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Die Welt · 1906-04-20 · 16 (20.4.1906) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
16 (20.4.1906)
Date
1906-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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von der Hamburg-Arnerika-Linie eingereicht haben. Die Matrosen .haben auf der letzten Reise in brutalster Weise jüdische Männer, Frauen und Kinder geschlagen. Der Kapitän und die Mannschaft leugnen diese Mißhandlungen. Sie erklären, daß die U)0 jüdischen Flüchtlinge in einem hysterischen Zustand sich 'befanden, daß sie sich den Vorschriften widersetzten und daß ihnen weiter nichts geschehen sei, als daß sie während einen Sturmes lach einem sichern Ort „gedrängt" worden sind. Die Aussagen ■ler Passagiere lauten anders. So sagt ein gewisser Schmul Alken ius, daß er am dritten Tage der Reise nach dem Zwischendeck »eschleppt wurde. Dort schlug man ihn geradezu nieder und hieb . uf ihn ein mit langen Lederriemen. Als er fragte, warum er gechlagen würde, antwortete man ihm: Man würde jeden Juden an >ord schlagen. „Man hätte euch alle in Kischinew totschlagen ollen." Ein anderer Passagier, Eisak Less, sagte aus, daß seine :rau mit dem ledernen Ende der Taue geschlagen worden sei. Jedesmal, wenn wir den Versuch machten, fröhlicher zu sein nd das Elend zu vergessen, das wir hinter uns gelassen", agte Less, „kam irgendein Matrose und machte unserer Freude lit einem Ledertau ein Ende, das eben so schlimm war wie die aiute unserer russischen Verfolger. Meine Frau wurde geschlagen, ährend ich sie nicht beschützen konnte." Frau Lina Levin und ir Mann Jakob geben an: „Während eines Sturmes wurden wir isatnmengepfercht wie Schafe. Ich war erst in der vorderen 'eine und wurde roh zurückgestoßen und geschleudert, während Ii mein zweijähriges Kind in den Armen trug. Als ich nicht schnell ■nug zurück konnte, weil ich krank war, gab mir ein Matrose;ien Stoß und schlug mich zu Boden. Als ich eines Tages eine cppe hinuntergehen wollte, gab mir einer der Matrosen einen Stoß, f.» ich der Länge nach auf das untere Verdeck fiel." Für die innere Wahrheit dieser Erzählungen spricht der Ton. I is sind dieselben Redewendungen, wie sie den jüdischen i iiiigranten an allen deutschen Grenzstationen entgengeschleudert werden. Das sind sanitäre Institutionen, die i enzstationen, die Aufsichtsbehörden. Schläge und Schinipfworte heinen in gewissen deutschen und preußischen Kreisen als sanitäre uiüregeln für die russischen Juden angesehen zu werden. Und die ufsichtsbehörden? — Sie rühren sich nicht. Die jüdischen Or-;inisationen? — Sie „verhandeln" mit den Schiffahrtsgesellschaften, nd die öffentliche Meinung? . . . Ach, es handelt sich doch ir um russische Juden. . . . Kosakensäbel gibt, um eine widerspenstige Duma auseinanderzujagen. Herr Mendelssohn mußte leider die russische Anleihe fallen lassen. Nicht seine Schuld war es. Es war ein Wink von oben, — aus Berlin. Sei es aus Rache für Algeciras, sei es aus anderen politischen Gründen. — Aber „Prozent, Prozent!", — und Juden traten wieder in die Bresche. Die französischen Bankiers, die österreichischen, die englischen und amerikanischen haben diese „Kulturaufgabe" übernommen. Ob an dem französisch-englisch-amerikanischen Syndikat auch unsere verehrten Glaubensgenossen, das Syndikat des „Credit Lyonnais", und die jüdischen Börsenjobber der angelsächsischen Länder beteiligt sind, ist noch nicht bekannt, obwohl die Tatsache mehr als selbstverständlich ist. Aber in Österreich haben wir Namen. Wer ist der Vertreter der russischen Anleihe in Wien? Herr Taussig natürlich! Wien, — 24 Stunden entfernt von der russischen Grenze, sozusagen Augenzeuge aller Greuel der rassischen Regierung. Wien, — der Sitz des österreichischen Antisemitismus. Aber was kümmert's Herrn Taussig! „Prozent Prozent!" — Und mag auch die ganze Welt zugrunde gehen! Vor kurzem hat Gorki einen flammenden Aufruf an das westeuropäische Publikum erlassen: „Stützet nicht die russische Regierung!" Und er sagte unter anderem: „Gebt der russischen Regierung keinen Pfennig! Sie