Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 16 DIE30EE LT bargebiete gehoben hat. Die Bevölkerung von syrisch-kleinasiatischem Ursprung ist zu drei Vierteln christlich, — der Rest bekennt sich zum Islam. Die Einwohner sind liebenswürdigen und sehr friedlichen Charakters. Die griechische Sprache des christlichen Teils der Bevölkerung bringt gewisse griechische Aspirationen mit sich, die aber innerlich nicht sehr berechtigt und äußerlich absolut aussichtslos sind. Die Cyprioten sind orientalisch-konservativ in ihren Anschauungen und Arbeitsmethoden, so daß die Engländer in ihren Bemühungen zur Hebung des Landes bei der Bevölkerung wenig Beihilfe und Unterstützung finden. Klima, Bodenverhältnisse und Fruchtbarkeit sind derartige, daß Cypern zur Venetianerzeit (bis 1571) über eine Million Einwohner ernähren konnte. Heute hat das Land ca. 240 000 Einwohner und könnte bei einem Flächeninhalt von 9300 Quadratkilometer wohl 700 000 Menschen mehr ernähren. Selbstverständlich läßt sich eine derartige Änderung nicht von einem Tag auf den anderen bewirken, aber die dazu nötigen Verbesserungen, — das ist ja eben die mühevolle, langsame, zähe Tätigkeit, die das Wesen jeder Kolonisation ausmacht. Der Kulturzustand der Insel hält gegenwärtig meiner Ansicht nach gerade die Mitte zwischen Rückständigkeit und Entwickelung, die für den Beginn einer großzügigen jüdischen Kolonisation geeignet ist. . ." Zum Schlüsse des Artikels heißt es: „Cypern besitzt eine in Anbetracht seiner geringen Bevölkerungszahl nicht unbeträchtliche Landwirtschaft und andere Vorbedingungen für industrielle Unternehmungen; auch begünstigt die insulare Lage und die billige Lebenshaltung Industrien, die für den Export arbeiten können. Die Engländer haben in den letzten Jahren viel getan, um die Insel zu heben, doch ist anzunehmen, daß die mangelnde Energie der Bewohner für die Bemühungen der Regierung wenig Verständnis zeigen und deshalb zu einer Fortsetzung dieser Regierungstätigkeit nicht ermutigen wird. Um so mehr wird den Engländern eine jüdische Einwanderung, die natürlich in geordneter Weise vor sich gehen müßte, willkommen sein. Zu der oben erwähnten allgemeinen Geneigtheit der englischen Regierung ist hier noch einiges Spezielle zu sagen, um zu zeigen, wie wenig die Sache „in der Luft schwebt". Die Regierung hat ihre Hauptanstrengungen im Distrikt von Famagusta im Osten der Insel gemacht. Hier liegen die Staudämme von Kouklia, Asheritou und Trikomo, mittels deren Tausende von Acres künstlich bewässert werden können aber die Bevölkerung hat in den fünf Jahren seit Errichtung der Stauwerke kaum das geringste getan, um sich diesen Segen zunutze zu machen, und die Regierung bietet die bewässerten Ländereien zum Kaufe an, ohne einen Käufer zu finden. Dabei ist das Land für Baumwollkultur geeignet und kostet nur den fünfzehnten bis zwanzigsten Teil des Preises für gleich gutes Land in Ägypten! Ferner haben die Engländer den alten Hafen von Famagusta derart wiederhergestellt, daß er heute schon größer ist als der Hafen von Beirut. Der Hafen ist zwar erst wenige Monate dem Verkehr freigegeben, aber schon jetzt läßt sich sagen, daß die Cyprioten wenig tun werden, um hier' den guten Intentionen ihrer Regierung nachzukommen. Famagusta, die wegen ihres Reichtums und ihrer Pracht altgerühmte Stadt, hat kaum 900 türkische Einwohner (die südliche Vorstadt-Varosia zählt 2600 Christen) und wird sich ohne Einwanderung kaum sehr wesentlich entwickeln, trotzdem von diesem Monat ab auch eine Eisenbahn — die