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Die Welt · 1906-04-13 · 15 (13.4.1906) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
15 (13.4.1906)
Date
1906-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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GRUSS AN ZION Von JEHUDA HALEVY, übersetzt von S. HELLER jTVenkst, Zion, du der armen Kinder nicht, **-^Des kargen Rests, der nur von Zion spricht? Von Ost, West, Nord und Süd, von überall, Wie drängen sich die Sehnsuchtsgrüße dicht! Mein Gruß auch, Tränen, reich wie Hermons Tau, — O weint' ich sie in deiner Berge Sicht. Mich, Schakal deines Leids, macht Hoffnungstraum Zur HarP im ew'gen Jubelfestgedicht. Wie seufz' ich, anzusehen jeden Ort, Wo deinen Reinen ward ein Gottgesicht! Dort war er nahe dir, der Gnadenthron, Dein Tor dem Himmelstor im Angesicht. Und Stern und Sonn' und Mond, — was waren sie, Da Gott allein dir Licht und Zuversicht? Die Seel' ergöss' ich, wo sich Gottes Geist Ergoß auf die Erwählten, groß und schlicht. Du Königssitz, du-Gottesburg, und wiegt In deinem Herscherstuhl sich jetzt ein Wicht? O schweift' ich dort, wo einst von Sehern klang Der Gottesoffenbarungen Bericht! Zu deiner Berge Klüften flog' ich hin Mit einem Herzen, das, zerklüftet, bricht. Den Boden küßt' ich, herzte jeden Stein, Drückt' in den Staub mein glühend Angesicht. Und übt' ich auf der Väter Grüften erst, Auf Hebrons Gräbern fromm der Andacht Pflicht, Den Wald durchzog' ich, Karmel, Abarim, Verklärt von der Erinn'rung Zauberlicht, Hör, Abarim, wo einst das Lichterpaar, Wo ihr, ihr teuren Lehrer, ach, erblicht. O Leben ist die Luft, die dich umwallt, Die Ströme Seim, Gewürz des Staubes Schicht! Barfuß auf deinen Trümmern wallt' ich gern, Da Tempelschimmer aus den Trümmern bricht, Wo Cherubim im AJlerheiligsten, Die Lade, die zum Heil uns jetzt gebricht. Fort, Glanz, und Fluch dir, Zeit, stets zu entweihn Geweihtes in der Fremde Land erpicht! Seh' ich von Hunden deine Leu'n geschleift, O wie es tief mir in die Seele sticht! Und hacken Raben deine Adler tot, Auf Speis' und Trank und Sein tu' ich Verzicht. Genug, du Leidenskelch, du Bitternis, Die ihr ins Mark mit Gallengift mir schlicht. Denk' Ohlahs ich und Ohlibahs, dann ist Vollendet meines Elends Unterricht! Du, schönes Zion, knüpfst der Liebe Band, Das deine Leidgenossen all' umflicht. Sie freut dein Glück, und sie durchzuckt der Schmerz, Wenn deine letzte Kraft zusammenbricht. Gefangen, bücken sie voll Sehnsucht sich Vorm Osten, wo einst stand dein Tempel licht. Ihr Herden, nie vergaßt die Hund' ihr doch, Wo ihr zerstreut die Berge rings durchstricht. Sie fassen deinen Saum, sie streben hin, Wo in den Äther deine Palme sticht. Was hätten Nil und Euphrat Großes auch? Was hätt' ihr Wahn, das Urims Kraft entspricht? Gesalbte, Dichter, Priester und Pro.phet, — Was hätte neben diesen noch Gewicht? O, deine Kronen wahren ew'gen Glanz, Denn über Götzen flammt einst das Gericht. Nach dir sehnt sich selbst Gott, — Heil Menschen euch, Die nimmer ihr aus Zions Nähe wicht. Heil ihm, der noch erharrt, erlebt die Zeit, Wo sich durch Nacht dein Morgen strahlend ficht; Wenn die Erlesnen jauchzen auf vor Lust, Der Jugend Goldkranz dir ins Haar sich flicht. ABSCHIED \V7enn Herzen sich ketten An Adler in Lüften, Sie sollten sich betten Bei Leichen in Grüften? « Drum wrend' ich den Rücken Dir, Spanien, für immer, Es sucht mein Entzücken Jerusalems Trümmer. * Dein wonnigstes Leben, Ich hass' es im Grolle; Mich ziehet mein Streben Zur Vaterlandsscholle. * Wie brennt mein Verlangen, Die Heimat zu grüßen, Mit glühenden Wangen Den Staub dort zu küssen! Von JEHUDA HALEVY, übersetzt von S. HELLER Ja, Freundschaft mir dünket, Selbst Liebe nur Grauen, Der Wanderstab winket, Die Heimat zu schauen. * Ich pilgre zum Meere, Zur Öde voll Grausen, Wo blutige Heere Von Raubtieren hausen. * Mir scheinen Hyänen, Die Menschenblut saugen, Gleich Jungfrauen, schönen, In Bräutigams Augen. # Es rufen die Eulen, Es krächzen die Geier, Die Wölfe, sie heulen, — Mir tönt es als Leier. Die Löwen sich recken Und brüllen entsetzlich, — Mir schallt es wie Blöken Der Herden ergötzlich. * Die Glut in der Wüste Voll Schmerzen und Tränen, Mein wonnig Gelüste, — Mein heißestes Sehnen. * Trotz Tiefen und Höhen, Trotz wachsendem Leide Muß Zion ich sehen, Getreu meinem Eide! * Mich leitet Ägypten Ins Land der Propheten, Auf Gräbern, geliebten, In Andacht zu beten.

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