Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 18 (4.5.1906)
- Date
- 1906-05-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG KÖLN (Deutschland), UBIERRING 23 — ERSCHEINT JEDEN FREITAG — REDAKTION: BERTHOLD FEIWEL, A. CORALNIK X. JAHRG. KÖLN, 4. Mai 1906 piin1? frnn"« "t'nVd No. 18. SCHEKELTAGE (27., 28., 29. Mai 1906) Das Aktionskomitee der zionistischen Organisation hat die Anordnung getroffen, daß die Tage Sonntag, Montag, Dienstag, 27., 28., 29. Mai (Hagbalahtage) für die Zionisten der ganzen Welt als Schekeltage gelten sollen. An diesen Tagen haben alle Zionisten ihren Schekel zu entrichten und mit Einsetzung ihrer besten Kräfte dafür ui sorgen, daß die Sammlung der Schekel sich zu einer großartigen Kundgebung der Disziplin in unserer Organisation, >u einer machtvollen Manifestation des zionistischen Gedankens gestalte. Das Aktionskomitee erwartet, daß jedes Glied der Organisation seinen Stolz und seine ganze Energie darein setzen vird, die Schekejtage, die eine Kraftprobe unserer Bewegung darstellen, zu Ehrentagen des Zionismus zu machen. Die für die Schekeltage bestimmte Instruktion an die Landsmannschaften war in der vorigen Nummer der „Welt" veröffentlicht. m^^Am****^**m<*+ß'\m ^V^*"*«/*^» *4**+m0**mi*Wt DER JÜDISCHE MAI Von HEINRICH LOEWE Von Dornengestrüpp umfangen sitzt der Jude auf dem Lilienschen Bilde, das der Künstler zu Morris Rosenfelds „Jüdischem Mai" geschaffen hat. Schlangen züngeln um ihn empor und zischen ihm ins Antlitz. Er aber sieht nichts davon und merkt nicht auf das Otterngezücht. Denn in der Ferne gewahrt er die hohe Burg Zion, umflossen vom goldenen Strahl der lebenspendenden Maiensonne. Über Palmen und gewundene Blumenpfade schweift sein Blick zu einem glücklichen Jerusalem inmitten grünender und blühender Qärten, in einem blühenden und reichen Judenlande. Der jüdische Mai, der Tag, an dem die Frühlingssonne nicht bloß für die Menschheit, nein, erst einmal wieder für das zwei Jahrtausende lang geknechtete Volk aufgehen soll, muß kommen. Zwei Jahrtausende bitteren Leides haben wir um ihn gebangt, haben wir uns nach ihm gesehnt und haben wir ihm entgegengearbeitet. Der jüdische Mai muß kommen. Die Winternacht hielt unsern Volkskörper schon viel zu lange in ihrer eisigen Umklammerung, als daß wir uns jetzt nicht noch viel mehr, noch viel glühender nach der Maiensonne sehnen sollten. Aber wir haben inzwischen gelernt, daß die Lenzessonne, die allen andern Völkern Licht und Leben brachte, die in die Fenster aller Unterdrückten hineinleuchtet, noch lange nicht hoch genug gestiegen ist, um auch zugleich durch die schmalen Luken und Lücken in die finsteren Ghettomauern hineinzuleuchten, und es wird noch lange dauern, bis zu uns ein Strahl fallen und gelangen kann. Während die Völker von Befreiung und Freiheit träumen, während sie bereits Freiheitsfeste feiern, fließt das Blut unserer Märtyrer in breitem rotem Strome für die Freiheit — — — anderer. Denn wo noch immer Juden sich an den Kämpfen für Freiheit und Volkswohl beteiligt haben, sie selbst als Juden haben das Geringste von den Früchten ihres Kampfes geerntet. Denn der jüdische Mai ist nicht möglich im Galuth. Erst in unserm eigenen Lande wird es geschehen, daß der arme und gehetzte Jude leiblich und geistig ein Ruheplätzchen findet. Und er bedarf der geistigen Ruhe und Sammlung noch beinahe mehr denn der leiblichen Erfrischung und Auffrischung. So groß, so brennend, so unendlich drängend und dringend die Judennot ist, noch viel größer, unendlich viel drängender und dringender ist die Not des Judentums. Wenn die Juden ein eigenes Land haben müssen, wenn sie zur Lösung der Judenfrage für sich und die andern in Palästina ihre Heimat neugründen müssen, so bedarf das Judentum noch viel mehr der Heimat. Denn in der Fremde