Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 18 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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No. 18 DIE^ELT 19 DIE JÜDISCHE VOLKSBEWEGUNG UND DIE JÜDISCHEN VOLKSINSTITUTIONEN VON DR. ARTHUR HANTKE (BERLIN) ) Vor wenigen Jahrzehnten noch ein sehnsüchtiger Traum überzeugter Juden, die ihr Volkstum zerfallen sahen, eine Prophezeiung weitausschauender jüdischer Politiker, ist die jüdische Volksbewegung heute zu einer imposanten Wirklichkeit geworden, gestützt auf eine weltumspannende Organisation und auf anschlössen sich die Zionisten aller Länder zu Landesorganisationen zusammen. Auf dem letzten Zionistenkongreß waren die Juden von 22 verschiedenen Staaten aller Erdteile durch Delegierte vertreten. Die jüngsten Organisationen sind die von Neuseeland und Australien. Die Organisationen von Südafrika und Kanada ehnliche finanzielle Institutionen. Sie hat dem individuellen nid sozialen Leben eines großen Bruchteils der Judenheit ihr »epräge aufgedrückt, auf die geistige Produktion des jungen udengeschlechtes einen bestimmenden Einfluß ausgeübt. Zahllos sind die Schöpfungen, die aus ihr hervorgingen; die wenigen iffern, welche wir anzuführen in der Lage sind, können ihre -tätigong nicht zusammenfassen, sie sollen nur ihre Entwicklung feuchten. Die erste Organisationsform, in der die jüdische Volksbewegung auftrat, war die von lokalen Vereinen zur Kolonisation Palästinas, zur Pflege der hebräischen Sprache und der jüdischen beschichte oder zur Pflege des jüdischen Volkstums, wie z. B. die üdischen Studentenvereine. Erst der Baseler Kongreß (1897) ''ahm „Die5 Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judenheit durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen nach Maßgabe der Landesgesetze" als eines der Mittel zur Durchführung des Zieles der jüdischen Volksbewegung, die als Zionismus bezeichnet wurde, in Aussicht. Dementsprechend sind von den dortigen Regierungen als die offiziellen Vertretungen der dortigen Juden anerkannt. Die Zahl sämtlicher zionistischen Vereine betrug im Jahre 1898 913. Jetzt wird sie auf 2500 geschätzt. Jeder organisierte Zionist ist verpflichtet, jährlich den Schekel zu bezahlen. Diese Institution ist in Anlehnung an das alte Gesetz des halben Schekels, den jeder Jude an den Tempel in Jerusalem zu zahlen hatte, geschaffen worden. Der Schekel ist entsprechend den Landeswährungen auf 1 — 1 Shilling 1 Krone 1 Franc 40 Kopeken festgesetzt. Er wird von Vertrauensmännern eingezogen. Jeder Schekelzahler erhält eine Schekelquittung, die ihm das Recht gibt, an der Delegiertenwahl für die Zionistenkongresse teilzunehmen. Bisher haben sieben Zionistenkongresse stattgefunden, einer in London, die anderen in Basel. Ursprünglich wählten je 100 Schekelzahler jährlich einen Delegierten. Da aber die Zahl der Schekelzahler und infolgedessen die der Delegierten wuchs und die Vorbereitung der *) Auf Grund zahlreicher Zuschriften veröffentlichen wir diesen Artikel, der zu Propagandezwecken einer Teilauflage unserer Pessach-Ausgabe beigelegt war» mit dem Bemerken, daß wir hiervon ein Flugblatt hergestellt haben, das, für die Agitation bestimmt, in beliebiger Anzahl von Exemplaren von den Vereinen durch die Expedition der „WELT" bezogen werden kann,