Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1906-04-27 · 17 (27.4.1906) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316186-3316204--48060-3342972
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wenn die Bewegung zugunsten des Schekels überall mit dem genügenden Nachdruck betrieben wird, dann müssen die Schekeltage eine glänzende Demonstration für unsern heiligen Gedanken werden, die die Organisation allerorten mit neuem Leben und neuer Kraft erfüllen wird. Um die Einheitlichkeit der Aktion, die zugleich eine Gewähr für ihre Wirkung ist, zu garantieren, müssen alle Föderationen sofort ohne Umschweife mit den erforderlichen Vorbereitungen beginnen. Die Arbeit muß so eingerichtet werden, daß alle Abrechnungen spätestens Ende Juni fertig sind. Die Vereine und Vertrauens männer sind demgemäß zu instruieren. Die Abführung der Gelder erfolgt wie immer an den Jewish Colonia Trust, London. DIE SCHEKELTAGE Mit kurzen, entschiedenen Worten gibt das Aktionskomitee die Parole aus, daß die Tage des 27., 28. und 29. Mai für die Zionisten aller Länder als Schekeltage zn gelten haben. Diese Kürze und Entschiedenheit ist ein Zeichen dafür, daß das Aktionskomitee Vertrauen hat in die Einsicht, die Reife und die Disziplin der Zionisten. Sie ist ein Zeichen dafür, daß das Aktionskomitee von der Uberzeugung durchdrungen ist, daß kein Aufwand von Rhetorik nötig ist, um den Zionisten ihre Pflicht zum Bewußtsein zu bringen. Diese Leistung muß das Aktionskomitee von uns verlangen — diese Leistung müssen wir bieten —, die kurze Ordre, die einfache Pflichterfüllung, das ist, was heute der Würde unserer Bewegung, dem Ernste der zionistischen Gefolgschaft angemessen ist. Wir haben heute keine Zeit mehr übrig für Wortverschwendung. Wir sind den Tagen entwachsen, wo sich die Begeisterung in Schwärmerei und Träumerei umsetzte. Unsere Begeisterung, die entschlossener zielbewußter Menschen, verlangt die Tat. Zehn Jahre schweren Ringens und Kämpfens sind nicht umsonst vorübergegangen. Unsere Uberzeugungstreue ist oft auf schwere Proben gestellt worden, im heißesten Feuer mußte sich unser Gedanke stählen, die Angriffe von außen, die Krisen im eigenen Lager haben uns zur harten Selbstzucht gedrängt. Wir mußten unerbittlich Kritik an unserer Idee, an uns selbst üben. Was nur so mitgelaufen war, was schwankte, was die Diamantprobe nicht vertrug, — das schied sich von selbst aus oder mußte ausgeschieden werden. Wer aber in den Stürmen von innen und außen in strenger Selbstprüfung treu und fest geblieben ist, der hat wohl erlernt, welcher Art die Sache ist, der er dient. Der weiß auch, was die Sache von ihm fordert, fordern muß. Und er weiß auch, daß er diese Forderungen zu erfüllen hat. Weil dem so ist und weil im Kampfe nicht nur die Energien nicht erlahmten, sondern der gesunde Kern unserer Bewegung sich immer mehr verdichtet und befestigt, die Palästinaliebe, die Tatbereitschaft sich in vielen glänzenden Beispielen in immer gesteigerter Kraft vor unseren Augen manifestiert, — darum hieße es, gegen den guten Geist unserer Bewegung sündigen, wollte man die Erfüllung einer zionistischen Pflicht, der ersten zionistischen Pflicht, wie sie die Zahlung des Schekels darstellt, erst in ihrer Notwendigkeit begründen, erst erklären, statt sie in einfacher Kürze zu fordern. Das Aktionskomitee erwartet, daß am 27., 28. und 29. Mai jeder Zionist seinen Schekel zahlt, jeder Zionist für den Schekel wirbt; das genügt, muß um der Ehre unserer Bewegung willen genügen. Neuartig aber ist für einen großen Teil der Organi sation die Zusammenlegung der Schekelzahlung au einen Zeitpunkt, die Einsetzung von drei Schekel tagen als einem allgemein verbindlichen Termin für dh Gesamtorganisation. Die Instruktion des Aktionskomitees gibt die Erklärung für den neueingeführten Modus Das bisher übliche System der Schekeleinhebung hat unter einem großen Mißstand gelitten. Die Einzahlung, wenn sie auch schließlich das mögliche Höchstergebnh brachte, schleppte sich durch das ganze Jahr, um dementsprechend wurden in beliebigen Zeitabschnitte) dem Aktionskomitee Teilbeträge zur Verfügung gestellt Das Aktionskomitee aber, dem der Kongreß bestimmte Ausgaben 'auferlegt, bestimmte Aufträge zuweist, is durch den unregelmäßigen Zufluß der nötigen Mitte oft in dem systematischen Aufbau seiner Aktionen be hindert gewesen und hat stocken und zögern müssen, wo ein rasches Vorwärtsschreiten nötig gewesen wäre Ist also schon darum die durch die Einführung de.^ Schekeltages herbeigeführte Verbesserung der finanzieller Grundlage begreiflich, so hat sich gerade jetzt die Not wendigkeit gesteigert, daß das Zentrum der Organisation rechtzeitig mit einem bestimmten und sicher verfügbarer: Budget rechnen kann. Mit dem Wachstum unserer Bewegung, mit der Erstarkung unserer ersten Institutionen, mit dem gesteigerten Interesse an speziell palästinensischen Unternehmungen haben sich die Wünsche nach ver schiedenfachem Ausbau der Organisation, neuen Einrichtungen, Kommissionen usw. gesteigert. So lebhaft jede Vergrößerung, jede Stärkung, jedes Unternehmen zu begrüßen ist, das uns einen Schritt vorwärts bringt, so muß man sich doch bei allen Projekten, wenn sie nicht ins Blaue verpuffen sollen, vor Augen halten, daß sie erst Leben gewinnen können, wenn das Zentrun' über genügende Fonds verfügt. Je mehr jetzt also unsere Organisation von dem Wunsche nach Arbeit, nacl Unternehmungen erfüllt ist, mit um so größerer Kraft muß sie sich dafür einsetzen, den finanziellen Grund, die Schekelsteuer, zu stärken. Die Schekeltage eröffnen hierfür die reichsten Möglichkeiten. Aber nicht nur für die Zahlung allein. Die Schekeltage sind auch Tage der Zählung. Sie stellen eine Heerschau unserer Bewegung dar. Und weil diese Heerschau vor aller Öffentlichkeit sich vollzieht, muß jeder seinen Stolz, seine ganze Kraft daransetzen, daß wir uns sehen lassen können als ein großes, starkes Heer von Kämpfern. „Die Zionisten, der Zionismus an die Front des Judentums!" — das ist die Losung für die Schekeltage. Es tut von Zeit zu Zeit not, die bequeme, leicht vergeßliche Öffentlichkeit aufzurütteln, ihr durch sinnenfällige Beweise Erkenntnisse beizubringen, denen sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.