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Die Welt · 1906-05-18 · 20 (18.5.1906) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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14 DIE^ ELT No. 20 mw ffiMi ... fe-SF; j.fP'^ $f*« |;?w'r t'H^r V f.Ä i :« -ftfff II *h sichts dieses brüsken Abschlusses blieb den anwesenden Zionisten nichts anderes übrig, als Herrn Dr. Jochelmann zu erklären, nicht, wie Sie angeben, daß sie „dieses schändliche Benehmen verwerfen", sondern, daß der Zwischenfall keinesfalls von Zionisten provoziert worden sei, die, ganz im Gegenteil, in der friedlichsten Absicht zum Vortrag gekommen seien. Das ist der ganze Vorfall in seiner lächerlichen Bedeutungslosigkeit, und Herr Jochelmann, wie auch nicht minder Sie, geehrter Herr Zangwill, haben wohl im Laufe der Jahre viel bewegteren und stürmischeren Szenen beigewohnt, wenn nicht gar selbst solche hervorgerufen, um diesem winzigen Ereignis, das wahrlich nicht der Rede wert ist, irgendwelche politische Tragweite beizumessen. Parturiunt montes . . . Und auch wir würden gewiß nur mit Stillschweigen darüber hinweggegangen sein, wenn Sie nicht an die zarten Bande appelliert hätten, die uns mit Ihnen verknüpfen,"und an die wir, offengestanden, nach den Ereignissen des letzten Kongresses vergessen zu müssen glaubten. Sie belieben sich nämlich nach langen Jahren plötzlich wieder daran zu erinnern, daß Sie Ehrenpräsident eines hiesigen Zionsvereines sind, und merkwürdigerweise kommt Ihnen diese Erinnerung erst jetzt, wo Sie als Führer der „Ito" vom Zionismus nicht mehr als von „unserer", sondern als von „Ihrer Bewegung" sprechen. Fühlen Sie nicht selbst, geehrter Herr Zangwill, den ganzen Widerspruch, der zwischen der Erinnerung und der Wirklichkeit liegt? Und muß es nicht befremden, daß Sie eben dem Vereine, dessen Ehrenpräsident Sie sich nennen, mit einem so wenig nachahmenswerten Beispiele der Indisziplin vorangegangen sind, indem Sie sich gegen die Beschlüsse unserer Kongresse aufgelehnt haben, anstatt, gerade im Gegenteil, uns als ein Vorbild der Treue und Ergebenheit voranzuleuchten? Müssen wir Sie daran erinnern, daß „noblesse oblige", und daß der Titel eines Ehrenpräsidenten auch Ehrenpflichten auferlegt? Nun gipfelt Ihre ganze Großmut, die Sie als vorbildlich vorhalten wollen, bloß noch in der Versicherung, daß Sie die Palästina-Zionisten ja niemals dazu aufgefordert hätten, ihre Organisation zu verlassen. Wahrlich! So viel Großmut müßte entschieden ungeteilte Bewunderung herausfordern, und schnöder Undank ist es von uns Zionisten, sie nicht anerkennen zu wollen! Obwohl mir persönlich Fälle bekannt sind, wo sich Ihre Anhänger auch hierin nicht ganz der Lehre ihres Meisters fügten, wie z. B. hier in Antwerpen, wo ein Vorstandsmitglied des Itovereins verzweifelte Anstrengungen machte, um Zionisten zum Austritt aus unserer Organisation zu bewegen. Was gelten gegen solche Taktik alle Ihre entrüsteten Vorwürfe, daß die Zionisten, unbekümmert um alle sonstigen philanthropischen Gesellschaften die Regierungen darüber aufzuklären suchen, der Zionismus sei die einzige national und historische Bewegung des Judentums? Derlei Vorwürfe entbehren geradezu jeder Basis. Oder sollten vielleicht die Zionisten im Geiste der Ito sich den Erklärungen Ihrer Führer anschließen, daß der Zionismns alle Hoffnung aufgeben müsse, daß der Zionismus tot sei usw. usw.? Ich zweifle nicht, daß eine derartige Taktik Ihren Intentionen besser entsprechen würde, ebenso wie dem obenerwähnten Vorstandsmitgliede des hiesigen Itovereins mehr damit gedient gewesen wäre, wenn er eine genügende Zahl von Unterschriften demmissionsbereiter Zionisten hätte sammeln können. Wenn ihm aber letzteres mißlang, so liegt die Schuld gewiß nicht an ihm, sondern eben an der festen und unwandelbaren Treue unserer hiesigen Anhänger. Den Antwerpener Zionisten ist unsere Bewegung viel zu teuer, und sie hängen daran