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Die Welt · 1906-05-18 · 20 (18.5.1906) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Christen, die in der Versammlung sprachen, äußerten, wie ich voraussetze, ihre eigenen Ansichten über die Durchführbarkeit jüdischer Kolonisation. Sie haben keinerlei Berechtigung, einzuwenden, daß Nichtjuden in zionistischen Versammlungen nicht ihre Ansichten über jüdische Dinge vorbringen könnten, angesichts des Umstandes, daß in dem Vorstand der territorialistischen Organisation mindestens zwei Nichtjuden sitzen — ich weiß nicht, ob nicht außer diesen auch noch andere Nichtjuden — und angesichts dessen, daß Sie fortwährend, und meines Erachtens mit Recht, in Ihren Versammlungen die Interessen der Nichtjuden hervorzuheben bemüht waren und daß Sie erst kürzlich in einer der Revuen eine Aufstellung von Meinungen von Nichtjuden über Zionismus und Territorialismus gesandt haben. Ich verstehe auch nicht, mit welchem Anschein eines Vernunftgrundes Sie es als „empörend" bezeichnen, daß Mr. Cathcart Wason einer zionistischen Versammlung präsidierte, weil er gegenüber dem Ostafrikaprojekt eine gegnerische Stellung eingenommen hat oder wegen dessen Erklärung, daß meine Bemühungen in dieser Hinsicht „eine öffentliche Gefahr" bedeuteten, angesichts des Urnstandes, daß einer Ihrer intimsten Kollegen Mr. Luden Wolf ist, derselbe, der seinerzeit, als das Ostafrikaprojekt bekannt wurde, in der „Times" erklärte, daß dem Plane „die schwersten Bedenken entgegenstünden", und daß er „leicht sich als sehr verderblich erweisen werde." Er sprach von der „Hervorkehrung der fremden Charaktereigenschaften seitens weißer Kolonisten" und sagte, daß der Plan darauf ausginge, „die unangenehmen Lebensgewohnheiten zu verewigen, die leider unter den Ostjuden herrschten", und daß er die Errichtung „eines polnischen Ghettos in Ostafrika" bezwecke, „frei von allen mäßigenden Einflüssen". „Die Resultate", so prophezeite er, „würden weder für Ostafrika nützlich noch für die jüdische Rasse rühmlich sein." Sicherlich war nichts von dem, was Mr. Cathcart Wason über das Ostafrikaprojekt gesagt hat, in seiner Beschuldigung so schädlich wie die Worte Mr. Luden Wolfs, die in dieser Angelegenheit daher auch offenbar mehr Wirkung erzielten, als die Worte Mr. Wasons. Ich habe Sie immer dafür gelobt, daß Sie in Mr. Lucien Wolf eine bessere Meinung und ein klareres Verständnis erweckt haben. Ich habe auch nicht gezögert, diesem meinem Empfinden in den Spalten der „ Times" Ausdruck zu geben, als die Korrespondenz zwischen Ihnen und Mr. Wolf veröffentlicht wurde, bei welcher Gelegenheit Sie ihm die ehrenvolle Stelle eines englischen Mitgliedes des internationalen Komitees der territorialistischen Organisation antrugen. Aber ich bin sicher, daß Sie nicht wünschen, so wenig liberal zu erscheinen, um zu behaupten, daß die Türe der Reue Mr. Wolf weit offen stehen, vor Mr. Wason aber zugeworfen werden solle, da ja der einzige Unterschied zwischen beiden, soweit es die Gegnerschaft gegen das Ostafrikaprojekt betrifft, darin bestand, daß sie in dem einen Falle von einem Juden und in dem andern von einem Christen ausging. Auch ich bin froh, daß Bemühungen im Gange sind, um dem mörderischen Streite zwischen Zionisten und Territorialisten ein Ende zu setzen. Ich denke, Sie werden mir meine immerwährenden Bemühungen in dieser Hinsicht seit der Gründung der territorialistischen Organisation bestätigen. Nicht nur habe ich geschrieben und gesprochen zugunsten der Herbeiführung einer Verständigung, durch welche wenigstens die Notwendigkeit der gegenseitigen Angriffe beseitigt werden sollte, sondern ich habe mehr als einmal Ihnen persönlich sowohl meine eigenen Ansichten, meine sehr festen eigenen Ansichten in dieser Hinsicht als auch die meiner Kollegen vorn engeren Aktionskomitee dargelegt. Ich bin sicher, daß Sie die Tatsache nicht außer acht lassen wollen, daß es eine Zeit gab, wo Sie und ich dachten, daß wir eine solche Verständigung erreicht hätten, und daß ich mich nach Köln begab in der Absicht, die Resultate