Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 18 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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DIEÄELT No. 18 wäre es dem Untergang geweiht im langsamen aber sicheren Dahinsiechen. Für das Judentum, für die alte Kultur, die eine vieltausendjährige Geschichte geschaffen, bedürfen wir eines Landes, unseres Landes. Denn wenn es vielleicht wenigstens theoretisch denkbar, wenn auch tatsächlich nicht ausführbar wäre, daß in irgend einem andern Lande die Judenfrage zur Ruhe kommen könnte,; die Judentumsfrage kann nur in Palästina gelöst werden. Darum ist der Zionismus nicht nur die einzige Lösung der Judenfrage, sondern er ist die einzige Möglichkeit, das Judentum als Kultur, als Geistesgröße zu erhalten. Der zionistische Gedanke ist bereits Rückkehr zum Judentum. Aber nicht der Gedanke genügt, so wenig es dem Bildhauer genug wäre, seine Kunstwerke zu denken oder sie mit dem Meißel in die Luft einzugraben. Das wären luftige Bilder, von denen niemand befriedigt würde außer der Phantasie des Künstlers. Eine Volkskraft bedarf aber etwas Besseren als der bloßen Phantasie, als der dichterischen Ausgestaltung eines schönen Gedankens. Der Gedanke muß Wirklichkeit werden. Das Bild muß in Stein gehauen werden, damit es der Ewigkeit trotzen kann. Das Volk ist ein Plastiker, der seine Bilder nicht in die Luft haut. Um aber dem Gedanken greifbare Gestalt zu geben, hat sich diezionistische Partei gebildet, hat sie sich organisiert und ihre bedeutendste Leistung und ihre wichtigste Aufgabe außer dem Schöpfergedanken ist ihre Organisation und die, tatsächliche Leistung für diese Organisation. Das Fremdwort Organisation gibt aber vielleicht zu manchen Mißverständnissen Anlaß. Deshalb ist es besser, es einmal durch das verständlichere und nicht minder genaue Wort Zusammenschluß zu ersetzen. Die Grundlage aller Arbeit für das jüdische Volk im Sinne seiner Erhaltung ist der Zusammenschluß. Der besteht darin, daß wirzuerst einmal lernen müssen, der selbstgewollten und deshalb selbstgewählten'Leitung zu folgen. Der Zusammenschluß besteht ferner für uns darin, daß wir den Führern Gehorsam leisten und für unsere Führer, daß sie die Beschlüsse der Kongresse zur Ausführung bringen. Zusammenschluß bedeutet Unterordnung des einzelnen unter unsern Gesamtwillen, der in den Kongressen und in der vom Kongreß eingesetzten Leitung zum Ausdruck kommt. Zusammenschluß bedeutet endlich, daß niemand beiseite steht, der in Reih und Glied stehen sollte, und niemand Gewehr bei Fuß stellt, der imstande ist, die Waffe für das Volk zu führen. Wir schließen uns zusammen wie treue Brüder tun, um das Ziel des Zionismus zu erreichen. Zu diesem Marsche nach dem Ziele, das heute kein anderes ist, denn gestern und ehegestern, und das morgen und in alle Zeit dasselbe sein und bleiben wird, wie an dem Tage, wo wir zum erstenmal um Jerusalem Tränen der Trauer vergießen mußten, müssen wir unserer Leitung die Mittel geben, deren sie zur Führung des Zuges bedarf. Wenn Geld zu allen Dingen nütze ist, wenn es für jede Arbeit notwendig ist, wenn es nichts weiter ist als die Arbeit, die der einzelne mitleistet in der Gesamtarbeit, so ist Geld doppelt notwendig, wenn es sich um eine große Arbeit, um die Erreichung eines großen Volkszieles handelt. Wo gäbe es ein Heer und noch dazu ein Heer auf dem Marsche, das