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Die Welt · 1906-05-18 · 20 (18.5.1906) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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braches Feld lag, während ich zur Erwartung berechtigt war, daß man dem Territorialismus ebenso freien Spielraum wie dem Zionismus gönnen 'würde. Haben doch selbst die Antizionisten nie Resolutionen an den Sultan gerichtet, um ihn zu benachrichtigen, daß die Mehrheit des jüdischen Volkes gegen Palästina sei, und daß jeder Versuch, in jenem Lande ein jüdisches Gemeinwesen durchzuführen, unfehlbar mißlingen müsse. Denken Sie sich daher mein Erstaunen, als es sich herausstellte, daß ein Mitglied des engeren Aktionskomitees an den britischen Kolonialminister Resolutionen gegen den Territorialismus gesandt hat. Zu behaupten, daß keine Körperschaft das Werk unternehmen darf, welches der Zionismus zurückgewiesen, ist doch höchst unvernünftig. Noch empörender aber ist es, wenn man Christen die Überzeugung äußern läßt, daß wir in keinem Lande, mit Ausnahme Palästinas, kolonisationsfähig wären, zumal Christen von dem Schlage des Herrn Parlamentsmitgliedes Cathcard Wason, der in 1904 die Vertagung der Gemeindekatnmer beantragte, um die Aufmerksamkeit auf die öffentliche Gefahr zu lenken, die durch Herrn Greenbergs Bemühungen entstünde, eine fremde Niederlassung in Ostafrika zu gründen. Es freut mich aber zu sehen, daß, unter dem Einflüsse des Herrn Joseph Cowen, der älteste englische Zionistenverein, Bnei Zion, die zionistischen Führer daran erinnert hat, daß ihre wahre Pflicht eher darin bestehe, mit der Jüdischen Territoralorganisation „in Eintracht und Verbindung" zu wirken, während ähnliche Symptome eines Wunsches des Zusammengehens mir auch von anderen einflußreichen zionistischen Stellen zugehen. Ihr ergebenster Israel Zangwill. Antwort des Mr. L. J. Greenberg 82 Fordwych Road, Brondsbury W, 14. Mai 1906. Mein lieber Zangwill, meine Aufmerksamkeit ist auf den in dieser Woche in den jüdischen Zeitungen veröffentlichten Brief gelenkt worden, den Sie an den Sekretär des zionistischen Vereins in Antwerpen gerichtet haben. Ich freue mich mit Ihnen, der Überzeugung sein zu können, daß keinerlei Vorwurf „rowdyhaften Betragens" gegen die Antwerpener Zionisten gerichtet werden kann. Ich hoffe, Sie werden immer imstande sein, die Sucht nach derartigem Benehmen unter denen, die mit Ihnen in der territorialistischen Organisation arbeiten, im Zaume zu halten, ebenso, wie ich sicher bin, daß jeder Zionist, der dieses Namens wert ist, in der energischsten Weise einen jeden derartigen Exzeß zurückweisen wird, gleichviel gegen welchen Gegner er sich richte. In dem offensichtlichen Bestreben, Ihre Handlungsweise nach dem letzten Kongresse zu rechtfertigen, und da Sie nicht imstande waren, sich der Niederlage, die Sie dort erlitten haben, nach parlamentarischem Usus zu fügen, behaupten Sie nunmehr, daß die territorialistische Organisation die Körperschaft geschaffen habe, die von den Freunden des Ostafrikaprojekts als die Exekutive für dieses Projekt angesehen worden war. Aber ohne Bedenken unterlassen Sie es, zu erwähnen, daß die Absicht, diese Körperschaft zu bilden, nur für den Fall bestand, daß die Ostafrika-Kommission einen günstigen Bericht erstattet und der Kongreß beschlossen hätte, den Plan zu verwirklichen. Da keine dieser Vorbedingungen, von denen der Plan abhängig war, erfüllt wurde, mußte die Absicht, eine besondere Organisation ad hoc zu schaffen, notwendigerweise aufgegeben werden. Jetzt zu unterstellen, daß einer von uns jemals beabsichtigt hätte, zur Ausführung des Ostafrikaplanes eine Organisation wie die territorialistische zu schaffen, gehört zu den besten Blüten Zangwillschen Humors. Sie hat ein Gegenstück höchstens in Ihrem Einfall von der „friedlichen" Stellung, die Sie dem Zionismus gegenüber eingenommen hätten, seitdem Sie gegen die zionistische Organisation revoltiert haben. Sich zu bemühen, den Zionismus zu verkleinern, wie Sie es fortwährend getan haben, der Welt, wie Sie es in Ihrem Briefe