Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 23 (8.6.1906)
- Date
- 1906-06-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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12 DIE^ELT No. 23 Nach Abschluß des Delegiertentages begab sich ein Teil der Abends fand eine zahlreich besuchte öffentliche Versammlung Delegierten nach Ahlem zur Besichtigung der dortigen jüdischen statt, bei der Dr. Bodenheimer und Dr. Heymann mit sehr gutem Erziehungsanstalt. Erfolge sprachen. o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG o o o o o o 3 o o o o o o o DIE WELTSCHEKELTAGE Fortwährend laufen bei uns Berichte über Veranstaltungen an den Schekeltagen ein. Schon jetzt kann man ersehen, daß die Parole des A.-C. überall befolgt worden ist und daß die Schekeltage ein sehr gutes Ergebnis gehabt haben. Wir können die uns zugegangenen Berichte nur auszugsweise bringen, da der Raum des Blattes nicht ausreichen würde, sie alle so ausführlich abzudrucken, wie sie bei uns eingelaufen sind. Belgien Antwerpen. Der Schekeltag nahm hier einen sehr befriedigenden Verlauf. Dank der vorangegangenen lebhaften Agitation, die sowohl in persönlichem Anwerben neuer Schekel, als auch im Versenden entsprechender Aufrufe bestand, konnte ein verhältnismäßig bedeutendes Anwachsen der Schekelzahl verzeichnet werden. In der am 28. Mai von der Belgischen Zionisten-Föderation veranstalteten großen Volksversammlung, die sehr zahlreich besucht war, sprachen die Herren Grünau-Grünzweig und Dr. Herz in deutscher, Sam. Spira in französischer und J. Herzberg aus Endhoven in holländischer Sprache. Im ganzen wurden hier bis jetzt über 100 neue Schekelzahler angeworben, so daß die Gesamtzahl der diesjährigen Schekel nahe an 600 heranreichen dürfte. Deutschland Fürth. Am Sonntag den 27. Mai fand im Restaurant Tauber in Fürth eine größere festliche Veranstaltung zum Schekeltage statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. An den Vortrag des Herrn Dr. Bamberger knüpfte sich eine ausgedehnte Diskussion. Hamburg. Die Veranstaltung von mehreren gleichzeitig stattfindenden Versammlungen war bisher in Hamburg ein Unternehmen, an das nur die Sozialdemokratie mit der Gewißheit des Erfolges herangehen konnte. Darum begegnete der Plan, den Schekeltag durch drei Versammlungen in Hamburg, Altona und Wandsbeck zu feiern, einer gewissen Besorgnis. Allerdings hatte Dr. Kalmus mit Eifer für das Gelingen des Planes gearbeitet, und eine Schar von tüchtigen Hilfstruppen war auf die verschiedenen Versammlungen verteilt worden. Aber wir hatten doch unsere Erwartungen" auf das Mindestmaß herabgesetzt. Um so größer war die Genugtuung, als der Abend einen vollen Erfolg brachte, obwohl die Ortsgriippenmitglieder bereits sämtlich ihren Schekel entrichtet hatten. Im Zentrum der Stadt fand unter Vorsitz von Dr. Kalmus die Hauptversammlung statt, in der Dr. Frank und Dr. Halpern sprachen. In Wandsbeck-Eilbeck hatte Dr. Victor das Referat, Dr. Besser die Leitung übernommen. In Altona sprach Dr. Land au - Lübeck, während Herr Salomon Goldschrnidt leitete. Das Thema lautete überall: „Die Einheit des jüdischen Volkes." In allen drei Versammlungen spendete die zahlreich erschienene Zuhörerschaft lebhaften Beifall. 40 neue Schekelzahler wurden gewonnen, 100 Mk. an Schekelgeldern eingenommen. Der verhältnismäßig größte Erfolg wurde in Wandsbeck-Eilbeck erzielt. Hier erfolgte auch, abgesehen von der Gewinnung von Schekelzahiern, eine Anzahl von Beitrittserklärungen zur Ortsgruppe. Frankreich Paris. Eine nach Hunderten zählende Menge — .Zionisten sowohl als Territorialisten — füllte den großen Festsaal von Rue Lunery. Der erste Redner war, nachdem Dr. Max Nordau die Versammlung eröffnet hatte, Dr. Jacobsohn. Alsdann sprach Fräulein Professor Schach, Vorsitzende des zionistischen Damenvereins. Nachdem ein anderer Redner einen Ausfall gegen den Territorialismus gemacht hatte, ergriff Dr. Max Nordau das Wort: „Heute ist nicht die Zeit, auf