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Die Welt · 1906-06-15 · 24 (15.6.1906) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
24 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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10 _ DIES Was den Getreidebau betrifft, so brachte das vorige Jahr eine glänzende Ernte. Leider haben nicht alle Kolonien davon profitiert, da sie, entmutigt durch 2 Jahfe einer schrecklich schlechten Ernte, wenig Getreide gesät haben. Dafür haben die getreidebauenden Kolonien (Kantinia, Sichron-Jakob, Milchemia etc.) geradezu aufgeatmet. Stellenweise schüttete der Weizen bis zu 20 Maß, in Mikwe-Israel 440 Pfd. pro Hektar. Im allgemeinen wird der Getreidebau im Gegensatz zum Weinbau noch auf sehr primitive Weise betrieben. Die Mehrzahl der Kolonisten benutzt als einziges Werkzeug das arabische Ackereisen, das Schneidmesser, und nur einzelne besitzen landwirtschaftliche Maschinen und besseres Werkzeug. Trotz alledem kann man auf Grund der gemachten Erfahrung behaupten, da(3 dem Getreidebau in Palästina eine große Zukunft bevorsteht, weil das Land gut ist — viel fetter Boden liegt noch vollständig brach — und die Getreidepreise, dank der geographischen Lage Palästinas, im allgemeinen hohe sind. Vom Getreidebau werden sicherlich viele Menschen leben können: sowohl solche mit kleinen Kapitalien, als auch solche mit größeren Geldmitteln, die ausgedehntere Farmen gründen können. Die Viehzucht ist sehr wenig entwickelt, und das ist nach der Meinung des Berichterstatters sehr zu beklagen, da es in Palästina viele Gegenden gibt, die für die Viehzucht geradezu geschaffen sind — so Berghöhen und Sumpfgegenden. Leider aber kommen oft Viehepidemien vor, gegen die zu kämpfen unmöglich ist. ' da es keinen einzigen Veterinärarzt in Palästina gibt und sonst keine Mittel zur Abhilfe vorhanden sind. Und doch könnte die Viehzucht sehr viel einbringen, da man z. B. Fleisch aus Palästina eher als aus Australien nach Europa einführen könnte. In der letzten Zeit erschien ein neuer Typus des Kolonisten auf der Bildfläche — der Pächter. Allerdings waren die ersten Versuche nicht von Erfolg begleitet, aber das einzig und allein wegen schlechter Maßnahmen. So mieteten Kolonisten Land bei' Arabern in einer sehr ungesunden Gegend und mußten das Land sofort verlassen. Andere wieder haben zu schlechten Boden bekommen. Aber trotzdem kann man vermuten, daß dieser neue Typus von Kolonisten eine Zukunft haben wird. Denn der Pächter braucht nicht viel Geld, nur Mittel für Inventar, und die kann er im Notfall von einer Kreditgesellschaft oder von einer Bank entleihen. Das große Übel der palästinensischen Landwirtschaft — die Zehntenabgabe lastete auch im vorigen Jahre schwer auf einigen Kolonien, so: Katra, Petach-Tikwah, Chederah und in Ober- Galiläa. In Petach-Tikwah beschlossen die Kolonisten dieses Jahr nicht zu säen, um den Appetit der Pächter der Zehntenabgaben etwas zu mäßigen. Das eine ist, sicher, daß den Übeln, mit denen die Zehntenabgabe verbunden ist, abzuhelfen wäre, und zwar mit Verstand. Es gehört dazu nur fester Wille und etwas Kapital. Und es ist wirklichen der Zeit, daß diese Hilfe von irgendeiner Seite geleistet wird. Die Unterrichtsanstalten des „Hilfsvereins deutscher Juden" in Palästina Das Lehrerseminar des „Hilfsvereins" in Jerusalem hat mit Beginn des neuen Schuljahres den geplanten vollständigen Ausbau erhalten. Der Präparandenklasse und den beiden Seminarklassen ist die oberste Klasse jetzt angegliedert worden. Die Schülerzahl der einzelnen Klassen setzt sich wie folgt zusammen: Präparandenklasse 14, III. Seminarklasse 10 (und 2 Hospitanten), II. Seminarklasse 7, I. Seminarklasse 5 Schüler, in Sa. 36 resp. 38. Unter den neu aufgenommenen Schülern befinden sich drei Flüchtlinge aus Rußland. Der Lehrgang konnte im laufenden Jahre nach der Richtung hin ausgestaltet werden, daß nunmehr auch 5 Stunden Gartenbau iE LT -— ---- ■ No. 24 und landwirtschaftlicher Unterricht erteilt werden. Die