Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 10 (1906)
- Issue
- 15 (13.4.1906)
- Date
- 1906-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Xo. 15 DIEl^ELT 3 Die Freunde verdammen In kränkender Weise Die Sehnsucht voll Flammen, Das Ziel meiner Reise. * Doch bringt mich zum Wanken Wohl nimmer ihr Schmollen, Ihr Hadern und Zanken, Ihr Schelten und Grollen. O töricht Verlangen, Daß ihnen ich lausche! Sie sind ja befangen In irdischem Rausche. Sie bieten mir Würden Im Dienste der Fürsten, Nach irdischen Zierden War nimmer mein Dürsten. Wer hat je gefunden Ein glückliches Ende Als Vogel, gebunden Durch mutwiirge Hände! * Hier dunkelt der Morgen Trotz sonnigem Strahle, — Und Gift ist und Sorgen Der Wein im Pokale. Drum treu bleib' ich Gotte, Nie Diener der Erde, Trotz beißendem Spotte, Trotz Druck und Beschwerde. * An heiliger Stätte Da such' ich Versöhnung, Ein Kranker im Bette Der Sündengewöhnung. * Dort schlummern versunken Die Tafeln der Lade, Dort schlürf ich dann trunken Den Kelch deiner Gnade. Ha, Sinai, mein Denken! Abarim, mein Sinnen! Wie Funken sich senken Die Tränen und rinnen. * In Heimatgefilden Erstehen die Toten, Geweckt von so milden Und himmlischen Boten. * Kann Wundern dort lauschen An jeglicher Stelle, Kann hören das Rauschen Prophetischer Quelle. Drum trag' ich die Lasten Beschwerlicher Bahnen, Will selig einst rasten Im Grabe der Ahnen. — O trage mich, Welle, Gleich Vögeln im Zuge, Nur schnelle, nur schnelle, Nach Zion im Fluge! O möchtest du borgen, Mein Schifflein, die Schwingen Vom Lichte des Morgen Und vorwärts mich bringen! 1*