Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 29 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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8 — — DIE 3 und dem Exekutiv-Komitee darüber berichten. Die Vereine sollen keinerlei Unternehmungen für Palästina ohne sein Einverständnis einleiten. Der Vorsitzende des Komitees für Publikationen soll die journalistische Arbeit der Federation überwachen, mit Ausnahme der Zeitschrift „Maccabaean". Er soll die Herausgabe zionistischer Literatur für die Federation besorgen. Sodann wurde eine Resolution angenommen, daß die Federation künftig keine Abzüge vom Schekel mehr machen, sondern den ganzen Schekeleingang unverkürzt dem A.-C. überweisen soll. Der Jewish Colonial Trust und das Zentralbureau des Jüdischen Nationalfonds sollen ersucht werden, von allen Eintragungen, Sammlungen und Käufen aus Amerika, die nicht durch Vermittlung der Federation erfolgen, dieser Mitteilung zu machen. Nach Verlesung verschiedener Begrüßungstelegramme schloß die Sitzung. Massen-Meeting Am Abend fand eine außerordentlich gut besuchte Massenversammlung statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Präsident Dr. Friedenwald, der die Versammlung leitete, führte in seiner Eröffnungsrede aus, daß die Massenversammlungen der Federation nicht länger Freudenfeste darstellten. „Der Tod Dr. Herzls und die Greuel in Rußland haben die Freude aus unsern Herzen vertrieben und sie mit Leid und Sorge erfüllt. Immer leben wir jetzt in Angst vor dem kommenden Tag." Er beglückwünschte die Federation zu ihrem glänzenden Werke und fuhr fort: „Wir sind heute besser daran als früher, denn wir haben aus der Geschichte unserer Bewegung gelernt. Wir wissen jetzt ganz genau, was jeder einzelne von uns tun kann für die Zukunft seines Volkes. Ich bin überaus erfreut, den Fortschritt unserer Arbeit in Palästina zu sehen und die Befriedigung, die die Delegierten darüber empfinden. Wir haben große Erfolge in Amerika erreicht, und einer davon ist der Beitritt eines der bedeutendsten Juden der Welt, Dr. Salomon Schechter." Hieraufsprach Dr. Schechter, von lebhaftem Beifall empfangen. Er erinnerte zunächst daran, daß dieses die erste öffentliche Zusammenkunft von Zionisten sei, bei der er spreche. Er habe schon vielen Versammlungen in seinem Leben beigewohnt, niemals aber habe ihn eine mit größerer Befriedigung erfüllt als die heutige. Sodann erinnerte er an die nationale Grundlage des Zionismus und bat, darüber die religiöse Grundlage nicht zu vergessen. „Der Nationalismus bringt uns wieder in Zusammenhang mit unserer Tradition, mit unserer Geschichte. Unsere Basis muß eine nationalreligiöse sein, wie unsere Religion eine nationale ist. Religion und Nationalgedanke sind im Judentum untrennbar. Der Zionismus hat in uns wieder wachgerufen, was seit Jahren und Jahrhunderten in uns schlummerte. Wenn aber der Zionismus zugleich eine religiöse Bewegung darstellt, hat der Territorialismus keinen Raum darin. Ich habe den Zionismus seit seinen Anfängen verfolgt und habe gefunden, daß 80 bis 90 Prozent seiner Anhänger immer nur Palästina im Auge haben und kein anderes Land. Die Ito hat nichts zu tun mit dem Zionismus, der Zionismus ist eine Hoffnung, ein Gebet, die Ito ist eine Sache von Dollars und Cents. Alle unsere Hoffnung, unser ganzes Innenleben wurzelt in Palästina, und nirgends können für uns geistige Probleme wahrhaft gelöst werden als in Jerusalem, in Erez Israel." Hierauf sprach Dr. Louis N. Dembitz aus Louisville, der vom Vorsitzenden als „Der amerikanische Hebraist" eingeführt wurde. Er knüpfte an die völlige Gleichberechtigung der Frauen innerhalb der zionistischen Bewegung an, die ihm ein Beweis dafür ist, daß wir in einer neuen, besseren Zeit leben. ,Jch bin", so führte er aus, „kein Territorialist, wenn ich dafür eintrete, daß wir unsere Bemühungen auch auf die Nachbarländer Palästinas ausdehnen sollen; dennL die Wissenschaft hat längst festgestellt, daß in alten Zeiten unter Palästina ein bedeutend größeres Gebiet als heute verstanden wurde. Wenn - uns daher von irgendeiner Seite die Länder am Euphrat angeboten würden, sollten wir sie nicht zurückweisen, denn dieses Land ist fruchtbar und liegt nahe unserm Vaterland, und dort brauchen wir nicht zu fürchten, daß der Zar seine blutige Hand über uns ausstrecken wird." Der folgende Redner, Rev. Ashinsky aus Pittsburg, wandte sich in seiner Ansprache direkt gegen die Ito. Er sagte: „Die Ito sucht eine Heimat, der Zionismus sucht die Heimat. Der Zionismus ist nicht ein Produkt des Antisemitismus, sondern des Semitismus;- Der Zionismus ist nicht allein für die Verfolgten, sondern für alle Juden, Engländer und Amerikaner sowohl als auch Russen. Der Itoismus ist philanthropisch, er ist rein wohltätig. Er baut auf dem Fundamente, das der