Angliederung eines Kursus für Gartenbau und für landwirtschaftlichen Unterricht an das Lehrerseminar erscheint besonders zweckmäßig, aus einem doppelten Grunde. Die jungen Leute, denen die Aufgabe zufällt, alsdann im Orient für die Juden als Lehrer zu dienen, werden in ihrer Gesundheit gefestigt, wenn sie nicht nur von abstraktem wissenschaftlichem Unterricht in Anspruch genommen sind, sondern wenn sie zugleich durch Unterweisung im Gartenbau und in der Landwirtschaft veranlaßt werden, sich einer gesunden Tätigkeit Im Freien zu widmen. Zu diesem hygienischen Vorteil kommt noch hinzu, daß diese jungen Leute, wenn sie demnächst in den Kolonien als Lehrer zu fungieren haben werden, eine um so angesehenere und um so festere Stelle haben werden, wenn sie gleichzeitig durch ihre Kenntnisse auf landwirtschaftlichem Gebiet zur wirtschaftlichen Förderung der Kolonien beitragen können, und Lehrer mit solchen Vorkenntnissen werden überdies in der Lage sein, selbst in den Kolonien sich als Kolonisten betätigen zu können; sie sind auf diese Weise um so enger mit der Kolonie verwachsen und können auch ihre Einnahmen, die sie als Lehrer haben, durch eigene produktive wirtschaftliche Betätigung vermehren. D«r „Hilfsverein" mißt diesen Momenten eine besondere Bedeutung zu, und es wird hoffentlich in kurzem möglich sein, die Einrichtungen für Unterweisung im Gartenbau und in der Landwirtschaft noch weiter auszubauen. Der Zeichenunterricht am Seminar ist dem kunstgewerblichen Maler und Zeichenlehrer an der Schule „Bezalel", Herrn Julius Rotschild, übertragen worden. Einen Beweis dafür, wie dringend notwendig die im Herbst v. J. vom „Hilfsverein der deutschen Juden" in Jerusalem begründete Mädchenschule ist, liefert die Tatsache, daß die beiden Elementarklassen schon nach so kurzer Zeit von 81 Schülerinnen besucht werden. Für diese Schule ist eine gute Lehrkraft in Frl. Drubin aus der Kolonie Rischon-Lezion gewonnen, die ein deutsches Gymnasium besucht hat und bereits Erfahrung im Unterricht besitzt. Herr Ephraim Cohn, Direktor des Jerusalemer Lehrerseminars des „Hilfsvereins der deutschen Juden", hat bei einem Besuche in Hebron in Gemeinschaft mit dem Oberrabiner Herrn Mani die Verwendung der Subvention festgesetzt, die der „Hilfsverein" anfangs dieses Jahres zur Ausgestaltung des Unterrichts an der dortigen Talmud-Thora-Schule bewilligt hat. Die Schule hat 47 Schüler, die auf drei Klassen verteilt sind. Die beiden untersten Klassen erhalten je 5, die oberste Klasse 6 Unterrichtsstunden in hebräischer Sprache, Rechnen und Realien. Es hat sich für den „Hilfsverein", da eine von anderer Seite gewährte Subvention nicht fortgezahlt werden konnte, als notwendig herausgestellt, daß der „Hilfsverein" auch die Mittel für Erteilung von arabischem Unterricht in Hebron gewähre. Der „Hilfsverein" hat denn auch in der letzten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses gemäß dem vorliegenden Antrage für das laufende Schuljahr die nötigen Gelder für diesen Zweck bewilligt. Über die vom „Hilfsverein der Deutschen Juden" ins Leben gerufene Knabenschule in Jaffa, deren Eröffnung am 6. Mai erfolgte, liegt jetzt ein ausführlicherer Bericht des Schuivorstandes vor, der für weitere Kreise interessant ist durch die Streiflichter, die auf die Lage der russischen Emigranten in Palästina fallen. In dem Briefe an den Hilfsverein heißt es: „Mit dem Gefühle der Dankbarkeit und inniger Genugtuung beehren wir uns, Ihnen hiermit die am 6. d. Mts. erfolgte Eröffnung unserer Knabenschule anzuzeigen, die mit 51 Kindern ihren Anfang nahm. Weitere Anmeldungen, die allem Anscheine nach noch zu gewärtigen sind, werden wir wohl in den ersten paar Wochen berücksichtigen müssen, umsomehr, als wir sonst mit der Einnahme des Schulgeldes zu kurz kommen, die wir bei den Kindern aus Rußland hierher geflüchteter Emigranten, die nichts weiter als das nackte Leben mitbrachten und hier auch kaum so bald eine lohnende

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