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Die Welt · 1906-04-06 · 14 (6.4.1906) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
10 (1906)
Issue
14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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„Ich will euch sammeln einen nach dem andern!" „Wann schlägt die Stunde? Wann endet unsere Buße?" „Wenn Israel nur Zions Steine liebt Und wehmutsvoll nur seines Staubes denkt!" „Denn das ist das Geschlecht, das nach ihm fraget, Das zu Jerusalem sagt: Sei bewohnt! Zu Judas Städten: Seid gebaut von neuem!" (Während dieser Worte Aboabs winken ihm die Anhänger Abarb an eis begeistert mit den Händen zu, während Montalto und Bar-Elisa sowie ihre Umgebung mimisch ihr Erstaunen und ihre Mißbilligung kundgeben.) Cendor: Er ist mit uns! \ Er ist mit uns! Stimmen in seiner Umgebung: ( Der ed]e Zadoc, Bar-Elisa (zu Aboab): Ihr seid im Irrtum! CendOr (Bar-Elisa erwidernd): Nein! Bar-Elisa: Ihr deutet falsch! Montalto (zu Aboab;: Ihr galtet stets als Spanier! Aboab: Ich liebe Spanien, aber mehr als Spanien Zion. — Ich hörte es von meinem Lehrer, Dem Rabbi Jochanan, und der vernahm es Von seinem Lehrer, dieser von dem seinen, Und so zurück bis auf die Heldenmänner, Die einst am neunten Ab um Zion kämpften Und dann, vertrieben, bis hierher gewandert: „Dies Land, und wohnt ihr tausend Jahre hier, Zweitausend Jahre selbst, ist ein Exil! Ihr seid hier Gäste! Liebt es treu, doch wisset. Es kommt der Tag, wo ihr es lassen müßt. Vergeßt ob Edom nicht Jerusalem!" Der Tag ist da! Seht ihr nicht Gottes Fügung? Am neunten Ab, wo Gott einst Zion schlug, Wird, wenn ihr Mut habt, Zion neu ersteht!! ■Jeildor Und Seine Umgebung (innringen jubelnd Aboab und fuhren ihn zu Abarbanei): Kommt zu uns! Führt uns, Rabbi Aboab! Bar-Elisa: Es ist nicht unser Tag! Wo sind die Zeichen? Wo ist Meschiach? .Montalto: So ist die Einheit hin! Denn wir verlassen unsere Fahne nicht. So treu wir unserm Glauben sind, wir bleiben Auch Spanien treu, selbst wenn wir heute gehn! Stimmen in seiner Umgebung: Für ewig! Montalto: Es gibt hier keinen Judenhaß! Wir lassen uns nicht foppen! Unser König Hängt an uns, ihr habt es selbst gehört! Cendor und seine Umgebung: Ha! Ha! Montalto: Er ist umgarnt von Priestern! Doch wie lang, Kann dies noch währen? Wie kann Spanien Sich ohne uns behelfen? Der König muß, Er muß uns übers Jahr zurückberufen! Stimmen (in seiner Umgebung): So ist's! Cendor und seine Umgebung: Ja, wartet nur! Montalto: Drum müssen wir uns heute trennen. Wer Spanier bleiben will, der trete links. Wer Zion vorzieht, rechts. Abarbanei und Aboab: Es sei! Montalto: Wir wollen sehn, Mit wem das Volk geht. Dieses Gotteshaus Verlassen wir nach links und ihr nach rechts. Geschieden seien fürder unsere Wege! Abarbanei und Aboab: Es sei! MontaltO (zu den Versammelten): Zll mir! Abarbanei: Zieht hin in ew'ge Sklaverei! CendOr (höhnisch mit der Holzkhippe winkend): Nach links! Abarbanei: Wer Zion und die Freiheit liebt Ceildor (schwingt begeistert die Holzklappe): Nach rechts! (Die Gruppen beginnen sich zu scheiden. Bar-Elisa und seine Umgebung treten nach links. Es entsteht ein leerer Raum in der Mitte. Die