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Die Welt · 1906-04-27 · 17 (27.4.1906) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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*mß& ä f m 10 DIE^aXE LT Wir haben einen Blick geworfen hinter die Kulissen des Antisemitismus. Was in Frankreich geschah und geschieht, wiederholt sich auch in allen Ländern. Überall sind die „Führer des Antisemitismus" Leute vom Schlage Guerins und Drumonts, dazu noch mit der plumpen geistigen Unbeholfenheit versehen, No. r ohne die Qeste, die dem Franzosen über so manche Klippe hinweghilft. Und auch in allen Ländern muf der Antisemitismus an dem Felsen der sozialen Bewegung scheitern. Aber der Resonanzboden ist zu stark. Unc „bis die Sonne aufgehen wird, wird der Tau die Augei ausfressen." — A. Coralnik BRIEF AUS JERUSALEM V m x t $■ \ Das Institut „Bezalel" ist schon eröffnet worden, und der Unterricht im Zeichnen und Malen hat bereits begonnen. Da es der Wunsch des Herrn Prof. Schatz ist, daß die Hauptsprache in dieser Anstalt die hebräische sei, so finden allabendlich für Schüler des „Bezalel" hebräische Sprachkurse statt, die auch von manchen angesehenen Herren und Damen, die niemals daran gedacht haben, die hebräische Sprache zu erlernen, besucht werden. So fördert der „Bezalel" erfreulicherweise auch die Verbreitung der hebräischen Sprache in Jerusalem. Den sephardischen Vorstehern ist es mittlerweile gelungen, ein Siechenheim zu eröffnen, das trotz der knapp bemessenen Mittel schon jetzt für viele arme und verlassene Greise eine Wohltat ist. Überhaupt tritt die sprichwörtliche Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit der sephardischen Juden immer mehr in das Reich der Sage zurück, und man muß heutzutage nicht nur dieEnergie der Sephardim, mit der sie notwendige Institute ins Leben rufen, bewundern, sondern auch den Geist der Pünktlichkeit und Ordnung mit dem sie sie leiten. So sind z. B. die sephardischen „Talmud-Thoraschulen in mancher Hinsicht weiter fortgeschritten als die unsrigen (die der deutschen und russischen Juden), denn während die Jugend in der Talmud- Thora der Aschkenazim ohne jede allgemeine Bildung bleibt und auch inder hebräischen Grammatik nur spärlichen Unterricht erhält, sind die Sephardim bemüht, ihre Kinder auch mit der allgemeinen Bildung ein wenig vertraut zu machen. Es wird dort außer dem hebräischen Unterricht auch die arabische und türkische Sprache gelehrt, und die Schule hat bisher erfreuliche Fortschritte aufzuweisen. In dieser Anstalt wird zwar großes Gewicht auf Reinlichkeit und Ordnung gelegt, leider befindet sie sich aber in einer der schmutzigsten und engsten Gassen, so daß für einen Fremden der Eintritt nicht sehr einladend ist. Noch eine andere sephardische Anstalt ist besonders hervorzuheben: Das Misgab-Ladach-Hospital, welches vor ungefähr 26 Jahren gegründet worden ist und jetzt unter der Leitung der angesehensten Männer der sephardischen Gemeinde steht. Dieses Krankenhaus muß in mancher Hinsicht als ein verdienstvolles und höchst notwendiges Institut bezeichnet werden. Leider befindet sich dieses Hospital gegenwärtig in einem sehr mißlichen pekuniären Zustande, da große Schulden auf ihm lasten und die Einnahmequellen erschöpft sind, weil die meisten Gelder jetzt nach Rußland zur Hilfeleistung für unsere Brüder verwendet werden. Dieses Hospital sollte aber nicht nur in seinem jetzigen Zustande erhalten, sondern bei der wachsenden Bevölkerungszahl und den mangelhaften sanitären Verhältnissen womöglich noch umgebaut und bedeutend vergrößert und namentlich, worauf ich in meinem letzten Berichte unter Erwähnung der