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Die Welt · 1906-07-13 · 28 (13.7.1906) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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No. 28 - — - ■•- - ' ■ ---------DIE] alle. Dazu, plagt man sich — ,— so hätt' mein Mann das Geschäft aufgegeben in zwei, drei Jahren, wir wären weggezogen aus der Leopoldstadt — — es ist kein schönes Geschäft, Klara, die Leute, mit denen man zu tun hat — wie gesagt, hör' Dir ihn nur an, wie er spricht. Und den ganzen Tag ist er dort, ganz unentbehrlich ist er schon, zu nichts mehr zu haben. Wenn ich mir Deinen Willi anseh', was das für Bursch ist, ein flotter Student —" Ich bemerkte, daß er mir weniger flott lieber wäre. „Ach was, die Bescheidenheit. Schau Dir meinen an! Das weiß nicht den Mund aufzumachen, wenn ein Mädel zu ihm spricht, das liest nichts, das weiß nicht, was in der Welt vorgeht, das hat keine Interessen außer Wollpreisen. — Ich weiß, mein Mann war auch nichts KELJ 21 andres und hat viel Geld verdient und hat eine Frau bekommen. Aber jetzt ist das Geld da — und der Paul sollte anders heiraten als sein Vater. Aber er ist ein Wolljud — ein Wolljud wie sein Vater! Dazu plagt man sich--" Ich hätte ihr wohl sagen kennen, daß das unvermeidlich war. Der ärmste galizische Schankjude, der ungebildete russische Pächter, sie können Gentlemen zu Söhnen haben, weil die zu Hause etwas „Jüdischkeit", etwas — sagen wir Idealismus sehen. Wie soll aus dem reichen Haus in der Praterstraße, in dem nie ein Gedanke gedacht, selten ein Gespräch geführt wird, das nicht mit Geldverdienen zusammenhängt, etwas andres hervorgehen als eben nur ein Geldverdiener? '"^^QTaiQgp 1 >Sfiaoan| VERSCHIEDENES 3ro?5^H cnbffciv I Hilfsaktion für Galizien Am Sonnabend den 6. Juni fand in den Räumen des Hilfsvereins der Deutschen Juden eine Sitzung der galizischen Kommission unter Zuziehung einer Anzahl kompetenter Persönlichkeiten statt Von dem Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien in Wien waren die Herren Dr. Pappenheim und Dr. Lederer nach Berlin deputiert worden. Als Vertreter der Jewish Colonisation Association war Herr Justizrat Dr. Edmund Lachmann erschienen. Aus Hamburg wohnte der Sitzung der Vorsitzende des jüdischen Zweigkomitees des deutschen Nationalkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels, Herr Gustav Tuch, bei. Die Großloge für Deutschland war vertreten durch Herrn Justizrat Timendorfer und Siegmund Bergel, der Hilfsverein der Deutschen Juden durch Herrn James Simon und Dr. Paul Nathan. Auf spezielle Einladung wohnte der Sitzung ferner Herr Bankier Ernst Caro, Berlin, bei. Ihre Abwesenheit entschuldigt hatten die Herren Dr. Hildesheimer und J. Wisloch, Frankfurt a. M. Die Wiener Herren waren in der Lage, neue Projekte vorzulegen, um unseren Glaubensgenossen in Galizien Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Einen besonders erfreulichen Aufschwung hat die Spitzenhäkelei genommen. Aus den Berichten, die die Wiener Herren die Güte hatten, zur Verfügung zu stellen, teilen wir die folgenden Tatsachen mit: Meusandez: In der Sitzung der Ortsgruppe wurde hervorgehoben, wie sehr dieser Erwerb den verschämten Armen dieser Stadt zugute komme. S am bor: Die Spitzenhäkelei bewährt sich ausgezeichnet und entwickelt sich von Tag zu Tag; es sind 52 Arbeiterinnen, durchweg arme Mädchen und Frauen, beschäftigt, für welche dieser Verdienst eine wahre Wohltat ist. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir noch höhere Summen an Verdienst erzielen werden. Tlumacz: Alle klammern sich an die Spitzenhäkelei und es sind schon beinahe 50 Mädchen damit beschäftigt. Wygoda: Ich habe über 50 Schülerinnen. Die Industrie ist wirklich ein Segen für alle. Von Bolechow höre ich, daß die Mädchen bis zu 5 fl. wöchentlich verdienen. Pistyn: bittet um Einführung der Häkelindustrie. Nadworna: Die Sache macht großartige Fortschritte. Etwa 100 Frauen und Mädchen arbeiten und verdienen 5—10 Kronen wöchentlich. Gliniany: Es verdienen solche Mädchen 6, 7 und 8 Kronen wöchentlich, die noch nie wußten, was Arbeit und Verdienen ist, und sind sehr glücklich. Unter diesen Umständen wird alles Notwendige geschehen, um die Weiterverbreitung der Spitzenhäkelei zu fördern. Der Wiener Hilfsverein übernimmt diese Aufgabe. Allseitige Zustimmung fand der Plan, Analphabetenschulen in Galizien zu errichten. Der Wiener Hilfsverein ist mit den Vorarbeiten betraut worden, die notwendig sind, um derartige Schulen ins Leben zu rufen. Durch die Tätigkeit des Herrn Tuch in Hamburg besteht bereits eine solche Schule in Lemberg. Andere Projekte, die vorgelegt worden sind, wurden bis auf die Einzelheiten durchgesprochen. Es mußte aber allseitig konstatiert werden, daß noch eingehende Untersuchungen angestellt werden müssen, bevor an die Verwirklichung der Pläne herangetreten werden kann. Da es außerordentlich schwierig ist, auch von Wien aus die geeigneten Informationen und die nötigen Details über die Verhältnisse in Galizien zu erhalten, so bewilligte der Hilfsverein der Deutschen Juden in Übereinstimmung mit der Großloge für Deutschland 4000 Kronen ausschließlich zu dem Zwecke, damit eine geeignete Persönlichkeit angestellt wird, die Galizien bereist und die einschlägigen Verhältnisse studiert, so daß auf Grund der so gesammelten Materialien zweckmäßige Vorschläge für die Weiterführung des galizischen Hilfswerks gemacht werden können. Der erste Obmannschaftstag der Jüdischen Turnerschaft Am 3. und 4. Juni hat in Prag die erste Tagung der Obmannschaft der Jüdischen Turnerschaft stattgefunden. Außer den Vertretern des erst während der Tagung dem Verbände beigetretenen Jüdischen Turnvereins zu Prag nahmen an den Beratungen der in Berlin ansässige Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft und zum Teil durch mehrere Abgesandte die Bundesvereine in Berlin, Wien, Stettin, Proßnitz, Mährisch-Ostrau und Bilitz-Biala teil, während einige der am Erscheinen verhinderten Obmänner schriftliche Referate eingesandt hatten. Die Obniannschaftstagung hat in verhältnismäßig kurzer Zeit ihren Teilnehmern eine Fülle von praktischen Anregungen gebracht und ein gut Teil ersprießlicher Arbeit geleistet. Von besonderem Interesse waren zunächst die Berichte des Ausschusses und der einzelnen Vereine, aus denen hervorging, daß die Turnerschaft im verflossenen Jahre innerlich und äußerlich kräftiger geworden ist. Einige schwächlichere Vereine sind eingegangen, dafür sind zukunftsreichere dem Verbände beigetreten oder neu gegründet worden, so daß die Zahl der Bundesvereine auf 15 gestiegen ist. Die im vergangenen Jahre erfolgte Festlegung der Tendenz des Verbandes, die damals Gegenstand heftiger Angriffe eines Teiles der Presse gewesen ist, hat sich in der Praxis aufs beste bewährt. Der auf dem IL Turntage gegründete Verbandsfonds hat sich als sehr wirkungsvoll und segensreich erwiesen. Von den gefaßten Beschlüssen, die der Aufgabe der Tagung entsprechend nur die praktische Arbeit berühren, sei erwähnt, daß die Herausgabe eines turnerischen Elementarleitfadens in Aussicht genommen ist, der den besonderen Bedürfnissen der Jüdischen Turnerschaft entsprechen soll, und daß die Entsendung eines Wanderturnlehrers in einige der Vereine vorbereitet wird. Für den weiteren Ausbau der Organisation scheint es bedeutungsvoll, daß sich im mährisch-schlesischen Gebiete, wo mehrere Vereine einigermaßen benachbart zusammenliegen, spontan das Bedürfnis nach engerem Zusammenschluß in einem eigenen Kreise bemerkbar gemacht hat. Als größere Veranstaltung ist im Jahre 1907 der III. Jüdische Turntag geplant. Auf Grund eines von Dr. Ludwig Werner, Wien, dem Vorsitzenden der Obmannschaft, vorgelegten Entwurfes wurde ein Normalstatut für jüdische Turnvereine, dessen Fehlen bisher schon lebhaft empfunden worden ist, durchberaten.

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