erste im Lande — diesen Hafen mit Nicosia, der Hauptstadt im Innern der Insel, verbindet. So wie alles für Cypern spricht, so spricht auch alles für den Beginn der jüdischen Kolonisationstätigkeit in diesem Distrikt von Famagusta. Dort wird uns die Regierung am liebsten sehen und entsprechend am ausgiebigsten unterstützen. Der Famagusta-Distrikt hat auch den größten Prozentsatz von Mohammedanern, das fruchtbarste Land und noch mancherlei andere Vorteile für den vorliegenden Fall." Die älteste Judengemeinde der Welt. Im „Pester Lloyd" lesen „Der englische Forschungsreisende Bainbridge teilt soeben über einen von ihm der ältesten Judengemeinde der Welt abgestatteten Besuch folgende interessante Einzelheiten mit. Gelegentlich einer kürzlich unternommenen Reise in China fand der Engländer, der in chinesischer Verkleidung mit einer Eskorte reiste, in Kai-Fong-Fu an der Vereinigung des alten und neuen Laufes des Gelben Flusses, 350 Meilen südlich von Peking, eine jener, man kann wohl sagen vorgeschichtlichen Judengemeinden, deren Vorhandensein in China schon von älteren Forschern als zweifellos angenommen wurde. Mr. Bainbridge erzählt nun, daß die von ihm aufgefundene uralte, vermutlich schon 700 Jahre vor Christi Geburt in China eingewanderte Judengemeinde vollkommen gesondert in der Mitte der chinesischen Bevölkerung lebt und in ihrer Synagoge nach einem ganz eigenen Rituale den Gottesdienst geheim abhält. Vor kurzem hat eine durch die Veränderungen im Laufe des Gelben Flusses hervorgerufene Überschwemmung den Tempel dieser Gemeinde zerstört, und der englische Forscher wurde von den Vorständen der Kongregation beauftragt, bei den Stammesgenossen in Europa für den Wiederaufbau des Gotteshauses im Innersten Chinas Propaganda zu machen. Der Reisende hat Abschriften der Epitaphe mitgebracht, die er auf den Grabsteinen des ältesten aller jüdischen Friedhöfe fand. Aus dem Vorhandensein vieler altpersischer Wortelemente in der Sprache dieser Gemeinde wird geschlossen, daß ihre Vorfahren etwa 700 Jahre v. Chr. von den Persern in Gefangenschaft geführt wurden und später den Weg nach Ostasien gefunden haben, auf der alten transasiatischen Karawanenroute, den Oxus entlang, über den Pamir, am Rande der Großen Wüste hin zum Gelben Meere. Ein anderer englischer Forscher, der eine zweite dieser interessanten Judengemeinden fand, die von Christus überhaupt nichts wußte, berichtet über die ins Chinesische übertragenen biblischen Namen im Pentateuch dieser Juden. Abraham figuriert hier als Awoo-Lo-hau, Moses als May-she und Ezra als Ye-Tße-la." KORRESPONDENZEN Wir erhalten folgende Zuschrift: Liverpool, 8 Water Street, 10. April 1906. Sehr geehrter Herr Redakteur! Unsere Aufmerksamkeit ist auf eine in Ihrer Nummer vom 16. März erschienene Notiz, die der Zeitschrift „Export, Organ der Zentralvereinigung für Handelsgeographie" entnommen war, gelenkt worden, worin die angeblichen Erfahrungen, die ein Zwischendeckpassagier während der Überfahrt von Liverpool nach New York auf dem Cunard-Darnpfer „Lucania" im August 1905 gemacht hat, geschildert werden. Die in Frage kommenden Behauptungen sind voll von Willkürlichkeiten und boshaften Entstellungen. Wir wenden uns an den Herausgeber der Zeitschrift, der die Notiz entnommen ist, mit der Frage nach dem Namen des Korrespondenten, um dadurch Gelegenheit zu haben, uns mit ihm auseinanderzusetzen. Wir möchten Sie bitten, diesen Brief zur Veröffentlichung zu bringen. Hochachtungsvoll The Cunard Steamship Company Limited. Der Generalmanager.