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Die Welt · 1906-06-08 · 23 (8.6.1906) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
23 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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\?o. 23 diee|eelt 5!a das Volk nicht reif ist, nicht imstande, dasselbe zu bebauen. Die Aufgabe der Gegenwart sei, national zu organisieren; in Deutschind allerdings sei dieses Verfahren verfehlt, nicht so aber in Rußand, Ungarn und Österreich. Wir müßten die Erziehung der kommenden Geschlechter zu rdern suchen und außerdem nichts tun, absolut nichts, als die :ee des Zionismus zu propagieren; vor allen Dingen dürfen wir keine aktische Tätigkeit in Palästina üben, weil uns dieselbe diskreditiert, i für solche Bestrebungen außer der rechtlichen Sicherung illiarden zu Gebote stehen müßten, wenn sie erfolgreich sein den. Also dürfen wir den Nationalfonds nicht angreifen und issen sorgen, daß das Geld der Jüdischen Kolonialbank flüssig jibt und sich verzinst, damit sich durch die Jahre die Millionen i ufen. Der Redner bittet noch, jede Feindschaft einzustellen, da nur der Weg bekämpft werden soll, nicht aber das Endziel; der eg, den die herrschende Partei gehen will, dessen Unmöglichkeit , h aber bald dokumentieren werde. (Lebh. Beifall rechts.) Dr. Mühsam, Berlin, begründet folgenden Antrag :„DasZentralunitee wolle die Gründung einer national-jüdischen mdesorganisation als politische und wirtschaftliche teressenvertretung der Juden in Deutschland einiten." Es wird darauf hingewiesen, daß in Österreich und Rußland h innerhalb der zionistischen Organisation große wirtschaftliche rbände zusammengeschlossen haben, besonders die Poale-Zion, lche neben dem politisch-zionistischen Zukunftsprogramm die tschaftliche Hebung der Juden für die Gegenwart auf sozialnokratischer Grundlage anstreben. Daß das Bedürfnis und die;iStenzmöglichkeit wirtschaftlicher Organisation auf national-jlieber Grundlage auch für Deutschland vorliegt, beweist das Vorndensein des Verbandes deutscher Juden, des Vereins jüdischer ndwerker, die Organisation der ausländischen Juden in Berlin i. Volksverein) etc. etc. Aufgabe der Organisation wäre es, die gemeinsamen ischen Interessen zu schützen. Innerhalb der Landesorganisation -sen nach wirtschaftlichen Sonderinteressen geschiedene Unterbände vorhanden sein. Die Vorteile wären u. a. folgende: Zahl- ■vie jüdische Kräfte, welche jetzt von den ihre wirtschaftlichen ressen — überdies ungenügend und schlecht — vertretenden desparteien absorbiert werden, werden für uns frei. Wir werden er durch Einbeziehung von Fragen, welche für den einzelnen du gegenwärtig von elementarer Wichtigkeit sind, ein weit größeres i! für die Propagierung unseres politischen Zukunftsprogramms ^en als jetzt. Endlich werden wir ein landespolitischer Faktor.;;s unser Ansehen nach außen und unser Selbstbewußtsein stärkt, eifall.) Hugo Schachtel, Breslau, beklagt, daß scheinbar auch unsere eitung den positiven Teil der Beschlüsse des letzten Kongresses ergessen habe. Auch zur Ausführung des nach dieser Richtung j'-beiiden Beschlusses der Brüsseler Konferenz ist man anscheinend noch nicht geschritten. Inzwischen hat sich die Situation ver- -ehlechtert. So werden z. B. in Cypern inzwischen die besten Ländereien von einer englisch-ägyptischen Spekulationsgesellschaft uifgekauft. (Jeremias ruft: „Aha, Cypern!") Oder gehört Cypern etwa nicht zu den Nachbarländern? Weniger als Ihr Rhodesia? Neue Institutionen brauchen wir, weil die alten Institutionen zum 1 eil so verbarrikadiert sind, daß von ihnen aus nichts geschehen -ann, auch vieles nicht, was die „Politischen mit Gänsefüßchen" •'.vollen. — Die wirtschaftliche Gegenwartsarbeit, die Dr. Mühsam v i!, ist bereits auf dem IV. Kongreß beschlossen, aber nicht ausgeführt worden. Wäre das geschehen, so hätten wir auch die demokratischen und sozialdemokratischen Kreise, die Dr. Klee und freunde plötzlich nicht haben wollen, obwohl gerade sie sonst um Quantitäten" bei der Agitation werben. Die Sozialdemokraten iiid doch schließlich auch Menschen. Daß diese Kreise plötzlich vi uns unerwünscht sind, widerspricht den Beschlüssen vermiedener Kongresse; solch „national-miserabler" Geist sollte ehleunigst aus unseren Reihen verbannt werden. (Lebhafter Beifall). Das Zentralbureau bittet Redner schließlich, mehr noch als biser sich nach der Richtung zu bemühen, daß zionistische Akademiker lach kleinen Orten gehen, nicht aber, um dort bloß Gemeindeertretungs- und Stadtverordnetenmandate zu übernehmen, sondern;ini zionistische Ortsgruppen zu leiten. (Beifall.) Dr. Friedemann: Die Erfolge in Deutschland sind nicht gering. Die deutsche Organisation ist erst 5 Jahre alt, die Nationalfondsgelder steigerten sich jedes Jahr um 20 %>. Trotz der Gesinnungsverschiedenheiten in Deutschland und trotzdem eine Parole wie in Osterreich fehlte, sind ebensoviel Schekelzahler vorhanden wie im Vorjahre. Die