eine Anregung des Herrn Dr. Jackson wurde für die Zwecke der Federation gesammelt, und 800 Dollars kamen auf diese Weise zusammen. Im Namen der Philadelphia Convention überreichte Dr. B. L. Gordon Herrn Dr. Friedenwald die Urkunde über dessen Eintragung in das Goldene Buch. Das Bankett schloß erst spät mit dem Singen der „Hatikwah". 4. SITZUNG (Dienstag) Die weitere Debatte über die Palästinaarbeit wurde eingeleitet durch Verlesung des Vortrags übe. Palästinafragen, den Herr Prof. Warburg seinerzeit auf dem deutschen Delegiertentage in Hannover gehalten hat und der in diesen Blättern schon veröffentlicht war. An diesen Vortrag schloß sich eine ausgedehnte Diskussion, in der die Delegierten fast allgemein sich mit den dort gemachten Vorschlägen für landwirtschaftliche und industrielle Unternehmungen in Palästina ganz und gar einverstanden erklärten, sich aber gegen die rein kulturellen Pläne aussprachen, die man als unnötig bezeichnete. Dr. Schechter sagte u. a.: „Wir verwenden zu viel Zeit und Mühe auf das Studium der Bedingungen, Palästina ist auf viele Jahre hinaus hinreichend erforscht. Wir können keine Kolonie auf Literatur aufbauen. Unsere nächste Sorge ist die Vorbereitung kolonisatorischer Unternehmungen. Wir sollten uns bemühen, auch andere jüdische Organisationen für die Durchführung dieses Werkes zu gewinnen. Der Staat kann noch ein Jahrhundert auf sich warten lassen, aber die Kolonisationsarbeiten müssen sofort beginnen." Es sprachen noch Prof. Dembitz in ähnlichem Sinne, H. Jackson, der sich mit dem Berichte durchaus einverstanden erklärte, Dr. P. Mendes, der für eine Besiedelung der Euphrat-Länder eintrat, die ehemals zu Palästina gehört hätten usw. usw. Am Schlüsse der Sitzung wurde bekannt gegeben, daß 3 Anteilscheine von je 1000 Mark für das geplante Industriesyndikat gezeichnet worden seien. 5. Sitzung (Mittwoch) In dieser Sitzung beschäftigte man sich hauptsächlich mit dem Territorialismus, der einstimmig zurückgewiesen wurde. Es wurde eine Resolution angenommen, daß in Zukunft ein Mitglied der Jewish Territorial Organisation nicht als Mitglied des Exekutiv-Komitees der Federation gewählt werden könne. Eine andere wichtige Resolution betraf das Verhältnis der Federation zu dem Bunde der „Knights of Zion", der zionistischen Organisation des Westens. Es wurde beschlossen, daß, falls der Bund nicht binnen drei Monaten seinen Beitragsverpflichtungen gegen die Federation nachkomme, das Abkommen mit dieser Organisation für null -und nichtig erklärt und die zionistischen Vereine des Westens aufgefordert werden sollten, der Federation direkt beizutreten. Hierauf fanden die Wahlen statt. Dr. Friedenwald erklärte, den Vorsitz wieder übernehmen zu wollen, wenn die Vereine die Federation in finanzieller Beziehung mehr als bisher unterstützten. Diese Aufforderung genügte, um sofort die Sammlung von 1000 Dollars zu veranlassen, die für die Deckung der alten Verpflichtungen der Federation verwandt werden sollen. Die Wahlen ergaben folgendes, mit stürmischem Beifall aufgenommenes, Resultat: Präsident: Dr. Henry Friedenwald, Baltimore; Vize-Präsident: E. W. Lewin-Epstein,New-York; Sekretär: Rabbiner Dr. J. L. Magnes, New-York; Schatzmeister: Henry Jackson, Pittsburg. Beisitzer: Dr. E. Felsenthal, Dr. S. Schaffer, Dr. P. P. Mendes, Dr. Max Heller, Rabbi A. M. A. Shinsky, Miss Henrietta Szold, G. T. Tunkle, Dr. L. N. Dembitz, Dr. Alexander Marx, Dr. W. Freudenthal, Rabbi A. Horowitz, Dr. David Blaustein. In das Exekutiv-Komitee wurden gewählt: S. Abel, Dr. Adolf Radin, Professor S. S. Chester, Hon. N. T. Phillips, J. De Haas, ' S. Goldman, Dr. B. L. Gordon, Philadelphia; S. Avner, Dr. B. L. Singer, Philadelphia; Professor M. Schioesinger, Dr. S. Lovenberg, Rev. M. Eichler, E. Livingston, A. Rosovsky, D. Lubarsky. Mit Ansprachen von Dr. Friedenwald und Dr. Magnes und dem Gesänge von zionistischen Liedern schloß hierauf die Konferenz. Die diesjährige Tagung der American Zionist Federation war unbestritten die bedeutendste und wichtigste seit Bestehen der Organisation. Schon die Teilnahme