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Die Welt · 1906-06-01 · 22 (1.6.1906) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
22 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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viele Bruchstücke alter Grabsteine aus Marmor, mit hebräischen Aufschriften bedeckt, bloßgelegt worden, desgleichen große Doppelurnen, die den hebräischen Exulanten als Särge dienten. In zusammengebogener Lage, wie das auch bei anderen Völkern geschah, wurde der Tote in solche Urnen hineingezwängt und so bestattet. Auch viele .Gegenstände an Terrakotta mit hebräischen Verschwörungsformeln fanden sich im Schutt. Unter ihnen ragen durch ihre große Anzahl die Schalen hervor, die jene Formeln in schwarzer Tinte als Aufschrift tragen. Sie hatten den Zweck, Kranken als Medizingläser zu dienen, und hingen mit dem Glauben zusammen, daß das Wasser in den Schalen die Tinte der Aufschrift weglecken und, von den Kranken getrunken, die Beschwörung in ihrem Körper wirksam machen sollte. Das hing zwar innig mit Zauberei zusammen, die sonst das alttestamentliche Gesetz stärk verpönte; aber die „schwarze Kunst" war dennoch, wie in der Königszeit, so auch im und nach dem Exil unter den Juden in Übung. Bestanden doch auch in späterer Zeit die Geheimrezepte der jüdischen Talmude großenteils aus Besprechungsformeln. Auch an Gebrauchsgegenständen, die hebräischen Charakter an sich tragen, wie Mahlsteine, Olivenöllampen etc., ist unter den Fundstücken kein Mangel. Sie sind im Zusammenhang mit den Resten der Wohnhäuser, in deren Schutt sie gefunden worden, imstande, uns noch heute ein Bild des Hauses und des einfachen Lebens darin, wie es die jüdischen Exulanten geführt haben, zu geben. Die Phantasie, die bei allen Rekonstruktionen mit zu Hülfe genommen werden muß, sie hat Dr. Banks nach den aufgefundenen Resten folgendes Bild entwerfen lassen: Die Häuser, worin die kriegsgefangenen Israeliten wohnten, hatten Wände von Lehm und nur selten von gebrannten Ziegeln. Das einzige Zimmer, das diese Häuser darstellten, wurde durch die Tür oder eine kleine Öffnung in der Nähe des Daches erhellt, durch die der Rauch des Herdfeuers abziehen sollte. Stämme von Dattelpalmen, mitten durchgeschnitten, waren über die Lehmwände gelegt, um Unterlagen für das Dach zu bilden. Über diese war eine oder zwei Schichten von Rohrstengeln aus den benachbarten Sumpfteichen gelegt, darauf wieder eine dicke Schicht von Röhricht und endlich eine fußdicke oder noch dickere Schicht von Lehm, um den Regen des Winters oder die Hitze des Sommers abzuhalten. Ein Mahlstein, ein Mehlsack, einige Rohrmatten, ein Lehmtisch, eine Olivenöllampe, ein Steingewicht und ein aus gebranntem Ton bestehender Hühnchenkäfig machten in der Hauptsache die Gerätschaften der jüdischen Exulanten aus." o o o o o o o o o o o o o £j) AUS DER BEWEGUNG ([ O Q O O O O ^3 o o o o o o DIE WELTSCHEKELTAGE sind überall — auch jenseits des Meeres — mit großem Eifer vorbereitet worden. Eine ganze Reihe von Flugblättern in hebräischer, jüdischer, englischer, deutscher, französischer, ungarischer, spaniolischer Sprache, die in Rußland, England, Galizien, Niederösterreich, Böhmen, Ungarn, Amerika, im Orient usw. zur Ausgabe gelangten, ist uns zugegangen, — alles deutliche Beweise, daß die Parole des Aktionskomitees den Instruktionen gemäß durchgeführt wurde. Spezialberichte liegen — infolge der Schewnoth-Feiertage, die in diese Woche fielen — erst vereinzelt vor. Einige von ihnen lassen wir nachstehend folgen. England London Eine großartige Kundgebung anläßlich der Schekeltage fand in London in der Great Assembly Hall statt. Dem Massenmeeting präsidierte Mitglied des Parlaments Mr. B. S. Strauß, der, die Versammlung eröffnend, seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, seine Sympathie für die große zionistische Bewegung bezeugen zu können. Es gäbe, sagte er, verschiedene Pläne für die Lösung der Judenfrage, aber nur der Zionismus, nur eine Heimstätte in Palästina, sprächen zum Herzen aller Juden. Er richtet den Appell an die Zionisten, von ihrem