nach Antwerpen tun, zu verkünden, daß wir uns auf ein unausführbares und darum nutzloses Unternehmen festgelegt haben, Mitteilungen an die Presse zu geben, in denen die von Ihnen eingeleitete Bewegung als „Neu-Zionismus" bezeichnet wird, das sind, wie ich annehme, die unumstößlichen Beweisstücke für Ihre „friedliche" Stellung, denen man noch die von Ihnen niemals zurückgewiesenen Behauptungen Ihrer Kollegen in der territorialistischen Organisation hinzufügen könnte, wonach der Zionismus „auf eine Sandbank aufgefahren" sei, daß er sich aufgezehrt habe und daß aus seiner Asche die territorialistische Organisation entstanden sei. Wie wahrhaft „freundschaftlich"! Ich für meinen Teil ziehe den offenen Gegner vor, den Mann, der sich berechtigt fühlt, uns zu bekämpfen und der wenigstens den Mut hat, sich selbst als unsern Gegner zu bekennen. Des weiteren beklagen Sie sich darüber, daß „ein Mitglied des engeren Aktionskomitees" Resolutionen „gegen den Territorialismus" an den britischen Kolonialsekretär sende. Ich vermute, daß Sie damit die Resolutionen meinen, die kürzlich in Liverpool gefaßt worden sind. Es ist nicht wahr, daß ich diese Resolutionen dem Kolonialsekretär gesandt habe, aber ich nehme voll und ganz die persönliche Verantwortung dafür auf mich, daß diese Resolutionen der Versammlung unterbreitet und der Regierung mitgeteilt wurden, obgleich die Anregung dazu nicht von mir ausging. Ich kann aber in diesen Resolutionen nichts finden, das sich unbedingt „gegen den Territorialismus" richtete. Es waren Erklärungen zugunsten der Gründung eines jüdischen Staates und gegen die Unterschiebung eines anderen Landes für diesen Staat an Stelle Palästinas. Sie sagen, daß der Grund, weshalb die territorialistische Organisation ins Leben gerufen wurde, der war, dem jüdischen Volke das Anerbieten zu retten, das die britische Regierung in Ostafrika gemacht hatte. Aber dieses ist niemals zum Zwecke der Gründung eines jüdischen Staates gemacht worden, und daher enthalten die betreffenden Resolutionen nichts „gegen den Territorialismus". Aber Ihre Klage gegen die Resolution beweist gerade deren Berechtigung. Wir fanden, daß in gewissen Kreisen die Bildung der Organisation, deren Präsident Sie sind, als ein Zeichen dafür aufgefaßt wurde, daß die jüdischen Nationalisten auf Palästina verzichtet hätten und von dem Wunsche erfüllt wären, einen Staat in irgend einem Territorium zu gründen, das an seinerstatt gefunden werden könnte. Es war notwendig, diese Auffassung zu berichtigen. Außerdem fanden wir, daß man sich eifrig bemühte, unter anderem Mitglieder der britischen Regierung in den Glauben zu versetzen, daß die zionistische Bewegung tatsächlich tot sei, daß sie „nur mehr einen Rumpf bilde", daß Sie der wirkliche Nachfolger Herzls seien, daß die jüdischen Massen und vor allem das gesamte jüdische Nationalempfinden Sie unterstütze. Es war natürlich notwendig, diese falschen Meinungen richtig zu stellen, und ich meine, daß wir durchaus berechtigt waren, das in der Form zu tun, daß wir unsere Anhänglichkeit an das Baseler Programm und unsere Überzeugung zum Ausdruck brachten, daß jeder Versuch, einen jüdischen Staat außerhalb Palästinas zu errichten, nur mit einem Fehlschlage enden müßte. Wenn der Territorialismus der britischen Regierung als eine Bewegung dargestellt worden ist, die bezweckte, an Stelle Palästinas irgend ein anderes Land zur Gründung eines jüdischen Staates zu unterschieben, dann müßten Sie doch alle Bestrebungen billigen, die gemacht werden, um diese falsche Meinung vom Wesen des Territorialismus zu berichtigen. Und andererseits, wenn er dargestellt wurde, als eine „Bewegung, gegründet zu dem Versuche, dem jüdischen Volke das Ostafrikaangebot zu retten", wie Sie sich in Ihrem Briefe ausdrücken, dann können die Resolutionen von ihren Empfängern nicht als „gegen den Territorialismusgerichtet angesehen werden. Ich gestehe, ich bin nicht Ihrer Meinung, wenn Sie sich darüber beklagen, daß „man Christen Überzeugungen äußern läßt". Die

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