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Die Welt · 1906-07-13 · 28 (13.7.1906) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No.28 DIE%|gEL.T= 19 Pogrompanik Die Pogrompanik dauert noch immer an. Wir registrieren nur einige der vielen Meldungen: Dem Mitgliede der Duma J. B. Jollos teilen die Vorsteher der jüdischen Einwohner von Poltawa mit, daß dort große Unruhe wegen der Agitation der „echt russischen Leute" für einen Pogrom herrscht. Flugblätter, die dazu anstiften, werden auch unter den Soldaten verteilt. Die Administration von Poltawa beweist auch ihre Bereitheit zu einem Pogrom. Als besonders gefährlich im Hinblick auf einen Pogrom sind die Tage vom 13. Juli und 2. August zu betrachten, wo religiöse Prozessionen, an denen große Volksmassen teilnehmen, stattfinden. Aus Romni, Gouv. Poltawa, meldet man, daß die jüdische Bevölkerung, welche in den Oktobertagen einen solch schrecklichen Pogrom mitgemacht hatte, sich der" Gefahr eines neuen Pogroms gegenübersieht. Die jüdische Bevölkerung ist äußerst aufgeregt und glaubt nicht an die Wirksamkeit der Mittel, die die Administration angewendet haben soll. Aus Konstantinograd telegraphierte man an einen Abgeordneten : Die Agitation zugunsten eines Pogroms wird weiter fortgesetzt. Wir flehen, an kompetenter Stelle veranzulassen, es sollen. dagegen energische Mittel ergriffen werden, da die Gefahr besonders groß ist, angesichts eines bald stattfindenden Jahrmarktes. Schwere Pogrom=Gefahr in Warschau? Warschau, 11. Juli. (Telegr.) Heute haben zahlreiche jüdische Familien die Stadt verlassen, da ein Gerücht in Umlauf kam, daß am morgigen Peter und Pauls-Tage ein Pogrom stattfinden solle. Alle Züge sind überfüllt. Es herrscht große Erregung. Man will wissen, die Behörden hätten sich für machtlos erklärt infolge der durch die jüngsten Mordtaten gegen Schutzleute eingetretenen Desorganisation der Polizei. JERUSALEM Von DAVIS TRIETSCH, JAFFA (Schluß). In die weltfremdnur - religiöse Anschauung der Chalukah- Nehmer sind, bei Lichte besehen, schon so viele Breschen geschossen worden, daß in prinzipieller Beziehung uns nicht allzuviel zu tun geblieben ist. Längst schon schicken zahlreiche Chaiukahleute ihre Kinder in die verpönten modernen Schulen und nehmen sie nur zu der Zeit heraus, wenn der Besuch des Chalukah- Inspektors droht, — längst hat man sich damit abgefunden, daß die „heilige" Sprache von Tag zu Tag mehr eine Sprache des Lebens wird und profane und sogar technische Worte und Bezeichnungen in sich aufnimmt, — und längst hat man auch angefangen einzusehen, daß die Arbeit das Beten nicht beeinträchtigt.] Eben jetzt ist in-Jaffa der Handfertigkeits-Unterricht in einem Cheder eingeführt worden, und die neue Kunstgewerbe -Schüle „Bezalel" in Jerusalem flößt der Orthodoxie keinerlei Schrecken ein, sondern begegnet eher einer Art neugierig-wohlwollender Passivität, und von dieser bis zu aktiver Anteilnahme ist nur ein kleiner Schritt, den übrigens einige schon hinter sich haben! Es gilt also, die Fehler der Vergangenheit so weit als möglich wieder gut zu machen oder zum mindesten nicht fortzusetzen. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um wenigstens in einigen Dingen mit der Orthodoxie gemeinsame Sache zu machen. Und da schließlich doch im zionistischen Lager nicht wenige Orthodoxe sich befinden, und da die Orthodoxie Jerusalems ebenfalls zahlreiche progressive Elemente enthält, so sollte diese Aufgabe so gar schwer nicht sein; — von großer Bedeutung ist sie sicherlich. Mir scheint, daß industrielle Unternehmungen die beste Giundlage sein werden, auf der ein Zusammenarbeiten der bisher gegnerischen Elemente bewirkt werden kann. Hier spielen keine Prinzipienfragen mit wie etwa bei den Schulen. Hier würde nur das wirtschaftliche Interesse gelten» fewid dieses wendet sich an alle Klassen und Parteien. Die Frage ist nur, ob die Bedingungen für industrielle Unternehmungen günstig sind. Was die Gesetzgebung betrifft, so ist sie für Handel und Industrie in der Türkei jedenfalls unvergleichlich günstiger als für die Landwirtschaft. Die Frage der Materialien zwingt uns, gut Umschau zu halten, bevor wir eine spezielle Wahl unter den möglichen Industrien treffen, denn vieles wird dadurch gehindert, daß manche Materialien und Hilfsmittel hier nicht so bequem zu haben sind wie in europäischen und amerikanischen Zentren. Auch der Umfang der Industrien wird, besonders im Anfang, vorsichtig zu begrenzen sein. Für große Industrien ist das Land noch nicht reif, — hier würde auch das Fehlen von Kohle, entwickelten Wasserkräften etc. im Wege stehen, — und dann braucht jede Entwicklung, und besonders jede industrielle, ihre bestimmten Vorstufen, die sie nicht straflos überspringen kann — — — — Bei dieser Lage der Dinge war es ein guter Gedanke zur rechten Zeit, durch die schon erwähnte Kunstgewerbeschule „Bezalel" solche Industrien vorzubereiten, die keine großen Einrichtungen, Maschinerien etc. erfordern, sondern bei denen die Handarbeit und daher der Arbeitslohn die wichtigste Rolle spielen. Nicht nur „Bezalel", sondern jede Bestrebung, die auf Schaffung von Arbeitsgelegenheit mittels Industrie hinausläuft, muß den Gesichtspunkt als leitenden erkennen: daß gegenwärtig das Verhältnis des Arbeitslohns gegenüber Einrichtungen und Materialien bei der Auswahl von Industrien maßgebend sein muß. Selbstverständlich ist dabei, daß Industrien, die mehr Hände beschäftigen können, meist den Vorzug verdienen, selbst vor in anderer Beziehung besser geeigneten. Besonders aber muß darauf geachtet werden, daß bei den kunstgewerblichen Arbeiten (wie „Bezalel" sie einführen will, und die tatsächlich zurzeit wohl das aussichtsreichste kleinindustrielle resp. hausindustrielle Unternehmen größeren Umfanges darstellen) Schulung und Industrie hinein richtiges gegenseitiges Verhältnis gebracht werden. Nur bei guter Durchbildung beider — einer schulmäßigen der Schule und einer kaufmännischen Behandlung des industriellen Teils — kann das Hand in Hand-Arbeiten beider Seiten gesichert werden, das uns allein verspricht, in kürzester Zeit ein Maximum von Resultaten herbeizuführen — — Auf solchen Wegen kann bei planmäßigem und taktvollem Vorgehen eine bedeutende wirtschaftliche Stärkung der städtischen Bevölkerung Palästinas und gleichzeitig ein harmonisches Zusammengehen der „Orthodoxen" und der „Progessisten" herbeigeführt werden, — beides Zwecke, und jedes von beiden gleichzeitig Mittel zur Erreichung des andern. In dem Maße aber, in dem diese „Hebung" und „Verständigung" vor sich geht, — in demselben Maße wird es auch gelingen, allmählich die Chalukah zu einer wirtschaftlich wirksamen Einrichtung umzugestalten zum weitaus größeren Nutzen sowohl der Empfänger wie der jüdischen Gesamtheit. Denn dann wird die heute so viel geschmähte und doch selbst heute schon positiv so wirksame Institution tatsächlich sein, was ihr als leitender Gedanke zu gründe lag: Eine Hilfe zum Wiederaufbau Zions!

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