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Die Welt · 1906-07-13 · 28 (13.7.1906) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Baumwollkultur in Palästina Der soeben erschienene englische Konsularbericht sagt hierüber: Alle Anstrengungen, die eine Liverpooler Firma zur Förderung des Baumwollbaues in Palästina gemacht hat, sind resultatlos verlaufen, obwohl die natürlichen Bedingungen günstig wären. Der Mißerfolg ist auf die Unfähigkeit und Faulheit der Eingeborenen zurückzuführen, die bei der Ausführung der Pflanzungs-Anweisungen zu nachlässig waren. Der Bericht sagt dann weiter: Wenn ein europäischer Spezialist hierherkommen und Versuche in genügend großem Maßstabe anstellen, d. h. etwa 120 Hektar bepflanzen würde» so meine ich, daß er damit den Eingeborenen zeigen könnte, wie profitabel es für sie wäre, sich mit dieser Kultur zu beschäftigen, und diese Tatsache würde auf ganz Palästina von Einfluß sein. Land ist hier zehnmal so billig wie in Ägypten, der Boden ist reich und eignet sich für diese Kultur (vor 30 Jahren wurde Baumwolle in Palästina in großem Maßstabe und erfolgreich angebaut), die Arbeitskräfte sind billig (eine Mark pro Tag von 10 Stunden), Bewässerung ist möglich, wo sie erforderlich sein sollte, das Klima ist geeignet, und die Behörden wären gern bereit, solche Unternehmungen zu unterstützen, da der Nutzen für die Regierungebenfalls beträchtlich wäre. Soweit die neueste englische Regierungs-Drucksache. Bekanntlich wurden auch von jüdischer Seite Versuche unternommen, die aber aus verschiedenen Zufallsgründen ohne Erfolg blieben. Die geplante Versuchsstation könnte, wenn gut geleitet, hier Großes erzielen. Aber auch für die Privat-Initiative liegt hier ein wichtiges und zweifellos lohnendes Objekt vor. Natürlich gehört Fachkenntnis zu einem solchen Unternehmen. Aber Kenntnis und Erfahrung und sogar einen Teil der nötigen Mittel könnte man ohne große Schwierigkeit von Ägypten her bekommen, wenn für einen ernsten Versuch hinreichende Kapitalien und für den Fall des Erfolges Eventual-Zeichnungen von Europa aus gestellt würden. Jüdische Kapitalisten könnten sich durch ein von den Verhältnissen fast gebotenes Zusammengehen mit den großen englischen und deutschen Baumwoll - Interessentenkreisen die anderwärts gesammelten Erfahrungen in solchem Maße sichern, daß ein Fehlschlagen des Unternehmens so gut wie ausgeschlossen erscheint. Der Vorteil gegenüber den ägyptischen Landpreisen sollte allein schon genügen, Kapitalisten anzulocken. Bei einem von der türkischen Regierung gern gesehenen Unternehmen, an dem noch dazu auswärtiges Kapital stark beteiligt wäre, wird auch von irgendwelchen administrativen Schwierigkeiten nicht die Rede sein können. V foo □ □□□ FEUILLETON □ □□□ HD§ WIENER QUAI-JUDEN Von K. ELLENER. Ich habe kein Herz für unsere Wiener Quai-Juden. Ich weiß, daß sich manches für sie sprechen ließe; sage ich's doch selbst, wenn sie in meiner Gegenwart angegriffen werden. Ich weiß auch, daß nicht alle über einen Leisten geschlagen sind, denn ich kenne selbst ein paar ganz prächtige Menschen unter ihnen. Aber sie sind im großen ganzen von einer unjüdischen Qemütlosigkeit, die sie mir fremd macht. Ich kann nicht mit ihnen mitfühlen; nicht mit ihren Freuden und nicht mit ihren Leiden. Und doch ist mir neulich bei einem Quai-Juden eine Tragikomödie vorgekommen, die mich gerührt hat, trotzdem sie oder vielleicht gar weil sie so ganz, so folgerichtig aus den typischen Verhältnissen entsprungen ist. Die Frau ist eine Schillfreundin von mir, und ich habe noch bis vor ein paar Jahren mit ihr verkehrt, wie man eben gedankenlos, als müßte es so sein, mit den Jugendfreundinnen weiter verkehrt. Wir haben schon lange, lange nichts mehr miteinander gemein, und vor fünf, sechs Jahren habe ich mich recht über sie geärgert, so daß ich nicht mehr zu ihr hinauf ging. Der Anlaß ist übrigens bezeichnend genug, um mit ein paar Worten erwähnt zu werden: ein Mädchen aus unserer Vaterstadt, eine Näherin, kam eines Tages zu mir und bat um eine Unterstützung. Sie hatte einen schweren Lungenspitzenkatarrh und bedurfte laut ärztlichen Zeugnisses dringend eines Aufenthalts im Süden, wenn sie nicht zugrunde gehen sollte. Da sie aber nur von ihrer Arbeit lebte — und das sehr knapp — konnte sie natürlich weder die Reise noch den Aufenthalt, während dessen sie ja feiern mußte, erschwingen. Ich war selbst nicht in der Lage, ihr ausreichend zu helfen, und wandte mich daher auch an meine Bekannten; alle steuerten nach ihren Verhältnissen bei. aber die reiche Frau Hirschfeld, die doch auch, wie ich, eine Landsmännin des armen Mädchens war, sandte eine Krone, sage und schreibe eine Krone, mit dem Bemerken, sie bitte mich ernstlich, sie künftig mit Betteleien zu verschonen. So kam ich also mit ihr auseinander, aber im Vorjahre erschien sie plötzlich bei mir, beklagte sehr, daß wir einander so selten sähen und rückte endlich mit dem Zwecke ihres Besuches heraus. Ihr Ältester, der in der siebenten Realschulklasse war, stand in Französisch bedenklich schwach, und sie hätte so gerne einen tüchtigen Lehrer, der ihn sicher durchs Examen brächte. Ob ihr mein Bruder nicht einen empfehlen könne? Sie zahle, soviel man wolle. Ich sah bald, daß sie es auf meinen Bruder selbst abgesehen hatte, wollte aber ihre Andeutungen nicht verstehen, denn mein Bruder hatte gerade genug zu tun, ohne gar noch Nachhilfestunden zu geben. So sagte ich nur, ich würde meinen Bruder fragen und ihr schreiben. Das tat ich denn auch, und durch den empfohlenen Lehrer, einen Schüler meines Bruders, hörte ich dann noch, daß der Junge, der nicht dumm und nicht faul war, glatt durchgekommen sei und im Herbst auf die Technik gehen sollte. Vorige Woche nun traf ich sie im Wartezimmer eines Arztes, und als ich mich nach dem Burschen erkundigte, erzählte sie mir, beinahe unter Tränen, daß er nach einem Semester von der Technik fort und in das Tuchgeschäft seines Vaters eingetreten sei. „Ja", hat er gesagt, „es freut mich nicht. Was habe ich das nötig? Ich werde das Geschäft fortführen und verdienen, warum nicht?" Ich hab' geglaubt, meinem Manne geschieht was, und ich---Du solltest ihn hören, Frieda, wie er schon spricht, jetzt, nach drei Monaten, Ein richtiger Handelsjud, wie sein Vater, wie

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