Zwiespalt im Judentum hinzuweisen. Heute sind wir nur Zionisten, nur Juden, von ihrem Judentume begeisterte Juden, Derjenige ist heute einer von den unsrigen, der mit uns glaubt, daß wir unsere unverjährbaren Rechte, für welche unsere Vorfahren gekämpft haben, nicht aufgeben sollen; der soll heute das Opfer bringen, welches die Organisation der Juden bejaht. Aber nicht bloß als Opfer, sondern als Liebesgabe soll der Schekel dargebracht werden, wobei Sie auch zugleich ein Stück Ihres Herzens und Ihrer Seele geben werden, mit Liebe, wie Kinder, die ihre Geburtstagsgabe ihren Eltern darbringen, nur mit dem einen Bedauern, daß sie nicht mehr geben. Der Schekel beweist, daß man dem Ideal des Volkes treu ist. Das ist kein Almosen, sondern an sich schon eine Tri der Erlösung. Unsere Eltern haben zwei Jahrtausende hindurch gebetet: Leschonoh haboo biruscholojim, aber keine Anstrengung wurde dabei gemacht. Jetzt kehrt das Jahr wieder, wo die Zionisten auch eine kleine Anstrengung fordern, wo man eine kleine Steuer dem Zionismus zu zahlen hat, wie einst unsere Vorfahren den Schekel für den Tempel zahlten. Und noch lange nicht ist der Tempel unserer Freiheit aufgerichtet, aber der Ort ist schon bemessen, und jedes Juden Pflicht ist, Handlangerwerk zu verrichten, Baumaterial herbeizuschaffen, Ziegel zu tragen, Mörtel zu mischen, bis daß das Gebäude stattlich aus seinen Trümmern emporragt. Als in Rußland jüngst eine Katastrophe auf unsere Brüder hereinbrach, da fragten manche: was tut der Zionismus? Aber in der Not hat der Zionismus versagen müssen, weil er bisher nur eine moralische Kraft ist. Das Volk hat den Zionismus noch nicht mit materiellen Mitteln ausgestattet. Gar manche lachten ob der Hilflosigkeit des Zionismus, während andere hoffnungsvoll ihre Augen auf ihn richteten. Aber bei allen dämmerte ein neues Gefühl in ihrem Bewußtsein auf. Wie die Franzosen nach der Katastrophe von Courrieres, wie die Italiener nach dem Ausbruch des Vesuvs zu ihrer Regierung ihre Blicke wendeten, so wendeten sich die Juden in ihrer Not an den Zionismus als an die unsichtbare Verkörperung ihres Volkes, als an eine moralische Autorität. Möge aber diese einzige jüdische Organisation, bis jetzt bloß eine moralische, auch eine materielle werden. Möge dies uns auch zum warnenden Beispiel dienen. Wenn unsere Väter wenigstens vor hundert Jahren diese Organisation ins Leben gerufen hätten, so wäre sie schon heutzutage zu einer mächtigen Kraft angewachsen, die die Wagschale zu unseren Gunsten schon hätte neigen können. Die bloße Tatsache des Bestehens solcher Organisationen wirkt wie ein Kristallkern, der immerfort neue Atome, neue Moleküle um sich gruppiert, bis er endlich sich zu einem mächtigen Felsblock gestaltet. Beweisen Sie heute, daß Sie ein Werk vorbereiten, das seinen Abschluß in Erez-Jisroel findet, wenn Sie Ihre Pflicht als Juden und als Zionisten erfüllt haben!" Ein nicht endenwollender Beifallssturm begrüßte den verehrten Redner. Zahlreiche Schekolim wurden abgenommen, mitunter auch von vielen Territorialisten. Qalizien Drohobycz. Als Vorbereitung für die Schekeltage wurden sechs Vorträge abgehalten. Einen veranstaltete der Verein „Moriah" (Der Entwicklungsgang des Zionismus und die Bedeutung des Schekels) fünf der Verein „Makkabäa" (1. Die Geschichte des Zionismus, 2. Nationalfonds und Schekel, 3. Kolonialbank, 4. „Judenstaat", 5. Palästinakolonien). Ferner wurden 2000 Flugschriften (polnische und jüdische) verteilt. Für den 27. wurde eine Volksversammlung in den hiesigen Turnsaal vom zionistischen Arbeitskomitee einberufen. An der Versammlung nahmen Anteil über 1000 Personen. Die Vereine „Makkabäa", „Moriah", „Kadimah", „Poale-Zion" und „Esra" erschienen in corpore.' Dr. Maximilian Appenzeller referierte über „Die zionistische Organisation und der Schekel" (polnisch), H. Leib Taubes über „Zehn Jahre Judenstaat" (jüdisch). Im Namen der hiesigen Jung- Ruthenen-Partei gratulierte und sprach ihr Anerkennen der Ver-