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Die Welt · 1906-05-04 · 18 (4.5.1906) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Amerika Die Federation of American Zionists hält vom 29. Juni bis 4. Juli ihre Jahreskonferenz in dem Kurort Tammersvüle ab. Brasilien In Manaos (Brasilien) ist eine zionistische Orts- ^ruppegegründet worden, deren Präsident Herr J. P e r ez ist. Neuseeland Wir berichteten kürzlich, daß das Mitglied des A. C, Herr S. Gold rei ch aus Johannesburg, auf seiner Reise durch Australien auch in Christchurch (Neuseeland) einen Propaganda-Vortrag gehalten hat. Nun wird uns mitgeteilt, daß irn Anschlüsse an diesen Vortrag dort unter dem Namen „Christchurch Zionists Society" eine Ortsgruppe gegründet wurde. c ooooooooo NACHRICHTEN 'TP'^ ooooooooo Der Protest der „Union" gegen Taussig Wien. Samstag hielt die Österreichisch-israelitische Union ihre starkbesuchte Generalversammlung ab. Der Vorstand stellte den Antrag, die von ihm beschlossene und von uns bereits mitgeteilte Resolution anzunehmen, in der ausgesprochen wird, daß es die Judenschaft als Gebot der Ehre erklärt, jede Solidarität mit den jüdischen Finanzmännern abzulehnen, die der russischen Regierung Geld zur Unterdrückung der Freiheitsbewegung und der Juden verschaffen, und in der es weiter als Pflicht des Vorstandes der Kultusgemeinde erklärt wird, daß auch er durch eine klare Manifestation die Solidarität mit dem die Ehren der Judenschaft schändenden Vorgehen der Finanzmänner ablehne. Der Antrag entfesselte eine lebhafte Debatte. Viele Redner verurteilten Taussig in den schärfsten Worten. Von seinen Gegnern war noch der mildeste der Universitätsdozent Dr. Haiek, der meinte, ebensowenig als ein Henker zum Präsidenten einer ethischen Gesellschaft solle ein Bankdirektor in den Vorstand einer Kultusgemeinde gewählt werden. Als Verteidiger des Taussig sprach der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Advokat Dr. Gustav Kohn, der zugab, man könne darüber streiten, ob Taussig zweckmäßig gehandelt habe. Aber, meinte er, Taussig sei ein „sehr guter Jude". Er genieße so viel Ehren, Weckerle habe ihn nach seinem Amtsantritt besucht und trotzdem verbringe er seine Abende, in denen er sich Amüsements verschaffen könnte, in den Sitzungen der Kultusgemeinde. Die Schilderung, wie herablassend sich der mit Ehren überschüttete Taussig gegen die Juden benimmt, machte aber so wenig Eindruck, daß die Rede Dr. Kohns mit stürmischen Rufen „Pfui Taussig!" beantwortet wurde. Die Resolution wurde mit allen gegen die Stimmen der Kultusräte beschlossen, von denen Professor Dr. Ehrmann und Weinhändler Pollak erklärten, daß sie für den ersten Absatz gestimmt hätten und bloß gegen den zweiten waren, der die Ausstoßung Taussigs fordert. Architekt Marmorek demissioniert Wie uns aus Wien gemeldet wird, hat das Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, Architekt Oscar Marmorek, unter Bezugnahme auf die Beteiligung R. von Taussigs an der Russenanleihe seine Stelle als Mitglied des Wiener Kultus- Vorstandes niedergelegt. Gegen die russische Anleihe Dem Wiener Komitee von Sozialpolitikern, das sich, wie schon in letzter Nummer gemeldet, in einem Aufruf an die Öffentlichkeit wandte, worin unter eingehender Darlegung der Verhältnisse vor der Anteilnahme an der Subskription auf die russische Anleihe gewarnt wird, ist die Plakatierung des Aufrufes untersagt worden. Dem Komitee gehörten folgende Persönlichkeiten an: Direktor Dr. Aristides Brezina, Hofrat Dr. Max Burckhard, Advokat Dr. Adolf Daum, Auguste Fickert, Dr. Friedrich Frey, Dr. Emil Ritter v. Fürth, Dr. Hugo Ganz, Rudolf Goldscheid, Universitätsprofessor Dr. Karl Grünberg, Dr. Michael Hainisch, Dr. Gustav Harpner, Rudolf Hawel, Paul Freiherr v. Hock, Hofrat Professor Dr. Viktor v. Lang, Universitätsprofessor Dr. E. Lippmann, Arnold