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Die Welt · 1906-05-04 · 18 (4.5.1906) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 18 — DIE] Volkes feiern, ist voll von großen nationalen Erinnerungstagen, besonders aus der Zeit unserer großen nationalen Kämpfer des Rabbi Akiba und des großen Bar-Kochba. In diese Frühlingszeit mit den großen nationalen Erinnerungen fallen die Schekeltage, wo das Volk in der ganzen Welt zerstreut und zerspellt, sich eins weiß, als ein einziges großes Heer auf dem Marsche, wo dieses Heer weiß, daß heute Musterung gehalten wird. £ELT =- * An solchen Tagen fühlt jeder Zionist, daß er in Schritt und Tritt mit seinen Kameraden vor Führern und Qeneralstab vorbei marschiert — erhobenen Hauptes: denn er tat seine Pflicht. Auch an diesen Tagen sitzt der Jude noch von Dornen umrankt und von Ottern umzüngelt, aber er sieht in der Ferne die Frühlingssonne aufgehen über den leuchtenden Höhen eines befreiten Jerusalem. Rundschreiben No. 29 des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, betreffend die Schekeltage Das Aktionskomitee hat die Tage Sonntag, Montag und Dienstag, den 27.-29. Mai 1906, für die Zionisten der ganzen Welt als Schekeltage festgesetzt. An diesen Tagen sollen alle Zionisten ihren Schekei entrichten. Die Ortsgruppen sollen dafür sorgen, daß die Sammlung der Schekei zu einer großartigen Kundgebung der Disziplin in unserer Organisation und zu einer machtvollen Manifestation des zionistischen Gedankens gestaltet wird. Diese Anordnung kann und braucht in Deutschland nur mit einer gewissen Modifikation durchgeführt zu werden. Denn wir dürfen voraussetzen, daß die Ortsgruppen und Vertrauensmänner den größten Teil der Schekelgelder bereits einkassiert haben. Die Ortsgruppen werden daher hiermit ersucht, bis zu den festgesetzten Tagen lind an diesen Schekeltagen von den säumigen Parteigenossen die rückständigen Schekelbeträge einzuziehen und nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse Veranstaltungen zu treffen, um icue Schekelzahler zu gewinnen. Dies wird am besten durch eine lach außen wirksame zionistische Manifestation geschehen. Die Institution des Schekels hat einen doppelten Zweck. Die Zahl der eingegangenen Schekei ist einmal der äußere Beweis für iie Ausbreitung der Organisation, zum andern bilden die Schekelelcler die finanzielle Grundlage unserer Parteiorganisation. Beide Gesichtspunkte dürfen nicht vergessen werden. Es genügt daher keineswegs, daß nur die Mitglieder der Ortsgruppen den Schekei ezahlen, vielmehr sind sämtliche Personen hierzu heranzuziehen, \ eiche überhaupt auf dem Boden des Baseler Programms stehen, in laufenden Jahr müssen wir um so mehr Wert darauf legen, daß iie Zahl der Schekelzahler in Deutschland sich steigert, als ja selbstverständlich infolge der inneren Verhältnisse Rußlands die Zahl der russischen Schekelgelder eine bedeutend niedrigere sein wird, als die der Vorjahre. Wir bitten Sie daher dringend, bei 'ier Agitation zur Einsammlung der Schekelgelder auf folgende Punkte zu achten: 1. Zur Zahlung des Schekels ist jeder berechtigt und verpflichtet, der auf dem Boden des Baseler Programms steht, nicht nur Männer, sondern auch Frauen und jüngere Leute müssen den Schekei bezahlen. 2. Der Schekei beträgt 1 M. Dieser Betrag ist aber nur der Mindestbetrag. Die Parteigenossen sind daher aufzufordern, soweit dies in ihren Kräften steht, höhere Beträge als Schekei abzuführen. Letzteres ist in vielen Ortsgruppen häufig deswegen unterlassen worden, weil man nach der Höhe der Schekelgelder die Zahl der Wahlberechtigten zum Kongreß festgestellt hat. In diesem Jahre ist eine derartige Befürchtung schon deswegen grundlos, weil Kongreß wählen nicht in Aussicht stehen. 3. Häufig werden, namentlich in größereu Städten, von weniger eifrigen Parteigenossen Schekei aus Nachlässigkeit nicht "bezahlt. Es ist durchaus zulässig, von Personen, welche bereits früher den Schekei bezahlt haben, oder sonst als Zionisten bekannt sind, denselben durch die Post einziehen zu lassen. Wir bitten Sie hierdurch dringend, dem Appell des Aktionskomitees die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Die finanzielle Gesundung unserer Partei ist nur möglich, wenn dem Aktionskomitee ständig ausreichende Mittel zur Bestreitung seiner laufenden Bedürfnisse zugeführt werden. Über das Ergebnis Ihrer Bemühungen bitten wir um so rechtzeitige Nachricht, daß wir dem Delegiertentag einen detaillierten Bericht vorlegen können. Mit Zionsgruß Zionistische Vereinigung für Deutschland Zentralbureau gez.: Hantke. Schekeltage in Belgien Die Belgische Ziotüsten-Föderation hat die Vorarbeiten für die Schekeltage schon begonnen. Zwar haben die organisierten Gesinnungsgenossen in Belgien ihre Schekei schon fast alle bezahlt, die Föderation verspricht sich aber von einer groß angelegten und gut durchgeführten Agitation für die Schekeltage einen beträchtlichen Zuwachs an Schekelzahlern und eine Stärkung ihrer Organisation. %^ POLITISCHE REVUE t>ie Zionisten im Parlament. Die Wahlen in Rußland sind beinahe vorüber. Man weiß noch 1 icht, wie stark die einzelnen Parteien sein werden. Aber das weiß man bereits, daß die große Majorität der oppositionellen Partei, den Konstitutionell-Demokraten, zufallen wird. Was wird daraus werden? Wird die Duma aufgelöst werden? Wird an ihre Stelle die wilde Reaktion und die Revolution, die entscheidende treten? Es ist sehr wahrscheinlich. Man kann der Regierung eines Durnowo nicht zutrauen, daß sie ein parlamentarisches Regime gestatten wird. Sturmglocken klingen schon .... Aber für uns haben die Wahlen einen großen, einen außerordentlichen Wert., Es war das erstemal, daß die Juden als Bürger des russischen Reiches am politischen Leben Rußlands öffentlich teilgenommen haben. Es war auch das erstemal, daß die russische Bevölkerung gezeigt hat, daß sie die Juden als Vollbürger betrachtet. Nicht das russische Volk wünscht die Beschränkung und die Entrechtung der Juden. Es betrachtet sie als politisch ebenbürtig, paktiert mit ihnen. Wir haben verhältnismäßig viele jüdische Vertreter in der Duma. Petersburg und Wilna, Minsk und Witebsk, Grodno, Kostroma usw. haben Juden gewählt Man denke, Kostroma, eine echt russische Stadt, wo der jüdische Einfluß so minimal ist, hat ihre Vertretung einem jüdischen Abgeordneten übergeben. In Petersburg ist Rechtsanwalt Winawer nicht als Jude und nicht von Juden gewählt worden, sondern als einer der Führer der K.-D. Das einzige Parlament, wo Juden als Juden auftreten werden, das einzige Parlament, wo Zionisten vertreten sind. Und das kommt für uns jetzt in Betracht. Was werden die Zionisten in der Duma machen? Werden sie das zionistische Programm auf ihre Fahne schreiben? Wird ihre Politik den Zionismus einschließen? 2

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