Zionismus errichtet hat; er versucht, die Früchte zu ernten aus dem Samen, den die Zionisten gesät haben. [ELT No.29' Wir wollen nicht angreifen, aber wir werden nie aufhören, uns zu verteidigen und weiter auszuharren und zu hoffen." Die Überraschung des Abends brachte die Rede des Herrn A. H. Fromenson, der sich, kurz entschlossen, direkt rnit einem Appell an die reichen Kaufleute wandte, die ihren Sommeraufenthalt in Tannersville verbrachten. Nur einen Augenblick nach seiner Aufforderung kam die erste Spende, ein Scheck über 100 Dollars, gespendet von einem Newyorker Herrn. Großer Beifall der Delegierten. Und nun folgte Spende auf Spende. Insgesamt wurden 1000 Dollars gesammelt, und damit die Versammlung zu einer Rekordversammlung gestempelt. Dann sprachen noch Dr. Magnes, der hervorhob, daß das A. C. fortwährend bestrebt sei, die politische Arbeit des Zionismus weiter zu führen, und der einen begeisterten Appell an die Anwesenden richtete, all ihr Sinnen und Trachten auf den Ausbau der'zionistischen Organisation zu-richten. Schlußredner war Rev. H. Masliansky, der jüdisch sprach und sich gleichfalls gegen den Territorialismus wandte. Zum Schlüsse gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: „Da das jüdische Volk durch die Blutbäder in den Städteu Rußlands während des letzten Jahres, des furchtbarsten Jahres in der Geschichte des modernen Judentums, außerordentlich gelitten hat, wird beschlossen, daß diese Massenversammlung von Juden unsern russischen Brüdern und Schwestern die wärmste Sympathie ausdrückt, und wird ferner beschlossen, daß diese Massenversammlung ihre Überzeugung ausdrückt, daß es kein Heilmittel für die Leiden des jüdischen Volkes gibt, außer dem Zionismus." Die Delegierten waren alle einmütig der Meinung, daß die Leitung, die die Geschäfte der Federation im verflossenen Jahre in solch zufriedenstellender und ergebnisreicher Weise geführt hatte, auch für das kommende Jahr an der Spitze der Federation bleiben müsse. Im Hintergrunde des Saales wurde deshalb eine improvisierte Versammlung abgehalten, und eine Abordnung wurde entsandt, um die Herren Dr. Friedenwald und Magnes zu bitten, nochmals zu erscheinen. Aus der Mitte der Versammlung ertönten Hochs auf Hochs, Rufe wurden laut: „Friedenwald muß Präsident bleiben, Magnes mus Sekretär bleiben" und obwohl es fast Morgen war, ließ man nicht ab, die beiden populären Führer immer und immer wieder mit Bitten zu bestürmen, eine Wiederwahl anzunehmen. Und nicht eher ging man auseinander, bis sich Herr Dr. Friedenwald bereit erklärte, seine Rücktrittserklärung noch einmal in Erwägung zu ziehen. Hervorgehoben verdient noch das hübsche Arrangement der Halle zu werden, sowie die schönen Andenken, die von der Maccabaean Publishing Company an alle Delegierten verteilt wurden. 3. SITZUNG, (Montag) Die wichtigste Arbeit der Konferenz war für Montag aufgespart. An diesem Morgen wurde die Frage der praktischen Arbeit in Palästina behandelt und unter geradezu großartiger Begeisterung der Bericht der Palästina-Kommission entgegengenommen. Eröffnet wurde die Sitzung durch Verlesung eines Briefes von Dr. Nordau, in dem dieser von der Bedeutung des Zionismus als des idealen Punktes in der gegenwärtigen kritischen Lage des Judaismus spricht. „In Palästina", schreibt Dr. Nordau, „müssen wir uns vorläufig auf das Studium des Landes, auf dessen Möglichkeiten für die Organisation und auf die Schaffung von Erziehungs-Jnstituten, wie Bezalel, Kindergarten und die Schulen von Jaffa und Safed beschränken." Um so mehr aber müsse jeder seine Kräfte anstrengen, denn nur eine starke Organisation kann hoffen, das Ziel zu erreichen, für das sie geschaffen wurde. Hierauf verlas man einen Bericht der Palästina-Kommission, verfaßt von Herrn Prof. Warburg, in dem mitgeteilt wurde, daß die Kommission begonnen habe, in Palästina zu arbeiten und in der die Ziele des (hier schon erwähnten) Industrie- Syndikates für Palästina dargelegt wurden. Der Bericht fand eine äußerst sympathische Aufnahme. Einstimmig war die Konferenz der Aussicht, daß, wenn auch der Kongreß beschlossen habe, keinerlei Kolonisationsunternehmungen vor Erlangung eines Charters vom Sultan zu unternehmen, man doch mit der praktischen Arbeit in Palästina beginnen müsse. Es wurde demgemäß beschlossen, die Palästina-Kommission und ihren Vorsitzenden Prof. Dr. Warburg auf das tätigste zu unterstützen. Montag abends, fand ein Bankett statt, vielleicht ,das großartigste Bankett, das. je amerikanische Zionisten gefeiert haben. Die Tische waren mit Blumen und Fahnen geschmückt, zionistische Lieder wurden gesungen und den führenden Persönlichkeiten stürmische Ovationen bereitet. Ansprachen hielten die Herren Fromenson, Dr. Schechter, Dr. Magnes und Dr. Jackson. Misslsaacs verlas ein von ihr verfaßtes Gedicht.