Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 24 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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18 DIE^ELT No. 2 Herr Dr. Wormser-Basel war der einzige, der die Selbstbesteuerung einführte und hat bis jetzt Fr. 191 ausgewiesen. Für N. F. Marken wurden in zwei Jahren Fr. 150 eingenommen, was sehr wenig ist, und beantragt Herr Dr. Levy, daß die N. F. Zentrale von diesem Zweige der Tätigkeit entbunden werde, was jedoch nicht angenommen wurde. Die Nachmittagssitzung war den Besprechungen der Berichte und den Wahlen gewidmet. Vorerst erstattete noch das Mitglied des Aktionskomitees für die Schweiz, Herr Dr. Wormser-Basel, ein kurzes Referat über die Tätigkeit desselben. Die folgende Diskussion über den Geschäftsbericht trug einen ruhigen und streng sachlichen Charakter und war frei von jeder Phrase und Lobhudelei. Eingeleitet wurde dieselbe von Rawikowitsch-Bern. Er beklagt den Mangel an Initiative inbezug auf Agitation und Verbreitung des zionistischen Gedankens. Man solle schweizerische Agitatoren herbeiziehen, mehr Propaganda durch Reden, Flugschriften, Veranstaltung von jüdisch-literarischen Veranstaltungen machen. Er wünscht keine Ersparnisse, sondern rechf viel Ausgaben zu Agitationszwecken. Er stellt noch einen Spezialantrag für den Akad. zionistischen Verein, der ihn delegiert hat. Dr. Klausner-Lausanne spricht auch zu dem Thema Agitation. Er wünscht, daß das L. C. mehr selbst persönlich agitiere, namentlich dessen Präsident, und wünscht die Verpflichtung zu dieser Tätigkeit. Glücksohn-Bern erklärt, daß die studentischen Kreise sehr rege waren und wünscht, daß man die Landesbeiträge zunächst und vor allem für die Propaganda verwende. Moritz Levy-Liestal spricht sich in ähnlichem Sinne aus, doch ist er der Ansicht, daß die Anklagen gegen das L. C. nicht berechtigt sind. Jeder Verein sollte selbst das Möglichste leisten. An Rednern fehle es nicht, aber meistens an Zuhörern. Arnstein-Basel ist der Meinung, daß die Klagen betreffs Untätigkeit nicht ganz berechtigt seien; es sei überall gearbeitet worden, das L. C. sei nicht dafür da, um zu agitieren, da die Mitglieder desselben infolge ihrer Berufstätigkeit nicht die Zeit dazu haben. Auch er spricht für die Verwendung des Überschusses zum Zwecke der Propaganda. Charles Marx-Basel äußerte sich im ähnlichen Sinne und wünscht, daß man dem L. C. überlasse, zu bestimmen, welchen Vereinen Mittel zu Agitationszwecken gegeben werden sollen. J. Rom-Zürich meint, es werde im großen A. C. zu wenig geleistet, daher sei es auch begreiflich, daß "die Landsmannschaften geringe Erfolge hätten. Es werde zu viel von Kulturarbeit gesprochen und geschrieben und zu wenig Praktisches erreicht. Dr. Levy-Biel empfiehlt die Bildung eines Share-Klubs. Er berichtet, daß in seiner Stadt z. Z. bei der Sammlung der „Alliance" für das russische Hilfswerk 2000 Fr. davon an die Kolonialbank abgeliefert wurden, die für die armen Waisen verwendet werden konnten. Damit beweist er, wie Kleinarbeit überall geleistet werden kann. Julius Meyer-Basel entgegnet auf die Klagen der beiden studentischen Redner von Bern, daß doch eigentlich mehr geleistet werde, wie bekannt werde. Eine ganze Anzahl neuer Mitglieder seien in den Basler Verein in diesem Jahre eingetreten. Auch sei geplant, für die nächste Zeit einen Jünglingsverein zu gründen. Nicht die Anzahl der Vereinsrnitglieder sei maßgebend, sondern die Tätigkeit und die Leistungen des Einzelnen. Er wünscht, daß man die Ito im Auge behalte, welche die zionistischen Vereine zu schwächen versuche. Ihm entgegnet Dr. O. Meyer-Basel (der Bruder des Vorgenannten) darauf in einer scharf pointierten territorialistischen Rede, die vielen Widerspruch hervorrief, urnsomehr, da der Redner der Tagespräsident war. Er. setzt auseinander, daß die gegenwärtige Lage im Zionismus durch den letzten Kongreß geschaffen sei. In der Schweiz ist man nicht zufrieden, daß man jetzt als Ziel nur Palästina gesteckt, man wünscht vielfach die Erweiterung des Programmes auf ein Territorium. Rawikowitsch-Bern antwortet geschickt dem Sprecher. Dr. Wormser hält die Vorwürfe gegen das L. C. zum größten Teile für berechtigt und gibt die Begründung für die Untätigkeit des L. C. Die Ito habe die Agitation keinesfalls lahmgelegt. Er hofft für den kommenden Winter auf neues Leben im schweizerischen Zionismus und auf große Erfolge. Ein lobendes Wort gilt den Akademikern in Bern für ihre Propaganda. Nach diesem Schlußwort des Referenten wird der Geschäftsbericht, ebenso nach kurzer Debatte der Nationalfonds- und Kassabericht einstimmig genehmigt und der Bericht des Mitgliedes des großen A. C. bestens verdankt und zur Kenntnis genommen. Einzelne Anträge zu diesen Berichten fanden Annahme oder Ablehnung. Der Antrag betr. Tischobeaf-Spenden wurde dem L. C. überwiesen, ferner derjenige betr. Ölbaumspenden und Bezalel abgelehnt. Es sollen 2°/o der Einnahmen jedes Vereins dem N. F. zugewiesen werden. Alle N. F. Spenden sollen fernerhin im „Isr. Wochenblatt" und in der „Welt" ausgewiesen werden. Das Landeskomitee beantragte: 1. Der diesjährige Schekel soll ohne jeden Abzug der Zentralleitung -abgeliefert werden. 