Gruppe links ist bedeutend zahlreicher als die rechts.) Stimmen (in Montai tos rniffebunw): Ha! Ha! Da seht die Retter Zions! Kaum ein Häuflein! Cendor: Sind wir auch zahlreich nicht, wir sind die Rechten! (In der Gruppe Mo 11 taltos entsteht eine Bewegung. Raphael Montalto, der nach rechts hinübergehen will, wird von seinen Brüdern auf den Stufen der Erhöhung zurückgehalten.) Die Brüder Raphaels: Was tust du? Bist du toll! Zurück! Stimmen (in Abm-baneis. vnv^\mmj:r. Seht! Seht! CendOr (triumphierend;: MoiltaltOS Sohll! Raphael: Nein! Laßt mich! (Entwindet .sich seinen P.nirtern und tritt in die Mitte;. Mein Vater, zürne nicht, ich mul.)! Und mögen Wir den Abarbanels mit Recht auch grollen, - Wie groß die Feindschaft war, die hier uns schied: Was er gesagt, das sprach ein Mann! Ich fühle Wie er! Montalto (kalt): Fahr' hin! Ich habe andere Söhne! Raphael: Vergessen sei der Streit! -wendet sich Abarbanei zu>. Abarbanei (streckt ihm beide Arme entgegen): Komm, Heldenjüngling, Bruder! Raphael (reicht A b;i rbanel die Hand): Kehrt unser Volk zurück ins heil'ge Land, Dann gehen Freund und Gegner Hand in Hand! (Abarbanei und Raphael gehen, von ihren Anhängeur gefolgt, raschen Schrittes rechts ab.! REVUE DER PRESSE Die Wahlreform in Galizien. fAust einem Artikel der »Frankfurter Zeitung4.': „Galizien und der Polenklub" entnehmen wir folgende Stellen: „Der österreichische Polenklub ist auf der Basis der unbedingten Solidarität seiner Mitglieder gegenüber den Beschlüssen der Mehrheit aufgebaut. Dies bildete seine größte Kraft, und nur diesem Unistande hatte er es zu verdanken, daß er von jeder Regierung begünstigt wurde und schlechthin als staatsrettendes Element betrachtet wurde. Daß die Mitglieder des Polenklubs, die in ihrer großen Mehrheit sich aus der Sehl acht a rekrutieren, diese Macht meistens für egoistische Klasseninteressen verwendeten, ist eine Sache für sich. Die polnische Schlachta, die den Stadthalter von Galizien aus ihrer Mitte wählt, die sämtliche Bezirkshauptmannsposten mit ihren Familienmitgliedern besetzt, und auch sonst unumschränkt im Lande regiert, benutzte ihren Einfluß, um unter ihren eigenen Volksgenossen jede freiheitliche Bewegung rücksichtslos zu unterdrücken, den allgemeinen Volks unter rieht, so weit es ging, zu verhindern, die Ruthenen brutal in ihrer Entwicklung zu unterbinden, die Juden zu rechtlosen Heloten und Wahlschwindlern zu degradieren. Die österreichische Regierung schaute bei alledem durch die Finger, um die „Autonomie" der Schlachta nicht zu stören, und deckte - mit ihrer Autorität alles, was die Schlachta sich im Lande zuschulden kommen ließ. Eine mächtige, nicht wieder gutzumachende Bresche wurde in die Solidarität durch die Erörterung der Wahlreform geschlagen. ... Es ist im Hinblick auf die bevorstehende Neugestaltung des österreichischen Staates von Interesse, festzustellen, Welche Elemente aus Galizien in ein aus allgemeinen, gleichen Wahlen hervorgegangenes Parlament wohl einziehen werden. Vor allem dürften die Ruthenen, die trotz einer Bevölkerungszahl von über 3 Millionen nur 6 Mandate inne hatten, auf ungefähr

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