Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 23 (8.6.1906)
- Date
- 1906-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 23 DIE] oenossen auch privatim durch Übernahme von Aktien an der Anglo- Palästina-Bank beteiligen würden. So gibt es für unsere Anhänger in Deutschland ein reiches Feld der Betätigung im Dienste unserer Bewegung. Wer praktische Arbeit leisten will, soll sich nicht darüber beklagen, daß er hierzu keine Gelegenheit habe; aber auch wer die politische Arbeit über alles stellt, mag durch Wort und Schrift unsere Führung hierin unterstützen. Nur wenn alle Gruppen Innerhalb der Bewegung in ihren Bestrebungen harmonisch ineinmdergreifen und den guten Willen haben, das Ganze zu fördern, önnen wir die sichere Zuversicht hegen, die Früchte unserer Arbeit •flücken zu können. Möge unser Delegiertentag als Vorbild hierfür üenen .und eine neue Ära planvoller, zielbewußter Arbeit für unser Ziel einleiten, damit unsere Kinder nicht den Vorwurf gegen uns rheben, daß wir als reife Männer das Fundament des Hauses der; reiheit niedergerissen haben, welches die Begeisterung unserer ugend mit blutenden Händen und klopfenden Pulsen begründet at. Das Schiff hat wieder seinen Kurs, der Kapitän ist auf der Kommandobrücke, jeder Mann tue seine Pflicht, damit eines Morgens ..•er Ruf an unser Ohr dringe: „Das Land ist in Sicht! unser Land, las jüdische Land!" Ich erkläre den X. Delegiertentag der deutschen Zionisten für röffnet. (Lebhafter Beifall.) Es erfolgte sodann durch Akklamation die Bildung des Bureaus, I i das unter lebhaftem Beifall Rechtsanwalt Dr. Boden heim er als Präsident, Rechtsanwalt Dr. Grone mann, Vorsitzender der Ortsgruppe Hannover, und Prof. 0. Warburg, Mitglied des engeren \.-C, als Vorsitzende-Stellvertreter, Dr. Adler, Dr.Friedemann,;>r. Kollenscher und Julius Simon als Beisitzer gewählt wurden. Das Wort erhält zunächst das Mitglied des zionistischen A.-C, Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke zum Bericht des Zentralbureaus Der Redner nahm für die Einzelheiten auf den auch in der Veit" erschienenen gedruckten Bericht Bezug. Die Sammlungen; i:id gegen das Vorjahr um 20% gestiegen. Sie konnten fast abzugss an das Aktionskomitee abgeführt werden, da die Nationalfondserwaltung nur ihre baren Auslagen berechnet und die „Jüdische :undschau" die Spenden ohne Entschädigung für ihre großen nkosten abdruckt. Der Eingang der Schekelgelder und Landeseiträge ist befriedigend. Eine endgiltige Abrechnung konnte nicht jL-geben werden, da das Rechnungsjahr noch läuft. Die materielle Tätigkeit des Zentralbureaus, war entsprechend den Gesetzen der 1 artei, der Propaganda und dem Ausbau der Organisation gewidmet, hr Erfolg war die ständige Weiterentwicklung der Organisation in ' )eutschland, die Gewinnung neuer Stützpunkte und die Ausbildung der alten Gruppen. Selbstverständlich kann die Zentrale nur Anlegungen geben, Lässige antreiben, die Materialien beschaffen und für die Parteigenossen bereithalten. Die Ausführung dieser Anlegungen, die Benutzung der Materialien, kurz die Durchführung der Agitation, ist und bleibt aber Aufgabe der Ortsgruppen und Vertrauensmänner. Insbesondere fordert der Berichterstatter den vollständigen Ausbau der Gruppenverbände, die dort, wo sie tätig sind, hervorragende Resultate erzielt haben. Es folgen sodann die Referate über die allgemeine Situation, erstattet von den Mitgliedern des A.-C, Dr. Friedemann und Berthold Feiwel. Dr. Friedemann hält seinen Bericht in gedrängter Kürze. Er verzeichnet die Fortschritte, die die Bewegung in der letzten Zeit gemacht hat. Es sei in vielen Ländern ein Anwachsen des Zionismus zu verzeichnen- Jn Australien sei eine ganz neue Landesorganisation entstanden. In Österreich hätte durch das Eintreten der Zionisten für die politische Vollberechtigung die Bewegung einen starken Impuls erhalten, in Rußland haben die Zionisten gleichfalls durch ihre Beteiligung an den Dumawahlen einen bedeutsamen Erfolg errungen. In Deutschland hätten zunächst nach dem letzten Kongresse prinzipielle Differenzen die agitatorische Tätigkeit gehemmt, die aber später wieder mit erneuten Kräften aufgenommen worden sei und auch in Deutschland ein Fortschreiten der Bewegung zur Folge gehabt hätte. . . In den furchtbaren Pogromzeiten habe das Aktionskomitee, unterstützt von der Gesamtorgan isation, das Möglichste getan, um helfend einzugreifen. Bei dieser Gelegenheit gedenkt Redner der unvergeßlichen Beweise von Heroismus, die unsere Jugend in der „Selbstwehr" geliefert. (Lebh. Beifall.) Er verweilt dann bei der Brüsseler Konferenz, die, eine gute Tat, leider auf den absoluten Widerstand der „Alliance" und „Ica" gestoßen sei. Redner kritisiert die Haltung dieser beiden Organisationen, die auch sonst viel zu wünschen übrig lasse. Hingegen könne man dem „Hilfsverein deutscher Juden" nur AnersKELT 3 kennung zollen für sein deutliches Bestreben, den jüdischen Bedürfnissen möglichst Rechnung zu tragen, ein Bestreben, das sich besonders durch die palästinensische Tätigkeit des Hilfsvereins