2. Vom Aktivsaldo sollen je zwei Aktien der Jüd. Kolonialbank und der Anglo Palästina Co. angekauft und der Rest zinstragend angeleg. werden. Diesem wurde zugestimmt. Punkt 7 der Tagesordnung, Festsetzung des Vorortes, gab zu keiner Debatte Anlaß. Wie bisher so wurde auch diesesmal wieder Basel dazu gewählt. Als Mitglieder des Landeskomitees wurden zunächst statutengemäß di,- Basler Herren Dr. phil. L. Weil als Präsident, Jules Ebstein ai Aktuar und Dr. med. Wormser als Kassier gewählt. Als fernere Mh glieder wurden die Herren Bollag-Feuchtwanger-Basel, J. Horn-Zürich Rawikowitsch-Bern und Frl. Charlotte Mayer-Zürich bestimmt. Di- Kontrollstelle übernimmt St. Gallen. Als Publikationsorgan wurti ohne Debatte das Isr. Wochenblatt genehmigt. Noch folgte di Budget-Aufstellung pro 1906/7, wobei die Abfassung einer Agit;; tionsschrift zur Rede kam, und unter Diverses beschloß man noci: in vorgerückter Stunde die Absendung eines Begrüßungstelegramme an die zionistischen Mitglieder der russischen Duma und an de deutschen Delegiertentag in Hannover. Damit erfolgte der Schlu der Verhandlungen. Dem Präsidium wurde in üblicher .Weise di Dank für die unparteiische Leitung der Verhandlungen ausgesprochen. Waren die Verhandlungen auch nicht durchaus sachlicher Art un : mußten auch persönliche Dinge zur Sprache gelangen, die nichi direkt zum Delegiertentage gehörten, so muß doch gesagt werder daß der Verlauf der Debatte einen sehr guten Eindruck auf alk Teilnehmer ausübte, die alle ihr Möglichstes leisteten, um das Er gebnis der Tagung nutzbringend für die von ihnen verfochtenei Ideen zu gestalten. Italien Der Schekeltag wurde in allen Gruppen festlich begangen. Die Federation hatte Flugblätter und Zirkulare an alle Ortsgruppen ver sandt, in denen sie zur Veranstaltung von Versammlungen etc. aufforderte. Der Erfolg war überall ein sehr guter. Viele Schekel sine' gesammelt worden, viele neue Mitglieder haben sich angemeldet Bulgarien Philippopel, 1. Juni. Sonntag vor acht Tagen feierte man hier den „Jom-haschekel". Einige Tage vorher sah man in der, Straßen Philippopels metergroße, von Selbstbewußtsein zeugende Plakate, welche das bulgarische Publikum zur Teilnahme an der als Vorfeier des Schekeltages von dem zionistischen Verein „Makabi" im Theater Luxemburg gegebenen literarischen, musikalischen und gymnastischen Soiree einluden. Etwa 500 Menschen wohnten der Soiree bei. Der gymnastische Teil war am besten gelungen und erntete den größten Beifall. Es war wirklich eine Lust, die breitbrüstigen, strammen jüdischen Jünglinge mit ihren steinharten Muskeln zu betrachten, die stolz und selbstbewußt auf der Bühne erschienen, um das Publikum mit ihren meisterhaften Frei- und Gerätübungen zu ergötzen. Der Vormittag des Schekeltages ist äußerst ruhig verlaufen, in dem Schulhofe wurden, während die Herren Dr. Rimalowsky und J. Caleff Propagandareden für den Zionismus hielten, viele „Schekolim" verkauft. Nachmittags zog eine große Schar Zionisten, von der Schule ausgehend, auf das Feld. DieTurner mit der jüdischen Fahne schritten voran, dann folgten die Schüler mit einem grünbekleideten „Mogen- David". Hinterher gingen viele Männer und Frauen in Reih und Glied. Auf dem Felde angelangt, bildeten sieh mehrere Gruppen, die sich jede in ihrer Weise unterhielten. Gegen Abend wurden die rhetorisch beanlagten Herren in Ermangelung einer Rednerbühne in die Höhe gehoben und mußten so nolens volens einiges über den Zionismus zum besten geben. Nach einem gut verbrachten Nachmittag kehrte man unter Gesängen in die Stadt zurück, wo der Zug sich allmählich auflöste. Ungarn Budapest. Hier entwickelte sich in dem vergangenen Winter ein reges zionistisches Leben. Außer der seit drei Jahren bestehenden und eifrig arbeitenden Studentenverbindung „Maccabaea" wurde während der letzten Agitationsperiode der Verein der Privatbeamten „Judaea" gegründet. Besonders tätig war die auch erst jüngst gegründete Verbindung der Mittelschüler „Jvria". Im Monat April wurde der erste zionistische Mädchenverein „Debora" gegründet; heute zählt er über 60 Mitglieder. Der reorganisierte Bürgerverein „Dr. Herzl" hat schöne Fortschritte gemacht. Am 20. Mai fand hier der Distriktstag statt. Die Wahlen hatten folgendes Resultat: Obmann: — Obmann - Stellvertreter: Ing. Moritz Bisseliches, Ing. Armin Beregi. Sekretär: Hugo