Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 20 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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No. 20 - DIEMKE LT - AGITATION FÜR DIE SCHEKELTAGE 17 Holland Obgleich in den meisten Ortsgruppen der Schekel schon eingezogen ist, wird in Holland für die Schekeltage eine große Agitation geplant. Alle Ortsgruppen sind gebeten, wo möglich an diesen Tagen Versammlungen abzuhalten. Eine Extra-Nummer des „Joodsche Wächter" mit agitatorischen und belehrenden Artikeln wird im ganzen Lande verbreitet werden. Und die erste einer Serie Broschüren, die wir zu veröffentlichen gedenken, wird an diesem Tage erscheinen. Deutschland Hamburg. Die hiesige Ortsgruppe hat beschlossen, am Schekeltag gleichzeitig drei Versammlungen im Stadtgebiet von Hamburg-Altona abzuhalten. Österreich Das innerösterreichische Distriktskomitee erliefo für die Schekeltage einen ausgezeichneten Aufruf nebst Instruktion, den wir in der nächsten Nummer vollinhaltlich veröffentlichen werden. e&*mj**t SnJ^i^^mW*m^fimu0w^i!*ii^**^m^i Eine Reihe von Einsendungen zur Rubrik „Aus der Bewegung" mußte aus Raummangel für die nächste Nummer zurückbleiben * V^^W^^y**^*» V M^l^^^d^M"*!' ¥ W^^a/^^H n# m4*+ß*&*^nA^t NOTIZEN Eine Zollreform in der Türkei Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, befa!3t sich die türkische Regierung in letzter Zelt ernstlich mit einer Reform und Reorganisation der türkischen Zollverhältnisse, was wohl ilarauf zurückzuführen ist, da(3 der türkische Zollsatz von 8 Prozent auf 11 Prozent erhöht werden sollte, und daß die Zustimmung der Mächte hierzu nur unter der Bedingung erfolgte, daß das türkische Zolhvesen einer durchgreifenden Reform unterzogen werde. Die dirkischen Zeitungen bringen längere Artikel über die Ausbildung resp. Auswahl der nötigen Beamten, Verbesserung der Lagerverhältnisse usw. Die Reform ist ein weiterer Schrittzur Modernisierung «■los Landes. Boris Schatz' Skulpturen Die im Hamburger Kunstsalon Louis Bock & Sohn seit längerer Zeit ausgestellten Plastiken von Boris Schatz, „Darstellungen aus dem jüdischen Leben, Charakterbilder im Zionidenton", sind von Herrn Louis Friedenheim, dessen warmes Interesse für jüdische Angelegenheiten weithin bekannt und geschätzt ist, angekauft und der Hamburger „Gesellschaft für jüdische Volkskunde" als Geschenk überwiesen worden. Die kostbare Sammlung im Werte von etwa 1200 Mk. umfaßt folgende Nummern: „Großmutter und Enkel", „Jüdische Mutter", E. M. Lilien; „Totengebet", „Heimatssehnsucht", Des Rabbi Segen", „Simson und Delila", „Maske eines Schlafenden", „Makkabäer" „.Judith", Dr. Herzl, „Einer aus dem Volke", „Morgengebet", David Wolfsohn; Professor Warburg; „Judith", „Jubiläum Wolfsohn", „Sabbatsegen", „Großmütterchen", „Gebet mit Becher", „Heiratsvermittler", „Frau Warburg".;! looooooooo! Vv NACHRICHTEN TSl^Z oooooooool Ein russischer Baron als Erpresser Die littauische Zeitung „Vilniaus Linios" bringt Mitteilungen f.ber grobe Mißhandlungen und Ausschreitungen, die sich Baron )sten-Sacken an der Spitze einer Dragonerabteilung den Juden von schagori gegenüber zu Schulden kommen ließ. Während der Oster- Mi esse in der Schagorier katholischen Kirche wurde plötzlich irgendwo ein Schuß abgegeben. Solche Fälle kamen auch in den früheren Jahren vor, aber niemand hat dem weitere Aufmerksamkeit beir gelegt. Diesmal befahl Baron Osten-Sacken, man solle alle Juden vor dem Gemeindehaus versammeln. Als die Juden erschienen 