mit zu inniger Liebe und Begeisterung, um sich durch irgendwelche Machenschaften beirren zu lassen! Nach jahrelanger Zersplitterung und innerem Zerwürfnis ist endlich der Gedanke der jüdischen Einheit erstanden. Und unsere zionistischen Kongresse sind der Ausdruck ihres souveränen Willens. An diesem festzuhalten mit aller Selbstverleugnung, ist die Pflicht eines jeden Zionisten, nur aus dieser Erkenntnis kann die Erlösung unseres Volkes erblühen! Ihr ergebenster Heinrich Grünau-Grünzweig. * j** REVUE DER PRESSE Die Gemeinderatswahlen in Wien Wir lesen in der „Frankfurter Zeitung": Die Wiener Gemeinderatswahlen im vierten Wahlkörper, der der fünften, allgemeinen Wählerkurie entspricht, haben die herrschende antisemitische Partei vier Mandate gekostet und außerdem ein. Stimmenverhältnis gezeigt, das den Klerikalen schwer in die Glieder gefahren ist. Obschon die Christlichsozialen Virtuosen der Wahl- und selbst der Wählermache sind und alles aufgeboten haben, den Sozialdemokraten ihre bisherigen Mandate zu entreißen, ist es ihnen bei fast vollständiger Wahlenthaltung der indifferenten und sicher nicht klerikalen Schichten nicht gelungen, auch nur ein Drittel der möglichen Stimmen ihren Kandidaten zuzuführen. Von 359 000 Wählern haben nur 110 000 christlichsozial gestimmt; die Sozialdemokraten aber sind ihnen nachgeklettert bis zur Ziffer von 97 000. Nur der sehr raffinierten Wahlkreisgeometrie ist es zuzuschreiben, daß trotzdem den Christlichsozialen von 21 Mandaten 14, den Sozialisten nur 7 zugefallen sind. Der Vorsprung von 13 000 Stimmen ist sehr leicht eingeholt. Es brauchen nur die Fortschrittlichen sich ein wenig zu ermannen, und die ganze christlichsoziale Herrlichkeit ist gewesen. Das gibt zu denken und zu sorgen, und „Vaterland" und „Deutsches Volksblatt" zerbrechen sich auch heute schon weidlich die Köpfe über das fatale Wahlergebnis. Ja, wer trägt die Schuld? Gerade die Gemeindeverwaltung ist die starke Seite des christlichsozialen Regimes, denn auf diesem ihm ganz anvertrauten Gebiete konnte der einzige Mann dieser Partei, Dr. Lueger, seine Fähigkeiten voll betätigen, und selbst seine Gegner werden ihm lassen müssen, daß er das Gemeinwesen um ein gut Stück vorwärts gebracht hat. Die Willkürlichkeiten seines Regimes, die Lehrermaßregelungen, das Denunziantenwesen in allen städtischen Betrieben wurden von der großen Mehrheit gar nicht empfunden. Und dennoch Rückgang der Stimmen? Da findet man denn auch glücklich einen Sündenbock und diesmal niemand anders als - die Regierung. Das „Vaterland" schreibt: „Die Zahl der Sozialdemokraten im Gemeinderat ist auf sieben gestiegen. An dieser unheiligen Sieben kann jedenfalls auch die Regierung sich ihren Anteil zuschreiben. Die Regierung, welche mit ihrer Wahlreformaktion sicherlich nicht wenig zur moralischen Akkreditierung der Sozialdemokraten beigetragen hat." In das gleiche Horn stößt das „Deutsche Volksblatt". Regierung und Wahlreform sind jetzt fast synonyme Begriffe geworden und so erlebt man, daß die ältesten Mamelucken eine Sprache führen, wie sonst nur Anarchisten und andere Hochverräter. Das ganze allgemeine Wahlrecht macht den Christlichsozialen keine Freude mehr, wenn sie dabei um Mandate kommen können. Und daß die Niederlage bei den Kommunalwahlen nur eine politische war, daß sie nicht der Verwaltung, sondern dem Klerikalismus gegolten hat, darüber täuschen sich insbesondere die Hintermänner der Christlichsozialen nicht Man wird abzuwarten haben, welche Erfolge der geschickte Vermittler Prinz Hohenlohe bei solchen Dispositionen der Parteien mit der Wahlreformaktion haben wird, r» . j n i Über die wirtschaftliche Rüssenausweisungen und Boykott Rückwirkung der Aus Weisung russischer Staatsangehöriger auf den oberschlesischen Grenzbezirk schreibt die „Breslauer Zeitung": „Schwere wirtschaftliche Rückschläge drohen der Kaufmann-

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