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Die Welt · 1906-05-25 · 21 (25.5.1906) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
21 (25.5.1906)
Date
1906-05-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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■m Hm^r ■ 1 w>:.'% r y 'Wl^?*"' 4fP*fe: tS DIE ELT No. 21 "Vhv^^^ 1 ' ik '.,E^a-f^' 'fi^ry 'S ■ %M Ä^H.* t iW I saHsä j-r^ . i» * *, y^-ßT ■ > iW" { :1 * 1 t Ii schon-in Petersburg die Macht an sich gerissen haben und den Zaren daran hindern, das Gesetz über die gewährten Freiheiten bekannt zu geben. Dieser Tage hat schon dieser Auswurf des Menschengeschlechts Väterchen Zar verwundet, so daß er vor Kummer grau geworden ist. Darauf hat der deutsche Kaiser seine Kriegsschiffe nach Petersburg gesandt. Wir, wahren Russen, werden zu Grunde gehen, wenn wir uns nicht zusammentun und unsern Feind, die Sozialdemokraten und Juden, energisch zurückschlagen. Noch ist es nicht zu spät; aber bald wird unser innerer Feind das Land aufteilen und es den Juden geben." Der Aufruf endet mit der Aufforderung, sich mit Waffen, Sensen, Äxten, Sicheln, Brecheisen etc. zu versehen und unter Vorantragen des Zarenbildes und der Heiligenbilder die Juden und deren Genossen niederzumachen. Seinem Bericht fügt Rittmeister Budogowski hinzu, daß diese Aufrufe in Unmassen verbreitet werden, daß sie „wesentlichen Nutzen im Kampfe gegen die Revolution bringen", daß er alle Mitglieder der Kampforganisation kennt und „seinen ganzen Einfluß dazu verwendet, solche Aufrufe in seinem Rayon, besonders auf dem flachen Lande, zu verbreiten, was auf die Bauern wohltätig einwirken und sie von Gewalttaten gegen die Gutsbesitzer abhalten wird." Ähnliche Berichte des Rittmeisters Budogowski sind beim Polizeidepartement, wie der Beamte für besondere Aufträge, Pjatnizky, vermerkte, bereits früher eingegangen, jetzt aber nirgends zu finden, obwohl sie dem Chef der politischen Polizei, Ratschkowsky, und dem ehemaligen Departementschefs Timofejew, jetzigem Beamten für besondere Aufträge beim Palastkomandanten Trepow, unterbreitet wurden. Beide Beamten haben keine entsprechenden Gegenmaßregeln unternommen, aber Rittmeister Budogowski wurde mit einer hohen Auszeichnung bedacht. „Aus dem Brief des Schriftstellers Obolenski an den Grafen Witte ersehen Ew. Exzellenz, daß die vom Rittmeister Budogowski unter stillschweigender Zustimmung des Staatsrats Ratschkowsky und Staatsrats Timofejew geführte Agitation ihren Zweck erreicht hat. Solche Handlungen von Amtspersonen, die zur Zwietracht unter der Bevölkerung führen und eine verstärkte revolutionäre Bewegung fördern, sind ein Verbrechen, das nach § 341 des Strafgesetzes geahndet werden muß." Der Herr Minister Stolypin hat sich darauf noch nicht geäußert, und man darf neugierig sein, ob er es überhaupt tun wird. Freilich — die Duma fordert jetzt Aufklärungen. Und die alten Ausflüchte der Bureaukratie werden nicht helfen. Denn in der Duma ist eine Richterin erstanden für die Frevler und Verbrecher des zarischen Regimes. BEMERKUNGEN ZUR AUSWANDERUNGSFRAGE Von DR. ALEXANDER HAUSMANN (Wien) IL Seit Kischinew sind ca. 350000 Juden aus Rußland, Galizien und Rumänien dauernd ausgewandert und haben neue Wohnsitze gefunden. In derselben Zeit haben Zehntausende russischer Flüchtlinge bald kürzeren, bald längeren Aufenthalt in den europäischen Ländern genommen, und viele Tausende befinden sich noch in den Etappenländern der Emigration auf der Suche nach einer neuen Heimat. Alle diese Hunderttausende haben, wenn auch nach schwerer Mühsal und unter unsäglichen Leiden, Erwerb und Unterkunft gefunden, und dabei waren es, mit Ausnahme eines Teiles der Flüchtlinge, lauter arme, beinahe mittellose Leute, welche höchstens eigenes Reisekapital besaßen*). Als im Jahre 1901 sich mehrere Tausende rumänischer Juden auf die Wanderung