Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 27 (6.7.1906)
- Date
- 1906-07-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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18 DIE^ELT No. 27 8. Nach dem § 136 soll der folgende Paragraph hinzugefügt werden, nämlich: „136a. Alle Dividenden, welche ein Jahr nach Erklärung derselben unerhoben geblieben sind, können vom Direktorium zugunsten der Gesellschaft angelegt oder benutzt werden, bis solche von den Aktionären beansprucht werden.*4 Statutengemäß müssen Vollmachten wenigstens vier volle Tage vor dem für die Abhaltung dieser Versammlung festgesetzten Termine im Gesellschaftsbureau, Brook House, Walbrook, London, E.C. deponiert werden. \ Im Auftrage des Direktoriums H. Neumann, Sekretär. Brook House, Walbrook, London, E.C, den 2. Juli 1906. Reichsparteitag der österreichischen Zionisten in Krakau Krakau, 4. Juli {Privattelegramm). Am 1. Juni fand hier der Reichsparteitag der österreichischen Zionisten statt. Die Tagung stellte die größte Parteikonferenz dar, die bisher von den Zionisten Österreichs veranstaltet wurde. 159 Delegierte waren anwesend, Zustimmungskundgebungen liefen aus dem ganzen Reiche ein, die Stimmung war enthusiastisch. Der Präsident der österreichischen Landsmannschaft, Dr. Schalit, eröffnete die Tagung mit einer tiefempfundenen Ansprache, in der er darlegte, daß die jüngsten Judenmassakers in Rußland die Judenfrage zu einer Frage Europas gestempelt hätten. Die Frage müsse daher auf die Tagesordnung der Haager Konferenz gesetzt werden. Vor gerade 25 Jahren hätten die ersten Judenmassakers in Rußland stattgefunden und damals sei auch der erste Zionsverein entstanden. Durch das unvergängliche Verdienst Herzls zählten wir heute mehr als tausend zionistische Vereine. Die beste Ehrung Herzls sei die Unterstützung der gegenwärtigen Leitung, deren Zusammensetzung die Kontinuität der politischen Arbeit garantiere. Als erster Referent bespricht hierauf Dr. Schalit die Judenpolitik, die seit vierzig Jahren eine unglückliche gewesen sei, dadurch, daß sie Anteil an fremdnationalen Kämpfen genommen habe. Die einzig richtige Politik für die Juden Österreichs sei eine versöhnlich-nationale auf demokratisch-autonomer Grundlage. Pflicht der Zionisten sei es, eine solche Politik zu unterstützen und zu diesem Zwecke eine von der Kongreßorganisation unabhängige Aktion einzuleiten. Der Korreferent Dr. Margulies-Wien bringt im Namen der Parteileitung eine Resolution ein, daß die zionistische Landesorganisation Österreichs keine politische Partei darstelle, aber die Gründung einer neuen politischen Organisation unter zionistischer Leitung und Kontrolle begrüße. Die Politik der neuen Partei müsse sozial-fortschrittlich und gut österreichisch sein. In einer ausgedehnten und mitunter stürmischen Debatte wenden sich Dr. Kahn-Wien und York*Steiner-Wien gegen jede offizielle Beteiligung der österreichischen zionistischen Organisation an der Landespolitik, während sich die Herren Dkl Brande und Stand unter lebhaftem Beifall der Versammlung unbedingt für die offizielle Verbindung der bisherigen mit der neuen Organisation einsetzen. Schließlich werden die Anträge der Parteileitung angenommen, worauf die Tagung mit einem Dankesvotum für Dr. Schalit schließt. Hierauf fand sofort unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. Straucher die konstituierende Versammlung der neuen Partei statt. In vertraulicher Sitzung wird die Konstituierung einer „Reichspartei der Juden Österreichs" beschlossen. In die Leitung der Partei wurden gewählt die Herren: Dr. Schalit, Dr. Margulies, Boehm und Dr. V/eisengrün aus Wien, Löw-Prosnitz, Dozent Mahler-Prag, Dr. Goldwasser, Dr. Syrop-Krakau, Stand und Reich- Lemberg, Braude und Halpern-Stanislau, Straucher und Weisglas- Czernowitz. Der Zentrale der neuen Partei in Wien wird die Durchführung der Wahlaktion überlassen. Mit einem nochmaligen Dankesvotum an Dr. Schalit schloß die bedeutungsvolle Versammlung. (Ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Nummer.) Krakau, 3. Juli. Die auf Einladung des galizischen Distriktskomitees Samstag, den 30. Juni hier abgehaltene galizische Landeskonferenz, an welcher ausschließlich Delegierte aus Galizien teilnahmen, beschloß die Gründung eines