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Die Welt · 1906-06-08 · 23 (8.6.1906) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
23 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 DIE3^ELT No. 23 Abhülfe"kann da eine systematische Durchführung der Selbstbesteuerung schaffen. Ein fester, wenn auch kleiner Prozentsatz vom Einkommen oder Verbrauch soll von jedem als Mitglied einer zionist. Ortsgruppe gefordert werden. Diese regelmäßigen fest bestimmten Beiträge werden an Steile und als Ergänzung der bisher freiwilligen und daher unregelmäßigen treten. Zweckmäßig geschieht die Einziehung in jeder ersten Monatssitzung durch Einlegen des Beitrags in eine Büchse, so daß Indiskretionen vermieden werden. Er beantragt: „Der X. deutsche Delegiertentag empfiehlt seinen Ortsgruppen baldige Beschlußfassung über diese finanziell wichtige Frage und erbittet Mitteilungen des Ergebnisses in der Presse." Dr. Klee betont, daß die Warburgschen Ausführungen, nach denen zionistische Gelder auf keinen Fall zu Kolonisationszwecken gebraucht würden, beruhigend wirken würden. Freilich hätte schon Herr Simon wieder durch seine Bemerkung, daß eine Plattform im Lande geschaffen werden müsse, aufs neue Beunruhigung erweckt. Eine Plattform im Lande sei ein höchst gefährliches Experiment, und es sei außerordentlich gewagt, eine Verantwortung dafür zu übernehmen, daß vor Erreichung öffentlich-rechtlicher Sicherung die Emigration nach Palästina irgendwie angeregt würde. Vergessen wir nicht, daß die aus Rußland auswandernden Elemente zum größten Teil aus einem revolutionären Milieu kommen, daß sie leicht geeignet sein werden, das Mißtrauen der türkischen Regierung wachzurufen, doppelt, wenn sie die „Plattform" im Lande dazu benutzen werden, irgend welche autonomen Rechte zu erstreben. Es handle sich nicht um die paar Groschen, obwohl auch da betont werden müsse, daß die zionistischen Mittel so beschränkt seien, daß man schon an sich jedes kostspielige Experiment vermeiden sollte, sondern um das Prinzip, Entweder die Pforte ist überhaupt geneigt, auf die Pläne der Zionisten einzugehen, dann sei es auch diplomatische Arbeit im Herzlschen Sinne, die Modalitäten festzusetzen — die alte Charterpolitik Theodor Herzls — oder sie ist es nicht, dann wird sie sich die Rosinen aus dem Geburtstagskuchen, den sie freiwillig nicht hergeben will, nicht nach und nach von „Palästinapionieren" herauspicken lassen. (Lebh. Beifall rechts.) Dr. Halpern, Hamburg, weist gegenüber den Angriffen Klees auf die Palästinaarbeit darauf hin, daß die jüdischen Pioniere, die heute aus Rußland nach Palästina gehen, jede Gefahr zu fürchten verlernt haben. Die ersten Einwanderer arbeiteten unter den größten Anstrengungen, sie haben die Kolonien geschaffen, nie hat ihnen das Schicksal der Armenier gedroht! Wenn sie zum Teil keine Erfolge aufzuweisen hatten, so geschah das, weil ihnen jedes System und jede Unterstützung fehlte. Es ist traurig, daß man heute auf einem zionistischen Delegiertentag um die Duldung der Palästinaarbeit geradezu betteln muß. (Beifall.) Eine genaue Unterscheidung zwischen Erforschungsarbeiten und Anfängen der Kolonisation sei schwer zu ziehen. Prof. Warburg ist der Mann des Vertrauens beider Teile, und er sei es ja, der die Richtungslinien für die Palästinaarbeit zu ziehen berufen sei. (Lebhafter Beifall.) Dr. Elias Auerbach, München, behauptet, diejenigen, die jetzt so energisch gegen jede, auch private Palästinaarbeit sind, sollten bedenken, daß alles, was wir bisher in Palästina haben, durch Privatarbeit geschaffen wurde. Sie selbst haben in der Agitation immer von den „blühenden Kolonien" mit Vergnügen gesprochen; jetzt aber soll es verboten sein, etwas zu tun. Redner fragt, wie denken sich die „Politischen" die Erreichung Palästinas? Von Herrn Dr. Jeremias stammt das Wort: Wie uns Herzl als ein Wunder in den Schoß gefallen sei, so müßten wir warten, bis uns auch Palästina einmal durch ein Wunder in den Schoß fiele. Und das solle „Politische" Richtung sein? Heute hätte Herr Dr. Jeremias den Herzlschen Weg, die Benutzung politischer Kombinationen für eine vage und gefährliche Sache erklärt. Von Herrn Dr. Klee hätte man heute dieselben Grundsätze gegen die Durchführbarkeit der Palästinaarbeit gehört, die unsre Gegner sonst ihm hundertmal entgegengehalten haben: „Wenn der Sultan nicht wolle, ginge die ganze Sache nicht." Redner fragt, ob es denn nur Phrasen gewesen seien, was Herr Dr. Klee acht Jahre hindurch unseren Gegnern darauf erwidert habe, ob er selbst nictit überzeugt gewesen sei, daß wir trotz aller Schwierigkeiten an das Ziel kommen können. Redner behauptet, heute habe die „Politische" Gruppe ihren Bankrott erklärt: Die diplomatische Arbeit „steht vor einer Mauer"; die praktische solle verboten sein. Was bleibt da zu tun? Nichts, außer vielleicht das magere Schlagwort der „Nationalen Volkserziehung". Die „Ito" hat die von zionistischer Seite prophezeite Entwicklung genommen; sie