dokumentiere. Referent schließt mit der Betrachtung einer vierten jüdischen Organisation, der sog. „Ito". Sie sei nach seiner Ansicht aus dem Grunde des Zionismus hervorgewachsen, um so bedauerlicher seien die öffentlich zum Ausdruck gebrachten Mißhelligkeiten zwischen „Ito" und zionistischer Organisation. Er macht Mr. Zangwill lebhafte Vorwürfe wegen des Tones und der Art seiner auf dem Meeting vom 28. gehaltenen und hauptsächlich gegen den Zionismus gerichteten Rede und appelliert an ihn als an einen guten Juden, diese Kampfesweise in Zukunft zu unterlassen. Eine direkte Stellungnahme des Zionismus zur „Ito" sei so lange nicht angebracht, als das Programm und die Ziele der „Ito" nicht durch deren konstituierende Gesamtkonferenz geklärt seien. (Lebh. Beifall.) Berthold Feiwel wendet sich in seinen längeren Ausführungen zunächst der politischen Seite der Bewegung zu. Das engere A.-C. habe positive Mitteilungen über politische Schritte, die es etwa unternommen, seit dem Kongresse nicht vorgelegt; es böte sich also für den Delegiertentag nur eine prinzipielle Grundlage für die Diskussion. Es sei nach allen Äußerungen des engeren A.-C. kein Zweifel, daß es an dem politischen Grundcharakter der Bewegung festhalte, und das müsse allen gegenteiligen Ausstreuungen gegenüber ausdrücklich betont werden. Die zweite prinzipielle Frage bilde für uns die Betrachtung der politischen Möglichkeiten des Zionismus. Es gäbe eine Reihe Zionisten, die den Ausspruch Herzl's: „Der Zionismus hätte politisch auf ein Menschenalter hinaus in der Türkei nichts zu erwarten" als unabänderliches Axiom hinnehmen. Man täte dem verstorbenen Führer kein größeres Unrecht, als wenn man jedes seiner Worte, auch seine begreiflichen Irrtümer, ungeprüft heilig spreche, besonders wenn diese Worte, wie es der Redner für den vorliegenden Ausspruch mit Bestimmtheit erklärt, nur der Ausfluß einer pessimistischen Augenblicksstimmung waren, und insbesondere, wenn die Verhältnisse selbst sich wesentlich anders gestaltet haben, als sie damals lagen. Es sei kein Zweifel, daß Herzl, hätte er die bedeutsamen politischen Veränderungen des fernen und nahen asiatischen Ostens innerhalb der allerletzten Zeit noch erlebt, sich in seiner andern durchaus richtigen These außerordentlich bestärkt gesehen hätte, der These nämlich: Daß Palästina einen Zankapfel der Mächte bilden könne, während die Überlassung Palästinas an die Juden den Streit wegräumen, und zugleich den Juden und der Türkei Nutzen bringen könne. Der russisch-japanische Krieg, der das Übergewicht Rußlands in Asien paralysiert, die friedliche Auseinandersetzung Rußlands mit England in Betreff der asiatischen Fragen, das Zurücktreten französischen und deutschen und das Hervortreten englischen Interesses und Einflusses im näheren Orient, der letzte englisch-türkische Konflikt, — all das seien vom Standpunkt zionistischer Politik bedeutsame Tatsachen, die beweisen, daß die Angelegenheiten des Orients in stetem Fluß sind. Ein sonst den Zionismus skeptisch betrachtendes englisches Blatt sei es gewesen, das gerade in letzter Zeit anläßlich des englisch-türkischen Konfliktes ausdrücklich darauf hingewiesen habe, daß die Kombination, wonach die Türkei im Einverständnis mit den Mächten Palästina den Juden zur Ansiedlung überlassen könne, durchaus im Bereiche der erlisten politischen Möglichkeiten liege. Redner betont, er führe diese Tatsache nicht an, um „in Politik zu machen", er wolle nur damit andeuten, daß das von manchen beliebte Dogma: „Unmöglich" für größere oder kleinere politische Ziele in Palästina haltlos sei. Die politische Situation liege durchaus nicht ungünstig. Was uns aber vor allem not tue, das sei ein Ausbau unserer politischen Institutionen, und da ergäbe sich gerade für diejenigen deutschen Juden ein Betätigungsfeld, die das politische Moment in den Vordergrund rücken . . . Was das äußere Wachstum unserer Bewegung anlange, so habe Dr. Friedemann auf Einzelnes verwiesen. Referent stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, daß noch immer der Zionismus mehr Wert auf intensive als auf extensive Propagandatätigkeit legen müsse. Die letzten drei Jahre hätten gezeigt, daß uns vor allem Qualität, nicht Quantität not tue. In Hinsicht auf die Qualität glaube er — obgleich seine persönlichen Ansprüche noch viel weiter gingen — daß sich der Zionismus in der letzten Zeit sicher gehoben habe, wozu der Kampf von innen und außen beigetragen habe. Um so erfreulicher sei es, daß diese Besserung offenbar nicht auf Kosten der Quantität erfolgte. Referent verzeichnet die Ausdehnung des Zionismus in verschiedenen Ländern und fährt dann fort: Mr. Zangwill habe sich jüngst den Witz geleistet, zu erklären, daß die russischen Juden das Vertrauen zu den Zionisten vollständig verloren hätten und deshalb keine Schekel gezahlt werden würden. Es sei nicht sicher, sagt Redner, ob mehr oder weniger Schekel als sonst von Rußland eingehen werden, aber daß z. B. von 12 Abgeordneten 5 Zionisten gewählt wurden, daß mehrere neue zionistische Blätter ge-