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Die Welt · 1906-07-06 · 27 (6.7.1906) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
27 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nordau. Das Publikum, welches aus galizischen Juden und russischjüdischen Emigranten bestand, war mit dem Balle sehr zufrieden. Ohne Recht zur Ballveranstaltung, ohne Geld, ohne Verbindungen und Bekanntschaften wagten wir, einen zionistischen Ball zu arrangieren, — und der Erfolg übertraf unsere Hoffnungen. Nach Abzug der kolossalen Ausgaben haben wir jetzt die Möglichkeit, dem Nationalfonds 250 Mark einzusenden. Wir hoffen, daß bei der nächsten Arbeit für den Nationalfonds wir in der Lage sein werden, größere Summen zu senden und von immer mehr und mehr gesteigertem Vertrauen und Verbindung zwischen zionistischen Arbeitern und hiesigem galizischem und russischem Publikum mitteilen zu können. Südafrika Mosselbay. Hier wurde am 4. April d. Js. ein zionistischer Verein unter dem Namen „Mosselbay Zionist Society" gegründet. Bis heute wurden in.unserm Verein £ 7.— für den Nationalfonds und £ 4.— für die Ölbaumspende gesammelt Australien Die Jahreskonferenz der Neusüdwales Zionist League fand am 20. Mai in Sydney n statt. Nach dem Jahresbericht schließt die Kasse mit einem Überschuß von 12, 11, 7 £ ab. Die League zählte im verflossenen Jahre 74 Schekelzahler. Anläßlich der An Wesenheit des Herrn S. Goldreich aus Johannisburg in Sydney veranstaltete die Vereinigung am 3. Dezember verflossenen Jahres eine große öffentliche Versammlung, die einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Die Konferenz wählte für das neue Vereinsjahr Herrn R. Beards zum Präsidenten und die Herren Hy, Harris und J. Jackson zu Vizepräsidenten. Auf Antrag des Herrn P. Hyman wurde beschlossen, daß die League für den Betrag von 10 Pfund Aktien des Jewish Colonial Trust kaufen solle. Schekelberichte: Holland ----Die Schekeisammlung in Holland hat folgendes Resultat gehabt: Haarlem 42, Amersfoort 49, Twente 30, Utrecht 30, Amsterdam 237, Rotterdam 50, Deventer 26, Graafshap 16, Leiden 25, Hiiversum 35, Groningen 64, Haag 63. Die Abteilungen Coevorden, Deventer und Dortrecht haben den Schekel noch nicht gezahlt. Neugegründet ist Hiiversum. Der beste Erfolg war in Amsterdam und Groningen, wo sehr fleißig gearbeitet wurde, auch sonst waren in allen Abteilungen mit einziger Ausnahme von Haag Fortschritte zü verzeichnen. Deutschland Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat als erste Rate 3200 Mark Schekelgelder an den Trust abgeführt. Argentinien Vom Verein „Gloria de Sion" in Buenos Aires wurden 178.24 Mark überwiesen. Frankreich Die Federation des Sionistes de France sandte 414 Fcs. Österreich Eine bemerkenswerte Sammlung wurde vom Jüdischen Volksverein in Teplitz-Schönau veranstaltet. Da der Schekel dort schon vor dem offiziellen Schekeltage erhoben war, veranstaltete der Verein eine besondere Spendensammlung zur Unterstützung der Arbeit des A. C. Diese Sammlung ergab die Summe von 446 Kr. Amerika Die amerikanische Federation sandte als erste Rate £ 134 Schekelgelder. Italien Aus Italien gingen insgesamt Fcs. 506 Schekel ein. Ägypten Die Schekeltage hatten hier einen überraschend guten Erfolg. In Kairo wurden insgesamt 153 und in Alexandrien 64 Schekel verkauft. Wenn man in Betracht zieht, daß die zionistische Organisation hier erst seit einem halben Jahre arbeitet, wird man zugeben müssen, daß unsere Bemühungen nichts weniger als vergeblich waren. Die Schekeltage in Odessa Die Schekeltage verliefen hier dieses A4alunter ganz ausserge wohnlich schlechten Bedingungen. In Anbetracht des hier herrschenden Kriegszustandes konnte von