Vorwürfe gegen die Parteileitung sind unbegründet. Das A. C. hat sofort nach Bekanntgeben der Pogrome alles getan, um die Hülfstätigkeit anzuregen. Die Brüsseler Konferenz hat vorläufig nur eine Aussprache gezeitigt, aber -- wäre sie unterblieben, so würden dieselben Herren, die heute so tadeln, das Unterbleiben getadelt haben. Es ist auch möglich, daß immerhin ein positives Ergebnis noch zustande kommt. Die Nebenländer konnten schwer berücksichtigt werden wegen des türkisch-ägyptischen Akabastreits, wegen der Streitigkeiten auf Cypern u. ä. Für unsere Palästinaarbeit müsse die Marmorek- Ussischkinsche Resolution maßgebend bleiben: Alles zur Erforschung des Landes, alles zur Förderung der Industrie, aber keine Förderung der Immigration und keine plan-, ziel- und zwecklose Kleinkolonisation. Professor Dr. War bürg bemerkt, daß er nur die Vorwürfe, welche im Laufe der Diskussion gegen das A. C. gefallen sind, als Delegierter, der zugleich Mitglied des A. C. sei, hier berichtigen möchte. Was die Brüsseler Konferenz anbelangt, macht der Redner die Mitteilung, daß noch Verhandlungen im Gange sind, und daß diese mit besonderem Fleiße irn Hinblick auf die Länder des Orients geführt wrerden. Dazu ist ein Komitee in Berlin eingesetzt worden, das aus Delegierten aller größeren Hilfsorganisationen besteht und welches imstande ist, den Verhandlungen mehr Nachdruck zu verleihen. Dieses Komitee, das sein Augenmerk auch auf die südamerikanischen Staaten und die Südstaaten der Union gelenkt hat, um den Auswanderungsstrom nach dorthin abzuleiten, hat ein Statut ausgearbeitet, in dem es heißt: Das Komitee soll neue Kolonisationsmöglichkeiten schaffen unter besonderer Berücksichtigung des Orients. Das Komitee wird also in unserem Sinne den Orient besonders ins Auge fassen und in durchaus legitimer Weise die Einwanderung dort zu ermöglichen suchen, also keinen „Schmuggel" treiben. Der Redner berührt weiter die aufgeworfene Frage der Nachbarländer Palästinas. Wir dürfen nirgends als Störer in die Interessen eingreifen. El Arisch träte augenblicklich in den Hintergrund, was durch die Unterhandlungen zwischen England und der Türkei hervorgerufen worden sei. Vor allen Dingen müßten die Zionisten Vorsicht üben, damit sie nicht am Ende den Sündenbock in den politischen Streitigkeiten abgäben. Desgleichen bemerkt der Redner über Mesopotamien, daß auch hier Verhandlungen der Mächte schweben. All dies seien langsichtige Sachen, deren Ende ein unsicheres und nicht sicher voraussehbares sei. Dann widerlegt der Redner in längeren Ausführungen den Vorwurf, daß das A. C. beschlossen hätte, aus Nationalfondsgeldern zu kolonisieren, ein Vorwurf, der absolut haltlos sei. Wenn vereinzelt pachtweise Land abgegeben worden sei, wäre dieses noch kein Grund, Prinzipiengefahr zu vermuten, und dadurch würde der Zionismus wohl gewiß nicht zur „Kolonisationsgesellschaft". (Lebhafter Beifall). IL Sitzung (Beginn: Montag, nachmittags 4 Uhr.) E s t e r tn a n n-Hamburg: Die Opposition der „ politischen " Zionisten richtet sich hauptsächlich gegen die von seiten der Zione-Zion gemachten Versuche, das Aktionskomitee in die Politik des vorzionistischen Chowewe-Zionismus hineinzudrängen. Nach der Erklärung des Herrn Prof. Warburg, daß das A.-C. nichts unternehmen werde, was als ein Rückfall in den Chowewe-Zionismus zu betrachten wäre, können wir beruhigt sein. Selbstverständlich wahren wir uns aber das Recht, für eine Aufhebung der einengenden Beschlüsse des 7. Kongresses zu wirken. Simon-Mannheim protestiert gegen die Versuche, Mißtrauen gegen die Leitung immer weiter zu verbreiten und skizziert kurz die Methode der Arbeit, die in Palästina nötig sei und die nicht aufhöre, eine politische zu sein, wenn sie sich auch nicht allein darauf stütze, lediglich durch Argumente beim Sultan zu wirken, sondern unsere Machtposition in Palästina selbst zu stärken. Redner spricht im weiteren Verlauf seiner Ausführungen seine Sympathien mit den Palästina-Pionieren aus, deren Hingabe an unser Ideal ihm hohe Bewunderung abzwinge. Theilhaber, München, verweist auf die praktische Arbeit, unsere Mittel zu stärken und Agitation zu treiben. So teilt er zum Nationalfonds mit, daß die zionistischen Verbindungen ihren Mitgliedern die Selbstbesteuerung, und zwar 0,5 °> ihres Einkommens (allmonatlich), obligatorisch machen werden. Dieses Vorgehen solle von den Zionisten womöglich befolgt werden. Die Agitation unter der Jugend, den Kaufleuten, den Mädchen könne nicht durch die Ortsgruppen, sondern nur durch eigene Vereine bewerkstelligt werden. Er verlangt überall die Gründung solcher Untergruppen. Dr. Isaac Strauß, Heidelberg: Die Geldeingänge des Jahres 1905 sind mit 20 % höher ausgewiesen als die vorjährigen, aber absolut sind die jährlichen Beiträge für die großen Ziele klein, und was wichtiger ist, sie fließen als Ergebnis meist wohltätiger Stimmungen, unregelmäßig.

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