zionistischen Tageblattes in polnischer Sprache. England Die Bjelostoker Ereignisse haben unser Blatt so beschäftigt, daß es uns unmöglich war, alle bemerkenswerten zionistischen Ereignisse der letzten Wochen in gebührender Ausführlichkeit zu registrieren. Insbesondere ist aus England nachzutragen, daß dort mehrere große Versammlungen in Manchester, Liverpool, London und andern Städten stattfanden, die sich durchwegs eines guten Besuches erfreuten und allenthalben von außerordentlichem Erfolge begleitet waren. In den Versammlungen sprachen u. a. die Herren Greenberg, Gaster, Weizmann, Sokolow und Ussischkin. Die Reise des Herrn Ussischkin scheint der englischen Federation einen bemerkenswerten Erfolg gebracht zu haben. Seine in der London Zionist League gehaltene Rede über die „Wiederbelebung Palästinas" wird von der englischen Presse höchst beifällig kommentiert „Seine Ausführungen, die die Inangriffnahme der Kolonisation Palästinas durch die Juden verlangen, verdienen", so bemerkte der Jewish Chronicle, „die einmütige Zustimmung der gesamten Judenheit." Die English Zionist Federation sandte ihren Vereinen ein Zirkular, dem wir folgendes entnehmen: Die Halbjahres-Konferenz der Federation findet am 22. Juli in der Neuen Synagogue in London, Great St. Helens St., statt. Anläßlich der Jahrzeit Dr. Herzls am 13. Juli werden die Vereine ersucht, Trauerversammlungen abzuhalten, an denen Herzls gedacht und das Kaddischgebet gesagt werden soll. Das Rundschreiben gedenkt sodann der Ereignisse inBjelostok und erklärt, daß sofortige Hilfe dringend notwendig sei. Aber Wohltätigkeit sei nur ein schwaches Mittel, das, einzige Mittel, das endgiltigen Erfolg verspreche, sei die Selbsthilfe. Darum sei es mit Genugtuung zu begrüßen, daß die English Zionist Federation gemeinsam mit der Jewish Territorial Organisation einen Aufruf erlassen habe, in dem darauf hingewiesen wird, daß die jüdische Politik des „laissez faire" wiederum einmal Schiffbruch gelitten habe, alle Aufrufe an die Mildtätigkeit hätten die Schändlichkeiten der letzten Tage nicht verhindern können. Dieser gemeinsame öffentliche Brief bedeute vielleicht den Anbruch einer Annäherung zwischen all denen, die sich selbst Zionisten oder Territoriaiisten nennten. Solch eine Annäherung sei natürlich nur möglich, wenn sie auf dem Boden eines unbedingten Festhaltens an Palästina und den Kongreßbeschlüssen erfolge, denn nur in Palästina könne unser Volk zu neuem Leben erwachen. Diese Bedingungen vorausgesetzt, nähmen die Zionisten sehr gerne die Mitarbeit aller an, die an der Arbeit zur Erlösung des jüdischen Volkes mithelfen wollten. Zum Schlüsse spricht das Zirkular die Hoffnung aus, daß die traurigen Ereignisse in Rußland immer weiteren Kreisen die Augen dafür öffnen, daß der Zionismus das Heil des Judentums bedeute. Korfu Vor ca, 5 oder 6^ Jahren wurden hier die ersten Versuche gemacht, die zionistische Idee zu propagieren. Alle Bemühungen scheiterten an dem heftigen Widerstande, den der größte Teil der Gemeinde unsern Bemühungen entgegensetzte. Das ist nunmehr anders geworden. Vor ca. 4 Wochen haben wir die „Societe" Sioniste Mevassereth Zion" gegründet. Binnen einer Woche haben wir über 100 Mitglieder geworben. Auch die Gemeinde steht uns heute freundlich gegenüber; im Tempel wurde schon dreimal der Zionismus in Predigten gewürdigt. Wir haben bereits eine Anzahl Aktien des J. C. T. gekauft und hoffen, noch viel mehr hier unterzubringen. Zu großem Danke sind wir Herrn Davidson aus Rußland verpflichtet, der sich auf seiner Durchreise hier aufhielt und durch seine Vorträge in der Synagoge und in den Schulen unsere Arbeit ausgezeichnet unterstützt hat. Deutschland München. Am 9. Juni veranstaltete die „Gruppe zionistischer Studenten aus Rußland (Kadima)" einen Ball mit Theatervorstellung zugunsten des Nationalfonds. Der Saal war dekoriert mit Girlanden und blau-weißen Schleifen. Der Ball wurde eröffnet mit einer Ouvertüre; dann folgte, vom Orchester begleitet, der Studenten- und Studentinnen- Chor, welcher trefflich die Nationalhymne: „Dort wo die Zeder", „Hatikwo"und„Schwue (Vermächtnis)" vortrug. Der Chor war plaziert zu beiden Seiten des großen Porträts von Dr. Herzl. Nach dem Chorgesang begann die Theatervorstellung „Dr. Kohn" von Max