von Herrn Kieferndorf für eine Reform der allgemeinen Krankenpflege unternommenen Schritte besonders hingewiesen habe, auch mit einem Stab gelernter Krankenpflegerinnen versehen werden. In der Nummer 6 der „Welt" habe ich über die Gründung eines Vereines „Kehilat Jakob" (und nicht Jischuw-Erez-Hakodesch) Mitteilung gemacht, dessen Bestreben dahin geht, die hiesige ungarische Jugend zu Bauern auf dem Boden Palästinas heranzuziehen. Ich freue mich jetzt, mitteilen zu können, daß der Ri des Vereins bei manchen unserer ungarischen Brüder Anklan gefunden und daß man schon die ersten Schritte zur Unterstützun dieses Vereines getan hat. Wie die ungarisch-jüdische Zeitun „Egyenlöseg" gerichtet, hat Herr Wolner, der voriges Jahr mit de jüdischen Karawane Palästina besucht hat, in der Stadt Szilagason lyon bei einer zu diesem Zwecke stattgefundenen Versammlui! eine Summe von 1483 Kr. zugunsten des obengenannten Ve eines gesammelt. Es soll eine Kolonie in der Nähe des Grabe Raheis errichtet und auf dem Grabe selbst eine große und prächtig Synagoge gebaut werden. Aber obwohl es eine schöne Idee ist, in der Nähe diese alten und uns teueren Denkmals eine jüdische Kolonie zu gründer wäre es doch nicht ratsam, sie in Erfüllung zu bringen, da diese Landstück unfruchtbar und die Kolonisation jedenfalls mit große Schwierigkeiten verbunden ist. Erstens ist nämlich der dortig Boden ganz wasserarm und besitzt keine einzige Quelle, in zweitens sind hier in der unmittelbaren Nähe Jerusalems d Lebensmittel sehr teuer. Ratsamer wäre es dagegen, in d Nähe von Haifa die geplante Kolonie zu errichten, da dort d Lebensmittel viel billiger als in Jerusalem sind und der Bode sehr wasserreich ist. Überdies ist Haifa als Hafenstadt, die jet auch eine bedeutsame Bahnverbindung nach dem Norden und de Osten erhalten hat, besonders qualifiziert. Übrigens ist es aue der Wunsch der Mitglieder des obengenannten Vereins, sich in d . Nähe von Haifa ansässig zu machen, und wir hoffen, daß bei d Ausführung des Planes ihm gebührend Rechnung getragen werde wird. Leider aber — das muß auch gesagt werden —, werde dieser guten Sache seitens der Vorsteher des ungarischen Kole! alle möglichen Hindernisse in den Weg gelegt. Wir wünschen im hoffen jedoch, daß unsere Brüder in Ungarn diese Hemmnis? beseitigen und über alle Intriguen siegen werden. Wann wird em' lieh auch die Jugend des deutschen Koleis dem Beispiele ihre ungarischen Stammesgenossen folgen und zur Einsicht kommen, d;i es höchste Zeit ist sich vom Bettelbrote der Chaluka frei / machen und lieber den Pflug und die Sense in die Hände / nehmen, um sich von der Hände Arbeit zu ernähren? Herr Ben Jehuda hat in seiner „Haschkafa" für die Gründui! eines großen Hotels in Jerusalem durch ein Konsortium oder ein Aktiengesellschaft plädiert, und wenn dieser Vorschlag Wirklichke werden sollte, so bekommen wir gewiß auch ein anständig' Theater, wie es einer Großstadt gebührt. Erfreulicherweise sin die ersten Schritte in dieser Hinsicht schon getan, indem d> hiesige Behörde eine Schauspielertruppe, aus Ägypten berief un am Abend des 26. März das Drama „Don Rodrigo" in arabische und wie hervorgehoben werden muß, wohlklingender literarische; Sprache aufführen ließ. Eine zweite griechische Schauspielergesell schaft läßt jetzt ein neues Theatergebäude bauen, das nach eine: Woche fertig sein wird. Dort werden Schauspiele, Pantomimen un¬ Stücke in türkischer und arabischer Sprache zur Aufführung ge langen. Bis jetzt betraten unsere Bühne, wenn man einem erhöhte: Podium in einem arabischen Kaffeehause diesen Namen geben dan

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