Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 28 (13.7.1906)
- Date
- 1906-07-13
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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18 DIE 2 wird, durch Ahndung dieses scheußlichen Verbrechens weiterem Blutvergießen Einhalt zu tun. Die Versammlung spricht die Erwartung aus, daß die Lage der russischen Juden zum Gegenstande der Beratung auf der nächsten Haager Friedenskonferenz gemacht werde. Zionistische Protestversammlung in Kolin Der jüdische Volksverein „Zion" in Kolin veranstaltete angesichts der Judenmassakers in Bjelostok am 29. Juni im Saale der Schloßrestauration eine Protestversammlung unter überaus zahlreicher Beteiligung. Unser neu eingetretenes Mitglied Herr JUDr. Josef Podvinec, hier, meldete sich zum Worte, schilderte in beredten Worten die sich so oft wiederholenden Judenmassakers, von Hornel angefangen bis auf die letzten grausamen Vorkommnisse in Bjelostok, konstatiert zu seinem Bedauern, daß nicht nur alle Mächte dazu £E LT No. 28 und daher auch nirgends eine wahre Heimat finden können. Es bleibe daher nichts anderes übrig als eine internationale Regelung der Judenfrage, welche auch im Interesse aller Kulturstaaten gelegen sei. Der Referent unterläßt auch nicht, auf das schmähliche Verhalten der europäischen christlichen, als auch jüdischen Finanz, sowie, auf die jedem menschlichen und Freiheitsgefühl Hohn sprechende Inschutznahme der russischen Regierung durch Dr. Kramarz in flammender, oft durch tosenden Beifall unterbrochener Rede hinzuweisen. (Rufe: Hanba Kramarz, Pfui Taussig): Er schloß seine begeisterte Rede mit einem Apell, mitzuwirken an der Schaffung einer rechtlichen gesicherten Heimstätte in Palästina. Hierauf wurde vom Herrn Direktor Wertheimer folgende Resolution beantragt und einstimmig angenommen; 1. Die jüdische Bevölkerung Prags gibt ihrem tiefsten Abscheu Ausdruck über die Verbrechen die an den jüdischen Brüdern in Erschlagen in Bjelostok schweigen, sondern sogar^in Österreich |Herr"f Drf Kramarz, sonst ein gewiegter Politiker,^ sich 'so weif verstiegen hat,*[inTder österreichischen^ Delegation] zuTsagen: „Wer Wind säet,'3erntet Sturm". In 'derselben Tonart 'schrieben auch die sogenannten freisinnigen „Narodni listy", woraus zu ersehen ist, daß wir Juden einzig und allein nur auf uns selbst angewiesen sind, und daß der Zionismus mit allen Mitteln zur Verwirklichung des Baseler Programmes wirken muß. Am Schlüsse seiner Ausführungen wurde Redner mit außerordentlichem Beifall belohnt und eine sehr energisch gehaltene Protestresolution einstimmig angenommen. Protestversammlung der Prager Zionisten Heute fand um 11 Uhr vormittags im großen Saale des Hotels Zentral eine von allen zionistischen Vereinen Prags einberufene Protestversammlung gegen die Bjelostoker Greuel statt. Der Saal war überfüllt. Die Späterkommenden konnten keinen Einlaß finden. Es waren nicht nur Zionisten, sondern auch Juden sämtlicher Parteischattierungen, sowie Vertreter der Kultusgemeinden und verschiedener Vereine, endlich auch Deutsche und Tschechen erschienen. Nach kurzer Begrüßung durch den Obmann des jüdischen Volksvereins Dr. M. Kohn, erteilte derselbe dem Referenten Dr. Meisel aus Wien, der an Stelle des Herrn Abg. Dr. Straucher gekommen war, das Wort. Derselbe legte in längerer, von vielfachem Beifall oft unterbrochener Rede die gegenwärtige Situation dar. Er zeigte, daß trotz der Konstitution die Lage der Juden in Rußland auf die Dauer keinerlei Sicherheit verbürge, daß die Juden in Rußland dies selbst fühlen, und in ununterbrochenem Auswandererstrom das Land verlassen. Er zeigte weiter, daß diese Auswanderer bei dem gegenwärtigen Stande, wo sie überall als unwillkommene Gäste angesehen werden, auch anderwärts sozial nicht gesunden, Bjelostok begangen wurden. Sie verurteilt aber auch jene, welche ein derartiges Regierungssystem finanziell unterstützt haben. 2. Sie gibt ihrer Bewunderung Ausdruck, über den Heldenmut der jüdischen Selbstwehr, auf deren Heldenmut und Todesverachtung alle Juden stolz zu sein, das Recht haben. 3. Sie verhehlt sich aber nicht, daß durch Sympathien allein, die bei allen Kulturvölkern so reichlich an den Tag getreten .sind, keine wirkliche Hilfe geschaffen werden kann. Sie gibt ihrer Überzeugung Ausdruck, daß nur die Schaffung einer gesicherten Heimstätte Rettung für die Verfolgten darstellt. (Anhaltender Beifall.) Es sprachen noch Herr Techn. Hirsch und Jurist Gach, beide tschechisch. Ersterer wendete sich hauptsächlich gegen das Verhalten des Dr. Kramärz und letzterer erklärte als Vertreter der Poale Zion die Solidarität der jüdischen Arbeiterschaft mit den gesamtjüdischen Interessen. Beide Ausführungen gipfelten in der Erklärung, daß den Juden nur durch eigene Kraft geholfen werden könne und daß das Endziel bleiben müsse: Ein freies Volk auf freiem Boden. Die am Schlüsse eingeleitete Sammlung ergab eine namhafte Summe für die Hinterbliebenen der Opfer von Bjelostok. * 51: * Zionistische Protestversammlung in Hamburg Die Hamburger Zionisten werden am Montag, den 16. d. M. eine große öffentliche Protestversammlung gegen die Bjelostoker Metzeleien veranstalten, in der u. a. Pfarrer Naumann sprechen wird.