unserer Besprechung meinen Kollegen vorzulegen. Sie können weder mir noch einem Mitglied des Aktionskomitees die Verantwortlichkeit dafür auferlegen, daß die Unter- Handlung ein für allemal abgebrochen wurde. Ich wünsche nur, Sie könnten Ihre Äußerungen der Freundschaft und Bereitwilligkeit gegenüber dem Zionismus und Ihren Wunsch auf eine gegenseitige Verständigung in mehr greifbarer Form als in Bekenntnissen kristallisieren. Vom zionistischen Standpunkte aus sehe ich keinen Grund, warum eine solche gegenseitige Verständigung nicht herbeigeführt werden könnte, aber die Initiative dazu bleibt jetzt Ihrer Organisation überlassen. Bis indessen eine solche Verständigung erreicht ist, fühle ich es als meine Pflicht, so gut ich es vermag, eine Verwirrung der Anschauungen der Zionisten, der Judenheit und der ganzen Welt zu verhüten. Ich werde mich bemühen, so gut ich kann, dem vorzubeugen, daß sich die Jewish Territorial Organication oder deren Führer eine Stellung in der Judenheit anmaßen oder zuschreiben, zu der sie keine Berechtigung haben, und die von ihnen oder für sie nicht in Anspruch genommen werden kann. Und in welcher Richtung auch immer die Verständigung gesucht wird und indem ich meine ganze Kraft darauf verwenden werde, eine Verständigung zu ermöglichen, werde ich mich doch immer mit aller Macht gegen jeden Vorschlag wenden, der, um eine Verständigung herbeizuführen, verlangt, daß auch nur ein Jota von den Grundsätzen aufgegeben werde, auf denen unsere Bewegung beruht, und auch nur im geringsten Maße die höchstautoritative Stelle über alle Zionisten, den Kongreß, herabsetzt oder etwas unternimmt, was offen oder versteckt — außer mit parlamentarischen Mitteln — sich über den Beschluß des Kongresses hinwegsetzen will. Ihr ergebener L. J. Greenberg. Antwort des Herrn Heinrich Grünau- Grünzweig Antwerpen, 14. Mai 1906. Verehrter Herr Zangwili! Der kleine Zwischenfall, den Sie, geehrter Herr Zangwili, zum Gegenstande Ihres werten Schreibens und ausgedehnter Zeitungsartikel erhoben, ist im Grunde so unbedeutend, daß man sich fragen muß, wieso er die hohe Ehre verdient, von Ihnen mit solcher Wichtigkeit behandelt und vor das Forum der Öffentlichkeit gezogen zu werden. Der geringste Nadelstich mag genügen, um den ganzen aufgeblasenen und mit Luftgas gefüllten Ballon zum Platzen zu bringen, und die ganze Affäre schrumpft von selbst wieder in ihr Nichts zusammen. Was ist denn geschehen? Der hiesige, neilgegründete Zweigverein .der Ito, der nebenher gesagt, von mehr antizionistischem als territorialistischem Geiste beseelt ist, veranstaltete einen Vortrag mit Herrn Dr. Jochelmann als Redner und lud auch die Zionisten zu diesem Vortrag ein. Uneingedenk des Umstandes, daß die Territorialisten kurze Zeit vorher von einem zionistischerseits gegebenen Vortrag über das gleiche Thema sich ostentativ ferngehalten hatten, folgten die Zionisten bereitwillig der Einladung und hörten in der allerrtihigsten Weise, von keinerlei Manifestationsabsichten geleitet, dem Vortrag bis zum Schlüsse geduldig zu. Als jedoch der Leiter der Versammlung, Herr Bergl die Diskussion hierauf zu eröffnen und sie gleich zu Anfang in einer Weise zu knebeln versuchte, die allgemeine Mißbilligung finden mußte, wurden einfach mehrere Proteste laut, die nicht nur von Seiten der erwähnten zionistischen Studenten, sondern auch von mehreren Ihrer eigenen Gesinnungsgenossen, also von Territorialisten, erhoben wurden. Einer der letzteren rügte sogar in scharfen Ausdrücken dieses „illoyale'4 Vorgehen des Präsidenten. Der Präsident aber, ungewohnt und unfähig, Widerspruch zu vertragen, in seiner bereits wiederholt bewiesenen (und von Dr. Jochelmann übrigens selbst zugegebenen) Unerfahrenheit im Leiten von Versammlungen, fand kein anderes Mittel, als die Sitzung ohne weiteres aufzuheben, obwohl Dr. Jochelmann selbst für die Fortsetzung der Diskussion lebhaft eintrat und obwohl auch die anwesenden Mitglieder des zionistischen Landeskomitees das Wort zur Beschwichtigung ergreifen wollten. Auge-

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