Wege auch nicht um ein geringes abzuweichen, dann sei ihr endlicher Sieg gewiß. — Begeisterung weckte ein Brief Dr. Max Nordaus an die Versammlung, in dem er u. a. sagte: „Es ist jetzt wohl schon überflüssig, ernstdenkenden Juden die Notwendigkeit des Zionismus zum Bewuf3tsein zu bringen, als des einzigen lebendigen Ausdrucks für unsern unabänderlichen Willen, unsere nationale Existenz fortzusetzen . . . Indem ein Jude freudig und stolz seinen schlichten Schekel zahlt, dokumentiert er seinen ernsten Willen, das Judentum mit all seinen Traditionen, Hoffnungen und Idealen aufrechtzuerhalten, und trägt sein Teil bei zur Herbeiführung einer lichtem Zukunft für sein Volk ..." — Sir Francis Montefiore hielt, nachdem er dem verstorbenen Dr. Isidor Marmorek einen warmen Nachruf gehalten hatte, eine längere, mit vielem Beifall aufgenommene Rede, die er mit der Empfehlung der bereits in Leeds und Liverpol gestellten Resolution schloß, worin bekanntlich die Untauglichkeit aller philanthropischen Lösungsversuche und die Notwendigkeit der geradlinig auf Palästina gerichteten zionistischen Bewegung hervorgehoben und die Mitteilung der Resolution an die englische Regierung und an die Parlamentsmitglieder gefordert wird. Hierauf sprachen noch, gleichfalls mit großem Erfolge, Mr. L. J. Greenberg, Herr N. Sokolow, Mr. Lozinsky, Mr. Walter Nathan und Mr. Cowen. Das Meeting schloß mit Absingung der Hatikwah. London. Die „Crown of Zion Association" feierte unter Vorsitz des Mr. E. Barnett den Schekeltag. Es sprachen Mr. D. Klien und Mr. A. Horwitz. Das Meeting nahm eine Beileidsresolution anläßlich des Ablebens Dr. Isidor Marmoreks an. Sunderl and, 28. Mai. Gestern fand hier ein großes Demonstrationsmeeting statt. Herr Rabbiner Dr. Samuel Daiches hielt einen Vortrag, in dem er mit hinreißender Beredsamkeit die Idee des reinen Zionismus auseinandersetzte. Nicht endenwollender Beifall belohnte den Redner. Viele Schekolim wurden verkauft. Deutschland Berlin. Die Feier des Schekeltages durch die Berliner Zionisten gestaltete sich zu einer imposanten Demonstration. Herr Dr. Zlocisti legte die Bedeutung des Tages dar. Herr Dr. Loewe sprach sodann über Land und Leute in Palästina unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder, insbesondere aus den jüdischen Kolonien. Anwesend waren-über 500 Zionisten. Die Sammlungen des Abends ergaben 191 Mark. ' Hamburg. Alle 3 Schekeltagsversammlungen mit Thema: „Die Einheit des jüdischen Volkes" sind über Erwarten gut verlaufen. Sämtliche Redner (Dr. Franck, Dr. Halpern, Dr. Victor, Dr. Landau-Lübeck) fanden stürmischen Beifall. 40 neue Schekel - zahler, Erhöhung der Schekelsumme um ca. 100 M. Bericht folgt. Köln. Die Zionistische Vereinigung in Köln hat, als die Mitglieder des engeren A.-C. hier anwesend waren, aus Anlaß der Schekeltage eine öffentliche Volksversammlung veranstaltet, die von etwa 500 Personen besucht war. Nachdem der Vorsitzende der Ortsgruppe, Rechtsanwalt Dr. Boden hei in er in Köln,' die Gäste begrüßt hatte, sprach Professor Warburg-Berlin über die Eignung der Juden als Kolonisten. Nach den bisherigen Erfahrungen hielt er das jüdische Volk nicht nur als vorzüglich geeignet für die jüdische Kolonisation, wie die Einwanderer in den größten jüdischen Zentren Amerikas bewiesen, sondern auch für die Ackerbaukolonisation, wie die Kolonien in Argentinien, in Nordamerika, in Kanada und nicht zuletzt in Palästina bewiesen. Nachdem der Redner aus eigener Sachkenntnis und auf Grund der Forschungen hervorragender Geographen Palästina als eines der vorzüglichsten Kolonisationsgebiete der Zukunft geschildert hatte, schloß er mit dem Hinweis auf die bereits von der zionistischen Leitung begründeten und noch in Aussicht genommenen Unternehmungen in Palästina, durch welche die wirtschaftliche Eroberung des Landes für die Juden vorbereitet werden soll. Nachdem Herr Wolffsohn sodann unter lebhaftem Beifall über die Bedeutung des Schekels gesprochen hatte, den jeder Jude zahlen müsse, der die Schaffung einer öffentlich rechtlich ge-

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