hat keine Verbindung mit dem Volke, Millionen von Herzen haben sie bereits zur Vernichtung verdammt. Seit fast dreihundert Jahren hat sie das russische Volk in wilder Unwissenheit gehalten. Selbst aus der Religion schuf diese barbarische Regierung ein Mittel zur Verfolgung aller in Rußland lebenden Völker, einen Knüttel zur Ausrottung von Andersgläubigen. Begreifen wohl die jüdischen Bankiers Europas, daß sie Rußland Geld geben zur Organisation von Judenhetzen? Wenn sie es begreifen, dann kommt ihr Verbrechen nur ihrer Habsucht gleich, und die Geschichte wird ihnen in der Zukunft die verdiente Vergeltung nicht schuldig bleiben." Geldjude, — hörst du den Ruf des freien Edelmenschen, des Kämpfers? Ein Nichtjude, ein Russe, ein freier Mensch warnt dich. Er kennt sein Land, er weiß, wer an der Spitze Rußlands steht. Der Geldjude ist taub. Er hört nur „Prozent, Prozent!" — Die Stimme des Gewissens schlägt nicht an sein Ohr. Wohlan denn, — das Blut des jüdischen Volkes, das zweifellos fließen wird, nachdem die Herren Taussig & Co. der russischen Regierung Geld gegen den Willen des Volkes gegeben haben, möge auf ihr Haupt fallen i Vozent Prozent!! ^an ha* §eketen' man nai gefleht, gedroht, ' — nichts hat geholfen. Nach den entsetzchen Oktoberpogromen, als die russische entmenschte Reaktion, er „weiße Terror" von oben, seine furchtbaren Orgien feierte, — a hat sich die Judenheit in aller Welt, ja die Menschheit erhoben nid händeringend den jüdischen Bankiers zugerufen: „Stützt nicht He russische Regierung mit eurem Gelde! Stärkt nicht die Blutumde von Kischinew und Odessa und Moskau und Tomsk! Denkt laran, daß in euren Händen das Schicksal eines ganzen Landes 'iegt, unzähliger Menschen!" Man hat gebeten, man hat gefleht, gedroht, — vergebens. Der Moloch des Kapitalismus, der gierige Bankier kennt kein Mitleid, kennt keine menschlichen Rücksichten. ■ Prozent, Prozent!" — das sind die einzigen Klänge, die seinem Ohre wohltun! Herr Mendelssohn ist nach Petersburg gefahren, um mit der russischen Regierung, mit der Regierung des unmenschlichen Durnowo, des ränkespinnenden Witte, auf denen der Fluch des Landes ruht, wegen der Anleihe zu unterhandeln. Alle russischen liberalen Zeitungen, alle russischen Männer, in denen ein Fünkchen von Gewissen noch glimmt, haben gegen die abzuschließende Anleihe protestiert. Die mächtigste Partei im Lande, die Konstitutionell- Demokraten, haben gedroht, die Anleihe nach dem Zusammentritt der Duma nicht zu sanktionieren. Der jüdische Bankier schmunzelte, - er weiß ja, daß es Gott sei Dank noch Knuten und Geschütze und Ostern. Wie alljährlich geht durch die Presse, ehe sie ihre feierlichen Friedensbetrachtungen anhebt, in idyllischen Osterstimmungen sich ergeht, das Ritualmordmärchen. In Österreich, in Deutschland, in Rußland . . . überall zischelt es aus den dunklen Gründen: verschwundene Mädchen, mysteriöse Kisten . . Lächerlicher, blöder Wahnsinn, der sich trotz alledem immer erneut mit dem Erwachen des Frühlings. Und wir danken noch Gott, wenn rechtzeitig der Funke erstickt wird, ehe ihn der blindwütige Haß zur Flamme schürt. Es klingt wie Hohn, daß man in diesen sogenannten zivilisierten Zeiten „mit Genugtuung feststellt", daß in Westeuropa trotz einiger plumper Hetzversuche die Ostern ohne Judenkrawalle vorübergegangen sind. . . Rußland steht noch vor den Ostern. Was werden sie bringen? Die russische Regierung bemüht sich, Westeuropa davon zu überzeugen, daß sie „alle Vorbeugungsmaßregeln" gegen eventuelle Pogrome getroffen hat. Die offiziöse Petersburger Telegraphen-Agentur unterläßt es nicht, die von überall her, von Odessa, Jekaterinoslaw, Kiew usw. drohenden Gefahren der Pogrome prompt zu melden. Einstweilen soll Durnowo Pogrome verboten haben. Aber ein hebräisches Sprichwort sagt: „Der Mund, der verboten hat, kann auch gestatten." — und von Durnowo läßt sich alles erwarten. . . Wer wird ihm entgegentreten? Etwa Westeuropa? Die Anleihe ist ja abgeschlossen - dank jüdischen Kultusvorstehern. Etwa die russische Intelligenz?

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