des Geldes entraten könnte? Und wir halten uns doch, müssen uns doch für ein Heer auf dem Marsche halten. Die Heereskosten, die bei jedem Volke aus den allgemeinen Steuern bestritten werden, aus Steuern, die direkt und durch Zölle aller Art eingehoben werden, die einen sehr großen Teil des Einkommens aller Volksangehörigen in Anspruch nehmen, können wir nur aus einer einfachen Kopfsteuer decken, die wir uns selbst auferlegt haben, die freilich durch die mosaische Gesetzgebung bereits die nationale Weihe, dieAVeihe der Geschichte hat. Der SchekeL ist die historisch: geweihte zionistische-Kopfsteuer, die jeder zu zahlen hat, der wie die mosaische Gesetzgebung sich ausdrückt ^U*p „zum Heere auszieht", d. h. jeder Jude, der sich mit auf dem Marsche befindet, den das zusammengeschlossene Heer der nach Jerusalem gerichteten Volkssäule der Juden einschlägt. Groß, hoch und heilig ist die Idee! Wir sind die letzten, die der Idee die Weihe nehmen wollen. Aber es gilt, die Idee in die Wirklichkeit umzusetzen. Wir dürfen nicht dem Plastiker gleichen, der seine Bilder in die Luft hauen will. Darum müssen wir nicht bloß Steuern unserer Leitung bewilligen, sondern sie auch zahlen. | _ Es ist von großer Bedeutung, daß das Aktionskomitee der Steuereinhebung, die nicht als unangenehme Last dem Volke galt, sondern als die soziale und nationale Pflicht, wie in alter Zeit die Weihe der feierlichen Handlung geben will. Eine Last kann die Steuer nur dort sein, wo sie ungerecht oder wo sie in ihrem Werte für das Volk und seinen Zusammenschluß nicht verstanden wird. Dieses Verstehen der Steuer ist bei uns noch viel wesentlicher und wichtiger als bei Völkern, bei denen infolge der staatlichen Organisation der Steuerzwang existiert. Darum ist die Vorbedingung der Schekelzahlung das Verständnis für ihre Notwendigkeit. Während aber in unsern Kreisen bereits die Notwendigkeit erkannt wird, noch einen besonderen Palästinaschekel neben dem Kongreßschekel uns freiwillig und darum eben obligatorisch aufzuerlegen, gibt es noch weite Kreise in unserem Stamme, die der Judenfrage gegenüberstehen mit jener verständnislosen Politik, die Lenau in seinem „Szeklerlandtag" so prächtig zeichnet. Ihnen das Verständnis für die Notwendigkeit der Schekelzahlung, d. h. die Notwendigkeit des zionistischen Zusammenschlusses für das jüdische Volk zu eröffnen, sind die Tage der feierlichen Schekeleinhebung im Mai von größtem Wert. Weil wir den Schekel nur annehmen von solchen Juden, die ausdrücklich das Baseler Programm mit keinem „Wenn" und keinem „Aber" anerkennen, darum ist die Einsetzung der Schekeltage von so großer Bedeutung für die Ausbreitung der zionistischen Bewegung. Wenn wir uns bestreben, einerseits möglichst viele Schekel einzuheben, anderseits keinen Schekel ohne das Bekenntnis zum Baseler Programm zu nehmen, so dient diese große Frühlingsmusterung unseres Heeres dazu, neue Zionisten in großem Maße zu werben, neue Kämpfer der Fahne zuzuführen und Rekruten zu werben für dasjüdische Volk auf dem Marsche. Es war ein schöner Gedanke, im Monat Mai die Schekeltage festzusetzen. Die Zeit zwischen dem Pessachfest, das die Geburtsstunde unseres Volkes feiert, da Israel aus Ägypten zog, das Volk Jakobs aus der Nation fremder Zunge, pvj Dn^DD-^fcOt^. iWt2 DJ7D.. DpJP" und dem Feste, wo wir die Schaffung der nationalen Kultur, der ethischen; Kultur des jüdischen