von 300 Delegierten stellt einen Rekord dar. Man kann sogar nicht einmal behaupten, daß die amerikanischen Zionisten dieses Ergebnis vorausgesehen hätten. Im Gegenteil: man ist gerade diesmal unter der Einwirkung der schweren Ereignisse, der letzten Vergangenheit mit einiger Besorgnis nach Tannersville gegangen. Niemals aber sind die Delegierten mit so viel Hoffnung, mit so reicher Ausbeute an neuen Anregungen und Plänen nach Hause zurückgekehrt. Das lag nicht nur an der ausgezeichneten Vorbereitung der diesjährigen Konferenz, die als mustergültig bezeichnet werden kann, das lag vor allen Dingen an der alle überraschenden Fülle von Arbeitslust und Zionstreue, die aus allen Reden und Handlungen der Delegierten herausklang.. Die Konferenz hat gezeigt, daß der Zionismus in Amerika seinen Siegeslauf eben erst begonnen hat. Das Ereignis cler Tagung bildete das einmütige Eintreten der Delegierten für die Palästina-Arbeit, und gerade 'diesem Umstände ist nicht zum wenigsten der glänzende Verlauf der Konferenz zuzuschreiben. Lag doch der Kleinmut, dem man vor der Konferenz oft begegnete, größtenteils in dem Glauben der weitesten Kreise begründet,, daß der einzelne Zionist als solcher nicht praktisch an der Bewegung mitarbeiten könne. Das ist jetzt anders. Jeder weiß jetzt, daß es jedem Zionisten möglich ist, mit beiden Händen, mit ganzer Kraft an der realen zionistischen Arbeit mitzutun. Man wird nicht zu weit gehen, wenn man annimmt, daß das von der Konferenz beschlossene Palästina-Programm, das seinen Ausdruck findet in dem Beschlüsse der Errichtung eines eigenen amerikanischen Palästina-Komitees, nicht nur die Zionisten Amerikas mit frischer Energie erfüllen, sondern daß dieses Programm auch die Billigung der weiteren Kreise finden wird, die bisher dem scheinbar theoretischen Zionismus fern gestanden haben. Schon lassen manche Anzeichen darauf schließen, daß einige derjenigen, die bisher dem Zionismus immer nur sehr wenig sympathisch gegenübergetreten sind, bereit sind, für die praktische Arbeit in Palästina mit ihrem Einfluß und — ihren Mitteln einzutreten. Die Jahreskonferenz in Tannersville bedeutet also einen Wendepunkt in der Geschichte des amerikanischen Zionismus. Der Präsident der Federation of American Zionists, Dr. Harry Friedenwald, hat an den Präsidenten des Aktionskomitees, David Wolffsohn, nach der Konferenz folgenden Brief gerichtet: Baltimore, 8. Juli 1906. Sehr geehrter Herr Wolffsohn! Die Konferenz unserer amerikanischen Federation ist soeben vorbei. Ich möchte Ihnen gerne danken für den Brief, den Sie die Güte hatten, uns zu senden, und möchte Ihnen sagen, daß unsere Konferenz in jeder Hinsicht außerordentlich zufriedenstellend verlaufen ist. Was die Energie und Hingebung der Anwesenden anbelangt, so übertraf diese Konferenz alle früheren; der Eifer der Delegierten, mit der einen Hand an der Palästinaarbeit teilzunehmen und mit der andern das Aktionskomitee zu stützen, war ebenso stark wie aufrichtig. Die Konferenz faßte einen Beschluß, daß in Zukunft jeder Abzug vom Schekel vermieden werden soll; sie hofft, daß die andern Federationen die gleiche Stellung zum Aktionskomitee einnehmen werden. Auf dieser Konferenz wurden annähernd 5000 Mark für den Nationalfonds gesammelt, ungefähr 1000 Dollars zur Deckung des Defizits in der Kasse der Federation, und drei oder 4 Anteilscheine ä 1000 Mark für das Palästinasyndikat wurden gezeichnet. Ich schreibe Ihnen dies, weil ich überzeugt bin, daß Sie erfreut sein werden, zu vernehmen, wie sehr sich die Situation der Federation gehoben hat, und daß wir annehmen können daß die Arbeit des Aktionskomitees von unserer Seite immer größere Unterstützung erfahren wird. . . . Ich verbleibe mit den besten Wünschen und Zionsgrüßen Ihr ganz ergebener Harry Friedenwald. Unsere geehrten Abonnenten deren Bezugszeit mit dem 30. Juni abgelaufen war, ersuchen wir nochmals dringendst um rechtzeitige Einsendung des Abonnementsbetrages, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Expedition.

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