Lötz, Dr. Julius Ofner, Hofrat Professor Dr. Ernst Mach, Rudolf Springer, Hofrat Professor Dr. Weichselbaum, Dr. Siegmund Wolf-Eppinger, Ernst Viktor Zenker, Dr. Moritz Zweybrück. In dem längeren Aufruf heißt es u. a.: „Kauft keine russische Staatsanleihe! Werft euer Geld nicht dem glühenden Moloch der russischen Autokratie zum Opfer hin, begebt euch selbst nicht in Gefahr, gefährdet nicht die Finanzkraft des eigenen Staates und laßt euch durch die Vorspiegelungen eines großen Gewinnes nicht verleiten, das russische System vor dem Zusammenbruche zu bewahren, der doch in kürzester Zeit unvermeidlich ist. Ihr werdet mit eurem Gelde nicht bewirken, daß wider alle Natur eine gewissenlose Regierung über das Volk triumphiert, aber ihr ladet eine schwere moralische Mitschuld an all den Greueln auf euch, welche der Zarismus an dem russischen Volke und an der Menschheit verübt und laufet obendrein Gefahr, von seinen Trümmern einst mitverschüttet zu werden." Keine Hilfe aus Europa notig Die Erdbebenkatastrophe in San Franzisko hat die Großloge für Deutschland des Bnei Briß Ordens veranlaßt, den Ordenspräsidenten Adolf Kraus in Chikago unter dem Ausdruck der Teilnahme für unsere dortigen Glaubensgenossen per Kabel anzufragen, ob die Hilfe der deutschen Logen erwünscht wäre, um die voraussichtlich entstandene große Not wenn auch nur in etwas zu mildern. Daraufhin erhielt die Großloge für Deutschland die Antwort: „Danken für Teilnahme, auswärtige Hilfe vorerst nicht notwendig. Adolf Kraus." Es ist dies derselbe Standpunkt, den bekanntlich auch Präsident Roosevelt mehreren Anerbietungen aus Europa gegenüber eingenommen hat. Die Stellung der mährischen Juden zu den Landtagswahlen wird von bevollmächtigter jüdischer Seite wie folgt präzisiert: Die Juden werden keine selbständigen jüdischen Kandidaten aufstellen, aber sich selbstverständlich innerhalb der deutschen Kurie für Männer einsetzen, die den Antisemitismus nicht in ihrem Programm haben und durch ihren Charakter sowie durch ihre politische Vergangenheit die Gewähr bieten, daß sie stets für die Gleichberechtigung aller Staatsbürger eintreten. Das gebietet ihnen schon die Selbstachtung. Sie werden ferner, was ihnen ja auch bisher stets eingeräumt worden ist, bei der Aufteilung der deutschen Mandate, sei es für die Handelskammern, sei es für die Städtekurie in dem einen oder in dem anderen Bezirke, eine gewisse Berücksichtigung ihrer Konfession verlangen. Ein Bauerngericht gegen die Pogromanstifter Das „Russkoje Slo wo" meldet aus Cherson: Im Dorfe Nowo- Petrowsk (Gouv. Cherson) wurde in der Bauernversammlung (der nach dem „Bauernrecht" eine eigene Jurisdiktion über die Gemeindemitglieder zusteht) einstimmig beschlossen, 14 Bauern, die sich an den Oktoberpogromen beteiligt haben, aus der Gemeinde auszuschließen und nach Sibirien zu verschicken. Der Landschaftshauptmann legte Protest gegen das Urteil ein und setzte sich für die Pogromanstifter ein. Der Protest blieb aber fruchtlos und die Bauern verharrten bei ihrem Urteil. Brief des Botschafters White an die „Alliance": „...., den 26. April 1906. Herr Präsident! Ich beehre mich, Ihnen den Empfang des so wohlwollenden Briefes zu bestätigen, den die A. I. U. mir am 9. d. Mts. geschrieben hat, und der mir bei meiner Rückkehr von Algeciras zugestellt worden ist. Auch ich bin glücklich, daß Sie der Meinung sind, ich wäre den Israeliten von Marokko in irgend einem Sinne dienlich gewesen, indem ich zu ihren Gunsten auf der Konferenz Schritte getan habe, und danke Ihnen für die Gefühle, die Sie hinsichtlich meines Landes auszusprechen die Güte hatten. Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung. Henry White." Verlag „Die Welt" Köln, Ubierring 23. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln

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