Versammlungen, selbst im kleinsten Maßstabe, gar keine Rede sein. Es mußte also die Schekeleinsammlung durch persönlichen Besuch bei jedem Schekelzahler vorgenommen werden. Die Mittelschuljugend, welche dieses gewöhnlich ausführt, war aber an den Schekeltagen mit den Prüfungen beschäftigt und konnte zu diesem Zwecke gar nicht herangezogen werden. Am ersten Schekeltage wurde überhaupt nicht gesammelt, weil die Juden Odessas diesen Tag in der furchtbaren Angst vor einem Pogrom, der nur durch ein Wunder vermieden wurde, zubrachten. Vom Sammeln konnte also gar keine Rede sein. Die besten Resultate ergab der zweite Tag. Am dritten Tage ging die Sammlung ebenfalls flau vor sich, weil man am Vorabend des Feiertags von einem armen Juden nur mit großer Mühe 40 Kp. bekommen kann. Viele, die im vorigen Jahre anstandslos ihren Schekel bezahlten, erklärten offen, es nicht mehr imstande zu sein und baten, daß man ihnen gestatte, den Schekel in kleinen Raten abzuzahlen. Überhaupt stießen die Sammler viel weniger auf Widerwillen, als auf Armut. Bemerkt muß noch werden, daß viele Straßen von den Schekelsammlern gar nicht besucht wurden, und daran ist eben der unfreiwillige Ausschluß der Mittelschuljugend schuld. Wenn dies alles in Betracht gezogen wird, so muß immerhin die Zahl von beinahe 1000 Schekolim, die trotzalledem noch beigetrieben wurde, als zufriedenstellend betrachtet werden. Ä. B. ____ I >esrf?atidb| OH SP VERSCHIEDENES □Dan Efiribffe^ 1 Juden gesucht! Die „Riga'sche Rundschau" meldet: Jalta, 16. Juni. Infolge der schweren ökonomischen Krise sind viele Hausbesitzer und Kaufleute im Ministerium des Innern darum vorstellig geworden, daß zwecks Hebung der Produktivität des Landes und des fmmobilienwertes Juden das Recht des freien Aufenthaltes in Jalta erteilt werde. Die Frage der Gleichberechtigung und der Generalstab Petersburg, 30. Juni. Das Blatt „Slowo" meldet: Der Generalstab hat auf die Anfrage der Reichsduma, wie er sich zur Frage der Gleichberechtigung verhalte, erwidert, er habe grundsätzlich nichts dagegen, finde aber, daß die Aufnahme von Juden in das Offizierkorps nicht zeitgemäß sei. Panik im Ghetto von New=York Im New-Yorker Ghetto herrschte am 26. Juni fabelhafte Aufregung infolge des Gerüchtes, daß dort ein allgemeiner Pogrom nach russischem Muster bevorstehe. Einige Kinder der Volksschulen waren seitens städtischer Ärzte Halsoperationen unterworfen worden, um Wucherungen in den Nasenwurzeln zu entfernen. Daraus entstand das Gerede, alle Kinder sollten operiert werden, worauf tausendweise die Mütter den Schulen zustürmten, um ihre Lieblinge zu retten. Ein irländischer Gasarbeiter bemerkte zynisch, allen jüdischen Kindern sollten die Hälse abgeschnitten werden, worauf der Mob einen Lynchversuch unternahm. Erst einem Massenaufgebot von Polizei geläng es mit größter Mühe, die Ruhe herzustellen. Tausende durchzogen die Straßen und riefen, die Juden sollten sich gegen die Angriffe bewaffnen. Zur Rede des österr. Delegierten Dr. Kramarz über die Judenmassakers Wien, 30. Juni. Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, hat an die Redaktion der „Neuen Freien Presse^' folgendes Schreiben gerichtet: „Sofort nach dem Bekanntwerden der Auslassungen des Herrn Dr. Kramarz über die Judenmassakers in Rußland hat das Präsidium der Kultusgemeinde eine Protesteingabe hiegegen dem Präsidenten der Delegation, Prinzen Lobkowitz, übermittelt und nunmehr auch an den Delegierten Dr. Straucher das Ersuchen gerichtet, jene Eingabe im geschäftsordnungsmäßigen Wege der österreichischen Delegation zur offiziellen Kenntnis zu bringen. Hochachtungsvollst ergebener Dr. Alfred Stern."

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