'varen, befahl er ihnen, die Hüte abzunehmen, und nachdem er erklärt hatte, er sei für sie „ein Zar und ein Gott", forderte er sie uif, sie sollten ihm 50 Revolver und 10 Flinten ausliefern. Gleichzeitig nahm er 5 Mann als Geisel fest, die er nachher wieder frei- Heß gegen einen Schein, daß sie ihm nach Ablauf einer Woche iO Revolver (nur Brownings) und 5 Flinten bringen würden. Eine Klage per Telegraph an den Gouverneur wurde an der Post nicht angenommen. Die Juden sahen sich gezwungen, noch in derselben Nacht Delegierte um Abhilfe an den Gouverneur von Kowno u senden. Schon im Januar verlangte derselbe Baron von den Juden in Schagori, daß sie ihm während einer Nacht 150 Revolver ■ausliefern oder 1100 Rubel Strafe zahlen sollten. Da es unmöglich 'vpir, in einer Nacht so viele Revolver einzukaufen, mußte man das Geld einzahlen. Reformen für die Juden in Finnland Wir haben schon in der letzten Zeit mehrmals ausgeführt, in welcher Situation sich die Juden in Finnland befinden. Die Juden- Gesetze Finnlands konnten sogar, was ihre Härte anbetrifft, mit denjenigen Rußlands keinen Vergleich aushalten. Alles Bemühen der Juden, vor den verschiedenen finnischen Ständeversammlungen die Reform durchzusetzen, war erfolglos, — die Lage der Juden =>lieb unverändert, ja, hat sich sogar verschlimmert. Nun soll ■■in Umschwung in der öffentlichen Meinung Finnlands in bezug auf die Juden eingetreten sein. Die Juden haben dem Senat eine Petition eingereicht, worin sie für ihre Gleichberechtigung plaidieren. In der Presse haben die Juden Sympathie gefunden — es wird behauptet, es sei eine Schande für Finnland, noch immer so grausame Gesetze für die Juden aufrecht zu erhalten. Eine nationaljüdische Gruppe in der Duma Aus Petersburg wird dem „Weg" telegraphiert: Die jüdischen Abgeordneten sitzen in der Duma nebeneinander. Sie werden, ei ne nationaljüdische Gruppe bilden und in allen jüdischen Fragen geeint vorgehen. Ihre gegenwärtige Taktik geht dahin, nicht mit allzuscharfer Kritik hervorzutreten, die zur Abkürzung der Lebensdauer der Duma beitragen könnte, sondern zunächst innerparteiliche Arbeit zu leisten, für ihre weitere Taktik werden die Beschlüsse des bereits legalisierten „Verbandes zur Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden" maßgebend sein, der am 22. zu einer Konferenz zusammentritt. Ritter von Taussig — demissioniert Aus Wien wird gemeldet: Ritter v. Taussig hat sich lange gegen die von der öffentlichen Meinung geforderte Zurücklegung seines Mandates als Kultusvorsteher gesträubt. Endlich hat er sich doch entschlossen, seine Demission zu geben, die vom Gesamtvorstand (nach einem vergeblichen Versuche, Herrn v. Taussig zur Zurücknahme seiner Demission zu veranlassen) mit dem Ausdrucke des Bedauerns zur Kenntnis genommen wurde. Was Herrn v. Taussig schließlich dennoch bewogen hat, sein Mandat im Kultusvorstand unwiderruflich niederzulegen, das war nach den Mitteilungen der Wiener „Nationalztg." die Demonstration der Zionisten am vergangenen Sonntag, und die Tatsache, daß in zionistischen Kreisen die Absicht bestand, die Demonstration fortzusetzen, bis Herr v. Taussig sein Mandat niedergelegt haben wird. Eine Kolonie Max Nordau in Argentinien Buenos-Aires. Eine größere Anzahl eingewanderter russischer Juden haben ein Territorium für 400000 Pesas in Baradero, Provinz Buenos-Aires, angekauft und eine landwirtschaftliche Kolonie unter dem Namen Max Nordau begründet. Die Kolonie hat die besten Aussichten, schnell emporzublühen.