machten, konnte man sie nirgends unterbringen, trotzdem sie die ganze jüdische Öffentlichkeit um Hilfe anriefen. Die Bewegung endete damit, daß ein großer Teil dieser Unglücklichen unter Mitwirkung der „Alliance IsraeJite" nach Rumänien zurückbefördert wurde. In den darauf folgenden Jahren, als sich die Auswanderung aus Rußland und Galizien steigerte, wurden Klagen laut, daß die Hauptimmigrationsländer, Amerika und England, an der Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit angelangt seien. Man konstatierte die sehr bedenklichen Erscheinungen, daß die neuen Einwanderer nur sehr schwer einen Erwerb fanden, daß die bereits Eingewanderten über mangelnde Arbeitsgelegenheiten klagten, und daß infolgedessen häufige Rückwanderungen stattfanden. Unter der einheimischen Arbeiterschaft der ImmigrationsLänder, insbesondere in England, machte sich eine Bewegung dahin geltend, das unerwünschte Angebot auf dem inländischen Arbeitsmarkte und die damit verbundenen Preisunterbietungen durch Erschwerung der jüdischen Einwanderung zu verhindern. Die Regierungen kamen dieser Bewegung entgegen» indem sie das Recht der Landung an den Besitz einer gewissen Geldsumme oder an den Nachweis der Erwerbsfähigkeit knüpften und die Transportgesellschaften. damit bedrohten, daß sie mittellose oder sonst den Bedingungen nicht *> Nach der offiziellen amerikanischen Einwanderungsstatistik brachten die jüdischen Einwanderer im Jahre 1904 05 an Geldmitteln insgesamt 1 824 617 Dollars mit. also pro Kopf 14,18 Dollars. entsprechende Einwanderer auf ihre Kosten zurücksenden würden. Wenn man alle diese Umstände und die berechtigten Besorgnisse bedenkt, welche sie bei allen um das Wohl des Judentums Bekümmerten hervorgerufen haben, so wird man der nicht zu leugnenden Tatsache der Unterbringung der enormen Zahl von 350000 Juden binnen der kurzen Zeit von drei Jahren eine ganz besondere Bedeutung beimessen. Eine Erklärung dieser Tatsache erscheint um so notwendiger, als erst hierdurch die Möglichkeit gegeben sein wird, festzustellen, ob und welche Schlüsse aus cer Placierung der 350000 Juden für die Placierung der künftigen jüdischen Auswanderung gezogen werden können. Meiner Ansicht nach ist die Erklärung in den wirtschaftlichen Verhältnissen der Immigrationsländer in dieser Zeitperiode zu suchen. Vor allem kommen hierbei die Vereinigten Staaten von Nordamerika in Betracht, welche allein an 300000 Juden in den letzten drei Jahren aufgenommen haben. Die Union hat in den letzten Jahren eine Periode größten wirtschaftlichen Aufschwunges zu verzeichnen, eines Aufschwunges, welcher in gleichem Maße durch die ausgezeichneten Ernten der letzten zwei Jahre, von denen eine direkt eine Rekordernte war, wie durch eine beispiellose Hebung der industriellen Produktion verursacht wurde. Gerade das Rekordjahr der Auswanderung, d. i. das Jahr 1905, bezeichnet vielleicht den Gipfelpunkt der gegenwärtigen Hochkonjunktur in Nordamerika. Die kolossale Ausdehnung der industriellen Produktion hatte eine immense Nachfrage nach Arbeitskräften, gelernten wie ungelernten, zur Folge, ein Umstand, welcher der jüdischen Einwanderung mit ihrem ungewöhnlich hohen Prozentsatze an Handwerkern und Arbeitern sehr zu starten kommen mußte. Der gute Geschäftsgang und der Umstand, daß die großen Massen der Bevölkerung dauernde und lohnende Beschäftigung hatten — Charakteristika der Hochkonjunkturen gegenüber normalen Zeiten mit industrieller Reservearmee und Preisunterbietungen durch überzählige und ungelernte Arbeiter — bewirken eine Besserung der Lebenshaltung, eine, gesteigerte Nachfrage nach Konsumgütern höherer Ordnung,, wie es in erster Linie Kleider sind. Die typisch jüdische Industrie, die Herrenkonfektion mit ihrem Verlagsystem, welches ihr plötzliche Ausdehnungen und Einschränkungen der iuui.

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