ist weder national, noch hat sie etwas erreicht, wie Dr. Kalmus zugibt. — Redner warnt vor der zu großen Ängstlichkeit in betreff der Palästinaarbeit. Es klingt beinahe, als wäre es ein Verbrechen, dort etwas zu tun. Aber es muß gearbeitet werden. Wenn wir einmal in Palästina sein wollen, werden wir hingehen müssen. (Lebhafter Beifall links.) Nach Ausführungen Dr. Dannenbergs, Metz, der in der gegenwärtigen Arbeit für und in Palästina keine Durchbrechung des Baseler Programms erblickt, und diese Arbeit auch vom Standpunkt der Agitation als wertvoll betrachtet, und Dr. Zlocistis, Berlin, der vor der sog. praktischen Arbeit in Palästina warnt und die Zuwanderung der „Palästina-Pioniere" als eine durchaus nicht begrüßenswerte Tatsache ansieht, die noch Enttäuschungen bringen werde, wird die Diskussion über die Referate vorläufig geschlossen und zunächst unter lebhaftem Beifall dem Zentral-Komitee Decharge erteilt. Sodann werden die Fragen der Presse auf die Tagesordnung gesetzt. Rechtsanwalt Hantke, Berlin, erstattete den einleitenden Bericht Die jüdische Presse stand dem Zionismus bei Beginn der Bewegung so feindlich gegenüber, daß ein zionistisches Parteiblatt eine dringende Notwendigkeit war. Die Gründung des Verlags „Jüdische Rundschau" hat denn auch die Agitation und die Verbreitung und Verliefung der zionistischen Gedanken unter den Zionisten wesentlich gefördert. Inzwischen ist die allgemeine jüdische Presse neutraler geworden, ohne daß dadurch ein stramm zionistisches Parteiblattt überflüssig geworden wäre. Auch die Verlegung der „Welt" nach Deutschland hat das Bestehen der „Jüdischen Rundschau" keineswegs überflüssig gemacht. Die Bedürfnisse der deutschen Organisation machen es notwendig, daß das Parteiblatt auf das ausführlichstedie deutschen Lokalnachrichten aus der Bewegung wiedergibt, und daß es allen Parteigenossen zu einem billigen Preis (für 75 vierteljährlich) zugestellt werden kann. Beide Erfordernisse könne die „Welt" heute noch nicht erfüllen. Es sei jedoch dringend notwendig, daß oeide Organe in Redaktion und Verwaltung zusammenwirken. (Beifall). Es entspinnt sich hierauf eine rege Diskussion über die „Jüdische Rundschau" und die Art, wie sie redigiert wird, die stellenweise sehr erregt wird und an der sich gegen 15 Redner, darunter der Redakteur der „Jüdischen Rundschau," Dr. H. Löwe, beteiligen. Der Delegiertentag nimmt schließlich mit großer Mehrheit folgende Resolution an: „Der X. Delegierten tag der deutschen Zionisten spricht der „Jüdischen Rundschau" und ihrem Redakteur Dr. Heinrich Löwe das vollste Vertrauen aus und ersucht den Redakteur, in tunlichster Weise alles zu vermeiden, was die Gesinnungsgenossen verletzen könnte. Dr. Alfred Nossig, Berlin, legt einen Plan vor, mit dem sich die Propagandakommission befaßt hat. Es handelt sich um die Gründung eines national-jüdischen Tageblattes in deutscher Sprache. Ein solches Blatt hätte sich nicht nur mit zionistischen und allgemein-jüdischen Fragen zu befassen, sondern auch die Weltereignisse vom jüdischen Standpunkte aus zu beleuchten. Wir haben, sagte er, von hervorragenden Vertretern nichtzionistischer Gruppen der Judenheit die Zusicherung erhalten, daß ein nationaljüdisches Blatt ausgiebige Unterstützung finden würde. Durch erfahrene Fachmänner auf dem Gebiete des Zeitungsverlages haben wir die finanziellen Bedingungen und Aussichten des Unternehmens feststellen lassen. Die Idee läßt sich durchführen, wenn wir nicht mit einem großen, für uns unerreichbaren. Kapital, sondern ganz bescheiden beginnen, und das Blatt allmählich entwickeln wollen. Wir müssen die „Welt" und die „Jüdische Rundschau" verschmelzen und auf der Basis dieser zwei Abonnentenstämme das national-jüdische Tageblatt aufbauen. Dann schaffen wir dem Zionismus ein neues Machtmittel ersten Ranges. Redner schlägt nachfolgende Resolution vor: 1. „Der Delegiertentag hält es für notwendig und erwünscht, daß ein zionistisches Tageblatt, das in deutscher Sprache in Berlin erscheinen soll, gegründet werde. 2. Der Delegiertentag überträgt einer neungliedrigen Kommission die Prüfung dieser Angelegenheit, und ermächtigt die Kommission, falls sich der Plan als durchführbar erweist, die erforderlichen Schritte zu unternehmen." (Lebh. Beifall.) Diese Resolution wurde, wie wir vorwegnehmen, vom Delegiertentag angenommen und eine Kommission, der auch die Redakteure der „Welt" und „Jüdischen Rundschau" angehören, gewählt. Schluß der zweiten Sitzung. * * * Am Abend fand eine öffentliche Versammlung statt, bei der Dr. Heinrich Löwe über „Palästina, Land und Leute" sprach. Der Redner, der aus eigener Anschauung heraus unter Vorführung überaus gelungener Lichtbilder die gegenwärtigen Verhältnisse Palästinas schilderte und mit besonderer Liebe bei den jüdischen Kolonien verweilte, fand für seine mit großer Wärme vorgetragenen und von inniger Begeisterung erfüllten Ausführungen stürmischen

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